Unternehmen sind dem Preis- und Konditionendiktat der Tech-Monopolisten hilflos ausgeliefert? Keineswegs – mit der richtigen Verhandlungsstrategie.
Katharina WeberKatharinaWeberKatharina WeberCEO der Negotiation Advisory Group (NAG)
Um schwierige Verhandlungen erfolgreich zu führen, sind neben der guten Vorbereitung vor allem die persönliche Kompetenz und Verhandlungssouveränität gefragt.Supharak wonginyoo-adobestock.com
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Microsoft hebt erneut die
Preise an. Ab Juli 2026 verlangt der amerikanische Softwarekonzern zwischen
5 und 33% mehr für seine Programmpakete Office 365 und Microsoft 365.
Parallel steigen die Preise für Power BI oder Teams teilweise um bis zu 40%.
SAP hat im vergangenen Jahr
seine Wartungs- und Supportgebühren einseitig um bis zu 5% erhöht,
nachdem der Konzern aus Walldorf diese schon 2024 um 5% angehoben
hatte. Dazu kommen hohe Migrationskosten bei der Umstellung auf das neue System
S/4HANA und aggressive Preiserhöhungen für Cloud-Dienste. Ähnlich hat
Salesforce im vergangenen Jahr die Preise für Enterprise- und
Unlimited-Editionen der Sales-, Service- und Industrie-Clouds durchschnittlich
um 6% angehoben.
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Die Tech-Monopolisten
nutzen ihre Marktmacht
Verzichten auf die Dienste
von Microsoft, SAP und Co. können viele Unternehmen nicht. Als Folge der digitalen
Transformation generieren und nutzen sie heute viel mehr Daten als früher. Um
wettbewerbsfähig zu bleiben, sind sie auf die Produkte der Tech-Giganten – beispielsweise Softwarelizenzen, Cloud Services, Web-Server – angewiesen. Und die
Nachfrage nach digitalen Tools und Software steigt weiter. Dies verleiht den
Anbietern eine ungeheure Marktmacht, die sie gnadenlos zu Preiserhöhungen
ausnutzen.
Diese Preissteigerungen
belasten die Unternehmen immens. Die Ausgaben für Software, Apps und
cloudbasierte Dienste machen schon jetzt bis zu 30% ihrer Gesamtkosten
aus. Tendenz: weiter steigend. Nach Expertenschätzungen werden die
Gesamtausgaben der Unternehmen für IT-Technologien in den nächsten Jahren
voraussichtlich um 7% jährlich steigen, stärker als die allgemeine
Inflation.
Hohe interne Gewinnerwartung und komplexe
Verträge
Aber auch Monopolisten ist
man nicht hilflos ausgeliefert. Um nicht in eine Kostenfalle zu geraten,
sollten sich Einkäufer bei Preisverhandlungen mit Tech-Giganten detailliert
vorbereiten. Denn Verhandlungen mit den großen Tech-Konzernen sind alles andere
als leicht. So besteht bei diesen oft eine sehr hohe interne Gewinnerwartung,
die vom Vertrieb eingehalten werden muss. Einen partnerschaftlichen Umgang
sollte man von den Tech-Monopolisten nicht erwarten.
Hinzu kommt die hohe
Komplexität in der Vertragsgestaltung, welche die Tech-Monopolisten zu ihrem
Vorteil nutzen. Etwa bei der Durchführung eines Lizenzaudits. Kunden geraten
hier schnell in eine Unterlizenzierung oder verletzten Lizenzbestimmungen, obwohl
sie sich dessen gar nicht bewusst sind. Die Folge: Schadenersatzansprüche
seitens des Lizenzgebers. Ein ähnliches Risiko ist die sogenannte indirekte
Nutzung, die häufig zu hohen Nachzahlungen führt, wobei Kunden häufig gar nicht
klar ist, was genau zur indirekten Nutzung zählt.
Einkaufsverhandlungen mit
Tech-Konzernen sind nicht mit Wettbewerbsverhandlungen vergleichbar. Beim
Einkauf von Maschinen, Rohstoffen oder Serviceleistungen gibt es in der Regel
mehrere Anbieter. Durch präzise Ausschreibungsverfahren oder Auktionen lässt
sich dann das passende Angebot zum Bestpreis und zu optimalen Konditionen
ermitteln.
Bei Verhandlungen mit den
Tech-Konzernen funktioniert das nicht. So mangelt es schon an der
Vergleichbarkeit der IT-Lösungen. Zwar gibt es neben Microsoft auch andere
Anbieter von Bürosoftware, aber ihre Leistungen sind sehr unterschiedlich, was
ihre Vergleichbarkeit und Bewertung schwer macht. Hat man sich dann für einen
Anbieter entschieden, wird ein Wechsel zu einem Konkurrenten wegen hoher
Kosten, zusätzlichem Personalaufwand oder technischer Hürden unattraktiv.
Kunden werden so abhängig von diesem einen Anbieter. Dieser sogenannte
Lock-in-Effekt verleiht dem Tech-Konzern zusätzliche Verhandlungsmacht.
Verhandeln mit Quasi-Monopolisten
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Dennoch ist man den
Tech-Konzernen nicht hilflos ausgeliefert. Mit dem
Vier-Stufen-Verhandlungsmodell von NAG lassen sich auch Monopolisten zu
Zugeständnissen bewegen:
1. Schritt:
Detaillierte Erfassung der eigenen Verhandlungsoptionen
Dazu
verwenden wir das TVO (Total Value of Ownership)-Bewertungssystem, eine
ganzheitliche Methode, um alle relevanten monetären und nichtmonetären Aspekte
der eigenen Verhandlungsoptionen (mögliche Alternativen, Verhandlungshebel,
Konsequenzen, Anreize etc.) zu bewerten. Damit lassen die eigenen
Handlungsoptionen vergleichbar machen und wir erhalten eine belastbare
Grundlage für komplexe Entscheidungen.
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Beispiel:
Ein Unternehmen steht vor der SAP-S4/Hana-Transformation und möchte auf SAP
RISE umsteigen (Plan A). Dann ist die Alternative, bei S4/Hana On Prem zu
bleiben (Plan B). Auf Grundlage einer Bewertung aller Kosten und Nutzen dieser
beiden Szenarien (Gesamtbetriebskosten, Flexibilität bei Customizing und
Integrationen, Abhängigkeit von SAP und der Partizipation an Innovationen etc.)
lässt sich so eine belastbare Alternative definieren.
Dazu
hilft es, auch eine Bewertung der beiden Szenarien aus SAP-Sicht vorzunehmen.
Angenommen, die Bewertung des Kunden ergibt für das Cloud-Szenario einen
größeren Netto-Vorteil als für das On-Prem-Szenario, für SAP jedoch einen
erheblich größeren monetären Vorteil, wenn der Kunde auf die Cloud-Lösung
umsteigt, dann kann man in der Verhandlung mit SAP einen gewissen Druck mit
Plan B aufbauen, bei dem SAP monetär schlechter abschneiden würde.
2. Schritt:
Entwicklung einer End-to-End Verhandlungsroadmap
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Um
nun die Erkenntnisse aus dem TVO-Bewertungssystem erfolgreich in den
Verhandlungen einzusetzen, gilt es vor Beginn der Verhandlung eine
ganzheitliche, mehrstufige, detaillierte Verhandlungsstrategie
auszuarbeiten. Inklusive einer Kommunikations-Roadmap und der Definition
möglicher Eskalationsschritte, die die spezifischen Anreizstrukturen des
Tech-Anbieters berücksichtigen. Die Devise heißt: Struktur schlägt Spontanität
– klare Roadmap statt situativer einzelner, isolierter Verhandlungsrunden.
3. Schritt:
Crossfunktionale Freigabe
aller Verhandlungshebel
Vor dem Start sind alle in der Verhandlung
einsetzbaren Hebel (Alternativen, Anreize, Konsequenzen) detailliert zu
bewerten und zu definieren. Zudem braucht das Verhandlungsteam von der
Unternehmensleitung das Commitment als alleiniger Verhandler für die
konsequente Umsetzung der Hebel. Das interne Commitment ist die entscheidende
Voraussetzung für die externe Wirkung.
4. Schritt:
Kontrollierte Konfrontation
Vorsichtiges
Taktieren hilft nicht. Entscheidend für den Erfolg ist ein frühzeitiges, klares
Adressieren der eigenen Ziele und der einzelnen Forderungen sowie die offene
Kommunikation der crossfunktional abgestimmten und von der Unternehmensführung
freigegebenen Konsequenzen, sollte der Tech-Monopolist kein Entgegenkommen
zeigen. Eine glaubwürdige Haltung von Anfang an erhöht die Chance auf Einigung
in Verhandlungen mit Monopolisten.
Zudem empfiehlt es sich,
frühzeitig über Partnervertriebe Verhandlungsalternativen zu generieren oder
alternative Ansprechpartner in der Zentrale zu suchen. Auch auf das Timing
kommt es an. Oft führen Tech-Konzerne ein bis zwei Monate vor Abschluss des Kalenderjahres
noch kurzfristige Vertriebsmaßnahmen oder Werbeaktionen durch, um den Absatz zu
steigern.
Das Unternehmen: NAG
Die NAG ist eine europäische Verhandlungsberatung. Gegründet 2018 hat die NAG Erkenntnisse der Spieltheorie
und der Verhaltensökonomie, von Psychologie und Data Science sowie den
Erfahrungen aus der eigenen Praxis zu einem System of Negotiation
verdichtet, das optimale Verhandlungsergebnisse ermöglichen soll. NAG hat mit
inzwischen 50 internationalen Expertinnen und Experten mehr als 2.900
Verhandlungsprojekte durchgeführt und mehr als 27 Mrd. EUR verhandeltes
Volumen pro Jahr. Zu seinen Kunden zählen internationale Konzerne sowie große
mittelständische Unternehmen.
FAQ - Verhandlungen mit Monopolisten
Wie stark sind die Preiserhöhungen großer Softwareanbieter zuletzt ausgefallen?
SAP hat die Wartungs- und Supportgebühren zweimal in Folge um jeweils bis zu 5% angehoben – 2024 und erneut im vergangenen Jahr. Salesforce erhöhte die Preise für mehrere Enterprise- und Unlimited-Editionen durchschnittlich um 6%. Experten schätzen, dass die Gesamtausgaben von Unternehmen für IT-Technologien in den kommenden Jahren jährlich um rund 7% steigen werden.
Was macht Verhandlungen mit Tech-Konzernen so schwierig?
Drei Faktoren erschweren die Verhandlungsposition: hohe interne Gewinnerwartungen, die der Vertrieb einhalten muss; komplexe Vertragsgestaltung, die Kunden unbemerkt in Unterlizenzierungen oder Verstöße gegen Lizenzbestimmungen treiben kann; und der Lock-in-Effekt, der einen Anbieterwechsel durch hohe Kosten, Personalaufwand und technische Hürden unattraktiv macht.
Was ist das Risiko bei Lizenzaudits?
Bei einem Lizenzaudit können Kunden schnell in eine Unterlizenzierung geraten oder Lizenzbestimmungen verletzen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Hinzu kommt das Risiko der sogenannten indirekten Nutzung, die häufig zu hohen Nachzahlungen führt – obwohl den Kunden oft nicht klar ist, was genau darunter fällt.
Was ist das TVO-Bewertungssystem und wie hilft es in Verhandlungen?
TVO steht für Total Value of Ownership und bewertet alle monetären und nichtmonetären Aspekte der eigenen Verhandlungsoptionen – Alternativen, Hebel, Konsequenzen und Anreize. Zusätzlich empfiehlt das Modell, die Situation auch aus Sicht des Anbieters zu bewerten. Hat der Anbieter ein deutlich größeres monetäres Interesse an einer bestimmten Option, lässt sich damit gezielt Verhandlungsdruck aufbauen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für Verhandlungen mit Tech-Konzernen?
Ein bis zwei Monate vor Jahresende führen viele Tech-Konzerne kurzfristige Vertriebsmaßnahmen durch, um ihre Absatzziele zu erreichen. Dieses Zeitfenster bietet Kunden eine erhöhte Verhandlungsbereitschaft auf Anbieterseite. Ergänzend empfiehlt sich, frühzeitig Alternativen über Partnervertriebe zu prüfen oder alternative Ansprechpartner in der Konzernzentrale zu suchen.