Das historische Niedrigwasser an Rhein, Donau und Elbe verschärft die Lage für Industrie und Logistik. Sinkende Pegelstände treiben Transportkosten nach oben und erhöhen den Druck auf Lieferketten.
Ein Steg ins Leere… Niedrigwassergeprägtes Nordufer des Bodensees am 29.07.2026.BfG
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Summary: Historische Niedrigwasserstände an Rhein, Donau und Elbe beeinträchtigen den Güterverkehr in Deutschland. Unternehmen, Verbände und Politik warnen vor steigenden Transportkosten, Lieferkettenproblemen und wirtschaftlichen Folgen. Eine schnelle Entspannung ist nach Einschätzung der Behörden wegen anhaltender Trockenheit und Hitze nicht in Sicht.
Historische Tiefststände an Rhein und weiteren Flüssen
Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben die Wasserstände deutscher Flüsse auf historische Tiefstwerte sinken lassen. Am Pegel Kaub fiel der Rhein auf 24 cm und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Der Pegel in Ufernähe entspricht zwar nicht der tatsächlichen Fahrrinnentiefe, gilt jedoch als wichtiger Maßstab für die Schifffahrt.
Auch an weiteren Messstellen wurden neue Rekorde registriert. In Duisburg-Ruhrort sank der Pegel auf 150 cm und damit unter den bisherigen Tiefstwert aus dem Jahr 2018. Düsseldorf verzeichnete mit 22 cm ebenfalls einen historischen Tiefstand. In Köln wurde bereits zuvor der niedrigste Pegelstand seit Beginn der Messungen registriert mit 69 cm - der Normalwasserstand liegt bei 3,21 m.
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Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) weisen alle zahlreiche an Rhein, Donau und Elbe Niedrigwasser auf. Regenschauer sorgen lediglich kurzfristig für steigende Wasserstände, insgesamt überwiegt jedoch weiterhin die sinkende Tendenz.
Ungewöhnlich früh im Jahr seien die einschlägigen Niedrigwassermarken über weite Gewässerabschnitte unterschritten. Besonders gering ist im Vergleich aktuell die Wasserführung der Donau. In ihrem freifließenden Abschnitt wurde am Pegel Hofkirchen am 29. Juli 2026 mit 155 cm über PNP (Rohwert) der dort bislang niedrigste bekannte Wasserstand registriert.
Welche Folgen hat das Niedrigwasser für die Schifffahrt?
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Sowohl die Donau als auch der Rhein zählen zu den wichtigsten Transportachsen Europas. Über die Flüsse werden unter anderem Mineralölprodukte, Chemikalien, Kohle, Eisenerz, Getreide und Container transportiert. Die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz erklärt gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Unter einem Pegelstand von 40 Zentimetern bei Kaub ist keine sinnvolle Binnenschifffahrt mehr möglich.“
Ein Fahrverbot besteht bislang noch nicht. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt entscheidet jeder Schiffsführer selbst, ob ein wirtschaftlicher Betrieb noch möglich ist. Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands, betont: „Die Schifffahrt fährt, solange es physikalisch und sicher möglich ist.“
Mit sinkenden Wasserständen reduziert sich jedoch die mögliche Zuladung erheblich. Teilweise können Schiffe nur noch etwa ein Fünftel ihrer regulären Ladung transportieren. Andere Branchenvertreter sprechen von einer Auslastung zwischen einem Drittel und der Hälfte der üblichen Kapazität. Dadurch müssen zusätzliche Schiffe eingesetzt werden und die Transportkosten steigen deutlich. Nach Angaben von Bloomberg erreichten die Kosten für den Transport von Diesel zwischen Rotterdam und Karlsruhe den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2009.
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Warum wächst der Druck auf Industrie und Lieferketten?
Von den Einschränkungen betroffen sind insbesondere rohstoffintensive Branchen wie Chemie, Stahl und Mineralöl. Ein Teil der Transporte kann zwar auf Schiene oder Straße verlagert werden, die verfügbaren Kapazitäten gelten jedoch als begrenzt.
„Die Lage ist ernst. Der Rhein ist eine zentrale Schlagader für den Güterverkehr in Deutschland“, sagt Thilo Schaefer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Höhere Transportkosten und zunehmender Druck auf Straße und Schiene könnten Lieferketten zusätzlich belasten. Kurzfristig lasse sich der Ausfall des Rheintransports nur begrenzt kompensieren.
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Verbände der Recycling- und Rohstoffwirtschaft warnen zudem vor Risiken für die Versorgung der Stahlindustrie. Frachtkosten hätten sich auf einzelnen Verbindungen bereits verdrei- bis vervierfacht. Hinzu kämen Kosten durch Verzögerungen und Umplanungen.
Nach Einschätzung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft könnte das Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 0,1 bis 0,2 % dämpfen. Der daraus resultierende Wertschöpfungsausfall wird auf 1 bis 2 Mrd. EUR im dritten Quartal geschätzt.
Welche Ursachen nennen Experten?
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Nach Angaben der BfG treten Niedrigwasserphasen zwar regelmäßig auf, normalerweise jedoch erst im Spätsommer oder Herbst. Wenig Niederschlag und hohe Temperaturen lassen die Wasserstände sinken.
Langfristig verstärkt der Klimawandel nach Einschätzung der Behörde diese Entwicklung, da höhere Temperaturen die Verdunstung erhöhen. Hinzu kommt, dass schneearme Winter in den Alpen die Zuflüsse im Frühjahr verringern. Bleiben anschließend auch die Niederschläge im Frühjahr und Sommer aus, verschärft sich die Niedrigwassersituation zusätzlich.
Die Auswirkungen reichen inzwischen weit über die Schifffahrt hinaus. Der Bodensee verzeichnet außergewöhnlich niedrige Wasserstände, am Chiemsee musste die Schifffahrt eingeschränkt werden, Böden trocknen aus und die Waldbrandgefahr steigt.
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Wie reagieren Unternehmen und Politik?
Unternehmen versuchen, die Folgen mit angepassten Konzepten zu begrenzen. HGK Shipping setzt nach eigenen Angaben spezielle Schiffe ein, die auch bei niedrigeren Wasserständen eingesetzt werden können. Steffen Bauer, Chef der HGK-Gruppe, hält bei anhaltend warmem und trockenem Wetter zeitweise Einschränkungen der Güterschifffahrt auf einzelnen Rheinabschnitten für möglich.
Der Bundesverband Spedition und Logistik fordert Investitionen in die Wasserstraßen. Diskutiert werden außerdem Fahrrinnenvertiefungen, unter anderem zwischen St. Goar und Mainz.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer will das Thema auf die Sonder-Verkehrsministerkonferenz bringen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage für die Rhein-Schifffahrt verschärft. Auch an der Donau ist die Situation schwierig. Wir brauchen kurzfristig eine nationale Taskforce für Maßnahmen, um die Transportlage zu verbessern.“
Unabhängig davon existiert bereits seit 2023 eine nationale Wasserstrategie mit rund 80 Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung. Bislang wurden jedoch nur wenige dieser Vorschläge umgesetzt.
Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Gewässerkunde ist in den kommenden Tagen an den großen Flüssen überwiegend mit weiter sinkenden Wasserständen zu rechnen. Die Niedrigwassersituation dürfte anhalten, sich räumlich ausweiten und sich ohne größere Niederschläge weiter verschärfen. Moritz Axt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein fasst die Lage zusammen: „Entspannung kann es erst geben, wenn großflächige, langanhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet fallen.“