Kritische Rohstoffe werden für die Rüstungsindustrie zum Beschaffungsrisiko. Nicht der Preis ist das größte Problem, sondern der Zugang zu geeigneten Materialien, Verarbeitungskapazitäten und zulässigen Lieferketten.
Redaktion TECHNIK+EINKAUFRedaktionTECHNIK+EINKAUF
Kritische Rohstoffe kommen unter anderem für Munition zum Einsatz.Mike Mareen - stock.adobe.com
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Die Rüstungsindustrie benötigt kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Gallium und Germanium oft nur in vergleichsweise kleinen Mengen.
Engpässe entstehen vor allem durch konzentrierte Verarbeitungskapazitäten, Exportkontrollen und eine begrenzte Zahl qualifizierter Anbieter.
Hohe Rüstungsbudgets lösen das Problem nicht automatisch, weil sich zusätzliche Produktions- und Verarbeitungskapazitäten nicht kurzfristig schaffen lassen.
Militärisch eingesetzte Rohstoffe stehen nach dem Einsatz häufig nur eingeschränkt für Recycling und Wiederverwendung zur Verfügung.
Die Rüstungsindustrie benötigt zahlreiche kritische Rohstoffe nur in vergleichsweise geringen Mengen. Einfacher wird die Beschaffung dadurch jedoch nicht. Die Branche konkurriert als kleiner Abnehmer mit großen zivilen Märkten und benötigt zugleich exakt spezifizierte Materialien aus verlässlichen und zulässigen Lieferketten.
Das gilt unter anderem für Seltene Erden, Gallium und Germanium. Für einzelne militärische Systeme sind diese Materialien unverzichtbar, während die Nachfrage der Verteidigungsindustrie auf den globalen Rohstoffmärkten überschaubar bleibt. Nach Angaben des US-Rechnungshofs schätzt das Pentagon seinen Anteil an der weltweiten Nachfrage nach Seltenen Erden auf weniger als 0,1 %.
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Damit konkurriert die Rüstungsindustrie mit wesentlich größeren Abnehmern aus Luftfahrt, Elektronik und Energietechnik. Steigende Rüstungsbudgets erhöhen zwar die Zahlungsbereitschaft, schaffen aber nicht automatisch zusätzliches Angebot.
Versorgungsprobleme entstehen häufig nicht beim Rohstoff selbst, sondern bei seiner Verarbeitung und Weiterverarbeitung sowie durch die begrenzte Zahl qualifizierter Hersteller. Wie aus den vorliegenden Angaben hervorgeht, dominiert China mit über 90 % die Verarbeitung von Seltenen Erden. Bei Germanium hält die Volksrepublik den weltweit größten Anteil an der Produktion, gefolgt von Russland.
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Damit konzentrieren sich wichtige Teile der Lieferketten auf wenige Länder. Gleichzeitig lassen sich neue Kapazitäten meist nur mit längerem Vorlauf aufbauen.
Überblick über den Einsatz von kritischen Rohstoffen in modernen Waffensystemen.Tradium
Entscheidend für das Versorgungsrisiko ist deshalb nicht allein die benötigte Tonnage. Relevant ist, ob ein Material in der erforderlichen Qualität und Verarbeitung sowie aus einer zulässigen Lieferkette verfügbar ist. Bei hochspezialisierten Anwendungen können bereits Engpässe bei einzelnen Produzenten oder Verarbeitungsstufen erhebliche Auswirkungen haben.
Frank Meier, Senior Manager Minor Metals bei Tradium, erklärt: „Militärische Anwendungen spielen beim weltweiten Hafnium-Bedarf aus unserer Sicht nur eine untergeordnete Rolle. Die Nachfrage wird deutlich stärker von der zivilen Luft- und Raumfahrt bestimmt. Gleichzeitig entstehen in China neue Produktionskapazitäten. Dadurch dürfte das jährliche Marktvolumen nach unserer Einschätzung von früheren langjährigen 70 bis 80 Tonnen auf möglicherweise in Richtung von 200 Tonnen steigen. Aus heutiger Sicht sollte damit eine gewisse Balance in der Versorgung beim Hafnium möglich sein.“
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Warum Exportkontrollen die Beschaffung erschweren
Versorgungsrisiken entstehen nicht erst, wenn ein Rohstoff physisch knapp wird. Für Militärtechnik werden häufig Materialien mit hoher Reinheit und exakt definierten Eigenschaften benötigt. Diese können teilweise nur von bestimmten Herstellern verarbeitet werden.
Hinzu kommen Anforderungen an die Herkunft von Rohstoffen und Vorprodukten. Exportkontrollen, Dual-Use-Regelungen und Vorgaben für bestimmte Lieferketten können die Zahl der verfügbaren Anbieter weiter reduzieren.
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Eric Damasceno Hendrich, Market Analyst bei Tradium, erläutert: „Gallium wird im militärischen Bereich vor allem für Hochleistungs- und Hochfrequenzhalbleiter benötigt, etwa auf Basis von Galliumnitrid oder Galliumarsenid. Diese kommen unter anderem in Radarsystemen, der elektronischen Kampfführung und der Hochfrequenzkommunikation zum Einsatz – überall dort, wo hohe Leistung und schnelle Signalverarbeitung gefragt sind. Im Einkauf ist Gallium derzeit anspruchsvoll: Bestimmte Galliumprodukte unterliegen Chinas Dual-Use-Exportkontrollen und sind genehmigungspflichtig. Bei militärischen Endverwendungen können je nach Zielland weitergehende Beschränkungen oder Verbote gelten.“
Besonders relevant wird diese Abhängigkeit bei Rohstoffen, deren Förderung oder Verarbeitung stark auf einzelne Länder konzentriert ist. Bei Gallium besteht eine große Abhängigkeit von China, das die Produktion des Metalls dominiert. Bei Seltenen Erden betrifft die Konzentration nicht nur die Rohstoffe, sondern ebenso Zwischenprodukte und daraus gefertigte Komponenten.
Seltene Erden werden technisch zum Schlüsselfaktor
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Wie groß die Diskrepanz zwischen benötigter Menge und technischer Bedeutung sein kann, zeigen Seltene Erden. Brian Hendrich, Junior Trader & Market Analyst bei TRADIUM, sagt: „Seltene Erden fallen in einem Waffensystem mengenmäßig kaum ins Gewicht, technisch aber sehr wohl. Sie stecken in Hochleistungsmagneten, Lenksystemen sowie Radar-, Laser- und Nachtsichttechnik. Das Beschaffungsproblem liegt im Zugang: China kontrolliert die Ausfuhr mehrerer Seltener Erden und daraus hergestellter Produkte. Für militärische Endverwendungen gelten je nach Zielland zusätzliche Beschränkungen bis hin zu Exportverboten.“
Damit entscheidet nicht allein die Menge über das Versorgungsrisiko. Maßgeblich sind auch die Funktion eines Materials und die Struktur seiner Lieferkette. Fehlt ein geeigneter Rohstoff in der notwendigen Qualität oder aus der vorgeschriebenen Lieferkette, kann bereits der Ausfall eines Produzenten oder Zwischenprodukts die Fertigung komplexer Verteidigungssysteme verzögern.
Warum militärische Rohstoffe dem Kreislauf verloren gehen
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Eine weitere Besonderheit betrifft die Wiederverwertung. Mit verschossener Munition, eingesetzten Flugkörpern oder zerstörten Waffensystemen gehen bereits verarbeitete Materialien teilweise verloren. Sie können zudem so stark verteilt, vermischt oder mit anderen Stoffen verunreinigt werden, dass eine Rückgewinnung kaum möglich ist.
Anders als bei vielen zivilen Anwendungen stehen diese Ressourcen damit nur begrenzt für das Recycling zur Verfügung. Der Militärsektor repräsentiert bei zahlreichen Rohstoffen zwar nur einen kleinen Anteil der weltweiten Nachfrage, benötigt jedoch fortlaufend Ersatz und Nachschub.
Gerade bei spezialisierten und schwer ersetzbaren Materialien kann daraus ein zusätzliches Versorgungsrisiko entstehen: Die Produktion bindet die benötigten Rohstoffe, während ihr militärischer Einsatz sie teilweise dem Kreislauf entzieht.
Was Sie über kritische Rohstoffe in der Rüstungsindustrie wissen müssen
Warum sind kritische Rohstoffe für die Rüstungsindustrie wichtig? – Seltene Erden, Gallium und andere Materialien erfüllen wichtige Funktionen unter anderem in Hochleistungsmagneten, Halbleitern, Radar-, Laser-, Kommunikations- und Lenksystemen.
Warum sind kritische Rohstoffe trotz geringer Nachfrage schwer zu beschaffen? – Entscheidend sind nicht nur die Mengen, sondern Materialqualität, Verarbeitungskapazitäten, qualifizierte Hersteller und zulässige Lieferketten.
Welche Rolle spielt China bei kritischen Rohstoffen? – China dominiert unter anderem die Verarbeitung Seltener Erden sowie die Produktion von Gallium und kontrolliert die Ausfuhr bestimmter Rohstoffe und daraus hergestellter Produkte.
Wie beeinflussen Exportkontrollen kritische Rohstoffe? – Exportkontrollen und Dual-Use-Regelungen können Genehmigungspflichten, Beschränkungen oder Verbote auslösen und dadurch die Zahl verfügbarer Lieferanten begrenzen.
Warum erhöht der militärische Einsatz das Risiko bei kritischen Rohstoffen? – In Munition, Flugkörpern oder zerstörten Systemen eingesetzte Materialien können verloren gehen oder so verteilt und verunreinigt werden, dass eine Rückgewinnung kaum möglich ist.