Verschwendungen im Wertstrom bremsen die Produktivität. Dabei ließe sie sich durch Lean Management und optimierte Arbeitsplatzsysteme um 30 % steigern, sagt RK Rose+Krieger. Bei der Horizont Group gelang sogar eine Verdopplung.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
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Die neue Montage-insel ist mit ergonomisch ausgelegten Arbeitsplatzsystemen ausgestattet.RK Rose+Krieger
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Jérôme Kemker von RK Rose+Krieger ist davon überzeugt: „Jedes Unternehmen, das schlank aufgestellt ist, wird immer in Deutschland produzieren können.“ Als Lean Manager sensibilisiert er Unternehmen für Verschwendungen in der Produktion, wie zum Beispiel Überproduktion, Bestand und Transport. Anschließend entwickelt Kemker gemeinsam mit Mitarbeitenden der jeweiligen Hersteller schlankere, ‚leane‘ Abläufe, für die RK Rose+Krieger passgenaue Arbeitsplatzsysteme entwickelt und beisteuert. Das Ergebnis: verringerter Flächenbedarf, verkürzte Durchlaufzeiten, erhöhte Produktivität. „30 Prozent sind fast immer drin“, so Kemker. „Manchmal auch mehr.“ Dass dies keine übertriebene Bewertung ist, zeigt das Beispiel der Horizont Group gmbh.
Verschlankung statt Verschwendung
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Horizont entwickelt und fertigt mobile Sicherheitsprodukte für den Straßenverkehr sowie Weidezaun- und Tierhaltungsprodukte. Die Gruppe verfügt über eine hohe Fertigungstiefe und bildet von Produktdesign und Entwicklung über Leiterplattenbestückung sowie Kunststoffspritzguss bis hin zur Bedruckung wesentliche Produktionsschritte im eigenen Unternehmen ab. Ein typisches Feld also, um Abläufe anhand von Lean-Prinzipien zu optimieren, fand Michael Amon. Der technische Leiter des Gerätewerks von horizont wandte sich an RK Rose+Krieger, um dazu ein gemeinsames Leuchtturmprojekt aufzusetzen.
Nach Einführung des Lean Managements entfielen drei Viertel des Platzbedarfs; die Fläche wird nun für weitere Montageplätze genutzt.RK Rose+Krieger
RK Rose+Krieger ist Spezialist für die industrielle Fertigung. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Komponenten und Systemlösungen aus Lineartechnik, Profiltechnik, Verbindungstechnik und Modultechnik. Ein Kompetenzbereich sind Systemlösungen für Arbeitsplätze und integrierte Montagelinien. Um diese genau auf den Anwenderbedarf auszurichten und zu einem Teil eines effizienten Fertigungsprozesses zu machen, startete RK Rose+Krieger 2023 sein Operational Excellence-Angebot RK Lean-Solutions mit Lean Workshops, Wertstromanalyse und Fabrikplanung.
Eine Frage der Einstellung
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„Lean Management ist eine Geisteshaltung“, sagt Michael Amon. „Daher ging es in unserem Projekt als erstes darum, alle Mitarbeitenden abzuholen: Was bringt es, wenn wir unsere Fertigung am Lean-Gedanken ausrichten? Wie erzielen wir welche Effekte?“ Genau solche Fragestellungen standen im Mittelpunkt des Lean-Solutions-Workshops von RK Rose+Krieger, den Jérôme Kemker mit den Mitarbeitenden von horizont durchführte. Neben theoretischen Grundlagen erlebten die Teilnehmer auch anhand der Simulation einer Produktionslinie, wie Lieferperformance, Durchlaufzeiten und Verschwendungen zusammenhängen und die Produktivität beeinflussen. Verschiedene Montageschritte wurden dafür in mehreren Spielrunden nach und nach an den Lean-Prinzipien ausgerichtet. Der Erfolg jeder Optimierung wurde mit Kennzahlen gemessen und belegt.
Im nächsten Schritt ging es um eine reale Arbeitssituation. „Wir haben uns hier bewusst für den Bau unserer Leuchtpfeile entschieden“, schildert Amon. „Das Produkt war mit seiner technisch anspruchsvollen Montage vom Sicherheitsstandard her am kritischsten zu sehen.“
Kemker analysierte zusammen mit den Montage-Mitarbeitern die Ausgangssituation. Für einen Leuchtpfeil werden 15 LED-Richtstrahler aus Gehäuse, Lichteinheit, Halter und Linsen sowie eine Steuerung zusammengebaut und verdrahtet. Das Ergebnis muss den Vorgaben der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen für Warnleuchten sowie des Kraftfahrbundesamts für die elektromagnetische Verträglichkeit entsprechen. Eine Person fertigt an einem Tag einen Leuchtpfeil.
Schnell waren zwei Schwerpunkte ausgemacht, die das Team im Workshop neu strukturieren wollte: Die Materialversorgung kostete zu viel Zeit. Gingen zu verbauende Teile zur Neige, musste der Werker für den Nachschub lange Umwege um Paletten zurücklegen und aus Regalen sein Material zusammensuchen. Buchstäblich schwerer wog die Montage der Warnleuchten in einem Stahlrahmen. Diese erfolgt von zwei Seiten; zum Wenden des 70 Kilo schweren Leuchtpfeils benötigte der Werker Hilfe von einem weiteren Kollegen.
Nachher: Kanban und Ergonomie
Unter Anleitung des RK-Experten entstand im Workshop auf Basis der zuvor gewonnenen Lean-Kenntnisse ein Konzept, das die ausgedeuteten Verschwendungen beseitigen sollte. Mithilfe des Cardboard Engineerings erstellten die Workshop-Teilnehmer ein 1:1-Mustermodell ihres späteren Arbeitsplatzes aus Kartonelementen und Holzlatten. Sämtliche Abläufe lassen sich auf diese Weise realitätsnah durchspielen und so lange verbessern, bis die gewünschten Ergebnisse erzielt sind.
Nach einem halben Tag Grundlagenschulung sowie anderthalb Tagen Konzept und Umsetzung entstand ein vollständig überarbeiteter Montagebereich gemäß den Lean-Prinzipien. Der Mitarbeitende hat sein Material nun in Behältern nach Baugruppen sortiert nebst Werkzeug griffbereit am Arbeitsplatz. Die Materialversorgung erfolgt nach dem Kanban-System: Ist ein Behälter geleert, stellt der Bearbeiter ihn in ein Rückgabefach. Einmal am Tag tauscht die Logistik die leeren gegen wiederaufgefüllte Behälter. Es entsteht ein Materialkreislauf, der so ausgelegt ist, dass der Mitarbeiter in der Montage nie ins Leere greift.
Der Leuchtpfeil ist auf einem Montagetisch fixiert. Dieser lässt sich per elektrischer Hubsäule in der Höhe sowie über eine Handkurbel einfach um 180 Grad wenden. Die Montageinsel mit Regalen, Materialbereitstellung, Arbeitsflächen und Montagetisch fertigte RK Rose+Krieger aus seinem Portfolio der Modul-, Verbindungs-, Profil- und Lineartechnik. Ein Mitarbeiterteam von horizont nahm beim Hersteller in Minden die Umsetzung der Arbeitsplatzlösung entsprechend ihres Mustermodells aus dem Lean-Solutions-Workshop ab.
Produktivität verdoppelt
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Der neue Durchlauf ermöglicht einem Mitarbeitenden, ohne Unterstützung zwei Leuchtpfeile pro Tag fertigzustellen. Die Produktivität hat sich ohne Mehrarbeit oder Kapazitätsausbau verdoppelt. Zudem hat sich der Platzbedarf der Leuchtpfeilmontage um vier Fünftel von 120 auf 24 Quadratmeter verringert. Der umstrukturierte Montagefluss eröffnete somit Raum für neue Montageaufgaben. „Wir sind nun in der Lage, Leuchtpfeile auf Abruf zu verkaufen“, sagt Michael Amon. „Allein in diesem Jahr haben wir ein Drittel mehr Warnleuchten verkaufen und dennoch fürs Lager vorproduzieren können.“ Die Lieferzeiten haben sich deutlich verkürzt, schildert der technische Leiter.
Für Jérôme Kemker und RK Rose+Krieger bestätigt dies die Überzeugung von der Wirksamkeit des Lean-Prinzips. „Ein schlank aufgestelltes Unternehmen kann innerhalb kürzester Zeit auf Kundenwünsche eingehen, inklusive der Option auf eine Overnight-Lieferung“, so der Lean-Experte. „Mit einer Bestellung in beispielsweise Asien sind in der Regel mehrere Wochen Wartezeit vorprogrammiert.“ horizont wird den ‚schlanken Weg‘ weitergehen: Seit dem Erfolg mit RK Lean-Solutions unterstützt ein Lean Manager das Unternehmen dabei, seine Prozesse weiter zu verschlanken und ‚lean‘ zu halten.
FAQ - Lean Management
Was versteht man unter Lean Management?
Lean Management ist ein Führungs- und Organisationsprinzip,
das darauf abzielt, Verschwendung zu reduzieren und Wertschöpfung zu
maximieren. Es fokussiert sich auf effiziente Prozesse, kontinuierliche
Verbesserung und die Einbindung aller Mitarbeitenden.
Wo wird Lean Management eingesetzt?
Lean Management findet in der Industrie, im
Dienstleistungssektor, im Gesundheitswesen und sogar in der öffentlichen
Verwaltung Anwendung. Überall dort, wo Prozesse optimiert und Ressourcen
sinnvoll genutzt werden sollen, entfaltet es Wirkung.
Welche Ziele verfolgt Lean Management?
Das Hauptziel besteht darin, Prozesse schlanker, schneller
und kundenorientierter zu gestalten. Gleichzeitig sollen Qualität gesteigert
und Kosten gesenkt werden.
Welche Methoden gehören zum Lean Management?
Typische Methoden sind 5S, Kaizen, Kanban, Wertstromanalyse
und Just-in-Time. Sie helfen dabei, Abläufe transparent zu machen und
kontinuierlich zu verbessern.
Welche Vorteile bringt Lean Management?
Unternehmen profitieren von kürzeren Durchlaufzeiten,
geringeren Fehlerquoten und höherer Produktivität. Zudem steigt die
Zufriedenheit von Mitarbeitenden und Kunden.
Welche Erfolge können mit Lean Management erzielt werden?
Viele Unternehmen erreichen deutliche Kosteneinsparungen und
Qualitätssteigerungen. Häufig verbessern sich auch Flexibilität und
Innovationsfähigkeit.
Wer gilt als Pionier im Lean Management?
Toyota gilt als Wegbereiter des Lean-Gedankens mit seinem
Toyota Production System (TPS). Auch Unternehmen wie Honda oder später Bosch
und Siemens haben Lean-Prinzipien früh adaptiert.
Warum ist Lean Management heute so relevant?
In Zeiten hoher Marktvolatilität und steigender
Kundenanforderungen hilft Lean, schnell und effizient zu reagieren. Es
unterstützt Unternehmen dabei, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wie unterscheidet sich Lean Management von klassischem
Prozessmanagement?
Lean Management legt stärker den Fokus auf kontinuierliche
Verbesserung und die Vermeidung von Verschwendung. Klassisches
Prozessmanagement ist oft stärker dokumentations- und regelorientiert.
Ist Lean Management nur für große Unternehmen geeignet?
Lean funktioniert in kleinen wie großen Organisationen
gleichermaßen. Gerade kleinere Unternehmen profitieren von klaren Strukturen
und effizienteren Abläufen.