Nachhaltige Beschaffung

Warum Unternehmen auf nachhaltige Beschaffung setzen

Die nachhaltige Beschaffung entwickelt sich laut Sustainable Procurement Barometer 2026 vom Compliance-Thema zum geschäftlichen Werttreiber.

Für den Einkauf ist Nachhaltigkeit kein Nice-to-have mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Für den Einkauf ist Nachhaltigkeit kein Nice-to-have mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Summary: EcoVadis hat das Sustainable Procurement Barometer 2026 gemeinsam mit Accenture vorgestellt. Die Auswertung zeigt, dass führende Beschaffungsorganisationen Innovation und KI stärker für ROI, Resilienz und Wachstum nutzen. Deutsche Unternehmen liegen bei mehreren Nachhaltigkeitskennzahlen über dem globalen Durchschnitt, zugleich bleiben Transparenz in tieferen Lieferkettenstufen und digitale Ungleichgewichte zentrale Herausforderungen.

Was zeigt das Sustainable Procurement Barometer 2026?

Nachhaltige Beschaffung liefert bei führenden Unternehmen inzwischen mehr Erträge aus Innovationen als aus Compliance. Das geht aus dem Sustainable Procurement Barometer 2026 von EcoVadis hervor, das in Zusammenarbeit mit Accenture erstellt wurde.

Unter den besten 10% der Unternehmen nennen 80% Innovation als wichtigsten Treiber für den Return on Investment ihrer nachhaltigen Beschaffungsprogramme. Bei den übrigen Unternehmen liegt dieser Wert bei 54%. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich der Schwerpunkt in den Beschaffungsorganisationen verlagert: Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur als Reaktion auf regulatorische Anforderungen verstanden, sondern zunehmend als Hebel für messbare Geschäftsergebnisse.

Wie deutsche Unternehmen bei nachhaltiger Beschaffung abschneiden

Deutsche Unternehmen erzielen in der Erhebung bei mehreren zentralen Kennzahlen überdurchschnittliche Werte. 78% der Unternehmen in Deutschland erfassen bereits Product-Carbon-Footprint-Daten. 58% haben Sichtbarkeit in mehr als 75% ihrer Tier-1-Lieferanten. 35% decken mehr als 50% ihres Ausgabenvolumens mit ESG-Plattformen ab.

Auch bei der organisatorischen Reife zeigt sich ein Vorsprung. 30% der deutschen Unternehmen haben bereits seit mehr als zehn Jahren ein Programm zur nachhaltigen Beschaffung implementiert. Zudem arbeiten 62% mit dedizierten Nachhaltigkeitsteams. Damit liegen deutsche Einkaufsorganisationen in mehreren Bereichen über dem globalen Durchschnitt.

Warum Innovation an Bedeutung gewinnt

Führende Beschaffungsorganisationen richten ihre Programme stärker auf Wertschöpfung aus. Im Fokus stehen Kreislaufprodukte, Ressourceneffizienz und lieferantengetriebene Innovation. Der Anteil der Unternehmen, die Innovationsinitiativen über 26% bis 75% der Lieferantenausgaben durchführen, ist deutlich gestiegen: Heute sind es 58%, im Jahr 2024 waren es 9%.

Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem wachsenden Druck auf Beschaffungsteams, gleichzeitig Kosten, Risiken und Disruptionen zu managen und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Unternehmen mit reiferen Programmen integrieren Nachhaltigkeit deshalb stärker in zentrale Geschäftsentscheidungen. Ziel ist es, Resilienz, Effizienz und Wachstum parallel zu verbessern.

Welche Rolle Resilienz und Umsatzwachstum spielen

Nach Untersuchungen von Accenture kosten Disruptionen Unternehmen jährlich mehr als 1,6 Bio. USD an entgangenem Umsatzwachstum. Unternehmen, die widerstandsfähigere Lieferketten proaktiv aufbauen, können Nachhaltigkeitsrisiken über mehrere Lieferantenstufen hinweg besser steuern. Zudem erzielen sie ein um 3,6% höheres Umsatzwachstum als ihre Mitbewerber.

Damit rückt nachhaltige Beschaffung enger an klassische Managementziele heran. Sie wird zum Instrument, um Lieferketten robuster zu machen und wirtschaftliche Nachteile aus Störungen zu begrenzen.

Wie KI die nachhaltige Beschaffung verändert

Eine neue Trennlinie verläuft laut Barometer bei der Nutzung digitaler Werkzeuge. Beschaffungsteams setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um auf Basis von Lieferantendaten schnellere und wirksamere Entscheidungen zu treffen. Operativ wird KI vor allem für Vorhersageanalysen, Risikoscreening und Datenvalidierung genutzt.

Weltweit nutzen 71% der Einkäuferinnen KI-Tools für Vorhersageanalysen, 63% für das Risikoscreening und 61% für die Datenvalidierung. Gleichzeitig hinken viele Lieferanten bei der Einführung solcher Technologien hinterher. Daraus entsteht eine digitale Asymmetrie zwischen Einkäuferinnen und Anbietern.

Wo deutsche Unternehmen bei KI vorne liegen – und wo nicht

Wo deutsche Unternehmen stehen.

In Deutschland liegt die Nutzung von KI in einzelnen Anwendungen über dem globalen Niveau, in anderen darunter. Bei Lieferantenanalysen kommen global 71% der Unternehmen auf KI zurück, in Deutschland sind es 77%. Bei der Risikoüberwachung von Lieferanten liegt Deutschland mit 55% hingegen unter dem globalen Wert von 63%. Bei der Validierung von CO2-Daten nutzen global 61% der befragten Unternehmen KI, in Deutschland sind es 68%.

Die Ergebnisse zeigen damit ein gemischtes Bild. Deutsche Unternehmen zählen bei einzelnen datengetriebenen Anwendungen zu den Vorreitern, bleiben bei anderen Feldern jedoch hinter der globalen Entwicklung zurück.

Was die Transparenz in der Lieferkette begrenzt

Die digitale Ungleichheit birgt das Risiko, bestehende ESG-Datenlücken weiter zu vergrößern. Das betrifft vor allem die Transparenz entlang mehrstufiger Liefernetzwerke. Fast 80% der Einkäuferinnen und EInkäufer haben Einblick in die Nachhaltigkeitsleistung von mehr als der Hälfte ihrer Tier-1-Lieferanten. In Tier 2 bleibt die Transparenz jedoch gering: Nur 12% erreichen dort eine Transparenz von 50% oder mehr. Tier 3 bleibt weitgehend undurchsichtig.

Gerade an diesen tieferen Stufen der Lieferkette zeigt sich, dass Fortschritte bei Datenverfügbarkeit und digitaler Steuerung noch nicht gleichmäßig verteilt sind. Das begrenzt sowohl die Transparenz als auch die mögliche Wertschöpfung.

Welche Prioritäten weltweit gesetzt werden

Das Sustainable Procurement Barometer 2026 zeigt eine weltweite Annäherung bei drei Kernthemen. Dazu zählen Netto-Null und CO2-Management, Arbeitspraktiken bei Lieferanten sowie Zirkularität und Ressourceneffizienz. Diese Themen prägen laut Studie in allen Regionen nachhaltige Beschaffungsstrategien.

CO2-Management bleibt der strategische Fixpunkt. 54% der Unternehmen nennen das Management von Lieferkettenemissionen und den Fortschritt in Richtung Netto-Null als einen der drei wichtigsten Programmschwerpunkte. Zugleich gewinnen Arbeitspraktiken der Lieferanten weiter an Bedeutung. Hohe Arbeitsstandards entwickeln sich mit zunehmender Reife der Programme zu einer Grunderwartung.

Daneben rücken neue Werthebel und neue Risiken stärker in den Fokus. Unternehmen befassen sich verstärkt mit Kreislaufwirtschaft und verantwortungsvoller KI. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Datenethik und digitale Rückverfolgbarkeit an Relevanz.

Wie EcoVadis und Accenture die Entwicklung einordnen

Nachhaltige Beschaffung wird zunehmend an Ergebnissen wie ROI, Resilienz und Wachstum gemessen, nicht mehr allein an Compliance. „Die Frage ist nicht mehr, ob in nachhaltige Beschaffung investiert werden soll. Entscheidend ist, wie sich damit messbare Geschäftsergebnisse erzielen lassen“, sagte Pierre-François Thaler, Mitgründer und Co-CEO von EcoVadis. „Die führenden Unternehmen nutzen Nachhaltigkeitsdaten für alltägliche Beschaffungsentscheidungen, setzen KI ein, um Risiko und Leistung in großem Maßstab zu steuern, und ziehen Lieferanten für Verbesserungen in die Verantwortung. Das ist es, was Nachhaltigkeit in Kostenkontrolle, Resilienz und Wachstum verwandelt.“

Auch Accenture verweist auf den betriebswirtschaftlichen Nutzen der Entwicklung. „Viele Unternehmen betrachten nachhaltige Beschaffung mittlerweile als einen zentralen Faktor für die Unternehmensleistung“, sagte Matias Pollmann-Larsen, Global Lead for Sustainable Value Chain bei Accenture. „Unternehmen, die Nachhaltigkeitsdaten mit KI kombinieren, treffen in ihren Lieferketten schnellere und fundiertere Entscheidungen. Dies stärkt die Widerstandsfähigkeit, verringert Störungen und sorgt für messbares Wachstum.“

FAQ - Sustainable Procurement Barometer

Warum ist nachhaltige Beschaffung laut Barometer 2026 so wichtig?

Weil führende Unternehmen damit messbare Geschäftsergebnisse erzielen und Innovation zunehmend vor Compliance steht.

Welche Rolle spielt KI in der nachhaltigen Beschaffung?

KI unterstützt Vorhersageanalysen, Risikoscreening und Datenvalidierung und beschleunigt datenbasierte Entscheidungen.

Wie stark ist nachhaltige Beschaffung in Deutschland entwickelt?

Deutsche Unternehmen liegen bei mehreren Kennzahlen über dem globalen Durchschnitt, etwa bei Product-Carbon-Footprint-Daten und dedizierten Nachhaltigkeitsteams.

Wo liegen die größten Lücken in der nachhaltigen Beschaffung?

Vor allem bei der Transparenz in Tier-2- und Tier-3-Lieferketten sowie bei der digitalen Ungleichheit zwischen Einkäufern und Lieferanten.

Welche Themen prägen die nachhaltige Beschaffung weltweit?

CO2-Management, Arbeitspraktiken bei Lieferanten sowie Zirkularität und Ressourceneffizienz stehen global im Fokus.