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Rohstoff Blei - Giftiges Schwergewicht

Rohstoff Blei - Giftiges Schwergewicht

29.09.2017

Rohstoff Blei – Giftiges Schwergewicht

Obwohl Blei extrem giftig ist, kann die Industrie nicht auf den Rohstoff verzichten. Denn das Schwermetall schützt vor Strahlung, und beschleunigt viele chemische Prozesse.

Blei genießt keinen guten Ruf: Früher verpesteten bleihaltige Auto- und Industrieabgase die Luft in den Städten. In vielen Altbauten gelangt das Schwermetall bis heute aus Bleirohren über das Trinkwasser in den menschlichen Organismus. Dort schädigt es Nieren, Magen und Darm sowie das Nervensystem. Bei Säuglingen beeinträchtigt das giftige Metall sogar die Entwicklung der Intelligenz. Trotz seiner verheerenden Wirkung für den Menschen ist der Rohstoff aus vielen Anwendungsbereichen nicht wegzudenken.

Rohstoff Blei Autobatterie

Bild: cherylvb/Fotolia.de

Knapp zwei Drittel des bläulich-grauen Schwermetalls verarbeiten die Hersteller von Energiespeichersystemen zu Akkumulatoren und Autobatterien. Staaten mit einer starken Automobilindustrie wie Deutschland, die USA, Japan oder China verbrauchen dementsprechend auch besonders viel Blei – Tendenz steigend. Denn obwohl der Rohstoff als Zusatz zum Benzin in den meisten Ländern längst verboten ist, hat der weltweite Bedarf an Blei Zahlen des US-Geological Survey und des Entsorgungsdienstleister Remondis zufolge seit 2010 um gut 20 Prozent auf heute 11,3 Millionen Tonnen zugelegt.

Unverzichtbarer Rohstoff für die Batterien von morgen

Vor allem die Hersteller von Batterien für E-Bikes, Elektromobile und mit Start-Stopp-Automatiken ausgestattete Fahrzeuge brauchen immer mehr von dem Rohstoff. Schon eine Batterie, die in einem Mittelklassewagen das endlos wiederholte Anlassen des Motors erträgt, enthält rund 16 Kilogramm Blei. Das ist knapp ein Drittel mehr als zur Herstellung einer gewöhnlichen Starterbatterie erforderlich ist. Bis 2020 werden Schätzungen zufolge allein in der EU acht von zehn Pkw mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet sein.

Außer in der Automobilindustrie und Energiespeicherung findet Blei aufgrund seiner extrem hohen Dichte vor allem beim Schutz vor Röntgenstrahlung und Radioaktivität in der Medizintechnik und vielen Laboren Verwendung. Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegen viele Säuren kleidet die chemische Industrie Rohrleitungen und Apparate mit dem Werkstoff aus. Daneben verwenden Chemiekonzerne Blei als Katalysator, um chemische Stoffe in Energie umzuwandeln. Bleioxide setzt die chemische Industrie als Zusatzstoffe bei der Produktion von Farben, Lacken und optischen Gläsern ein. Der Metallindustrie dient der Rohstoff als wichtiger Legierungsbestandteil. Die Waffenindustrie verarbeitet Blei zu Munition. Als Schrot für Jagdgewehre ließ das Schwermetall schon den Genuss manch leckeren Rehbratens schmerzhaft enden. Lediglich im Bleistift kommt kein Blei, sondern Graphit zum Einsatz.

Kritische Länder- und Anbieterkonzentration

Das für all die anderen Anwendungen benötigte Material fördern rund 240 Minen in über 40 Ländern. Mit 46,4 Prozent stammt dabei knapp die Hälfte des weltweiten Angebots an dem Schwermetall aus China, weitere 14,7 Prozent bringen Minen in Australien zu Tage, 7,6 Prozent Bergwerke in den USA. Peru leistet gut sechs, Mexiko rund fünf Prozent des globalen Abbaus. Somit stammen fast 80 Prozent der weltweit verfügbaren Mengen des Rohstoffs aus nur fünf Förderländern, obwohl in Europa Irland, Polen und Schweden das Angebot ergänzen. Bei den bleifördernden Unternehmen ist die Konzentration deutlich geringer. Die zehn größten Anbieter kommen angeführt von der Schweizer Glencore International Plc, der britisch-australischen BHP Billiton Group und Teck Ressources Ltd. Aus Kanada zusammen lediglich auf einen Marktanteil von 24 Prozent.

Dennoch beurteilt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Versorgungssicherheit bei Blei aufgrund der hohen Länderrisiken in vielen Staaten, die den Rohstoff fördern, als kritisch. Auch die bekannten und wirtschaftlich abbaubaren Reserven des Schwermetalls könnten Einkäufer nervös werden lassen. Mit 88 Millionen Tonnen wären sie bereits in 18 Jahren erschöpft, wenn Minenbetreiber mit 4,8 Millionen Tonnen auch in Zukunft so viel Blei abbauen wie im Jahr 2016.

Dabei wären die Lagerstätten in Australien die letzten, die zu Ende gingen. Mit 35 Millionen Tonnen Blei lagert in keinem anderen Land mehr Blei als auf dem fünften Kontinent, so der US Geological Survey. Insgesamt verfügt Australien über 39 Prozent der weltweiten Reserven, gefolgt von China mit 17, Russland und Peru mit jeweils gut sieben, Mexiko mit 6,4 und den USA mit 5,7 Prozent.

Hohe Recyclingquote und große Ressourcen entspannen die Versorgungslage

Weit aus umfänglicher als die heute bereits profitabel erschließbaren Bleireserven sind die Ressourcen des Rohstoffs. Nachdem sie in den vergangenen Jahren vor allem in Australien, China, Irland, Mexiko, Peru, Portugal, Russland und den USA umfangreiche Vorkommen entdeckt haben, gehen Geologen derzeit von Ressourcen an dem Schwermetall in Höhe von zwei Milliarden Tonnen aus. Diese hätten eine Reichweite von 416 Jahren.

Dies sowie die hohe Recyclingqote und gute Substituierbarkeit von Blei werden den Markt für das Metall künftig entlasten. Immerhin lassen sich rund 90 Prozent des in Batterien enthaltenen Bleis wiederverwerten. Zugleich können Hersteller den Rohstoff in vielen Anwendungen durch Kunststoffe, Zinn oder Stahl ersetzen.

Zusammenfassung Rohstoff Blei
Beschreibung: · Chemisches Element „Pb“ (vom lateinischen Begriff für Blei „plumbum“) mit der Ordnungszahl 82
· Blei ist ein giftiges, mattgraues, Schwermetall, das sich leicht verformen lässt
· Das Element ist so weich, dass es auf Papier einen Abrieb hinterlässt
· Der Rohstoff hat mit 11,34 Gramm pro Kubikzentimeter eine hohe Dichte und schmilzt bereits bei 327 Grad Celsius. Seine thermische und elektrische Leitfähigkeit sind schlecht
· Blei ist resistent gegen viele Säuren, nicht jedoch gegen Salz-, Schwefel- und Salpetersäure. An Luft bildet es eine schützende Oxidschicht
Verwendung: · Herstellung von Batterien und Akkus (>60%)
· Strahlenschutz (k.A.)
· Legierungen (k.A.)
· Zusatzstoff in der chemischen Industrie (k.A.)
· Herstellung von Munition
Größte Förderländer von Blei: · China (46,4%)
· Australien (14,7%)
· USA (7,6%)
·Peru (6,4% Prozent)
·Mexiko (5,2%)
Größte bleifördernde Unternehmen : · Glencore International Plc (5,5%)
· BHP Billiton Group (14,7%)
· Teck Ressources Ltd. (2,7%)
Vorhandene Reserven*: 88 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen**: 2.000 Mio Tonnen
Statistische Reichweite der Reserven: 18 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen: 416 Jahre
Recyclingquote: 90 Prozent des in Batterien enthaltenen Bleis werden wiederverwertet.
Substituierbarkeit:· In vielen Anwendungen lässt sich Blei durch Kunstoffe, Zinn oder Stahl ersetzen.
Jahresproduktion von Zink 2016 weltweit: 4,8 Mio. Tonnen

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen
**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

Bild: Pixabay

Autor: Gerd Meyring

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Autor: Dörte Neitzel

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