Jaggaer übernimmt Ivoflow und baut damit seine Spend Intelligence für die Fertigungsindustrie aus. Im Fokus stehen KI-gestützte Preisanalysen und Einsparpotenziale bei Direktmaterialien.
Redaktion TECHNIK+EINKAUFRedaktionTECHNIK+EINKAUF
Jaggaer will mit Ivoflow seine Beschaffungsplattform um Analysefunktionen erweitern.Andrey Popov - stock.adobe.com
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Jaggaer hat die Übernahme des Koblenzer Spend- und Price-Intelligence-Anbieters Ivoflow am 11. September 2026 abgeschlossen.
Ivoflow verbindet Einkaufs- und ERP-Daten mit Marktdaten und analysiert Preise für Direktmaterialien.
KI soll unter anderem Preiserhöhungsforderungen von Lieferanten prüfen und Einsparpotenziale automatisiert identifizieren.
Jaggaer will in Team, Produkt und Roadmap von Ivoflow investieren und die KI-Funktionen weiter ausbauen.
Jaggaer hat Ivoflow übernommen. Die Transaktion wurde am 11. September 2026 abgeschlossen, wie das Unternehmen mitteilt. Ivoflow mit Sitz in Koblenz bietet eine Plattform für Spend- und Price-Intelligence im Bereich Direktmaterialien.
Mit der Akquisition will Jaggaer seine Beschaffungsplattform um Funktionen erweitern, die Einkaufs- und Marktdaten automatisiert analysieren und daraus Einsparpotenziale ableiten. Das Unternehmen spricht dabei von „Spend Decision Intelligence“.
Jaggaer unterstützt Organisationen bei der Steuerung des Beschaffungsprozesses – von der Lieferantenauswahl und Vertragsverhandlung über das Sourcing bis zur Rechnungsbegleichung. Ivoflow konzentriert sich dagegen auf die Frage, ob die für Teile und Materialien gezahlten Preise den Marktbedingungen entsprechen.
Dafür führt die Software Einkaufsdaten zusammen, die häufig über unterschiedliche Systeme verteilt sind, und gleicht sie mit externen Marktdaten wie Rohstoffkosten und Währungsbewegungen ab. Auf Teile-Ebene soll so sichtbar werden, wie sich veränderte Marktbedingungen auf angemessene Preise auswirken.
Die automatisierte Analyse soll unter anderem zeigen, bei welchen Teilen, Kategorien oder Lieferanten adressierbare Einsparpotenziale bestehen. Zudem lassen sich Preisunterschiede zwischen Werken, Regionen oder Lieferanten untersuchen und externe Kostenentwicklungen für Verhandlungen berücksichtigen.
Direktmaterialien machen bei komplexen Herstellern laut Mitteilung typischerweise 50 bis 70 % der Herstellungskosten aus. Gleichzeitig verfügen demnach weniger als 2 % der Hersteller über eine speziell dafür entwickelte Spend- und Price-Intelligence-Lösung.
Viele Unternehmen vergleichen Lieferantenpreise laut Jaggaer weiterhin manuell in Tabellenkalkulationen. Damit sei nur schwer festzustellen, ob gezahlte Preise unter veränderten Marktbedingungen weiterhin angemessen sind.
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Ivoflow verbindet dafür ERP- und Beschaffungsdaten eines Herstellers mit Live-Marktdaten wie Rohstoffindizes, Währungsbewegungen und Kostendaten. Kunden wie Georg Fischer, Sumitomo, Grammer, TI Automotive und ZF Lifetec nutzen die Plattform nach Unternehmensangaben für Ausgabentransparenz, Verhandlungen und Preisentscheidungen.
Wie KI Preiserhöhungen von Lieferanten prüft
Ein Einsatzgebiet der Technologie sind Preiserhöhungsforderungen von Lieferanten. Hersteller erhalten solche Anfragen beispielsweise mit Verweis auf gestiegene Kosten für Stahl, Kunststoff oder andere Rohstoffe. Ihre Überprüfung kann erheblichen manuellen Aufwand verursachen.
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Die Software von Ivoflow nutzt KI, um diese Prüfung zu automatisieren. Sie liest eine Preiserhöhungsanfrage, schlüsselt Kostentreiber wie Rohstoffe, Währungen und Arbeitskosten auf und gleicht diese mit Marktdaten ab. Anschließend soll sichtbar werden, welcher Anteil einer verlangten Erhöhung gerechtfertigt ist.
In einem von Jaggaer genannten Praxisbeispiel verlangte ein Lieferant eine Preiserhöhung von 6 %. Die Analyse der tatsächlichen Kostentreiber ergab demnach, dass lediglich 1,3 % gerechtfertigt waren.
Die Technologie soll darüber hinaus die gesamten Ausgaben eines Unternehmens untersuchen und Kategorien markieren, bei denen sich Preise bereits vom Markt entkoppelt haben.
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Jaggaer und Ivoflow verbinden ihre Plattformen
Durch die Kombination beider Angebote soll die Preiskontrolle stärker in die bestehenden Einkaufsprozesse integriert werden. Einkäufer sollen innerhalb des bereits genutzten Systems erkennen können, ob ein angebotener Preis den zugrunde liegenden Marktbedingungen entspricht.
Zugleich soll die Kombination der Einkaufs- und Lieferantendaten die Datengrundlage für die Analysen von Ivoflow erweitern.
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„Ivoflow wird es Einkäufern ermöglichen, mehr ihrer Direktmaterialien innerhalb einer einzigen Plattform zu verwalten und dabei leistungsstarke Markt- und Kostenintelligenz in Lieferantenverhandlungen einzubringen. Das bedeutet transparentere, faktenbasierte Gespräche mit Lieferanten, stärkere Partnerschaften und bessere kommerzielle Ergebnisse. Wir sehen eine echte Chance, in das Team zu investieren, die Plattform auszubauen und das, was wir gemeinsam erreichen können, zu beschleunigen“, sagte Andrew Roszko, Chief Executive Officer von Jaggaer.
Wie Jaggaer die Spend Intelligence ausbauen will
Jaggaer beabsichtigt, in das Team, das Produkt und die Roadmap von Ivoflow zu investieren. Geplant ist insbesondere ein Ausbau KI-gestützter Funktionen. Dazu gehören Szenariomodellierung, die Evaluierung von Einsparwahrscheinlichkeiten sowie proaktive Beschaffungsempfehlungen.
Die Ivoflow-Mitgründer Daniel Demuth und Nicolas Neubauer sollen das Team weiterhin führen. Dieses ist im Zuge der Transaktion zu Jaggaer gestoßen.
„Wir haben Ivoflow entwickelt, um Herstellern dabei zu helfen, im Kostenmanagement führend zu werden und ihre Profitabilität zu steigern. Jaggaer gibt uns die Reichweite und die Plattform, um diese Fähigkeit vielen weiteren Kunden zugänglich zu machen und das zu beschleunigen, was wir uns vorgenommen haben. Wir freuen uns sehr auf das, was vor uns liegt, und darauf, Teil des Jaggaer-Teams zu werden“, sagte Nicolas Neubauer, Mitgründer von Ivoflow.
Auch Mitgründer Daniel Demuth sieht in der Übernahme die Grundlage für einen weiteren Ausbau der Technologie: „Jaggaer gibt uns die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten, wie produzierende Unternehmen ihre Ausgaben steuern und Einsparungen identifizieren. Durch die Kombination der Fähigkeiten von Ivoflow mit dem Team, der Reichweite und der Plattform von Jaggaer können wir unsere Roadmap beschleunigen, unsere KI-Fähigkeiten ausbauen und uns zum weltweit führenden Anbieter von Spend- und Price-Intelligence für Hersteller entwickeln“, sagte Daniel Demuth, Mitgründer von Ivoflow.
Ivoflow betreut 17 Großkunden
Ivoflow wurde 2020 von Daniel Demuth und Nicolas Neubauer gegründet und hat seinen Sitz in Koblenz. Die beiden Gründer lernten sich nach Angaben des Unternehmens rund ein Jahrzehnt zuvor bei ihrer gemeinsamen Arbeit für ZF Friedrichshafen kennen.
Heute betreut Ivoflow 17 Großkunden aus der Fertigungsindustrie. Das Unternehmen beziffert die verwalteten und nachverfolgten Einsparungen auf 77,6 Mio. EUR.
Jaggaer entwickelt seit 1995 Beschaffungssoftware. Die Plattform deckt den Beschaffungszyklus von der Lieferantenauswahl bis zur Rechnungsbegleichung ab. Zu den Kunden zählen laut Unternehmen mehrere Fortune-500-Unternehmen sowie Universitäten, Krankenhäuser und Behörden.
Was bedeutet die Übernahme für die Spend Intelligence von Jaggaer? – Jaggaer ergänzt seine Beschaffungsplattform um die Spend- und Price-Intelligence von Ivoflow für Direktmaterialien.
Wie setzt Ivoflow KI bei Spend Intelligence ein? – Die Software analysiert unter anderem Preiserhöhungsforderungen, Kostentreiber und Marktdaten und ermittelt daraus gerechtfertigte Preisveränderungen.
Welche Daten nutzt die Spend Intelligence von Ivoflow? – Die Plattform verbindet ERP- und Beschaffungsdaten mit Rohstoffindizes, Währungsbewegungen und weiteren Kostendaten.
Welche Rolle spielt Spend Intelligence bei Direktmaterialien? – Sie soll Preisabweichungen und Einsparpotenziale auf Teile-, Kategorien- und Lieferantenebene sichtbar machen und Preisentscheidungen unterstützen.
Wie soll die Spend Intelligence weiterentwickelt werden? – Jaggaer plant Investitionen in Team, Produkt und Roadmap sowie in KI-Funktionen wie Szenariomodellierung, Einsparwahrscheinlichkeiten und proaktive Beschaffungsempfehlungen.