Heidelberger Druck startet sein zweites Rüstungsprojekt: Drohnenabwehr. Mit Onberg entsteht in Brandenburg an der Havel ein neues Geschäftsfeld für autonome Sicherheitssysteme.
Das Drohnenabwehrsystem von Ondas Autonomous Systems und das unbemannte Landfahrzeug (UGV) von HD Advanced Technologies dienen der Drohnenabwehr.Heidelberg/Onberg
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Summary: Heidelberger Druck baut seit 2025 sein Geschäft im Verteidigungs- und Sicherheitssektor aus. In Brandenburg an der Havel hat das Joint Venture ONBERG am 14. April 2026 den operativen Start vollzogen, um autonome Drohnenabwehrsysteme für kritische Infrastrukturen zu entwickeln, zu integrieren und industriell zu fertigen. Dahinter stehen Diversifizierung, Dual-Use-Strategie und der Aufbau eines europäischen Kompetenzzentrums.
Heidelberger Druckmaschinen erweitert sein Geschäft in Richtung Drohnenabwehr und Sicherheitsindustrie. Der Konzern, der mit Druckmaschinen groß geworden ist, will damit in einem Feld wachsen, das auf den ersten Blick weit vom klassischen Kerngeschäft entfernt liegt. Mit dem Joint-Venture Ondas baut der Konzern ein neues Geschäftsfeld für den Schutz kritischer Infrastruktur durch die Abwehr von Drohnen auf. Bereits Ende Juli 2025 stieg Heidelberg in die Rüstungsindustrie ein, in Form einer strategischen Partnerschaft mit dem Defence-Spezialisten Vincorion.
Wie wurde aus der Partnerschaft ein neues Geschäftsfeld?
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Dieser erste Schritt blieb nicht singulär. Nun kündigte Heidelberg gemeinsam mit der Tochter HD Advanced Technologies und Ondas Autonomous Systems die Gründung des Joint Ventures Onberg Autonomous Systems an. Ziel ist laut Unternehmen der langfristige Aufbau eines One-Stop-Shop für autonome Drohnenabwehrsysteme zum Schutz kritischer Infrastrukturen in Europa, darunter Flughäfen, Bundeswehr-Standorte und Energieversorger.
Operativ soll Onberg zunächst Produkte in Deutschland und der Ukraine vermarkten. Im nächsten Schritt ist eine Ausweitung auf die Europäische Union vorgesehen. Parallel sollen Entwicklung, Vertrieb und industrielle Fertigung in Deutschland aufgebaut und lokalisiert werden. Damit wird aus einer strategischen Ankündigung ein industrielles Aufbauprogramm mit klarem europäischen Fokus.
Standort für das JV ist Brandenburg an der Havel, dort entsteht das Kompetenzzentrum.
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Was passiert am Standort Brandenburg an der Havel?
Mit dem offiziellen Start von Onberg am 14. April 2026 ist das Projekt laut Heidelberg in die operative Phase eingetreten. Präsentiert wurde dort nicht nur die gesellschaftsrechtliche Gründung, sondern auch eine Live-Demonstration der Einsatzfähigkeit autonomer Drohnenabwehrsysteme.
Heidelberg beschreibt Onberg als integrierten Anbieter, der Entwicklung, Systemintegration und industrielle Serienfertigung unter einem Dach bündeln will – „made in Brandenburg“ und eingebettet in europäische Lieferketten. Der Standort wird damit zur zentralen industriellen Basis des neuen Sicherheitsgeschäfts.
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Laut Heidelberg ist das Werk bereits seit 1991 ein wesentlicher Bestandteil des Produktionsnetzwerks und fertigt auf rund 30.000 qm mechanische Komponenten und komplexe Baugruppen. Rund 380 Beschäftigte produzieren dort Tausende unterschiedliche Teile und Baugruppen. Diese vorhandene industrielle Basis soll nun das Rückgrat des neuen Geschäftsfelds bilden.
Warum setzt Heidelberg auf Drohnenabwehr?
Vorstandschef Jürgen Otto spricht beim Joint Venture nicht von einem opportunistischen Zusatzgeschäft, sondern vom „konsequenten, nächsten Schritt“ beim Ausbau des Dual-Use-Geschäfts. Im Zentrum steht damit nicht nur klassische Verteidigung, sondern auch ein Spektrum aus militärischen, zivilen und industriellen Sicherheitsanwendungen.
Gerade darin liege aus Sicht des Unternehmens die industrielle Anschlussfähigkeit. Die Technologien gelten als sicherheitskritisch, industriell skalierbar und passend zu den Kernfähigkeiten des Konzerns in Präzisionsmechanik, Fertigungstiefe, Montage und Serienproduktion. Schon die Partnerschaft mit Vincorion erscheint vor diesem Hintergrund weniger als Ausreißer denn als Testlauf für eine breitere Neupositionierung.
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Gleichzeitig ist der Schritt auch betriebswirtschaftlich notwendig: Das traditionelle Druckmaschinengeschäft ist konjunkturabhängig und steht seit Jahren unter einem enormen Transformationsdruck. Neue Wachstumsfelder jenseits des klassischen Printmarkts sind damit strategisch relevant. Heidelberg sucht diese Diversifizierung nach eigenen Angaben nicht über branchenfremde Finanzbeteiligungen, sondern über industrielle Felder, in denen Präzision, Mechatronik, Montagekompetenz und skalierbare Produktion gefragt sind.
Die Onberg-Systeme sind auf höchste Anforderungen der nationalen Sicherheit, des Grenzschutzes sowie militärischer, ziviler und industrieller Anwendungen ausgelegt.Onberg
Welche Rolle spielt die Industriepolitik?
Für Heidelberg ist das neue Geschäftsfeld auch industriepolitisch relevant. Das Unternehmen erklärt, dass sich mit amerikanisch-israelischer System- und Sensortechnologie einerseits und deutscher Fertigungspräzision andererseits ein Beitrag zu technologischer Souveränität und resilienteren europäischen Lieferketten leisten lasse. In einem Umfeld, in dem Europa Verteidigungsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Schutzinfrastruktur neu bewertet, sei das von zusätzlicher Relevanz.
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Dass beim Onberg-Start in Brandenburg neben Vertretern aus der Wirtschaft auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Israels Botschafter Ron Prosor vor Ort waren, unterstreicht die politische Bedeutung des Projekts. Der Aufbau von Drohnenabwehr wird damit nicht nur als neues Geschäftsfeld, sondern auch als industriepolitisch anschlussfähige Entwicklung positioniert.
Wie weit reicht der Strategiewechsel von Heidelberger Druck?
Heidelberg steigt nicht nur punktuell in das Rüstungsgeschäft ein. Der Konzern baut systematisch ein neues Standbein im Grenzbereich von Verteidigung, kritischer Infrastruktur und Dual-Use-Technologien auf. Erst die strategische Partnerschaft mit Vincorion, dann das Joint Venture mit Ondas, nun der operative Start von Onberg.
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Für einen Maschinenbauer mit langer Industriegeschichte ist das ein Rollenwechsel: vom Druckspezialisten zum Anbieter sicherheitsrelevanter Hochtechnologie.
Warum baut Heidelberger Druck das Geschäft mit Drohnenabwehr aus?
Der Konzern sucht neue Wachstumsfelder jenseits des konjunkturabhängigen Druckmaschinengeschäfts und nutzt dafür seine Stärken in Präzisionsmechanik, Montage und Serienfertigung.
Was ist Onberg im Zusammenhang mit Drohnenabwehr?
Onberg Autonomous Systems ist ein Joint Venture von Heidelberg, HD Advanced Technologies und Ondas Autonomous Systems für autonome Drohnenabwehrsysteme.
Wo wird Drohnenabwehr bei Heidelberg aufgebaut?
Der Aufbau erfolgt am Standort Brandenburg an der Havel, der zu einem Kompetenzzentrum für autonome Sicherheitssysteme ausgebaut werden soll. Der Standort ist bereits eine langjährige Produktionsstätte von Heidelberg.
Seit wann ist das Geschäft mit Drohnenabwehr bei Heidelberg operativ?
Der offizielle operative Start von Onberg erfolgte am 14. April 2026.
Für welche Anwendungen ist die Drohnenabwehr gedacht?
Im Fokus steht der Schutz kritischer Infrastrukturen wie Flughäfen, Bundeswehr-Standorte und Energieversorger.