Feuchtesensor: Von der Idee bis zur Serienfertigung
Kabel dran, Gehäuse drum. Das erfordert heute ein umfangreicheres Know-how als es viele Unternehmen selbst leisten können. Werner Wirth bietet Verbindungstechnik und Komponentenschutz aus einer Hand.
Redaktion TECHNIK+EINKAUFRedaktionTECHNIK+EINKAUF
Werner Wirth bietet alle gängigen Möglichkeiten der Kabelkonfektionierung wie Crimpen, Löten und Kabelbäume.Werner Wirth GmbH
Anzeige
Summary:
Werner Wirth ist ein strategischer Outsourcing-Partner für Verbindungstechnik und Komponentenschutz. Das Hamburger Familienunternehmen unterstützt Plantobelly seit 2023 bei der Industrialisierung eines unterirdischen Feuchtesensors. Durch Kabelkonfektion, Verguss, Baugruppenmontage und Dokumentation wurde die Fertigung skalierbar und prozesssicher aufgestellt.
Kabel dran, Gehäuse drum. Das
erfordert heute ein umfangreicheres Know-how als es viele Unternehmen selbst
leisten können. Werner Wirth bietet Verbindungstechnik und Komponentenschutz
aus einer Hand. Damit begleitet der Hersteller Produktideen als ODM wie als
Produktionspartner vom Prototyp bis zur Serienfertigung.
Sie wollen mehr über den Maschinenbau Gipfel 2026 wissen? Klicken Sie hier!
„Mein Bekannter hatte ein Zitronenbäumchen,
das er im Schuppen überwintern ließ.“ So fangen heute Erfolgsgeschichten junger
Unternehmen an. Sie handeln von einem Alltagsproblem und einer raffinierten Idee,
dieses zu lösen. Das Problem hier: Das Zitronenbäumchen hatte den Winter
mangels Gießens nicht überstanden. Die Lösung: Bastian Klemke und sein
Bekannter entwickelten einen unterirdischen Feuchtesensor, der die
Pflanzenpflege überwacht. Tatsächlich folgt auf solch einen bemerkenswerten Auftakt
einer Geschichte die nicht minder spannende Fortsetzung: Wie wird aus der Idee
das Produkt? Und in unserem Fall: Wie kommt die Elektronik in die Anwendung?
Anzeige
Für Sven Höppner,
Geschäftsführer des Spezialisten für Verbindungstechnik und Komponentenschutz Werner Wirth, wird diese Frage aus zwei Gründen immer bedeutsamer in der Entwicklung
und Fertigung elektronischer Produkte. Den ersten Grund sieht er in neuen Funktionsumgebungen.
„Im Zuge der Digitalisierung kommt Elektronik in Bereichen zum Einsatz, in
denen sie früher nicht zu finden war“, sagt Höppner. „Diese Dezentralisierung verlangt
neue Lösungen mit Schutz- und Verbindungstechnik.“
Das führt Höppner direkt zum
zweiten Grund: Auch die notwendigen Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen sind
nicht mehr zwingend an einem Ort verfügbar. „In der Folge der volatilen
Wirtschaftslage beobachten wir in der Branche seit Jahren einen anhaltenden
Outsourcing-Trend und die Zunahme von jungen Unternehmen, die keine eigene
Produktion aufbauen.“ Die Frage, welche die Erfolgsgeschichte eines Produkts fortsetzt,
muss daher auch lauten: Mit wem kommt die Elektronik in die Anwendung?
Markt für EMS und ODM ist im Aufwind
Anzeige
Der Markt für EMS (Electronic
Manufacturing Services) und ODM (Original Design Manufacturer) befindet sich im
Aufwind. Die Analysten von Market Research Future geben sein globales Volumen für
das Jahr 2024 mit 809,64 Mrd. USD an. Bis 2035, so ihre Prognose,
soll es sich auf 1.816,04 Mrd. USD mehr als verdoppelt haben. Die
Dienstleister übernehmen Aufgaben, die von der Leiterplattenbestückung und
Baugruppenmontage bis zum Engineering und zur Designentwicklung reichen. Werner Wirth ist einer von ihnen.
Sven Höppner, Geschäftsführer und Inhaber von Werner Wirth.Werner Wirth GmbH
Das 1962 gegründete Hamburger Familienunternehmen
entwickelt und fertigt Lösungen aus Verbindungstechnik und Komponentenschutz
für elektronische Komponenten. Diese finden sich in so unterschiedlichen
Branchen wie unter anderem dem Anlagen- & Maschinenbau, Energietechnik,
Elektromobilität & Automotive bis hin zu Luftfahrt und Medizintechnik. Genauso
vielseitig ist das Portfolio. Es umfasst Standardstecker, Polymere Werkstoffe
und verschiedene Vergusstechnologien sowie Dienstleistungen zur
Auftragsfertigung von Kabelkonfektion, Baugruppen, Verguss und Werkzeugbau.
„Für die Entwicklung von
Elektronik müssen vier Aspekte berücksichtigt werden“, schildert Sven Höppner. Elektronik
muss über eine sichere Verbindung dauerhaft mit Energie versorgt werden oder
darüber Signale übertragen können. Sie muss über einen passenden Schutz
verfügen, der unter den jeweiligen Umgebungsbedingungen die Funktionalität gewährleistet.
Anzeige
Das erfordert sowohl eine Entwicklung, die diese Punkte in einen Prozess zusammenbringt,
als auch Kapazitäten für die Produktion in durchgängiger Qualität. „Unser
Portfolio deckt diese Bereiche ab, wodurch wir als Outsourcing-Partner auf
Augenhöhe agieren können“, sagt Höppner. „Damit bringen wir die Elektronik in
jede Anwendung.“
Der Sensor zum Vergraben
Bastian
Klemke und sein Mitgründer waren anfangs recht weit gekommen. Sie gründeten
Plantobelly und starteten den Vertrieb für ihren gleichnamigen Feuchtesensor. Dass
sie mit ihrer Idee einen Nerv getroffen hatten, zeigte sich an den schnell
größer werdenden Kreisen, welche die Nachfrage nach ihrem Produkt zogen. Innerhalb
der ersten sechs Jahre vom Gründungsjahr 2018 bis 2024 konnte das junge
Unternehmen Installationen von Deutschland bis ins europäische Ausland verzeichnen.
Abnehmer sind Städte und Gemeinden, aber auch der Gartenlandschaftsbau und
Landwirte. „Mit dem Sensor überwachen Anwender zum Beispiel die Anpflanzung von
Straßenbäumen und Stadtbegrünung“, erläutert Klemke. „Sie behalten die
Feuchtigkeit der Vegetation per Web-Service vom Schreibtisch aus im Blick.
Dadurch kann das Gießen ohne Kontrollfahrten bedarfsgenau geplant werden.“
Anzeige
Das
System besteht aus einer Messschleife und einer Sensorbox, die über ein
Sondenkabel miteinander verbunden sind. Beides wird im zu überwachenden Bereich
vergraben. Die Box enthält eine Batterie, welche das System zehn Jahre lang mit
Energie versorgt. Je nach Geräte-Variante übermitteln die Sensoren ihre
erfassten Daten in bestehende LoRaWAN-Funknetzwerke oder autark via
NB-IoT-Technologie. Empfangen werden die Daten vom Webservice, über den sich
dann Bodenfeuchtigkeit, Ort, Sensorstatus sowie aktuelle Wetterdaten abrufen lassen.
Produktion musste skaliert werden
Die
große Nachfrage nach Plantobelly brachte das Unternehmen, inzwischen durch
Bastian Klemke allein vertreten, bald in eine kritische Phase des
Produktlebenszyklus: Die Produktion musste skaliert werden. Die bestehenden Montagekapazitäten
waren jedoch ausgereizt. Dazu kam, dass die vorherige Fertigung der
Messschleife im 2-Komponenten-Verguss nicht skalierbar war und Probleme bei der
Dichtigkeit machte. Über eine Empfehlung kam 2023 Werner Wirth ins Spiel.
Anzeige
Schnell
war klar, dass das Jungunternehmen vom ganzheitlichen Ansatz des Hamburger
Partners auf breiterer Ebene profitieren wird. „Bei unserer Entwicklungsarbeit steht
nicht allein der funktionale Nutzen im Mittelpunkt“, sagt Sven Höppner. „Prozessübergreifende
Themen wie Nachhaltigkeit oder Wirtschaftlichkeit spielen vollumfänglich in die
finale Lösung mit ein.“ Für Plantobelly agiert Werner Wirth sowohl als ODM als
auch als Produktions-Backend.
Das Hotmelt Moulding ist eine der Verarbeitungstechnologien, mit denen Werner Wirth Komponentenschutz erstellt.Werner Wirth GmbH
Verbindungstechnik und
Komponentenschutz
Mit
seiner Dienstleistung KabelkonfektionPlus erstellt Werner Wirth das
Sensorkabel. Es wird abgelängt, mit der Messschleife verlötet und die
Lötstellen isoliert. „Wir haben hier sehr viele enge Lötpunkte, die manuell nur
schwer herzustellen sind“, so Klemke. „Da brauchen wir Erfahrung.“ Die
Lötstelle wurde mit einem Komponentenschutz versehen. Dieser stellt neben der
vollständigen Dichtigkeit auch die Zugfestigkeit des Kabels sicher.
Anzeige
Werner Wirth umspritzt das Sensorkabel im Hotmelt Moulding, für das der Hersteller
auch den Werkzeugbau übernahm. Das geforderte Maß an Dichtigkeit und Zugfestigkeit
erzielt der Hersteller mit einem mehrstufigen Verfahren. Dafür wird zuerst ein
Vorverguss durchgeführt, mit dem die Kabelanschlüsse sicher fixiert werden. Im Endverguss
erhält das Sensorkabel seine endgültige Form. Final führt Werner Wirth die
Baugruppenmontage für die Sensorbox durch, deren Bestandteile zugeliefert
werden. Die Hamburger montieren Messschleife, Platine, Batterie sowie Gehäuse und
spielen die Firmware auf.
Das Technikum von Werner Wirth ist Innovationslabor und Prüfzentrum für die Qualitätskontrolle.Werner Wirth GmbH
Und
auch in der Sensorbox steckt Fertigungs-Know-how von Werner Wirth . „Wir sind
ein grünes Start-up mit einem grünen Produkt. Wir wollen keinen Elektroschrott
produzieren“, so Klemke. Da jedoch die Bestandteile im Innern der Box durch
einen Epoxidharz-Verguss geschützt wurde, war sie nur als Einheit zu entsorgen.
„Wir haben lange nach einer Lösung gesucht, mit der die Einzelteile getrennt
werden konnten, und haben viele Hersteller angefragt“, erinnert sich Klemke.
„ Werner Wirth war der Einzige, der sie uns anbieten konnte.“ Ein Silikongel
umschließt nun die Platine und schützt sie sicher gegen Feuchtigkeit und
Korrosion. Dabei ist es weich genug, dass die Verschraubung zugänglich bleibt
und sich die Bauteile nach Gebrauch wieder entnehmen lassen.
Detaillierte Dokumentation für den gesamten Prozess
Für
den gesamten Prozess entstand eine detaillierte Dokumentation. Anhand von Foto-
und Text-Anleitungen erfolgen alle Arbeitsschritte bei Werner Wirth nach den festgelegten
Abläufen für Kabelkonfektion, Verguss und Baugruppenmontage. Treten Fehler auf,
lassen sich diese genau nachvollziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. „Das
kenne ich von anderen Unternehmen so tatsächlich nicht“, sagt Klemke.
Das
Projekt ist exemplarisch für die vielseitigen Kompetenzen, welche das anwendungsspezifische
Entwickeln und Fertigen elektronischer Geräte erfordert. Davon ist auch Bastian
Klemke von Plantobelly überzeugt. Der intensive Austausch mit Werner Wirth als ODM
hat sein Produkt auf die nächste Ebene gebracht. Gemeinsam haben die Partner
den Schritt von der Auftrags- und Serienfertigung realisiert.
Quelle: Werner Wirth
FAQ: ODM für Elektronikfertigung
Was bedeutet ODM bei Werner Wirth?
ODM steht für Original Design Manufacturer; Werner Wirth begleitet Produktideen als Entwicklungs- und Produktionspartner bis zur Serie.
Welche Rolle spielt ODM für Plantobelly?
Als ODM unterstützt Werner Wirth Plantobelly bei Sensorkabel, Komponentenschutz, Baugruppenmontage und skalierbarer Fertigung.
Warum ist ODM für Elektronikfertigung wichtig?
ODM-Partner bündeln Entwicklung, Verbindungstechnik, Schutzkonzepte und Produktionskapazitäten für industrielle Anwendungen.
Welche Technologien nutzt Werner Wirth als ODM?
Zum Einsatz kommen unter anderem KabelkonfektionPlus, Hotmelt Moulding, Vergusslösungen, Werkzeugbau und Baugruppenmontage.
Wie hilft ODM bei nachhaltiger Produktgestaltung?
Im Plantobelly-Projekt ermöglicht ein Silikongel den Schutz der Platine und zugleich die spätere Trennung einzelner Bauteile.