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Rohstoffe-Beschaffung: Einkauf Kobalt – Blauer Shooting-Star

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11.05.2017

Rohstoffe-Beschaffung: Einkauf Kobalt – Blauer Shooting-Star

Kobalt ist neben Lithium derzeit das für die Lithium-Ionen-Batterien von Elektroautos wichtigste Element. Doch zwei Drittel des blauglänzenden Metalls liegen in der politisch instabilen Demokratischen Republik Kongo.

Vom Reichtum, den sie schaffen, wissen die Kinder nichts, die in der Demokratischen Republik Kongo mit bloßen Händen Erze abbauen. Dabei bringen sie  mit jedem Sack Kupfererz, den sie aus den Gruben tragen, auch Kobalt an die Oberfläche.

Während der Preis für Kupfer im Zuge der Rohstoffkrise der vergangenen um über 22 Prozent sank, verdoppelte sich jener für den Einkauf von Kobalt bis Mitte des Jahres 2018 auf gut 47.000 US-Dollar pro Tonne. Seitdem fällt der Preis wieder.

Den Höhenflug des blauen Metalls befeuerten  dabei auch Spekulationen großer Hedgefonds, die seit Ende 2016 rund fünf Prozent der weltweiten Kobaltproduktion aufkauften. Ihre Gier zeigt, dass die Weltwirtschaft nicht auf das Schwermetall verzichten kann und die Nachfrage danach in den kommenden Jahren steigen wird.

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Bild: Adobe Stock – nupho

Wofür wird Kobalt verwendet?

Da der wichtige Rohstoff extrem hart ist und erst bei 1.492 Grad Celsius schmilzt, ist es bei der Herstellung von besonders verschleißfesten und hitzebeständigen Eisenlegierungen nicht zu ersetzen. Die Legierungen selbst werden für die Produktion von Schneidwerkzeugen, Laufschienen von Kettensägen, Rasierklingen, Hochleistungsbohrern, künstlichen Gelenken aber auch für den Bau von Flugzeugtriebwerken und Turbinen eingesetzt.

Daneben findet das Element in Legierungen für den 3D-Druck, bei der Fertigung von Katalysatoren sowie in Verbindung mit Silizium bei der Produktion von Farben Verwendung. Mit Kobalt mischten schon die mittelalterlichen Dombauhütten die Blautöne ihrer Kirchenfenster.

 

Verwendung des Rohstoffs Kobalt

Verwendung des Rohstoffs Kobalt. Quelle: BGR

 

Durch nichts zu ersetzen ist das Element außerdem bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien für die E-Mobilität. Da sich in der Schichtstruktur von Lithium-Kobaltoxid besonders gut Lithium einlagern kann, lassen sich mit Kobalt-Kathoden Batterien mit einer besonders hohen Energiedichte fertigen, die sich gleichzeitig sehr schnell aufladen lassen.

Gut die Hälfte der gut 129.000 Tonnen Kobalt, die Minenbetreiber 2016 abgebaut haben, ging deshalb in die Produktion von Batterien für Smartphones, Tablet-PCs, Digitalkameras, Akkuschrauber und Elektroautos. Ingenieure arbeiten zwar mit Hochdruck daran, den Materialanteil von Kobalt in Lithium-Ionen-Batterien zu senken – dieser beträgt zwischen zehn und 20 Prozent. Experten rechnen jedoch nicht damit, dass dies vor dem Jahr 2020 gelingt.

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Da die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Speichern solange wachsen wird, bis eine Alternative zur Verfügung steht, erwarten die Analysten des australischen Bankhauses Macquarie, dass sich das leichte Überangebot, das bislang auf dem Kobaltmarkt bestand, schon im laufenden Jahr in eine Produktionslücke von rund 900 Tonnen verwandelt.

Im Jahr 2020, so die Banker, werden Unternehmen gut 5.300 Tonnen mehr Kobalt nachfragen als Förderunternehmen abbauen. Kein Wunder, dass der Preis für das Metall ins Blaue schießt.

Wer baut Kobalt ab?

Zumal mit 74.000 Tonnen ein einziges Land fast zwei Drittel des weltweit angebotenen Kobalts fördert: die Demokratische Republik Kongo. In dem zentralafrikanischen Staat lagert mit 3,4 Millionen Tonnen zudem fast die Hälfte der globalen Reserven. Ein Fünftel des im Kongo gewonnenen Rohstoffs stammt dabei aus handwerklichen Minen im Süden des Landes, in denen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF gut 40.000 Kinder und Jugendliche arbeiten.

 

Einkauf Kobalt: Förderländer des Rohstoffs

Einkauf Kobalt: Die wichtigsten Förderländer des Rohstoffs. Quelle: BGR

 

Für Einkäufer, die durch die Corporate-Social-Responsibility-Politik ihrer Unternehmen an strikte ethische Standards gebunden sind – etwa keine Kinderarbeit -, sind die Abbaubedingungen im Kongo deshalb heute das größte Einzelrisiko beim Einkauf von Kobalt, warnt Colin Hamilton, Direktor des Rohstoff-Research bei Macquarie. In der Vergangenheit unterbrachen längere Phasen politischer Gewalt und Instabilität nach Machtwechseln fast immer die Rohstofflieferketten.

Wer bei der Beschaffung des Schwermetalls auf andere Anbieter ausweichen will, hat es jedoch schwer. Denn die Förderung konzentriert sich auf sehr wenige Staaten. Australien, China, Kanada, Russland, und Sambia steuern jeweils fünf bis sechs Prozent zum globalen Angebot bei. Insgesamt stammen somit 86 Prozent des weltweit geschürften Kobalts aus nur fünf Ländern.

Wie wird Kobalt gewonnen?

Doch das sind nicht die einzigen Unwägbarkeiten bei der Versorgung der Weltwirtschaft mit Kobalt. Denn zum einen liegen die Fördermengen in Australien, Russland und Sambia heute unter den Werten, die dort vor zehn Jahren erreicht wurden. Zum anderen liegen 98 Prozent der weltweiten Kobaltvorkommen nicht in Reinform vor, sondern sind mit Nickel- und Kupfererzen vergesellschaftet.

Gut 55 Prozent des weltweit gewonnenen Kobalts fällt deshalb als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, weitere 35 Prozent bei der Förderung von Nickel an. Sinkt die Nachfrage nach diesen Metallen, geht auch das Angebot an Kobalt zurück.

Wie die Lagerstätten der Kobaltvorkommen liegt auch die Weiterverarbeitung der geschürften Erze in der Hand weniger Unternehmen. Zehn Anbieter kontrollieren dabei die Hälfte der weltweiten Raffineriekapazitäten – darunter Eurasian Resources Plc mit Sitz in London, Sherritt International Corporation und Katanga Mining Limited aus Kanada, der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore Plc und die chinesischen Unternehmen Huayou Cobalt und China Molybdenum Co. Ltd (CMOC).

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Einkauf Kobalt: China sichert sich Rohstoffvorräte im Kongo

CMOC erwarb 2016 für 2,65 Milliarden US-Dollar eine 56-prozentige Beteiligung an der größten Kupfermine Afrikas –Tenke Fungureme in der Demokratischen Republik Kongo. Mit 16.000 Tonnen stammten im vergangenen Jahr gut zwölf Prozent des weltweiten geförderten Kobalts aus dieser Grube. Da 2016 ganze 48.000 der 54.000 Tonnen Kobalt, die China importierte, aus dem Kongo stammten, ist der Zugriff auf die dortige Kobaltförderung für die Volksrepublik von entscheidender strategischer Bedeutung.

Immerhin ist China bei der Versorgung mit Rohstoffen keinem anderen Lieferanten so ausgeliefert wie dem Staat am Kongo. Gleichzeitig will die Volksrepublik künftig nicht mehr nur die Bezugsquelle sein, aus der Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien ihr Kobalt beziehen, sondern selbst zum wichtigsten Anbieter derartiger Akkus aufsteigen. Neun von zehn derzeit geplanten neuen Fabriken für Lithium-Ionen-Batterien sollen deshalb in China entstehen.

Manganknollen als Kobaltquelle

Unternehmen und Staaten, die sich diesen Abhängigkeiten entziehen wollen, müssen bei der Suche nach neuen Kobaltlagerstätten kreativ sein. Die Bundesrepublik hatte dabei die zündende Idee. Sie ließ sich von der Internationalen Meeresbodenbehörde  der Vereinten Nationen die Explorationsrechte für ein rund 75.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Zentralpazifik übertragen.

Dort lagern in 5.000 Metern Tiefe rund 176 Millionen Tonnen Manganknollen, die neben ihrem namengebenden Hauptbestandteil auch bis zu ein Prozent Kobalt enthalten. Derzeitiger Marktwert des Fundes: gut 30 Milliarden Euro. Das ist jedoch kein Einzelfall. Insgesamt, so die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, lagern in den Weltmeeren noch rund sechs Milliarden Tonnen Kobalt.

Einkauf Kobalt: Das müssen Sie über den Rohstoff wissen

Zusammenfassung Rohstoff Kobalt
Beschreibung · chemisches Element ‚Co‘ mit der Ordnungszahl 27
· blau-gräulich glänzendes Metall
· Kobalt wird als Nebenprodukt der Kupfer- und Nickelproduktion gewonnen
Verwendung · Batterien (41%)
· Superlegierungen und Hartmetalle (33%)
· Färbemittel (6%)
· Magnete (5%)
· Katalysatoren (5%)
Größte Förderländer · Demokratische Republik Kongo (59%)
· China (6%)
· Australien (5%)
Größte kobaltfördernde Unternehmen (mit Anteil an der weltweiten Kobaltförderung) · Glencore International Plc. (12%)
· Freeport-McMoRan Copper & Gold Inc. (6,7%%)
· PJSC MMC Norilsk Nickel (4,8%)
Vorhandene Reserven* 7,3 Mio. Tonnen
Vorhandene Ressourcen** 15 Mio. Tonnen
Statistische Reichweite der Reserven 56 Jahre
Statistische Reichweite der Ressourcen 116 Jahre
Recyclingquote 85% des in Batterien verwendeten Kobalts werden heute wiedergewonnen
Substituierbarkeit In Legierungen ist Kobalt nicht substituierbar. In der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien stehen andere Technologien zur Verfügung, die aber noch zur Marktreife entwickelt werden müssen.
Jahresproduktion von Kobalt 2016 129.000 Tonnen.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

*Reserven = aktuell bekannte, mit der vorhandenen Technologie rentabel ausbeutbare Vorkommen

**Ressourcen = aktuell bekannte, aber noch nicht rentabel ausbeutbare Vorkommen

 

Autor: Gerd Meyring

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Autor: Dörte Neitzel

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