Energiepreisschock: Drei Strategien für den Einkauf
Der Energiepreisschock infolge des Irankriegs stellt Einkäufer erneut vor die Frage: Wie lassen sich Verhandlungsstrategien anpassen, um Risiken für Preise und Lieferketten zu senken? Die NAG hat drei Empfehlungen.
Katharina Weber, Negotiation Advisory Group (NAG)Katharina Weber,Negotiation Advisory Group (NAG)
Warum wird der Energiepreisschock zum Risiko für Lieferketten und Budgets? Drei Verhandlungsmechanismen sollen Unternehmen stabiler machen.Yellow Boat - stock.adobe.com
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Summary:
Der Irankrieg und die zeitweise Schließung der Straße von Hormuz haben die Energiepreise stark steigen lassen. Unternehmen sehen sich erneut mit volatilen Rohstoff- und Energiemärkten konfrontiert. Hier finden Sie drei Empfehlungen für partnerschaftliche Lösungen zwischen Einkäufern und Lieferanten, wie sich die Risiken für Preise und die Lieferkette reduzieren lassen.
Warum der Energiepreisschock die Einkaufsstrategien verändert
Es
ist noch nicht lange her, dass Unternehmen ihre Lager bewusst auf ein Minimum
reduzierten, um Kosten zu sparen. Das Ideal war die schlanke Produktion, bei
der die Unternehmen Rohstoffe und Vorprodukte zeit- und mengengenau sowie in
der richtigen Reihenfolge von ihren Lieferanten in die Produktion einspeisen
lassen. Doch dieses Modell ist spätestens seit dem Ukrainekrieg obsolet. Nun
hat der Irankrieg mit der Schließung der Straße von Hormuz erneut die
Einkaufsplanung vieler Unternehmen durchkreuzt: Der Ölpreis stieg zeitweilig
auf fast 120 USD, der Gaspreis auf 63 EUR/MWh – ein
Schock für Börsen und Wirtschaft.
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Zwar
sind die Preise inzwischen wieder etwas gefallen. Ob aber die aktuelle Dramatik
schnell abebbt, ist ungewiss. US-Präsident Donald Trump konnte mit seiner
Behauptung, „der Krieg sei so gut wie beendet“, die Unsicherheit auf den
Märkten jedenfalls nicht beschwichtigen. Die aktuelle Volatilität der
Energiepreise ist jedoch keine Ausnahme auf ansonsten ruhigen Märkten.
Die
Energie- und Rohstoffmärkte reagieren heute schneller und stärker auf
geopolitische Risiken, Veränderungen in der Regulatorik, Kapazitätsengpässe,
Wetterereignisse und Währungsbewegungen. Deshalb müssen sich die Unternehmen
darauf einstellen, dass die Preise für Rohstoffe und Energie weiterhin stark schwanken und kaum
vorhersehbar sind. Und damit
sind sie ein Risiko für Margen, Budgets und Lieferfähigkeit der Unternehmen – eine Herausforderung für das
Einkaufsmanagement.
Was passiert, wenn Unternehmen erst in der Krise verhandeln?
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Denn
wer diese Risiken nicht beherrscht, dem drohen Nachverhandlungen mit
Lieferanten als Dauerzustand. Und bei Lieferengpässen oder plötzlichen
Preisbewegungen kann sich Verhandlungsmacht abrupt verschieben: Lieferstopps,
„take it or leave it“-Zuschläge, Priorisierung anderer Kunden: Wer erst in der
Krise verhandelt, zahlt oft mit Preis, Konditionen oder Beziehung.
Und
wer in unsicheren, internationalen Märkten nur über den Preis verhandelt, hat den Ernst der Stunde nicht
verstanden. Projekte und
Serienversorgung brauchen stabile Lieferbeziehungen, nicht nur „gute Preise“.
Wenn Material fehlt oder Lieferanten unter Druck geraten, helfen die besten
Konditionen nichts.
Aber
wie kann das Einkaufsmanagement die Risiken von Volatilität, Kosten,
Projektstillstand, Claim-Spiralen und Eskalation entlang der Lieferkette
beherrschbar machen? Die Integration
der folgenden drei
Mechanismen in Verhandlung sichert Verfügbarkeit und Umsetzbarkeit – und
schützt Termine, Qualität und Kundenzusagen.
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Die Autorin
Katharina Weber ist Gründungsmitglied und CEO der Negotiation Advisory Group (NAG). Sie hat Volkswirtschaft mit Schwerpunkt auf Wettbewerbsökonomie und Spieltheorie studiert und verfügt über langjährige Beratungserfahrung in großvolumigen und hochkomplexen Verhandlungen.
1.
Warum Preisformeln und Indizes Konflikte reduzieren können
Nachforderungen
(„Energie ist teurer geworden, wir brauchen x Prozent mehr“) führen fast immer
zu Konflikten. Da ist zum einen das Problem, detailliert nachweisen zu können,
welche Kosten wirklich gestiegen sind und in welchem Umfang sie genau dieses
Produkt betreffen. Zum anderen besteht der der nicht ungerechtfertigte
Verdacht, dass Preise fast immer nur erhöht, aber nie gesenkt und
Effizienzgewinne nicht fair geteilt werden. Zudem liegt Konfliktpotenzial in
der Frage, ab wann und wie lange die Änderung gilt und was passiert, wenn die
Preise wieder fallen?
Diese
Konflikte lassen sich durch Preisformeln und Indizes lösen, die
Konditionsveränderungen berechenbar und nachvollziehbar machen. Dann muss
nicht mehr bei jeder Veränderung nachverhandelt werden, sondern es gilt, einmal
grundsätzlich eine Preisformel zu erarbeiten, die die variablen
Kostenkomponenten wie Energie, Rohstoffe, Transport, Währung (im Unterschied zu
den fixen) erfasst, und sich auf dafür akzeptierte Indizes zu einigen.
Verhandlungen
werden dadurch sachlicher. Indem Regeln für den Fall von Veränderungen vorab
vereinbart sind, entsteht weniger Konfliktpotenzial.
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2. Wie Caps , Floors und Triggerpunkte Planungssicherheit schaffen
Die
bloße Indexierung ist jedoch nicht völlig unproblematisch: Zwar macht sie
Preise fair und nachvollziehbar, aber sie machen Einkauf und Budget noch
nicht planbar. Deshalb sollten Indizes immer mit Leitplanken verbunden sein.
Caps (Obergrenzen) schützen Budgets und Margen des Käufers vor Extrembewegungen
und zwingen die Verhandlungspartner, über Alternativen nachzudenken, wenn diese erreicht werden – etwa eine
Anpassung der Laufzeit oder des Volumens als Gegenleistung.
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Umgekehrt
sind Floors (Untergrenzen) festzulegen für den Fall, dass Preise und Indizes
stark fallen – im Interesse des Lieferanten. Caps und Floors fördern insofern
die Akzeptanz auf beiden Seiten, da sie die Volatilität nach oben und unten
begrenzt. Der Einkauf kann so Risiken besser quantifizieren (Worst/Best Case)
und die Lieferanten müssen bei Preiserhöhungen nicht ständig nachverhandeln und
sich rechtfertigen.
Zusätzlich
sollten Triggerpunkte vereinbart werden, damit nicht jede kleine Indexbewegung
zu Rechnungsänderungen, Gutschriften und Diskussionen führt. Das senkt den
administrativen Aufwand und verleiht der Zusammenarbeit mehr Stabilität, weil
nicht ständig Anpassungen erfolgen müssen.
Key Facts für den Einkauf 2026
Hedge-Quote: Führende Industrieunternehmen sichern 2026 bis zu 60 bis 70 % ihres Energiebedarfs über langfristige PPA (Power Purchase Agreements) oder Derivate ab.
Resilience Scoring: Der Einkauf bewertet Lieferanten nicht mehr nur nach Preis, sondern nach einem Geopolitical Risk Score.
Digitaler Zwilling: Der Einsatz von KI-gestützten Tools zur Echtzeit-Überwachung von Lieferketten ist zum Standard geworden, um auf Triggerpunkte sofort reagieren zu können.
3.
Welche Prozesse für Energieklauseln entscheidend sind
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In
der Praxis scheitern viele Preis- und Energieklauseln nicht am Konzept, sondern
an der Umsetzung. Ohne definierte Nachweise und Prozesse entstehen zwangsläufig
Konflikte, etwa über Art und Umfang der Belege, die Anrechnung von
Subunternehmerkosten, den genauen Zeitpunkt der Preisanpassung oder wenn nicht
geklärt ist, wie man sich im Streitfall einigt.
Wichtig
ist deshalb, vorab sauber die Prozesse zu klären und Einigung zu erzielen über
die Dokumentationspflichten (Indexauszug, Rechnungen, Zuschlagsbelege,
Berechnungsblatt), die Fristen (Ankündigungsfrist, Prüffrist,
Gültigkeitszeitraum), die Zuständigkeiten (wer prüft fachlich, wer
genehmigt kaufmännisch) und den Prozess im Fall von Streitigkeiten (Zahlung
unter Vorbehalt, Mediation, außergerichtliche Einigung unter Einschaltung von
Experten).
Wettbewerbsvorteil
durch stabile Lieferbeziehungen
In
volatilen Märkten gewinnen die Unternehmen an Resilienz, die fair und
transparent Risiken teilen, schnell entscheiden können und die
Lieferbeziehungen stabil halten. Die Integration dieser drei Mechanismen in die
Verhandlung eröffnet Managementteams mehr Handlungsspielraum, wenn die Märkte
mal wieder nervös werden.
Leute fragten auch
Wie berechnet man eine Preisgleitklausel im Einkauf?
Antwort: Eine Preisgleitklausel kombiniert einen Festpreisanteil (ca. 70-80 %) mit einem variablen Anteil, der an Indizes wie den Erzeugerpreisindex gebunden ist.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormuz für den Ölpreis 2026?
Antwort: Da ca. 20 % des weltweiten Erdöls und Flüssigerdgases (LNG) durch dieses Nadelöhr fließen, führt jede Schließung zu einem sofortigen Risikoaufschlag von schätzungsweise 15-25 % auf die Weltmarktpreise.
Sind Just-in-Time-Strategien 2026 noch sinnvoll?
Antwort: Nur noch bedingt. Viele Unternehmen sind zu "Just-in-Case" übergegangen, erhöhen also ihre Sicherheitsbestände bei kritischen Rohstoffen (strategisches Stockpiling).
Welche Auswirkungen hat der Energiepreisschock auf den Einkauf?
Der Energiepreisschock führt zu stark schwankenden Energie- und Rohstoffpreisen, die Budgets, Margen und Lieferketten der Unternehmen unter Druck setzen.
Wie können Unternehmen den Energiepreisschock in Verhandlungen berücksichtigen?
Preisformeln und Indizes ermöglichen transparente und nachvollziehbare Preisanpassungen ohne ständige Nachverhandlungen.
Warum sind Caps und Floors beim Energiepreisschock sinnvoll?
Sie begrenzen extreme Preisbewegungen nach oben und unten und schaffen mehr Planungssicherheit für Käufer und Lieferanten.
Welche Rolle spielen Prozesse beim Umgang mit dem Energiepreisschock?
Klare Regeln zu Nachweisen, Fristen und Zuständigkeiten verhindern Konflikte und erleichtern die Umsetzung von Preis- und Energieklauseln.