Die SAP S/4HANA-Migration bei Azo war mehr als ein IT-Upgrade. Wie der Anlagenbauer in elf Monaten seine Systemlandschaft modernisiert und Prozesse neu aufgesetzt hat.
Digitale Technologien sind ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie des Spezialisten für automatisiertes Rohstoff-Handlilng.Horst Bernhard
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Summary: Azo migrierte gemeinsam mit All for One innerhalb von elf Monaten auf SAP S/4HANA und setzte den Go-live an acht Standorten weltweit per Big Bang um. Der Bluefield-Ansatz ermöglichte die technologische Erneuerung bei laufendem Betrieb. Mit Clean Core, Testmanagement und der Beschaffungsübersicht-App schafft Azo die Basis für effizientere Prozesse und langfristige Wettbewerbsvorteile.
Mit der Migration auf SAP S/4HANA schuf der Anlagenbauer Azo nicht nur eine moderne IT-Infrastruktur, sondern legte auch die Basis für
tiefgreifende Prozessoptimierungen. Mithilfe des Bluefield-Ansatzes, eines
globalen Big Bang-Rollouts und strategischer Innovation meisterte das
Unternehmen die Transformation innerhalb von nur elf Monaten. Das Ergebnis:
Eine zukunftssichere Plattform, die nicht nur technologische Innovation
ermöglicht, sondern durch gezielte Verbesserungen wie die Einführung der
„Beschaffungsübersicht“-App auch langfristige Wettbewerbsvorteile schafft und
die tägliche Arbeit der Teams spürbar effizienter macht.
Azo auf Wachstumskurs: Digitale Innovation als
Kernstrategie
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Die Azo Group mit Hauptsitz im baden-württembergischen
Osterburken ist ein international führender Spezialist für automatisiertes
Rohstoff-Handling. Seit 1949 hat sich das Familienunternehmen zu einem globalen
Anlagenbauer mit über 1.100 Mitarbeitenden, sieben Auslandsgesellschaften und
einem Jahresumsatz von mehr als 210 Mio. Euro entwickelt.
Digitale Technologien sind dabei ein zentraler Bestandteil
der Unternehmensstrategie. Von automatisierten Produktionssteuerungen bis zu
moderner Prozess-IT setzt Azo konsequent auf Innovation – so auch bei der
kürzlich durchgeführten Migration auf SAP S/4HANA, eines der ambitioniertesten
IT-Projekte der Unternehmensgeschichte. Ziel war es, das über Jahre gewachsene
SAP ECC-System zu modernisieren und parallel an allen acht Standorten weltweit
durch eine zukunftssichere Plattform zu ersetzen, ohne dabei den laufenden
Betrieb zu beeinträchtigen. Um diesen Wandel strategisch und nachhaltig zu
gestalten, entschied sich Azo bei der Transformation für die Unterstützung der
All for One Group.
Bluefield als idealer Ansatz für das internationale
Projekt
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Gemeinsam mit der All for One entschied sich Azo für den Bluefield-Ansatz,
einen hybriden Migrationsansatz, der die technologische Erneuerung mit der
gezielten Übernahme bewährter Strukturen verbindet. Das Projektteam kopierte zunächst das bestehende
Produktivsystem und erstellte eine sogenannte Empty Shell, ein leeres
SAP-ECC-System ohne Anwendungsdaten. Dieses System wurde anschließend auf SAP
S/4HANA konvertiert und gezielt mit relevanten Geschäftsdaten aus dem Altsystem
angereichert.
Gerade im internationalen Kontext bewährte sich dieser
Ansatz, da er nahezu ohne Downtime auskommt. Da das bestehende SAP-System
während der gesamten Migration aktiv blieb, konnten alle Geschäftsprozesse im
Tagesbetrieb uneingeschränkt fortgeführt werden, während Migration, Test und
Optimierung in einer geschützten Entwicklungsumgebung stattfanden. So konnte
Azo den globalen Go-Live an allen acht Standorten an nur einem Wochenende als
echten Big Bang umsetzen – mit maximaler Sicherheit und Flexibilität.
„Die
Entscheidung für den Bluefield-Ansatz war für uns ein Sicherheitsfaktor. Wir
wollten die technologische Erneuerung, aber ohne das Risiko eines Stillstands.
All for One hat uns hier methodisch so sicher begleitet, dass das Versprechen
des Bluefield-Ansatzes Realität wurde: Es ist tatsächlich so, dass man freitags
noch im alten SAP-GUI ein Material anlegt, nach Hause geht, sich montags im SAP
S/4HANA anmeldet und dort in der gewohnten Umgebung direkt weiterarbeiten kann.
Diese Nahtlosigkeit über acht Standorte hinweg war eine enorme Leistung des
gesamten Teams,“ erklärt Thomas Steinbach, Director Global Group IT, Azo Group.
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Technische Präzision und der Weg zum Clean Core
Die Migration auf SAP S/4HANA erforderte höchste technische
Präzision. Das Projektteam prüfte alle Eigenentwicklungen aus mehr als 14
Jahren SAP-Betrieb systematisch auf SAP S/4HANA-Kompatibilität. Mit dem ABAP
Test Cockpit (ATC) identifizierte das Team über 4.000 Findings, die
anschließend bewertet und teilautomatisiert bereinigt wurden. Parallel wurden zahlreiche nicht mehr benötigte
Eigenentwicklungen und Userexits stillgelegt – ein entscheidender Schritt in
Richtung eines "Clean Core". Dieser Ansatz macht es nicht nur
einfacher, künftige Updates zu implementieren, sondern legt die Grundlage für
eine zukunftssichere und wartungsfreundliche Systemlandschaft.
Eine weitere Herausforderung war die bereits erwähnte Dual
Maintenance, also die parallele Pflege von Alt- und Neusystem. Während der
Projektlaufzeit mussten alle Änderungen im produktiven SAP-ECC-System, etwa bei
Drucklayouts, Berichten oder Benutzeroberflächen, parallel ins neue S/4-System
übertragen werden. Mit einer konsequenten Dokumentation und einem zentralen
Change-Tracking-Tool konnte Azo diese Herausforderung erfolgreich bewältigen.
Change- und Testmanagement: Transparenz als Treiber des
Erfolgs
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Das Testmanagement war ein zentraler Baustein der
SAP-S/4HANA-Transformation bei Azo. In drei strukturierten Testphasen und zwei
vollständigen Go-live-Simulationen überprüfte und optimierte das Projektteam
umfassend alle Kernprozesse – vom Einkauf über die Produktion bis zum
Rechnungswesen. Über mehrere Monate managte das Projektteam mehr als 3.000
Testfälle und stellte so sicher, dass Rückmeldungen frühzeitig eingebunden und
Probleme gezielt gelöst wurden. Dabei spielten die Key User eine zentrale
Rolle: Sie waren nicht nur aktiv in die Testzyklen eingebunden, sondern
agierten als wichtige Multiplikatoren in ihren Standorten.
Um die Akzeptanz zu stärken, Transparenz zu schaffen und die
Innovation nachhaltig zu verankern, erhielten die Mitarbeitenden über
Videoformate laufend Einblicke in das Projekt.
Prozessmodernisierung: Ein Upgrade über die Technologie
hinaus
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Der Go-live markiert für Azo nicht das Ziel, sondern den Startschuss
für eine nachhaltige digitale Transformation. „Eine SAP S/4HANA-Conversion ist
eine einmalige Chance, Prozesse neu zu denken – das darf man sich nicht
entgehen lassen“, erklärt Bertram Günther, Inhouse SAP & Process Consultant
der Azo Group. Mit dem Folgeprojekt Value Raising@ Azo zielte das Unternehmen darauf
ab, die Potenziale von SAP S/4HANA optimal auszuschöpfen, Prozesse zu
verbessern und den Mehrwert in den Fachbereichen systematisch zu steigern.
In Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen identifizierte Azo in strukturierten Workshops zentrale Verbesserungspotenziale, die priorisiert
und schrittweise umgesetzt wurden. Der Fokus lag zunächst auf dem Einkauf: Eine
neue Fiori-App für die Beschaffungsübersicht bringt deutlich mehr Transparenz
in die Abläufe. Sie bereitet Bestellungen, Bedarfe und Liefertermine logisch
und visuell auf und ermöglicht es den Nutzer:innen, relevante Informationen zu
offenen Bestellpositionen, Bedarfen und Bewegungen einzusehen – individuell
gefiltert und direkt mit SAP verknüpft.
Zusätzlich wurde eine Funktion zur Massendatenpflege
implementiert, die eine deutlich effizientere Bearbeitung großer Datenvolumina wie
Staffelpreise und Konditionen erlaubt. Beide Lösungen zeigen, wie sich SAP
S/4HANA von einer rein technischen Plattform zu einem strategischen Instrument
für operativen Mehrwert entwickelt.
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Digitalisierung als Innovationstreiber bei Azo
Die Migration auf SAP S/4HANA war für Azo weit mehr als ein
technisches Upgrade. Sie war der Startschuss für eine umfassende Modernisierung
der System- und Prozesslandschaft. Durch den strukturierten Ansatz und die enge
Zusammenarbeit mit den Fachbereichen setze Azo nicht nur technologische
Innovationen um, sondern verbesserte auch die tägliche Arbeit der Teams
nachhaltig, die von den modernen Funktionen und vereinfachten Prozessen
deutlich profitieren.
Mit dem Folgeprojekt Value Raising nutzt Azo die volle
Stärke der neuen Plattform, um zukunftssichere Lösungen zu entwickeln und
seinen Ruf als Innovationsführer zu festigen. Dieses Projekt zeigt, dass eine
Migration weit über einen technischen Meilenstein hinausgeht und langfristige
Unternehmensziele stützt.