Energiekosten senken endet nicht beim Einkauf. Im eigenen Netz entstehen Verluste durch Spannungsschwankungen, Blindleistung, Lastverteilung und Oberschwingungen.
Manuel Rust, ESS Modern Manuel Rust, ESS Modern
Mit Optimierungen im eigenen Netz lassen sich Energiekosten einsparen.Lazy_Bear - stock.adobe.com
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Summary: ESS Modern zeigt, wie Industrie- und Gewerbebetriebe Energiekosten senken können, ohne den Energieeinkauf zu verändern. Der Hebel liegt im eigenen elektrischen Netz, wo Verluste durch technische Effekte entstehen. Eine Netzoptimierung kann Kosten reduzieren, Betriebssicherheit erhöhen und elektrische Betriebsmittel entlasten.
Der
Energieeinkauf zählt seit jeher zu den zentralen Aufgaben in Industrie- und
Gewerbebetrieben. Professionell aufgestellte Einkaufsabteilungen verhandeln
Strompreise, sichern langfristige Lieferverträge und reagieren flexibel auf
Marktentwicklungen. In vielen Unternehmen ist dieser Bereich entsprechend
optimiert und dennoch bleibt ein wesentlicher Kostenfaktor häufig unbeachtet:
die Effizienz der tatsächlichen Energienutzung im eigenen Netz.
Denn
unabhängig davon, wie gut der Strompreis verhandelt wurde, entscheidet sich
erst im Betrieb, wie viel der eingekauften Energie tatsächlich produktiv
genutzt wird. Elektrische Verluste entstehen nicht auf dem Papier, sondern
physikalisch im System selbst. Spannungsschwankungen, Blindleistung,
unsymmetrische Lastverteilungen oder Oberschwingungen führen dazu, dass ein
Teil der Energie nicht in Wertschöpfung umgesetzt wird. Diese Effekte sind
kontinuierlich vorhanden, werden jedoch weder im Einkauf noch auf der
Stromrechnung sichtbar.
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Ein unterschätzter Hebel mit hoher Wirkung
Die
Größenordnung dieses bislang oft unterschätzten Hebels zeigt sich in der Praxis
deutlich. Je nach Branche und Zustand der elektrischen Infrastruktur können die
Einsparpotenziale erheblich sein. Selbst bei moderner Anlagentechnik sind
zweistellige prozentuale Verbesserungen möglich, während in älteren Umgebungen
noch deutlich höhere Effizienzverluste auftreten können. Damit entsteht eine
Situation, in der Unternehmen ihren Energiepreis bereits optimiert haben –
gleichzeitig aber weiterhin einen relevanten Anteil der eingekauften Energie
ungenutzt lassen.
Praxisbeispiel: Einsparung ohne Veränderung des Energieeinkaufs
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Ein konkretes
Beispiel verdeutlicht diesen Zusammenhang: Ein mittelständisches Unternehmen
mit einem Jahresverbrauch von rund 950.000 KWh und einem Strompreis
von 19 Cent pro KWh konnte durch Maßnahmen zur Netzoptimierung eine
jährliche Einsparung von über 21.000 Euro erzielen, was rund 11,7% der
Stromkosten entspricht. Bemerkenswert daran ist, dass diese Reduktion
unabhängig vom Energieeinkauf erzielt wurde – sie basiert ausschließlich auf
einer effizienteren Nutzung der bereits bezogenen Energie.
Mehr als Kosten: Auswirkungen auf Betriebssicherheit und Anlagen
Neben den
direkten Kosteneffekten spielt auch die Qualität der Stromversorgung eine
zunehmend wichtige Rolle. Eine stabile Spannungslage, reduzierte
Netzbelastungen und die Kompensation unerwünschter Effekte wirken sich
unmittelbar auf die Betriebssicherheit aus. Produktionsprozesse laufen
konstanter, das Risiko von Störungen sinkt und die Belastung elektrischer
Betriebsmittel wird reduziert. In der Folge kann sich auch die Lebensdauer
technischer Anlagen deutlich verlängern, was sich langfristig in geringeren
Wartungs- und Ersatzinvestitionen niederschlägt .
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Vor diesem
Hintergrund erweitert sich auch die Rolle des technischen Einkaufs. Energie ist
nicht mehr ausschließlich eine Frage des Preises, sondern zunehmend eine Frage
der Systemeffizienz. Zwei Unternehmen mit identischen Einkaufskonditionen
können in der Realität deutlich unterschiedliche Energiekosten und CO₂-Bilanzen
aufweisen – abhängig davon, wie effizient ihre elektrische Infrastruktur
arbeitet. Damit rückt die Betrachtung des eigenen Netzes stärker in den Fokus
strategischer Entscheidungen.
Förderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Zusätzliche
Relevanz erhält das Thema durch die aktuellen wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen. Staatliche Förderprogramme und steuerliche Anreize führen
dazu, dass Investitionen in die Optimierung der Energieeffizienz derzeit
besonders attraktiv sind. Unternehmen können von Zuschüssen sowie
beschleunigten Abschreibungsmodellen profitieren, wodurch sich Investitionen
deutlich schneller amortisieren können als noch vor wenigen Jahren . In vielen
Fällen lassen sich so Amortisationszeiten erreichen, die den wirtschaftlichen
Einstieg zusätzlich erleichtern. Bis zu 60% staatliche Förderung und weitere
Vorteile sollen die Energieverbrauchsoptimierung und Reduktion des
CO2-Ausstoßes in Unternehmen weiter vorantreiben.
In der
Gesamtschau entsteht kein Widerspruch zum klassischen Energieeinkauf, sondern
vielmehr eine Ergänzung. Während der Einkauf weiterhin die Grundlage für
wettbewerbsfähige Energiepreise bildet, eröffnet die Optimierung der Nutzung
einen zweiten, unabhängigen und passiven Hebel. Erst das Zusammenspiel beider
Ansätze ermöglicht es Unternehmen, ihre Energiekosten ganzheitlich zu
betrachten und nachhaltig zu reduzieren.
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Fazit: Effizienz entsteht im eigenen Betrieb
Damit wird
deutlich, dass die eigentliche Effizienz nicht allein im Markt entschieden
wird, sondern im eigenen Betrieb. Unternehmen, die diese Perspektive einnehmen,
erschließen zusätzliche Potenziale – nicht nur in der Kostenstruktur, sondern
auch in der Stabilität ihrer Prozesse und der langfristigen
Wettbewerbsfähigkeit.