Eine hochgefahrene Schranke mit dem Schild Zoll-Douane

Freihandelsabkommen bauen Zölle ab - eine wirtschaftliche und meist auch bürokratische Erleichterung für den Einkauf. (Bild: bluedesign - stock.adobe.com)

| von Gerd Mischler und Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 11. Feb. 2021

302 aktive regionale Handelsabkommen zwischen zwei oder mehr Staaten zählte die Welthandelsorganisation (WTO) Ende des Jahres 2019. Den größten Sprung machte der Freihandel nach dem Ende des Kalten Krieges bis 2010.

Seit 2017 steigt die Zahl der Abkommen jedoch nur noch langsam. Die an Freihandelsabkommen beteiligten Staaten verzichten weitestgehend auf Export- und Importzölle.

Nicht selten bauen sie auch nichttarifäre Handelshemmnisse ab. Das sind zum indirekte protektionistische Maßnahmen. Auch Standards und Vorgaben zum Beispiel für Zulassen sind oft Teil der Abkommen.

Für die Wirtschaft ist der Trend positiv: Sie profitiert vom Handel ohne Grenzen, sowohl beim Einkauf als auch Verkauf der Produkte. Alleine die EU (selbst ein Freihandelsabkommen) blickt aktuell auf etwa 70 Freihandelsabkommen mit Drittstaaten.

Balkendiagramm, das die steigende Anzahl der Freihandelsabkommen von 1970 bis 2019 zeigt
Anzahl der weltweiten Freihandelsabkommen. (Quelle: WTO, Grafik: TECHNIK+EINKAUF)

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Freihandelsabkommen, die die EU bilateral oder multilateral abgeschlossen hat.

Freihandelsabkommen der EU

Freihandelsabkommen Europäische Union (EU)

In Kraft seit: 1992, Vorläufer Europäische Wirtschaftsgemeinschaft 1957

Mitgliedsstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern

Kandidatenländer: Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Türkei

Ehemaliges Mitglied: Großbritannien

Einwohner (2021): 446 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 13,94 Billionen Euro

Handelsgüter: Agrar- und Industrieprodukte sowie Dienstleistungen jeder Art

Deutsche Importe aus der EU (2019): 593 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die EU (2019): 777,42 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen Europäischer Wirtschaftsraum, EWR

Der Europäische Wirtschaftsraum dehnt die EU-Bestimmungen über den Binnenmarkt hinaus aus. Er ist eine Freihandelszone zwischen der EU und drei Ländern der Europäischen Freihandelszone EFTA. Die Schweiz ist nicht im EWR. Geregelt werden unter anderem eine gemeinsame Sozialpolitik, Verbraucherschutz und Statistiken. Es gelten 80 Prozent der Binnenmarktregeln der EU, Zölle wurden abgeschafft.

Gründung: 1994

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen

Einwohner (2019): 452 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 14,53 Billionen Euro

Handelsgüter: Industrieprodukte und Dienstleistungen jeder Art, Erdöl und -gas (Norwegen)

Deutsche Importe aus Island, Liechtenstein, Norwegen (2019): 12,92 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Island, Liechtenstein, Norwegen (2019): 10,32 Milliarden Euro

Zollunion EU – Türkei

Die Zollunion gilt nicht für landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie für Kohle- und Stahlerzeugnisse. Gewerbliche Waren mit Ursprung in der Türkei, zu denen auch landwirtschaftliche Verarbeitungserzeugnisse sowie Kohle- und Stahlerzeugnisse gehören, sind in das System der Paneuropäischen Ursprungskumulierung eingebunden.

Gründung: 1996

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Türkei

Einwohner (2019): 528 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Türkei (2019): 679,5 Milliarden Euro

Handelsgüter: Leichtindustrie, Vorkomponenten mit mittlerer Wertschöpfungstiefe, Tourismus

Deutsche Importe aus der Türkei (2019): 15,86 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die Türkei (2019): 19,56 Milliarden Euro

 

Mitteleuropäisches Freihandelsabkommen, Central European Free Trade Agreement, CEFTA

Das Mitteleuropäische Freihandelsabkommen (Central European Free Trade Agreement, CEFTA) ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und einigen Balkanstaaten sowie Staaten ist Osteuropa. Viele ehemalige Mitgliedsländer sind mittlerweile Teil der EU. Daher gilt die Teilnahme am CEFTA aufgrund der damit verbundenen Kriterien als Vorbereitung für einen möglichen Beitritt zur Europäischen Union.

In Kraft seit: 1992

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Moldau, Montenegro, Serbien

Ehemalige Mitglieder: Polen, Ungarn, Tschechoslowakei (Slowakei, Tschechien), Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien

Einwohner (2019): 487 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten ohne die EU (2019): 111,43 Milliarden Euro

Handelsgüter: Industrielle Waren, landwirtschaftliche Produkte

Deutsche Importe aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Moldau, Montenegro, Serbien (2019): 6,38 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Moldau, Montenegro, Serbien (2019): 5,8 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen EU – Botswana, Lesotho, Namibia, Südafrika, Swasiland

Namibia, Botswana, Swasiland und Lesotho haben mit dem Abkommen einen zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten. Südafrika als stärkere Volkswirtschaft muss nur auf einen sehr kleinen Anteil seiner EU-Exporte Abgaben zahlen. Im Gegenzug müssen die afrikanischen Länder ihre Märkte für Produkte aus Europa öffnen und Zölle für 86 Prozent der Einfuhren beseitigen. Das FHA steht in der Kritik, da vor allem die kleineren Länder zuvor bereits freien Zugang zum EU-Markt hatten, ohne dafür ihren eigenen Markt öffnen und dadurch auf Zolleinnahmen verzichten zu müssen.

In Kraft seit: 2016

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Botswana, Lesotho, Namibia, Südafrika, Swasiland

Einwohner insgesamt (2019): 511,73 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten ohne die EU (2019): 348 Milliarden Euro

Handelsgüter: Landwirtschaftliche Produkte, Rohstoffe, Leichtindustrie und Automobile (Südafrika)

Deutsche Importe aus Botswana, Lesotho, Namibia, Südafrika, Swasiland (2019): 6 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Botswana, Lesotho, Namibia, Südafrika, Swasiland (2019): 10 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen der EU mit Kanada (CETA)

CETA soll dafür sorgen, dass die Zölle auf 98,6 Prozent der kanadischen und 98,7 Prozent aller EU-Güter vor. Industriewaren sollen komplett zollfrei werden. Im Agrarbereich sollen 91,7 Prozent aller Produkte zollfrei werden. Der Rest (etwa Käse) bekommt Kontingente oder ist vom Zollabbau ausgenommen (Hühnerfleisch, Eier und Eiprodukte).

Gründung: Ratifizierung durch das EU-Parlament am 15. Februar 2017, Ratifizierung durch die nationalen Parlamente der Mitgliedsstaaten steht noch aus. Seit dem 21. September 2017 wird CETA vorläufig angewendet (außer dort, wo mitgliedsstaatliche Kompetenzen berührt werden)

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Kanada

Einwohner (2019): 483,6 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten: 13,941 Billionen Euro Handelsgüter: Industrie- und Agrarprodukte sowie Dienstleistungen, Rohstoffe (Kanada)

Deutsche Importe aus Kanada (2019): 5,62 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Kanada (2019): 10,765 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Republik Korea

Die meisten Zölle auf gewerbliche Waren mit Ursprung aus der EU bzw. Korea wurden seit dem Inkrafttreten abgeschafft. Bei Agrarprodukten dauert es etwas länger, bis zu 15 Jahren. Für einige Waren gelten Jahreskontingente für die Einfuhr. Reis ist beim Abkommen nicht mit eingeschlossen. Besonders für die Automobilindustrie in der EU gibt es weitreichende Bestimmungen über den Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse vor. Bei der Unterhaltungselektronik musste Korea im Gegenzug viele europäische Standards anerkennen.

In Kraft seit: 2011

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Republik Korea (Südkorea)

Einwohner (2019): 497,6 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Republik Korea (2019): 1,47 Billionen Euro

Handelsgüter: Industriewaren, Dienstleistungen, Agarprodukte, Normen und Standards anerkennen, Schutz geistigen Eigentums

Deutsche Importe aus der Republik Korea (2019): 12,383 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die Republik Korea (2019): 17,231 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen EU – Vietnam

Beim Handel mit Waren sieht das Abkommen einen sofortigen vietnamesischen Zollabbau für eine Vielzahl von Waren aus der EU. Für von Vietnam als sensibel oder hochsensibel eingestufte Importwaren gilt ein stufenweiser Zollabbau von bis zu zehn Jahren. So können zum Beispiel fast sämtliche Maschinen und Anlagen mit Ursprung in der EU zollfrei in Vietnam eingeführt werden. Für Personenkraftwagen gilt ein Zollabbau von bis zu zehn Jahren, für Kraftfahrzeugteile sieben Jahre. Für 70 Prozent der EU-Exporte von chemischen Erzeugnissen nach Vietnam gilt Zollfreiheit, für den Rest ist ein stufenweiser Zollabbau von drei, fünf oder sieben Jahren vereinbart. Für Weine und Spirituosen aus der EU gilt eine Zollabbaufrist von sieben Jahren, für Bier zehn Jahre.

Gründung: 1. August 2020

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Vietnam

Einwohner: 542 Millionen Bruttoinlandsprodukt Vietnam (2019): 294,36 Milliarden Euro

Handelsgüter: Leichtindustrie, Elektrotechnik

Deutsche Importe aus Vietnam (2019): 9,73 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Vietnam (2019): 4,29 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen EU und Japan (JEFTA)

Das FHA bedeutet vor allem für EU-Agrarprodukte einen erleichterten Zugang zum japanischen Markt. Für den Import von EU-Schweinefleisch wird eine Kombination aus einem prozentualen Wertezoll und einem Festbetrag je Kilogramm fällig. Der Wertzoll soll innerhalb von elf Jahren von 4,3 Prozent auf null sinken. Bei Milchprodukten wurde der Zollabbau innerhalb von Mengenquoten beschlossen. Bei gewerblichen Waren gibt es einen kompletten Zollabbau innerhalb von sieben Jahren (Pkw, Lkw, Busse etc.), bei Motorrädern sind es fünf Jahre.

In Kraft seit: 2019

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Japan

Einwohner (2019): 572,5 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Japan (2019): 4,54 Billionen Euro

Handelsgüter: Industriewaren, Agrarprodukte

Deutsche Importe aus Japan (2019): 23,99 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Japan (2019): 20,66 Milliarden Euro

Gestapelte Container im Hafen von Hongkong
Gestapelte Container im Hafen von Hongkong. (Bild: Gestapelte Container im Hafen von Hongkong - stock.adobe.com)

Freihandelsabkommen EU und Singapur (ESFTA)

ESFTA umfasst zwei Abkommen. Ein Freihandelsabkommen enthält die Bereiche mit ausschließlicher EU-Zuständigkeit. Das andere ist ein Investitionsschutzabkommen. Waren, die ihren Ursprung im jeweiligen Land haben, sind (oder werden noch) zollfrei gestellt. Auch nichttarifäre Handelshemmnisse sollen abgebaut werden. So sollen etwa Prüfverfahren bei technischen Vorschriften oder Pflanzenschutz- sowie Lebensmittelregelungen gegenseitig anerkannt werden.

In Kraft seit: 2019

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Singapur

Einwohner (2019): 451,6 Millionen Bruttoinlandsprodukt Singapur (2019): 332,33 Milliarden Euro

Handelsgüter: Waren, Dienstleistungen, E-Commerce, Schutz des geistigen Eigentums, öffentliche Beschaffung

Deutsche Importe aus Singapur (2019): 5,75 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Singapur (2019): 7,305 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen EU und Ukraine (DCFTA)

Das Abkommen ist ein Teil eines sehr umfassenden Assoziierungsabkommens. Es schließt nicht nur den freien Handel ein, sondern soll die Ukraine umfassen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie reformieren. Für Industrieprodukte gilt ein Nullzollsatz seit Inkrafttreten. Für landwirtschaftliche Produkte gibt es jährliche Kontingente. Für die Automobilindustrie gilt eine Übergangszeit von 15 Jahren. Als Ziel ist die Integration der Ukraine in den EU-Binnenmarkt ausgegeben.

In Kraft seit: 2017

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Ukraine Einwohner (2019): 488 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Ukraine (2019): 138,18 Milliarden Euro

Handelsgüter: Industriegüter, Agrargüter

Deutsche Importe aus der Ukraine (2019): 2,866 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die Ukraine (2019): 4,855 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen EU und Moldau (DCFTA)

Wie bei der Ukraine ist auch hier das Abkommen ein Teil eines sehr umfassenden Assoziierungsabkommens. Es soll sowohl den freien Handel ermöglichen als auch die Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie auf EU-Standard heben.

In Kraft seit: 2016

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Moldau

Einwohner (2019): 448,5 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Moldau (2019): 10,68 Milliarden Euro

Handelsgüter: Industriegüter, Agrargüter, Visumfreiheit für 90 Tage pro Halbjahr

Deutsche Importe aus Moldau (2019): 421,314 Millionen Euro

Deutsche Exporte nach Moldau (2019): 260,08 Millionen Euro

 

Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien

Großbritannien gehört seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr zur EU-Zollunion und zum Binnenmarkt. Damit endet der freie Warenverkehr. Exporteure und Importeure müssen Zollförmlichkeiten beachten. Zollfreiheit gibt es für alle Waren, die die im Abkommen festgelegten Ursprungsregeln erfüllen. Mengenbeschränkungen wurden nicht festgelegt. Für Nordirland gelten Sonderregeln. Nichttarifäre Handelshemmnisse kann das Abkommen nicht verhindern.

In Kraft seit: 2021

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Großbritannien

Einwohner (2019): 512 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Großbritannien (2019): 2,53 Billionen Euro

Handelsgüter: Waren, Dienstleistungen, Agarprodukte

Deutsche Importe aus Großbritannien (2019): 38,33 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Großbritannien (2019): 78,87 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen zwischen der EU, Ecuador, Kolumbien und Peru

Die Einfuhrzölle der EU auf gewerbliche Waren und landwirtschaftliche Produkte wurden, bis auf wenige Ausnahmen, komplett abgebaut. Umgekehrt ist es ebenso. Für sensible Produkte gibt es langjährige Übergangsfristen von bis zu 17 Jahren.

Vorläufig angewendet seit: 2013 (Peru), 2017 (Ecuador)

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Ecuador, Kolumbien, Peru

Einwohner (2019): 544,6 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Ecuador, Kolumbien, Peru (2019): 591,1 Milliarden Euro

Handelsgüter: Waren, Agarprodukte, Normen und Standards, Dienstleistungen, öffentliche Beschaffung

Deutsche Importe aus Ecuador, Kolumbien, Peru (2019): 2,388 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Ecuador, Kolumbien, Peru (2019): 3,103 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mercosur

Die EU ist der größte Handelspartner der Mercosur-Staaten. Mit dem Abkommen sollen 90 Prozent der EU-Exporte sollen verringert oder komplett abgeschafft werden. Beispielsweise lagen die Abgaben auf Kfz bislang bei rund 35 Prozent. Für sensible Produkte gibt es lange Übergangsfristen bis zu 15 Jahre. Im Gegenzug profitiert der Mercosur vom Zollabbau im Nahrungsmittelsektor.

Verhandlungen abgeschlossen: 2019 (muss noch von den jeweiligen Ländern ratifiziert werden)

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay

Einwohner (2019): 706 Millionen Bruttoinlandsprodukt Mercosur (2019): 2,131 Billionen Euro

Handelsgüter: Waren, Dienstleistungen, Agarprodukte

Deutsche Importe aus Mercosur (2019): 8,531 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Mercosur (2019): 12,877 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen zwischen der EU, Australien und Neuseeland

Die Verhandlungen über ein neues Freihandelsabkommen sind 2018 gestartet. Traditionell sind die Importzölle Australiens gering, einige Waren (zum Beispiel Druckmaschinen) sind bereits zollfrei. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Australiens sind Rohstoffe (Metalle, Kohle), Maschinen, chemische Erzeugnisse. Die wichtigsten Ausfuhrgüter der EU sind Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kfz. Es besteht ein großer Handelsüberschuss auf EU-Seite. Diesen gibt es auch mit Neuseeland. Hier sind die wichtigsten EU-Ausfuhrgüter Kfz, Maschinen und Elektrotechnik. Aus Neuseeland kommen hauptsächlich Agrarprodukte in die EU. Auch die neuseeländischen Zölle sind mit etwa fünf Prozent niedrig. Textilien, Wohnmobile und Ambulanzfahrzeuge werden mit zehn Prozent verzollt, Pkw sind zollfrei. Beide Länder haben strenge Hygiene- und Quarantänevorschriften, damit fremde Tier- und Pflanzenarten nicht eingeschleppt werden.

Stand: in Verhandlung seit 2018

Mitgliedsstaaten: 27 EU-Staaten, Australien, Neuseeland

Einwohner (2019): 475,8 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Australien und Neuseeland (2019): 1,417 Billionen Euro

Handelsgüter: Waren, Dienstleistungen, Agarprodukte, öffentliche Beschaffung, Schutz geistigen Eigentums, Rohstoffe

Deutsche Importe aus Australien und Neuseeland (2019): 3,686 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Australien und Neuseeland (2019): 10,93 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen in Nordamerika

Freihandelsabkommen: USA, Kanada, Mexiko (früher NAFTA, jetzt USMCA)

Das Abkommen sah bei seiner Einführung die Abschaffung für den überwiegenden Teil der Zölle zwischen den drei Ländern innerhalb von 15 Jahren vor (bis 2008). 2017 drängte der damalige US-Präsident Donald Trump auf eine Reform des Abkommens. 2018 einigten sich die Länder vorläufig, es gelten zum Beispiel strengere Ursprungsregeln und mexikanische Arbeitsstandards. Auch der Name ändert sich von NAFTA (North American Free Trade Association) zu USMCA (United States-Mexico-Canada). Mexiko nahm die überarbeitete Version Ende 2019, die USA Anfang 2020 und Kanada ratifizierte das FHA im Frühjahr 2020. Es hat eine Gültigkeit von 16 Jahren.

In Kraft seit: 1994 (Neufassung seit 2018)

Mitgliedsstaaten: Kanada, Mexiko, USA

Einwohner: 492 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten: 21,016 Billionen Euro

Handelsgüter: Industrie-, und Argarprodukte, Dienstleistungen

Deutsche Importe aus der NAFTA (2019): 85,627 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die NAFTA (2019): 143,118 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP/CPTPP)

Nachdem die USA 2017 aus dem Abkommen austraten, ist das Folgeabkommen unter der Bezeichnung „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-pacific Partnership“ unterzeichnet. Aber es ist noch nicht von allen ratifiziert.

In Kraft seit: 2016 (2018 für Australien, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Singapur), 2019 (für Vietnam)

Mitgliedsstaaten: Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, Vietnam (USA trat 2017 aus)

Einwohner (2019): 503 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten: 10,06 Billionen Euro

Handelsgüter: Industrie-, und Argarprodukte, Dienstleistungen

Containerschiff im Hafen
Containerschiff stehen für den weltweiten Handl - ob mit oder ohne Freihandelsabkommen. (Bild; m.mphoto - stock.adobe.com)

Freihandelsabkommen in Südamerika

Freihandelsabkommen Mercosur (Mercado Común del Sur)

Im „gemeinsamen Markt des Südens“ haben sich vier südamerikanische Länder zusammengeschlossen. Das Abkommen bezieht sich nicht nur auf den Handel, sondern auch auf die politische und soziale Zusammenarbeit.

In Kraft seit: 1991

Mitgliedsstaaten: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela (derzeit suspendiert), Assoziierte Mitgliedsstaaten: Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien, Ecuador, Guayna, Suriname

Einwohner (2019): 260 Millionen

Bruttoinlandsprodukt Mercosur (2019): 2,131 Billionen Euro

Handelsgüter: Industriewaren, Agrarprodukte, Rohstoff, Dienstleistungen

Deutsche Importe aus Mercosur (2019): 8,531 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Mercosur (2019): 12,877 Milliarden Euro

 

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Freihandelsabkommen in Asien

Freihandelszone Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)

Ende 2020 entstand in Asien die größte Freihandelszone der Welt. 15 Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum mit insgesamt 30 Prozent des Welthandels haben sich zusammengetan. In jährlichen Stufen sollen Zölle abgebaut werden. Es sind einheitliche Ursprungsregeln vereinbart. Taiwan und Indien sind allerdings nicht Teil des Zone.

Unterzeichnet: 2020

Mitgliedsstaaten: Australien, Brunei, China, Kambodscha, Indonesien, Japan, Malaysia, Laos, Myanmar, Neuseeland, Philippinen, Singapur, Republik Korea, Thailand, Vietnam

Einwohner (2019): 2,2666 Milliarden

Bruttoinlandsprodukt RCEP (2019): 32,01 Billionen Euro

Handelsgüter: Industriewaren, Agrarprodukte, Rohstoff, Dienstleistungen

Deutsche Importe aus RCEP (2019): 191 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach RCEP (2019): 172 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)

ASEAN ist das wohl bekannteste Freihandelsabkommen Asiens. Es sah und sieht den stufenweisen Zollabbau auf eine Bandbreite zwischen 0 Prozent und fünf Prozent vor. Die ASEAN mit China, Japan, Indien, Korea sowie Australien und Neuseeland geschlossen.

In Kraft seit: 1967 (Gründung durch Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippinen, Singapur)

Mitgliedsstaaten: Brunei, Kambodscha, Indonesien, Malaysia, Laos, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam

Einwohner: 648 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt ASEAN (2020): 3,11 Billionen Euro

Handelsgüter: Industriewaren, Dienstleistungen, Rohstoffe

EU-Importe aus der ASEAN (2019): 125,1 Milliarden Euro

EU-Exporte in die ASEAN (2019): 85,5 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen ASEAN mit China (ACFTA)

Das FHA mit China war das erste Abkommen der ASEAN mit einem anderen Einzelstaat. Es sieht Zollabbau für normale Waren vor. Für sensible Waren wird der Abbau verzögert. Das sind beispielsweise Kfz und Kfz-Motoren. 2012 wurden Regelungen zu nichttarifären Handelshemmnissen aufgenommen.

In Kraft getreten: 2005

Mitgliedsstaaten: 10 ASEAN-Staaten, Volksrepublik China

Einwohner (2019): 1,984 Milliarden

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 15,7 Milliarden Euro

Handelsgüter: Industrieprodukte und Dienstleistungen jeder Art, landwirtschaftliche Produkte

Deutsche Importe aus China und der ASEAN (2019): 147 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach China und in die ASEAN (2019): 127 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen ASEAN und Indien (AIFTA)

Das FHA zwischen Indien und den ASEAN-Staaten gilt für Waren des normalen Zollabbaus mittlerweile Zollfreiheit. 500 Waren stehen auf einer Negativliste und sind vom Zollabbau ausgeschlossen. Das betrifft unter anderem Kfz, Textilien und einige chemische Erzeugnisse.

In Kraft seit: 2010

Mitgliedsstaaten: 10 ASEAN-Staaten, Indien

Einwohner (2019): 2 Milliarden

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 5,69 Billionen Euro

Handelsgüter: Industrieprodukte und Dienstleistungen jeder Art, landwirtschaftliche Produkte

Deutsche Importe aus Indien und der ASEAN (2019): 45,7 Milliarden Euro

Deutsche Exporte nach Indien und in die ASEAN (2019): 42,5 Milliarden Euro

Freihandelsabkommen in Afrika

Freihandelsabkommen: Gemeinsamer Markt für das Östliche und Südliche Afrika (COMESA)

COMESA ist das Freihandelsabkommen mit den meisten afrikanischen Staaten. Es ist der gemeinsame Markt für das östliche und das südliche Afrika. Ihm gehören 21 Staaten an. Eine Zollunion ist geplant, aber bislang ist sie nicht funktionsfähig.

Unterzeichnet: 1994 (ab 2000 mit neun Mitgliedsstaaten in Kraft)

Mitgliedsstaaten: Ägypten, Äthiopien, Burundi, Dschibuti, Eritrea, Kenia, Komoren, Demokratische Republik Kongo, Libyen, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Ruanda, Sambia, Seychellen, Simbabwe, Sudan, Somalia, Swasiland, Tunesien, Uganda

Ehemalige Mitgliedsstaaten: Angola, Lesotho, Mosambik, Namibia, Tansania

Einwohner: 560 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 632 Milliarden Euro

Handelsgüter: landwirtschaftliche Produkte, vereinzelt Leichtindustrie (Ägypten) und Rohstoffe (Demokratische Republik Kongo, Libyen) sowie Tourismus (Kenia, Mauritius, Seychellen)

Deutsche Importe aus den COMESA-Mitgliedsstaaten (2015): 3,923 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die COMESA-Mitgliedsstaaten (2015): 5,3 Milliarden Euro

Zwei Frauenhände halten lose Kaffeebohnen
Kaffee ist ein Exportschlager aus Afrika. (Bild: Mikhail Pankov - stock.adobe.com)

Freihandelsabkommen: Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC)

Das Abkommen soll die wirtschaftliche Entwicklung und das Wachstum fördern. Der Handel der SADC-Staaten hat sich zwischen 2000 und 2011 nahezu vervierfacht. Die meisten Exporte gehen in die APEC-Länder, gefolgt von denen der EU.

Gründung: 1979, Änderung 1992

Mitgliedsstaaten: Angola, Botswana, Lesotho, Demokratische Republik Kongo, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Namibia, Sambia, Seychellen, Simbabwe, Südafrika, Swasiland, Tansania, Uganda

Einwohner (2019): 353 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2018): 594,32 Milliarden Euro

Handelsgüter: Landwirtschaftliche Produkte, vereinzelt Leichtindustrie und Automobile sowie Komponenten (Südafrika), Rohstoffe (Südafrika, Botswana, Angola, Demokratische Republik Kongo), Tourismus (Südafrika, Seychellen, Mauritius, Kenia)

Deutsche Importe aus den SADC-Mitgliedsstaaten (2015): 6,86 Milliarden Euro

Deutsche Exporte in die SADC-Mitgliedsstaaten (2015): 10,790 Milliarden Euro

 

Freihandelsabkommen: Ostafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (EAC)

Gründung: 2014

Mitgliedsstaaten: Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania, Uganda

Einwohner (2014): 170,9 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten (2019): 90,88 Milliarden Euro

Handelsgüter: Waren, landwirtschaftliche Produkte, Tourismus

Deutsche Importe aus den EAC-Mitgliedsstaaten: k.A.

Deutsche Exporte in die EAC-Mitgliedsstaaten: k.A.

 

Freihandelsabkommen: Tripartite Free Trade Area (TFTA)

Die TFTA soll die drei Freihandelsblöcke COMESA, EAC und SADC integrieren und den Warenverkehr erleichtern. Allerdings müssen alle Länderparlamente zustimmen. Stand Januar 2020 hatten das erst acht Länder gemacht. Ab der Schwelle von 14 Ländern tritt das Abkommen in Kraft.

Gründung: 2015

Mitgliedsstaaten: Alle Länder der Handelszonen EAC, SDAC und COMESA

Einwohner: 625 Millionen

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten: 900 Milliarden Euro

Handelsgüter: Landwirtschaftliche Produkte, vereinzelt Leichtindustrie und Automobile sowie Komponenten (Südafrika), Rohstoffe (Südafrika, Botswana, Angola, Demokratische Republik Kongo), Tourismus (Südafrika, Seychellen, Mauritius, Kenia)

Deutsche Importe aus den TFTA-Mitgliedsstaaten: k.A.

Deutsche Exporte in die TFTA-Mitgliedsstaaten: k.A.

 

Afrikanische kontinentale Freihandelszone (African Continental Free Trade Agreement, AfCFTA)

Mit dem Abkommen wollen die beteiligten Staaten den innerafrikanischen Handel fördern. Auch die Industrialisierung soll forciert und regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. Langfristig soll das Ziel eine kontinentale Zollunion und ein afrikanischer Binnenmarkt für Waren, Dienstleistungen und Personen sein.

In Kraft seit: 2021

Mitgliedsstaaten: Alle Länder der Handelszonen EAC, SDAC und COMESA

Einwohner: 1,3 Milliarden

Gemeinsames Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsstaaten: 2,8 Billionen Euro

Handelsgüter: Landwirtschaftliche Produkte, vereinzelt Leichtindustrie und Automobile sowie Komponenten (Südafrika), Rohstoffe (Südafrika, Botswana, Angola, Demokratische Republik Kongo), Tourismus (Südafrika, Seychellen, Mauritius, Kenia)

Deutsche Importe aus den AfCFTA-Mitgliedsstaaten: k.A.

Deutsche Exporte in die AfCFTA-Mitgliedsstaaten: k.A.

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