Helium-Mangel: Werden jetzt wieder die Halbleiter knapp?
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Irankrieg hat weitere Folgen: Es gibt weniger Helium, das mittlerweile ein kritischer Faktor für die Chip-Produktion geworden ist. Welche Auswirkungen sind zu befürchten?
Summary: Der Irankrieg beeinträchtigt nicht nur die Öl- und Gaslieferungen, sondern auch die globale Heliumversorgung - insbesondere durch Schäden an Produktionsanlagen in Katar. Die Halbleiterindustrie, die rund 15% des weltweiten Heliums benötigt, ist besonders betroffen. Es drohen Produktionsausfälle und erhebliche Störungen der globalen Lieferketten.
Seit dem 28. Februar 2026 tobt der Irankrieg. Neben den massiven
Störungen in der globalen Öl- und LNG-Versorgung, verursacht der Krieg einen
weiteren Mangel: den an Helium . Das Edelgas ist ein Nebenprodukt der
Erdgasverarbeitung, lässt sich also nicht chemisch herstellen. Seine
Verfügbarkeit hängt daher eng mit der Erdgasproduktion zusammen.
Helium hat ganz unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten.
Eine der wichtigsten ist der Einsatz in der Halbleiterindustrie.
Siliziumeinkristalle zur späteren Produktion von Halbleitern
werden aus heißem hochreinen Halbleitersilizium gezogen. Dafür kommen starke,
durch Helium tiefgekühlte, supraleitende Magnete zum Einsatz.
Auch in den anschließenden Prozessen der Wafer- und
Halbleiterfertigung spielt das Gas eine wesentliche Rolle. Aufgrund seiner
Nichtreaktivität dient Helium als Trägergas für Chemikalien. Gleichzeitig wird
es wegen seiner guten Wärmeleitfähigkeit als Kühlgas eingesetzt
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Der Bedarf steigt mit der starken Chipproduktion im
vergangenen Jahr deutlich, wobei die Halbleiterindustrie jährlich rund 15% des
weltweit produzierten Heliums benötigt. Davon halten Taiwan und Südkorea mit
rund 35% den Löwenanteil aufgrund ihrer Chipproduktion.
Wo kommt das meiste Helium her?
2025 wurden weltweit rund 190 Mio. Kubikmeter Helium
produziert. Im Wesentlichen wird das Edelgas in acht Ländern gewonnen: USA,
Katar, Russland, Algerien, Kanada, Polen und China. Da Katar mit rund 63 Mio.
Kubikmeter die Nummer Zwei der Heliumproduzenten ist, wirkt sich der Irankrieg
entsprechend gravierend aus.
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Die Angriffe Irans auf die Energieinfrastruktur in Katar haben
einen Großteil der Produktionsstätten beschädigt oder zerstört. Laut Al Jazeera wurde die weltweit größte
Heliumproduktionsstätte, der Ras-Laffan-Komplex von QatarEnergy und Exxon
Mobile schwer beschädigt, und es könnte bis zu fünf Jahre dauern, die Anlagen wieder zu reparieren.
Könnten dann nicht die USA einspringen? Jochen Stanzl,
Chefmarktanalyst bei der Consorsbank, erklärt gegenüber der Tagesschau: „Die Hälfte des Heliums stammt aus den USA, die brauchen es aber
selbst.“ Das zeigt der seit 2017 drastisch sinkende Export von Helium
der USA – von 74 Mio. Kubikmetern auf 32 Mio. in 2023. Aus diesem Grund sind
viele Länder auf die Produktion aus Katar angewiesen.
Heliumproduktion weltweit in 2025
Land
Mio. Kubikmeter
USA
81
Katar
63
Russland
18
Algerien
11
Kanada
0,6
Polen
3
China
3
Gesamt
190
Quelle: US Geological Survey
Was bedeutet weniger Helium für die Chiphersteller?
Fällt also ein Drittel der Helium-Weltproduktion aus, trifft
das vor allem die Länder mit den größten Chipproduzenten wie Taiwan und
Südkorea. „Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in Taiwan
produziert", erklärt Tanjeff Schadt vom Beratungsunternehmen PwC.
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Ganz Asien ächzt bereits unter hohen Gaspreisen und geringen
Gas-Liefermengen. Allein TSMC verbraucht 10% der Energie Taiwans, das heißt, falls
es zu Energierationierungen kommt, wäre die Halbleiterproduktion dadurch
bereits massiv eingeschränkt.
Doch hinzu könnte nun die Helium-Krise kommen. Laut
Stanzl haben Taiwan und Südkorea zwar Helium-Vorräte, diese reichen jedoch nur
für rund drei Monate. Fehlt der Nachschub, steht die Chipproduktion still, „weil
Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann“.
Welche Auswirkungen hat die Helium-Krise auf die
Lieferketten?
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Die Heliumproduktion in Katar ist weitgehend zum Stillstand
gekommen und die Blockade der Straße von Hormuz verhindert, dass bereits produziertes
Helium mit Schiffen zu seinen Abnehmern gelangt. Es fällt also ein Drittel der
Weltproduktion aus, was besonders den asiatischen Staaten und Europa fehlt.
Können die Heliumvorräte nicht in absehbarer Zeit aufgefüllt
werden, würde der Lieferausfall einen Zusammenbruch der weltweiten Lieferketten
bei Halbleitern und Computerchips bedeuten. „Ein Worst-Case-Szenario“, so
Stanzl.
Zwar leidet die Halbleiterindustrie am offensichtlichsten: TSMC,
Samsung und SK Hynix, die 65% ihres Heliums aus Katar beziehen, müssten ihre
Produktion drosseln. Das betrifft in Kaskade zahlreiche weitere Unternehmen wie Nvidia, Apple und AMD, die ihre Chips in
Taiwan fertigen lassen.
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Jedoch sind auch andere Branchen betroffen. So gehen rund
30% des Heliums in den Gesundheitsbereich: Magnetresonanztomographen arbeiten in
der Kühlung mit Helium. Laut Siemens Healthineers benötigt ein konventioneller
MRT je nach Typ mehr als 1.000 Liter flüssiges Helium zur Kühlung.
Rund 18% werden für Hebe- und Liftarbeiten benötigt, da
Helium aufgrund seiner geringen Dichte ein ideales Traggas für das Heben von
Lasten in der Industrie ist. In die Kategorie „Heben“ fallen aber auch Ballons
und Luftschiffe.
Weitere knapp 13% des Heliums werden für Schweißarbeiten
genutzt. Leckage-Ortung (4%) und Beatmung (2%) fallen dagegen nur gering ins
Gewicht.
FAQ: Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie
Warum ist die Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie kritisch?
Helium ist essenziell für Kühlung, Prozessstabilität und chemische Transporte in der Chipfertigung.
Wie beeinflusst der Irankrieg die Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie?
Schäden an Produktionsanlagen in Katar und gestörte Transportwege reduzieren das globale Angebot erheblich.
Welche Länder sind besonders von der Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie abhängig?
Vor allem Taiwan und Südkorea mit hohen Anteilen an der Chipproduktion.
Warum kann die Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie nicht kurzfristig ersetzt werden?
Helium ist ein Nebenprodukt der Erdgasförderung und technisch schwer substituierbar.
Welche Folgen hat eine gestörte Heliumversorgung in der Halbleiterindustrie?
Es drohen Produktionsstopps und erhebliche Störungen globaler Lieferketten.