Bei EnBW hat sich der Einkauf in wenigen Jahren von einer operativen Bestellfunktion zu einem strategischen Werttreiber entwickelt. Miljenko Galic, Leiter des Bereichs Process & Capability Management im Einkauf, erklärt, wie digitale Plattformen, eine höhere Automatisierung und der schrittweise Einsatz von KI die Beschaffung effizienter, transparenter und zukunftsfähig machen.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
Trotz Herausforderungen wie der Corona-Pandemie und unterschiedlicher Nutzerbedürfnisse setzt EnBW nun verstärkt auf KI-Use-Cases, um transaktionale Einkaufsprozesse weiter zu automatisieren und zu optimieren.Minakhi-adobestock.com
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Summery:
EnBW hat mit der Plattform Ivalua seinen Einkauf von einer operativen Bestellfunktion zu einem strategischen, datengetriebenen Werttreiber digitalisiert und die Automatisierungsquote von 60 auf 80 Prozent gesteigert. Künftig setzt EnBW verstärkt auf KI, um den Einkauf weiter zu automatisieren und zu optimieren.
Bei EnBW hat sich der
Einkauf in den vergangenen Jahren von einer stark operativen Funktion zu einem
strategischen Wertschöpfungspartner für den Unternehmenserfolg entwickelt.
Miljenko Galic, Director Process & Capability Management bei EnBW,
beschreibt die Entwicklung so: „Wir wollten eine Plattform aussuchen, die unser
Procurement der Zukunft unterstützt und uns erlaubt, unseren Einkauf zu
professionalisieren, zu automatisieren und zu digitalisieren.“ Mit der
Einführung digitaler Plattformen wurde der Beschaffungsprozess grundlegend
verändert: weg von manuell geprägten Abläufen hin zu durchgängigen,
transparenteren und deutlich effizienteren Prozessen.
Ausgangspunkt war ein
gewachsenes, technologisch überholtes Procurement-Setup, das vor allem auf
SAP-basierte Bestellprozesse setzte. „Wir hatten ein sehr altes
Procurement-System“, sagt Galic rückblickend. Ziel war es deshalb, den Einkauf
zukunftsfähig aufzustellen. Die Wahl fiel auf Ivalua, weil die Plattform
einerseits die nötige Integrationsfähigkeit bot und andererseits genügend
Flexibilität für unternehmensspezifische Anforderungen mitbrachte.
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Enge Systemintegration
Ein wesentlicher
Erfolgsfaktor war die enge Verzahnung mit der bestehenden Systemlandschaft,
insbesondere mit SAP S/4. Gerade in einem regulierten Umfeld wie dem eines
Energieversorgers reichen Standardprozesse nicht aus. Galic betont: „Das ist
etwas, was die großen Plattformen nicht einfach abschütteln können, weil es
gesetzlich für uns vorgegeben ist.“ Ivalua wurde deshalb nicht als starres
Standardwerkzeug eingeführt, sondern als Plattform, die individuelle
Prozesslogiken, Freiheiten und Schnittstellen ermöglicht.
Miljenko Galic ist Director Process- & Capability Management im Einkauf bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und verantwortet zentrale Themen rund um die Steuerung, Optimierung und Weiterentwicklung von Einkaufs- und Beschaffungsprozessen.EnBW
EnBW nutzt heute vor
allem die Module Contracting, Lieferantenmanagement und Procure-to-Pay. Der
Rechnungsbereich ist bewusst ausgeklammert, da er organisatorisch im
Rechnungswesen verankert ist. Trotzdem bleiben die Prozesse durchgängig, weil
die Schnittstellen sauber in die Systemlandschaft eingebunden sind. Der Nutzen
zeigt sich laut Galic klar im Alltag: „Seitdem wir Ivalua eingeführt und
stärker digitalisiert und automatisiert haben, haben wir die Automatisierungsquote
von ehemals rund 60 Prozent auf 80 Prozent erhöht.“ Gleichzeitig sei die
Organisation in transaktionalen Prozessen um rund 20 bis 25 Prozent effizienter
geworden.
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Herausforderungen der Einführung
Die Einführung verlief
allerdings nicht ohne Herausforderungen. Besonders die Corona-Pandemie traf
EnBW mitten in die Stabilisierungsphase nach dem Go-live. „Zwei Monate danach
kam Corona, und plötzlich waren alle Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice.
Das hat uns anfangs große Schmerzen bereitet“, erinnert sich Galic. Der Wegfall
persönlicher Abstimmungen erschwerte die Umstellung erheblich. Hinzu kam, dass
Veränderungen in der Organisation nicht überall sofort auf Akzeptanz stießen.
Rückblickend sieht Galic
vor allem bei der Nutzerorientierung Lernbedarf. Unterschiedliche Zielgruppen
müssten viel gezielter abgeholt werden. Er erklärt: „Wir haben Nutzer, die
bestellen ein- oder zweimal im Jahr etwas. Die merken sich nicht, wie ein Prozess
funktioniert.“ Andere Nutzer wiederum seien sehr regelmäßig und schnell im
System unterwegs. Gerade mobile Teams im Feld bräuchten eine andere Form der
Unterstützung. Für künftige Projekte sei das ein zentraler Punkt.
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Auch die Lieferanten
mussten sich an die neue Arbeitsweise gewöhnen. Bei einem Netzwerk von rund 10.000
Lieferanten war die Umstellung nicht überall gleich einfach. Während
systemerfahrene und digital arbeitende Lieferanten die neue Lösung meist gut
annahmen, brauchten kleinere oder gelegentlich eingebundene Lieferanten mehr
Unterstützung. Durch mehrere Kommunikationswellen und Schulung konnte der
Übergang aber erfolgreich gestaltet werden.
Entwicklung zum datengetriebenen, strategischen Werttreiber Die größte Veränderung sieht Galic in der Rolle
des Einkaufs selbst. „Wir waren in erster LinieBestellabwickler, alles wurde
ohne systematische Tool-Unterstützung im Einkauf abgeladen“, sagt er. Heute
liege der Fokus stärker auf strukturierten Bedarfen, Transparenz und
strategischer Steuerung. Der Einkauf agiere dadurch stärker als
Wettbewerbsmanager und Werttreiber. „Wir treffen mehr strategische
Entscheidungen als vorher“, so Galic. Diese Entwicklung wurde durch die
digitale Plattform deutlich beschleunigt, weil Informationen heute zentral
verfügbar sind und Entscheidungen wesentlich besser vorbereitet werden können.
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Ein weiterer Vorteil
liegt in der verbesserten Datenbasis. Zwar sieht Galic noch Luft nach oben bei
der Datenqualität, aber die Systeme liefern heute deutlich mehr Struktur und
Transparenz als früher. „Das funktioniert heute auf Knopfdruck“, sagt er mit Blick
auf Preisentwicklungen, Lieferantenhistorien und Ausschreibungsdaten. Für
strategische Entscheidungen sei das ein enormer Fortschritt. Gleichzeitig
schafft genau diese Datengrundlage die Voraussetzung für den nächsten
Entwicklungsschritt: den Einsatz von KI.
Der EnBW-Einkauf arbeitet
bereits mit ersten KI-Use-Cases und plant den Ausbau. Besonders im
transaktionalen Umfeld sieht Galic großes Potenzial, etwa beim automatisierten
Einlesen von Angeboten oder bei der Weiterverarbeitung strukturierter
Beschaffungsdaten. „Wir haben Use Cases entwickelt, die transaktionale Prozesse
mittels KI unterstützen und uns effizienter werden lassen.“, erläutert er.
Mittelfristig rechnet er damit, dass viele operative Tätigkeiten im Einkauf
automatisiert oder durch KI-Agenten unterstützt werden. Dann werde der Mensch
im Einkauf nicht weniger wichtig, sondern anders wichtig: mit der Aufgabe,
KI-gestützte Prozesse zu gestalten, zu prüfen und zu steuern.
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Digitalisierung und KI Hand in Hand
Für Galic ist klar, dass
Digitalisierung und KI heute nicht mehr getrennt voneinander gedacht werden
sollten. „Digitalisierung geht heute nicht mehr separat“, sagt er. Wer den
Einkauf modernisieren will, sollte beides gemeinsam betrachten und früh ausprobieren.
Entscheidend sei außerdem, die passenden Skills im Team aufzubauen. Gerade
Menschen mit Einkaufs- und Prozess-Know-how würden künftig gebraucht, um
digitale Plattformen und KI-Anwendungen sinnvoll zu orchestrieren.
Der Fall EnBW zeigt
exemplarisch, wie stark digitale Plattformen und digitales Arbeiten den Einkauf
voranbringen können. Die Kombination aus Prozessstandardisierung,
systematischer Automatisierung, sauberer Datenbasis und gezieltem KI-Einsatz
führt nicht nur zu mehr Effizienz, sondern trägt aktiv zur höheren
wirtschaftlichen Wertschöpfung bei.
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Firmenporträt
Mit rund 31.500
Mitarbeiter*innen ist die EnBW eines der größten Energieunternehmen in
Deutschland und Europa. Sie versorgt rund 5,5 Millionen Kund*innen mit Energie
und ist auf allen Wertschöpfungsstufen von der Erzeugung über den Handel bis
hin zum Netzbetrieb und den Vertrieb von Strom, Wärme und Gas aktiv. Im Zuge
der Neuausrichtung vom klassischen Energieversorger zum nachhaltigen
Infrastrukturunternehmen sind der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der
Verteil- und Transportnetze für Strom, Gas und Wasserstoff Eckpfeiler der
EnBW-Wachstumsstrategie und Schwerpunkt der Investitionen. Bis 2030 plant die
EnBW bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren, rund 85 Prozent davon in
Deutschland. Bis dahin sollen rund 80 Prozent des EnBW-Erzeugungsportfolios aus
erneuerbaren Energien bestehen, der Ausstieg aus der Kohle wird bis Ende 2028
angestrebt, sofern die Rahmenbedingungen es zulassen. Dies sind zentrale
Meilensteine auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel für die unternehmenseigenen
Treibhausgasemissionen im Jahr 2040.
1. Welche Plattform hat EnBW für die Digitalisierung des Einkaufs eingeführt? EnBW hat sich für Ivalua entschieden, weil die Plattform sowohl die nötige Integrationsfähigkeit (insbesondere mit SAP S/4) als auch ausreichend Flexibilität für unternehmensspezifische Anforderungen bot.
2. Welche Module nutzt EnBW konkret? EnBW setzt vor allem die Module Contracting, Lieferantenmanagement und Procure-to-Pay ein. Der Rechnungsbereich ist bewusst ausgeklammert, da er organisatorisch im Rechnungswesen verankert ist.
3. Welche konkreten Effizienzgewinne wurden erzielt? Die Automatisierungsquote stieg von rund 60 auf 80 Prozent, und die Organisation wurde in transaktionalen Prozessen um etwa 20 bis 25 Prozent effizienter.
4. Welche Herausforderungen gab es bei der Einführung? Besonders die Corona-Pandemie kurz nach dem Go-live erschwerte die Stabilisierungsphase durch den Wegfall persönlicher Abstimmung. Zudem mussten unterschiedliche Nutzergruppen (Gelegenheits- vs. Vielnutzer) und rund 10.000 Lieferanten unterschiedlich intensiv begleitet werden.
5. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für die Zukunft des Einkaufs bei EnBW? EnBW arbeitet bereits mit ersten KI-Use-Cases, etwa beim automatisierten Einlesen von Angeboten, und plant den weiteren Ausbau – mit dem Ziel, operative Tätigkeiten zu automatisieren, während Mitarbeitende künftig KI-gestützte Prozesse gestalten und steuern.