Rohstoff Quecksilber Einkauf

Der giftige Rohstoff Quecksilber wird auch heute noch gebraucht.

| von Gerd Meyring

„Verrückt wie ein Hutmacher – Mad as a hatter“, heißt es in England. Als durchgedreht gelten Hersteller von Kopfbedeckungen auf der Insel nicht weil sie Besucherinnen der königlichen Rennwoche in Ascot Hüte aufsetzen, die jedes Wagenrad in den Schatten stellen.

Vielmehr vergifteten sie sich früher bei der Herstellung des Filzes für ihre Hüte mit Quecksilbernitrat. Mit dem hochgiftigen Schwermetall mit dem chemischen Symbol „Hg“ und der Ordnungszahl 80 machten Hutmacher Stoffe und Felle geschmeidiger. Nicht selten litten sie deshalb an Gedächtnis- und Sprachstörungen sowie Zitteranfällen und waren äußerst reizbar – oder eben verrückt wie ein Hutmacher.

 Scheu wie flüssiges Silber

Quecksilber ist das einzige Metall, das schon bei Zimmertemperatur flüssig ist und verdunstet. Da seine Moleküle extrem stark aneinander haften, tränkt das silbrigweiß-glänzende Schwermetall andere Materialien jedoch nicht. Stattdessen bildet es darauf Tropfen. Diese lassen sich nur extrem schwer aufnehmen, weil sie beim Kontakt mit anderen Materialien zurückweichen. Diese Lebendigkeit brachte dem Element seinen Namen ein. Das Adjektiv „quec“ bedeutet im Althochdeutschen „lebendig“.

Obwohl es in flüssigem Zustand äußerst flüchtig ist, reagiert Quecksilber jedoch fast nicht mit anderen Elementen. Es oxidiert an der Luft kaum und löst sich weder in Wasser noch verdünnten Säuren und Salzlösungen auf. Lediglich konzentrierte heiße Schwefel- und Salpetersäure greifen das Metall an.

Werner von Siemens maß mit Quecksilber elektrische Widerstände

Quecksilber ist sehr dicht und wie andere Metalle elektrisch leitfähig – wenn auch nur schwach. Seine Leitfähigkeit ist Berechnungsgrundlage für die physikalische Einheit „Ohm“. Auf Vorschlag Werner von Siemens’ wurde ein „Ohm“ als derjenige elektrische Widerstand definiert, den eine Quecksilbersäule von 106,3 Zentimetern Höhe und einer Oberfläche von einem Quadratmillimeter bei Null Grad Celsius bietet.

Wirkstoff in Homöopathie und Zahnmedizin

Da sich Quecksilber leicht mit anderen Metallen amalgamieren lässt, kam es lange Zeit in Zahnfüllungen zum Einsatz. In den USA verarbeitet die pharmazeutische Industrie das Schwermetall noch heute zum Konservierungsmittel Thiomersal. Dieses tötet Keime in Kontaktlinsenflüssigkeiten und Kosmetika. Auch homöopathische Arzneimittel wie Meditonsin enthalten Quecksilber – allerdings in unbedenklich geringen Konzentrationen.

Die Prozessindustrie verwendet das Schwermetall bei der Herstellung von Natronlauge und Chlor im sogenannten Amalgamverfahren.

Seine Eigenschaft, Oberflächen nicht zu benetzen, nutzen Mineralogen, Pharmakologen und Keramikhersteller bei der Quecksilberporosimetrie. Dabei pressen sie das flüssige Metall mit einem Druck von bis zu 4.000 bar in die Poren der zu untersuchenden Materialien. Aus dem dazu erforderlichen Druck und der benötigten Menge Quecksilber lässt sich berechnen, wie viele und wie große Poren die untersuchten Proben haben.

Kein Goldrausch ohne Quecksilber

Daneben findet das Metall in Knopfzellen und Batterien, als Flüssigkeit in Manometern sowie Quecksilberdrucklampen Verwendung. Diese sind in der EU allerdings verboten. Früher waren auch Thermometer mit dem Schwermetall gefüllt. In diesem Anwendungsbereich wurde Quecksilber inzwischen jedoch weitgehend durch Gallistan verdrängt. Das ist eine Legierung aus Gallium, Indium und Zinn.

Goldwäscher scheiden mit Quecksilber dagegen nach wie vor Gold aus Sanden. Ein Amalgam aus Quecksilber und Tellur schließlich dient als Halbleiter in Nachtsichtgeräten und Restlichtverstärkern.

Deutsche Kohlekraftwerke liefern jedes Jahr fünf Tonnen Quecksilber

Im Erdmantel kommt Quecksilber nur in feinen Tröpfchen in Gesteinen vor. Im Erdinneren findet es sich häufiger. Von dort wird es bei Vulkanausbrüchen an die Oberfläche des Planeten befördert.

Um das Metall zu gewinnen, rösten Hersteller Zinnobererz. Dabei verwandelt sich das darin enthaltene Quecksilbersulfid bei 600 Grad Celsius zu reinem Quecksilber. Das Schwermetall lässt sich auch aus den elektrischen Schaltern alter Autos und Quecksilberdampflampen, Batterien, Dentalamalgam, Computern sowie medizinischen Geräten wiedergewinnen. Auch aus den Abgasen von Kohlekraftwerken lässt es sich abscheiden. Deutsche Meiler emittieren jedes Jahr fünf Tonnen Quecksilber.

China beherrscht den globalen Quecksilbermarkt

Von den 4.060 Tonnen des Rohstoffs, die Bergwerke 2018 förderten, stammten der Deutschen Rohstoffagentur zufolge 67 Prozent aus China, 21 Prozent aus Mexiko sowie 3,2 Prozent aus Kirgistan.

Die größten Vorkommen des Schwermetalls lagern in der Ukraine, China, Kirgistan, Mexiko, Peru, Russland, Slowenien und Spanien. Insgesamt schätzt der Geological Survey der Vereinigten Staaten diese Ressourcen auf 600.000 Tonnen.

Einkauf Rohstoff Quecksilber

Beschreibung

· Chemisches Element „Hg“ mit der Ordnungszahl 80.

· Quecksilber ist ein silbrigweiß glänzendes, schwach elektrisch leitfähiges Schwermetall.

· Es ist das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist und verdunstet.

· Das Element oxidiert kaum, lässt sich aber leicht mit anderen Metallen legieren.

Verwendung

· Almagame

· Herstellung von Natronlauge und Chlor im Amalgamverfahren

· Quecksilberporosimetrie

· Goldwäsche

· als Grundstoff für pharmazeutische Konservierungsmittel

· in Manometern, Quecksilberdrucklampen und Knopfzellen

Größte Förderländer von Quecksilber

China (67,7%)

Mexiko (21,2%)

Kirgistan (3,2%)

Vorhandene Reserven* k.A.
Vorhandene Ressourcen** 600.000
Globaler Abbau von Quecksilber im Jahr 2018 3.400 Tonnen
Statistische Reichweite der Ressourcen 176 Jahre
Recyclingquote Genaue Zahlen liegen nicht vor. Quecksilber lässt sich aber gut aus den elektrischen Schaltern alter Autos und Quecksilberdampflampen, Batterien, Dentalamalgam, Computern sowie medizinischen Geräten wiedergewinnen.
Substituierbarkeit In Zahnfüllungen lässt sich Quecksilber durch keramische Werkstoffe ersetzen. In Thermometern kommt statt Quecksilber Galistan – eine Legierung aus Gallium, Indium und Zinn – zum Einsatz. LEDs, die Indium enthalten, ersetzen Quecksilberdampflampen. Lithium, Nickel, Cadmium und Zink sind alternative Werkstoffe für Batterien.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey

* Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

** Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen