Helium-Mangel: Werden jetzt wieder die Halbleiter knapp?
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Irankrieg hat weitere Folgen: Es gibt weniger Helium, das mittlerweile ein kritischer Faktor für die Chip-Produktion geworden ist. Welche Auswirkungen sind zu befürchten?
Summary: Der Irankrieg beeinträchtigt nicht nur die Öl- und Gaslieferungen, sondern auch die globale Heliumversorgung - insbesondere durch Schäden an Produktionsanlagen in Katar. Die Halbleiterindustrie, die rund 18% des weltweiten Heliums benötigt, ist besonders betroffen. Es drohen Produktionsausfälle und erhebliche Störungen der globalen Lieferketten.
Seit dem 28. Februar 2026 tobt der Irankrieg. Neben den massiven
Störungen in der globalen Öl- und LNG-Versorgung, verursacht der Krieg einen
weiteren Mangel: den an Helium . Das Edelgas ist ein Nebenprodukt der
Erdgasverarbeitung, lässt sich also nicht chemisch herstellen. Seine
Verfügbarkeit hängt daher eng mit der Erdgasproduktion zusammen.
Helium hat ganz unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten.
Eine der wichtigsten ist der Einsatz in der Halbleiterindustrie.
Siliziumeinkristalle zur späteren Produktion von Halbleitern
werden aus heißem hochreinen Halbleitersilizium gezogen. Dafür kommen starke,
durch Helium tiefgekühlte, supraleitende Magnete zum Einsatz.
Auch in den anschließenden Prozessen der Wafer- und
Halbleiterfertigung spielt das Gas eine wesentliche Rolle. Aufgrund seiner
Nichtreaktivität dient Helium als Trägergas für Chemikalien. Gleichzeitig wird
es wegen seiner guten Wärmeleitfähigkeit als Kühlgas eingesetzt
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Der Bedarf steigt mit der starken Chip-Produktion im
vergangenen Jahr deutlich, wobei die Halbleiterindustrie jährlich rund 18% des
weltweit produzierten Heliums benötigt. Davon halten Taiwan und Südkorea mit
rund 35% den Löwenanteil aufgrund ihrer Chip-Produktion.
Wo kommt das meiste Helium her?
2025 wurden weltweit rund 190 Mio. Kubikmeter Helium
produziert. Im Wesentlichen wird das Edelgas in acht Ländern gewonnen: USA,
Katar, Russland, Algerien, Kanada, Polen und China. Da Katar mit rund 63 Mio.
Kubikmeter die Nummer Zwei der Heliumproduzenten ist, wirkt sich der Irankrieg
entsprechend gravierend aus.
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Die Angriffe Irans auf die Energieinfrastruktur in Katar haben
einen Großteil der Produktionsstätten beschädigt oder zerstört. Laut Al Jazeera wurde die weltweit größte
Heliumproduktionsstätte, der Ras-Laffan-Komplex von QatarEnergy und Exxon
Mobile schwer beschädigt, und es könnte bis zu fünf Jahre dauern, die Anlagen wieder zu reparieren.
Könnten dann nicht die USA einspringen? Jochen Stanzl,
Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, erklärt gegenüber der Tagesschau: „Die Hälfte des Heliums stammt aus den USA, die brauchen es aber
selbst.“ Das zeigt der seit 2017 drastisch sinkende Export von Helium
der USA – von 74 Mio. Kubikmetern auf 32 Mio. in 2023. Aus diesem Grund sind
viele Länder auf die Produktion aus Katar angewiesen.
Wie stark hängt Deutschland bei Helium von Katar ab?
Der deutsche Markt für Helium ist laut Sphericalinsights
rund 954,8 Mio. USD schwer. Er soll bis 2032 auf 1,517 Mrd. USD anwachsen.
Getrieben wird die Entwicklung durch eine starke Industrie, die das Edelgas für
kritische Bereiche wie MRT-Maschinen, Halbleiter, kryogene Anwendungen, Luft-
und Raumfahrt, Leckerkennung und Labors benötigt
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Katar ist durch langfristige Verträge ein zentraler, wenn auch nicht der einzige, Helium-Lieferant
für deutsche Unternehmen geworden: Uniper schloss im Dezember 2025 einen
15-jährigen Deal mit QatarEnergy über 70 Mio. Kubikfuß Helium jährlich aus der
mittlerweile zerstörten Produktionsstätte Ras Laffan. Auch der Gasespezialist Messer schloss
im September 2025 einen ähnlichen Vertrag mit Qatar Energy. Gleichzeitig ist das Unternehmen in den USA engagiert und betreibt dort die Messer Cliffside-Anlage in Amarillo, Texas. Dort wird Rohhelium aus unterirdischen Kavernen zunächst angereichert, um es anschließend zur Weiterverarbeitung weiterzuleiten.
Darüberhinaus hat Linde seit 2013 langfristige Verträge für Heliumlieferungen aus Katar abgeschlossen. Linde sicherte sich 30% der Produktion des Helium-2-Werks in Ras Laffan, die aktuell ausfällt. Das Werk hat eine jährliche Kapazität von rund 40 Mio. Kubikmetern. Insgesamt hat Linde laut Gasworld zwei Helium-Kontrakte mit Katar, daneben aber auch noch Projekte in Darwin, Australien, und das Joint-Venture Helison in Algerien.
Heliumproduktion weltweit in 2025
Land
Mio. Kubikmeter
USA
81
Katar
63
Russland
18
Algerien
11
Kanada
6
Polen
3
China
3
Gesamt
190
Quelle: US Geological Survey
Was bedeutet weniger Helium für die Chiphersteller?
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Fällt also ein Drittel der Helium-Weltproduktion aus, trifft
das vor allem die Länder mit den größten Chipproduzenten wie Taiwan und
Südkorea. „Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in Taiwan
produziert", erklärt Tanjeff Schadt vom Beratungsunternehmen PwC.
Ganz Asien ächzt bereits unter hohen Gaspreisen und geringen
Gas-Liefermengen. Allein TSMC verbraucht 10% der Energie Taiwans, das heißt, falls
es zu Energierationierungen kommt, wäre die Halbleiterproduktion dadurch
bereits massiv eingeschränkt.
Doch hinzu könnte nun die Helium-Krise kommen. Laut
Stanzl haben Taiwan und Südkorea zwar Helium-Vorräte, diese reichen jedoch nur
für rund drei Monate. Fehlt der Nachschub, steht die Chipproduktion still, „weil
Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann“.
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Welche Auswirkungen hat die Helium-Krise auf die
Lieferketten?
Die Heliumproduktion in Katar ist weitgehend zum Stillstand
gekommen und die Blockade der Straße von Hormuz verhindert, dass bereits produziertes
Helium mit Schiffen zu seinen Abnehmern gelangt. Es fällt also ein Drittel der
Weltproduktion aus, was besonders den asiatischen Staaten und Europa fehlt.
Können die Heliumvorräte nicht in absehbarer Zeit aufgefüllt
werden, würde der Lieferausfall einen Zusammenbruch der weltweiten Lieferketten
bei Halbleitern und Computerchips bedeuten. „Ein Worst-Case-Szenario“, so
Stanzl.
Zwar leidet die Halbleiterindustrie am offensichtlichsten: TSMC,
Samsung und SK Hynix, die 65% ihres Heliums aus Katar beziehen, müssten ihre
Produktion drosseln. Das betrifft in Kaskade zahlreiche weitere Unternehmen wie Nvidia, Apple und AMD, die ihre Chips in
Taiwan fertigen lassen. Mit 18% verbraucht die Halbleiterindustrie jedoch bei Weitem nicht den Löwenanteil des weltweiten Heliumangebots.
So gehen rund
30% des Heliums in den Gesundheitsbereich: Magnetresonanztomographen arbeiten in
der Kühlung fast ausschließlich mit Helium. Laut Siemens Healthineers benötigt ein konventioneller
MRT je nach Typ mehr als 1.000 Liter flüssiges Helium zur Kühlung.
Rund 18% werden für Hebe- und Liftarbeiten benötigt, da
Helium aufgrund seiner geringen Dichte ein ideales Traggas für das Heben von
Lasten in der Industrie ist. In die Kategorie „Heben“ fallen aber auch Ballons
und Luftschiffe.
Weitere knapp 13% des Heliums werden für Schweißarbeiten
genutzt. Leckage-Ortung (4%) und Beatmung (2%) fallen dagegen nur gering ins
Gewicht.
FAQ: Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie
Werden Elektronikbauteile jetzt wieder teurer, wenn Helium
knapp wird?
Nicht automatisch, aber das Risiko steigt. Wird Helium knapp
wird, verteuert sich zunächst das wichtige Prozessgas für die
Halbleiterproduktion, das heißt Chips werden ebenfalls teurer. Bei längeren
Engpässen schlagen diese Kosten zeitversetzt auf Elektronikbauteile durch, die
diese Chips enthalten. Große Hersteller können noch über langfristig
abgeschlossene Verträge, Multi-Sourcing und Vorräte puffern, dauerhaft bleiben
Preis- und Lieferzeiteffekte aber wahrscheinlich.
Warum ist Helium in der Chipfertigung so schwer zu ersetzen?
Helium ist in der Chipfertigung so schwer zu ersetzen, weil
es mehrere entscheidende Eigenschaften zugleich vereint: Es ist extrem inert,
sehr wärmeleitfähig und in sehr hoher Reinheit verfügbar. Genau diese
Kombination wird beim Kühlen, Spülen, Leckage-Testen und in Plasma- oder
Ätzprozessen gebraucht, in denen schon kleinste Verunreinigungen die Ausbeute
verschlechtern können. Andere Gase können einzelne Funktionen übernehmen,
erreichen aber oft nicht dieselbe Prozessstabilität, Reinheit oder Effizienz.
Ist Helium aus Sicht des technischen Einkaufs ein kritischer
Rohstoff?
Nicht nur aus Sicht des technischen Einkaufs ist Helium ein
kritischer Rohstoff. EU-weit ist Helium seit dem Critical Raw Materials Act auch
formal als solcher gelistet. Beschaffungsseitig sprechen dafür die hohe
Angebotskonzentration, die aufwendige Transport- und Lagerlogistik sowie die
geringe kurzfristige Substituierbarkeit in Hightech-Anwendungen. Für den
Einkauf heißt das: Helium gehört in Risikoanalysen, Mehrquellenstrategien,
Vertragsmanagement und Recyclingkonzepte.
Welche Rohstoffe außer Helium können die
Halbleiterversorgung als Nächstes gefährden?
Als Engpasskandidaten gelten vor allem Gallium, Germanium , Neon, Krypton, Xenon, Palladium und Siliziummetall . Gallium, Germanium und
Siliziummetall stehen im EU-Rohstoffregime bereits besonders im Fokus, und bei
Neon, Krypton und Xenon hat die EU die Verwundbarkeit der Halbleiterkette durch
geopolitische Schocks ausdrücklich analysiert. Für den technischen Einkauf
lautet die Lehre deshalb: Nicht nur Helium, sondern das gesamte Paket aus
Edelgasen, Spezialmetallen und Vorprodukten kann die Halbleiterversorgung als
Nächstes treffen.