CO₂-Preis: Schwankungen bremsen Investitionen
Der CO₂-Preis beeinflusst Investitionen der Industrie in klimafreundliche Technologien. Eine ifo-Umfrage zeigt: Neben der Höhe entscheidet vor allem die Verlässlichkeit des Preises.
Nicht nur die Höhe, sondern auch die Schwankungsbreite des CO₂-Preises beeinflusst laut ifo die Investitionsentscheidungen.
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Das ifo Institut befragte im Februar 2026 insgesamt 830 deutsche Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten.
Wann investieren Unternehmen? Im Durchschnitt wird ein Klimaschutzprojekt laut Umfrage erst bei einem konstanten CO₂-Preis von mehr als 90 EUR pro Tonne attraktiv.
Eine größere Schwankungsbreite reduziert die Investitionsbereitschaft auch bei einem hohen durchschnittlichen CO₂-Preis.
Unternehmen mit höherem Vertrauen in den politischen Kurs beim Klimaschutz zeigen laut Untersuchung eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft.
Deutsche Industrieunternehmen würden laut einer Ifo-Umfrage mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn der CO₂-Preis höher und zugleich verlässlich wäre. Neben der absoluten Höhe des Preises spielen damit dessen Schwankungen und die Erwartungen der Unternehmen eine wesentliche Rolle.
„Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, sagt Ifo-Forscher Mathias Dolls. „Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.“
Wann der CO₂-Preis Investitionen auslöst
Bei einem niedrigen CO₂-Preis von rund 50 EUR pro Tonne lehnen die in der ifo-Untersuchung befragten Unternehmen das betrachtete Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab. Bei einem erwarteten Preis von 175 EUR fällt die Entscheidung in den hypothetischen Szenarien dagegen zugunsten der klimafreundlichen Investition aus.
Die vom Ifo Institut genannten Werte des europäischen Emissionshandels von rund 70 bis 90 EUR liegen laut Untersuchung nahe an der ermittelten Investitionsschwelle.
„Aktuell liegen die Preise des europäischen Emissionshandels von etwa 70 bis 90 Euro nahe an der Schwelle, an der ein durchschnittliches Industrieunternehmen in Deutschland beginnt, klimafreundlich zu investieren, aber ein großer Teil dürfte noch zögern“, sagt Ifo-Forscher Gerome Wolf.
CO₂-Preis braucht Planungssicherheit
Nicht nur die Höhe, sondern auch die Schwankungsbreite des CO₂-Preises beeinflusst laut Ifo die Investitionsentscheidungen. Rechnen Unternehmen mit starken Schwankungen, sinkt demnach die Bereitschaft, ein Klimaschutzprojekt umzusetzen.
„Der CO₂-Preis entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn es keine starken Preisschwankungen gibt. Sobald Unternehmen mit einer hohen Schwankungsbreite rechnen, warten sie ab und investieren selbst dann nicht, wenn der Durchschnittspreis hoch ist“, sagt Matti Liski, Professor an der Aalto Universität.
Wie stark wirken sich Preisschwankungen aus?
Die Untersuchung beziffert den Zusammenhang zwischen Schwankungsbreite und Investitionsentscheidung: Nimmt die Schwankungsbreite um einen Prozentpunkt zu, müsste der CO₂-Preis demnach um rund 1,40 EUR steigen, damit die Investitionswahrscheinlichkeit konstant bleibt.
Auch die Einschätzung der politischen Rahmenbedingungen spielt nach den Ergebnissen der Befragung eine Rolle. Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz für verlässlich halten, zeigen im Durchschnitt eine deutlich höhere Bereitschaft, in klimafreundliche Projekte zu investieren, als Unternehmen mit geringem Vertrauen.
So wurde die CO₂-Preis-Umfrage durchgeführt
Die Ergebnisse beruhen auf einer Sonderbefragung im Rahmen der Ifo Konjunkturumfrage vom Februar 2026. Befragt wurden 830 Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten.
Jedes Unternehmen erhielt fünf hypothetische Investitionsszenarien für ein Klimaschutzprojekt, das sowohl den CO₂-Ausstoß senkt als auch Energie einspart. Die Szenarien unterschieden sich hinsichtlich des CO₂-Preises zwischen 50 und 200 EUR pro Tonne sowie hinsichtlich einer möglichen Schwankungsbreite zwischen plus/minus 0 und 100 %.
Damit untersucht die Befragung zwei Faktoren gleichzeitig: das Preisniveau und die Verlässlichkeit des CO₂-Preises. Den Ergebnissen zufolge beeinflussen beide Größen die Bereitschaft von Industrieunternehmen, klimafreundliche Investitionen umzusetzen.
Was Sie zum Thema CO₂-Preis wissen müssen
Ab welchem CO₂-Preis investieren Industrieunternehmen? – Laut Ifo-Umfrage investieren die befragten Unternehmen im Durchschnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 EUR pro Tonne CO₂ liegt.
Was passiert bei einem CO₂-Preis von 50 EUR? – Bei rund 50 EUR pro Tonne lehnen die befragten Unternehmen das hypothetische Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab.
Wie beeinflussen Schwankungen beim CO₂-Preis Investitionen? – Mit zunehmender Schwankungsbreite sinkt laut Untersuchung die Investitionsbereitschaft. Je Prozentpunkt zusätzlicher Schwankungsbreite wären rund 1,40 EUR mehr beim CO₂-Preis nötig, um die Investitionswahrscheinlichkeit konstant zu halten.
Welche Rolle spielt Vertrauen beim CO₂-Preis? – Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz für verlässlich halten, zeigen laut Untersuchung durchschnittlich eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft.
Wie wurde die Wirkung des CO₂-Preises untersucht? – Grundlage war eine Sonderbefragung von 830 Industrieunternehmen im Februar 2026 mit jeweils fünf hypothetischen Investitionsszenarien.