Maschinenbau: Warum der Irankrieg zum Risiko für die Lieferketten wird
Der Irankrieg wird zum Stresstest für die deutschen Maschinenbauunternehmen. Energiepreise steigen, Lieferketten sind strapaziert und Investitionen werden verschoben. Die Krise trifft eine Branche unter Hochdruck. Zwei Experten über die aktuelle Lage.
Why is the Iran war weighing on mechanical engineering? Energy prices, supply chains and investment freezes are putting the industry under pressure.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Summary: Coface-Experten Markus Kuger und Kurt Lennartz sehen den Maschinenbau durch den Iran-Krieg, die Straße von Hormus und steigende Energiepreise unter Druck. Betroffen sind vor allem Lieferketten, Rohstoffe, Logistik und Investitionen. Die Folgen könnten bis 2027 reichen und 2026 mehr Zahlungsverzögerungen sowie Insolvenzen auslösen.
Was im Persischen Golf eskaliert, kann in deutschen Werkhallen durchaus spürbar werden. Denn der Iran-Krieg und die geschlossene Straße von Hormus belasten den deutschen Maschinenbau nicht nur über direkte Geschäfte mit dem Iran, sondern vor allem über gestiegene Energiepreise, gestörte Lieferketten und geopolitische Unsicherheit.
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„Es war zu erwarten, dass durch den Krieg die Stabilität der Lieferketten wieder deutlich bedroht ist“, erklärt Markus Kuger, Chefvolkswirt bei Coface (Kredit- und Risikomanagement). „In der Metallbranche ist es vielleicht nicht ganz so gravierend wie in der Chemiebranche, weil aus der Golfregion viele chemische Vorprodukte kommen.“
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Drei Szenarien für die Weltwirtschaft
In seinem Vortrag auf dem Coface-Kongress stellte Kuger Szenarien für die Weltwirtschaft dar, wobei das Basisszenario und die Alternative jeweils mit 40% Wahrscheinlichkeit angesetzt sind, das Advers-Szenario mit 20%.
Im Basisszenario öffnen sich die Straße von Hormus bis Mitte Mai wieder, Schäden an Öl- und Gasinfrastruktur bleiben begrenzt. Staatliche Ausgaben sowie Lagerbestände dämpfen den Schock. Die Inflation steigt nur vorübergehend moderat, die Leitzinsen bleiben stabil.
Im Alternativszenario bleiben Öl- und Gaspreise 50% über dem Vorkriegsniveau, Energieknappheit führt besonders in Entwicklungsländern zu Lieferkettenstörungen, und die Inflation zieht deutlich an. Weltweit steigen die Leitzinsen.
Im Advers-Szenario verdoppeln sich Öl- und Gaspreise gegenüber dem Vorkriegswert, es kommt zu Produktionsrückgängen in vielen Sektoren und Ländern, und die Finanzmärkte reagieren mit Verwerfungen. Dazu kommen signifikante Spillover-Risiken.
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Aluminium, Energie und Tanker: Wo der Druck entsteht
Die Auswirkungen des Krieges sind aber jetzt schon spürbar – besonders bei energieintensiven Rohstoffen und in der Logistik. Bei den Metallen leidet Aluminium am stärksten. Der Grund: Die Herstellung ist sehr energieintensiv und findet häufig am Golf statt.
„Die asiatischen Unternehmen sind dabei in einer noch schwierigeren Position als wir Europäer, weil deren Lieferanten oft direkt am Golf sitzen“, so Kuger. Die Energie für Europa komme auch aus Norwegen, Algerien oder den USA. „Aber durch die enge Verflechtung der Weltwirtschaft – etwa, wenn Waren über Marokko nach Deutschland kommen – gilt: Je länger der Krieg dauert, desto schlimmer wird es.“
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„Man kann das auf Webseiten verfolgen, die Tankerbewegungen tracken“, ergänzt Kuger. Demnach werden Schiffe, die eigentlich von Brasilien nach Frankreich unterwegs waren, kurz vor dem Ziel umgeleitet und stattdessen nach Taiwan oder Südkorea geschickt, weil dort das Flüssiggas knapp wird. „Diese Länder zahlen dann jeden Preis.“ Das habe zur Folge, dass sich die Verfügbarkeit in Europa verknappt und die Preise weltweit steigen, berichtet der Chefvolkswirt weiter.
Markus Kuger, chief economist at Coface.Coface
Zusätzlich kommen Kriegszuschläge bei Containern sowie deutlich gestiegene Charterpreise für Tanker hinzu. „Etwa acht bis neun Prozent der Transportkapazität liegen im Golf fest und kommen nicht heraus“, sagt Kurt Lennartz, Head of Risk Underwriting Mid Market / Credit Line bei Coface. Das habe konkrete Folgen für die globalen Lieferketten: „Selbst wenn man Öl von Kanada nach Japan transportieren will, fehlt möglicherweise der Tanker, der seit zwei Monaten im Golf festliegt.“
Investitionen werden verschoben oder gestrichen
In der aktuellen Situation leiden die Maschinenbauer dabei doppelt, sagt Lennartz weiter. „Sie haben bereits unter den US-Zöllen gelitten und spüren nun zusätzlich die Kaufzurückhaltung in China und Europa.“ In den USA werde es teurer, neue Anlagen anzuschaffen, also werde auch dort anders investiert. Viele Unternehmen setzen Lennartz zufolge Projekte „on hold“ und überlegen, ob sie eine Maschine wirklich ersetzen oder die alte noch länger laufen lassen.
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Eine Entwicklung, die auch Grob mitbekommen hat. Demnach haben Kunden Projekte im Wert von 950 Mio EUR um durchschnittlich zwölf Monate verschoben. Aufträge im Wert von rund 550 Mio EUR wurden gar gestrichen. „Das Schieben machen die Kunden in der Elektromobilität im Moment relativ gerne und relativ oft“, erklärte Vertriebsgeschäftsführer Christian Müller auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens.
Und auch andere Zahlen sprechen eine klare Sprache: „Der Maschinenbau ist nun das vierte Quartal in Folge in jeder Hinsicht rückläufig. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei den Mitarbeiterzahlen“, bilanziert Lennartz. Die Experten von Coface merken das auch an der Höhe der gestellten Limitanträge: „Wenn es besser laufen würde, müssten nach schlechten Quartalen eigentlich höhere Limite angefragt werden, um wieder mehr Geschäft zu machen. Diese Anfragen bleiben im Maschinenbau aber derzeit aus“, so Lennartz.
Das sei ein Indiz dafür, dass die Firmen mit den bestehenden Limiten auskommen, weil kein Neugeschäft nachkomme. „Außerdem sehen wir insgesamt mehr Schäden.“ In der ganzen Branche werde derzeit nur auf Sicht gefahren.
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Warum positive Signale täuschen können
Dennoch ist der Auftragseingang Ende vergangenen Jahres gestiegen. So vermeldete das Statistische Bundesamt, dass der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im Dezember 2025 gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 7,8 % gestiegen sei. Der Grund waren Kuger zufolge aber häufig Großaufträge oder Rüstungsprojekte, was das Bild verzerre.
„Man sieht jetzt, dass traditionelle Maschinenbauer plötzlich versuchen, Drohnen zu bauen, weil dort Geld zu verdienen ist. Das scheint der einzige Sektor mit staatlichen Aufträgen zu sein“, berichtet Kuger. Das sei aber kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell.
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Kurt Lennartz, head of risk underwriting mid market / credit line at Coface.Coface
Die aktuelle Lage schlägt sich auch in der Stimmung nieder: Der Ifo Geschäftsklimaindex sank im April auf 84,4 Punkte, nach 86,3 im März. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. „Während die momentane Lage noch als stabil bewertet wird – wenn auch auf niedrigem Niveau –, sind die Erwartungen für die nächsten sechs Monate nach unten gegangen. Energie ist teurer geworden, und die Verfügbarkeit von Vorprodukten ist unsicher“, erklärt Kuger.
Lageraufbau aus Angst statt aus Wachstum
Das zeigt auch der Einkaufsmanagerindex. „Dieser ist überraschenderweise gestiegen, was eigentlich auf Wachstum hindeutet“, sagt Kuger. Doch bei genauerem Hinschauen stellt man fest: „Die Unternehmen kaufen mehr Vorprodukte ein, weil sie Angst haben, dass diese im nächsten Monat noch teurer oder gar nicht mehr verfügbar sind.“
Es handelt sich Kuger zufolge also um einen angstgetriebenen Lageraufbau und nicht um ein Zeichen für eine brummende Wirtschaft. „Die Leute warten länger auf Güter, weil es im System kriselt.“
Noch seien ausreichend Lagerbestände vorhanden, meint Lennartz. Aber: „Die Frage ist, welches Unternehmen rechtzeitig reagiert hat. Die Rohstoffe sind nicht verschwunden, sie nehmen nur längere Wege.“ Das müsse man einkalkulieren. Firmen müssen demnach früher bestellen, um Stillstände zu vermeiden. Dazu kommt: „Asien hängt noch stärker am Energietropf und viele Vorprodukte für den Maschinenbau kommen von dort“, so Lennartz.
Der Blick richtet sich bereits auf 2027
Auch mit Blick auf 2026 dämpft Kuger die Erwartungen: Der wirtschaftliche Aufschwung werde nicht kommen. Sollen die Unternehmen also schon auf 2027 schauen? „Der Ausblick steht und fällt mit dem Iran“, sagt Kuger. „Wenn dieser Krieg anhält, wird auch 2027 kein gutes Jahr. Die Energiepreise sind zwar hoch, aber nicht auf dem Niveau von 2022.“
Das Sondervermögen werde „sukzessive ausgegeben“. Bisher zeige sich das allerdings vor allem im Bereich der Rüstung. „Aber irgendwann müssen auch Autobahnen, Schienen und Schulen saniert werden. Das braucht Zeit.“
Selbst bei einem schnellen Ende des Krieges seien die Folgen noch lange spürbar. „Selbst wenn der Krieg morgen enden würde, dauerte es bis Ende 2026, um den Stau bei Rohstoffen und Energie aufzulösen.“ Entsprechend müsse der Fokus bereits heute auf das Jahr 2027 gelegt werden.
Ein weiteres Problem sei die schwer beschädigte Infrastruktur. Pipelines und Raffinerien seien getroffen worden. Qatar Energy habe angegeben, dass die Reparatur des gesamten Produktionspotenzials „drei bis fünf Jahre dauern könnte“.
Zahlungsverzögerungen kündigen mehr Insolvenzen an
Was sich schon 2026 zeigen kann, sind mehr Insolvenzen im Maschinenbau. „In der Kreditversicherung haben wir durch Nichtzahlungsmeldungen einen Frühindikator, der uns etwa ein halbes bis ein Jahr Vorlauf gibt. Wir sehen momentan einen Anstieg bei diesen Meldungen über Zahlungsverzögerungen“, berichtet Lennartz.
Das bedeutet, dass man vermutlich mit zeitlicher Verzögerung einen ähnlichen Sprung bei den Insolvenzen oder Schadensfällen sehen wird. „Die Kurve geht weiter nach oben. Das wird uns 2026 das ganze Jahr begleiten“, sagt der Experte.
FAQ: Irankrieg und Maschinenbau
Wie belastet der Iran-Krieg den Maschinenbau?
Der Iran-Krieg belastet den Maschinenbau über höhere Energiepreise, gestörte Lieferketten, teurere Logistik und verschobene Investitionen.
Warum ist der Iran-Krieg für Lieferketten im Maschinenbau relevant?
Die geschlossene Straße von Hormus, festliegende Tanker und knappe Rohstoffe verlängern Transportwege und erhöhen die Unsicherheit in globalen Lieferketten.
Welche Rolle spielen Energiepreise im Iran-Krieg für den Maschinenbau?
Steigende Öl- und Gaspreise verteuern energieintensive Rohstoffe wie Aluminium und erhöhen den Kostendruck in der Produktion.
Warum verschieben Unternehmen wegen des Iran-Kriegs Investitionen im Maschinenbau?
Unternehmen prüfen angesichts höherer Kosten, schwächerer Nachfrage und unsicherer Lieferketten, ob neue Maschinen angeschafft oder bestehende Anlagen länger genutzt werden.
Was bedeutet der Iran-Krieg für Insolvenzen im Maschinenbau?
Coface sieht steigende Zahlungsverzögerungen als Frühindikator für mehr Insolvenzen oder Schadensfälle im Jahr 2026.