Gallium und Germanium: Drei Jahre unter Exportkontrolle
Chinas Exportkontrollen für Gallium und Germanium gelten seit August 2023. Drei Jahre später bleiben Liefermengen, Verfügbarkeit und Planungssicherheit der beiden Rohstoffe weiter angespannt.
Germanium gehört zu den exportbeschränkten Rohstoffen Chinas. Was drei Jahre Exportkontrollen gebracht haben.Ludmila - stock.adobe.com
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In Kürze: Seit dem 1. August 2023 kontrolliert China die Ausfuhr ausgewählter Gallium- und Germaniumprodukte. Germaniumexporte liegen weiterhin deutlich unter dem früheren Niveau, während Galliumlieferungen stark schwanken und sich auf wenige Länder konzentrieren. Industrielle Abnehmer reagieren mit höheren Beschaffungsmengen, doch größere strategische Bestände lassen sich laut Tradium kaum noch kurzfristig aufbauen.
Warum Chinas Exportkontrollen die Industrie treffen
Am 1. August 2023 traten Chinas Exportkontrollen für Gallium und Germanium in Kraft. Seither müssen Exporteure Genehmigungen beantragen und zusätzliche Informationen über Empfänger und Verwendungszwecke vorlegen. Die neue Genehmigungspflicht veränderte innerhalb weniger Wochen den internationalen Rohstoffhandel. Zeitweise kamen die Lieferungen nahezu vollständig zum Erliegen. „Mit den Exportrestriktionen hat China einen sehr empfindlichen Nerv getroffen“, sagt Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals bei Tradium.
Drei Jahre später zeigt sich nach Angaben des Rohstoffspezialisten deutlich, wie verwundbar die internationalen Lieferketten sind. Besonders ausgeprägt ist die Situation bei Germanium. China und Russland zählen seit Langem zu den großen Produzentenländern. Während die Wirtschaftsbeziehungen der EU und der USA zu Russland stark eingeschränkt sind, kann Peking den Zugang zu Germanium über seine Genehmigungspraxis steuern.
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Jan Giese, Head of Sales & Trading, verweist auf die indirekten Folgen der Kontrollen: „Die Kontrollen wirken nicht nur über eine vollständige Blockade, sondern über längere Genehmigungszeiten, zusätzliche Dokumentationsanforderungen und geringere Planbarkeit. Auch wenn Material weiter fließt, kann die Versorgung langsamer und unsicherer werden.“
Gleichzeitig erhält China über die Genehmigungsverfahren tiefe Einblicke in Lieferketten, Kundenstrukturen und Endverbleibe der ausgeführten Rohstoffe.
Germanium bleibt für Schlüsselanwendungen relevant
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Germanium wird unter anderem für Infrarotoptiken, Glasfaserkabel und Halbleiter benötigt. Darüber hinaus spielt das Metall bei sicherheitsrelevanten Anwendungen eine wichtige Rolle.
Damit treffen die Exportkontrollen nicht nur einzelne Industriezweige. Sie betreffen zentrale Bereiche moderner Industrieproduktion und erhöhen dort die Anforderungen an Beschaffung und Versorgungssicherheit.
Wie haben sich die Liefermengen entwickelt?
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Die chinesischen Ausfuhrdaten zeigen seit 2023 starke Schwankungen. Auf Monate mit höheren Liefermengen folgen immer wieder deutliche Rückgänge. Auch die Empfängerländer wechseln.
Bei Germanium liegen die Exporte weiterhin deutlich unter dem Niveau vor Einführung der Restriktionen. Bei Gallium schwanken die Liefermengen stark und konzentrieren sich auf wenige Empfängerländer.
Zudem wächst nach Angaben von Tradium die Zahl der Unternehmen in den USA, Japan und der EU, die Peking auf spezielle Exportkontrolllisten gesetzt hat. Für Giese bestätigt dies den Eindruck, dass der Zugang zu Kritischen Rohstoffen inzwischen vergleichsweise offen als geopolitisches Instrument eingesetzt wird.
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Industrielle Abnehmer erhöhen ihre Beschaffung
Vor diesem Hintergrund beobachten die Tradium-Experten Veränderungen im Beschaffungsverhalten industrieller Kunden. Die nachgefragten Mengen liegen teilweise erheblich über dem früher üblichen Bedarf. Unternehmen versuchen damit, sich gegen mögliche weitere Einschränkungen abzusichern.
„Man hat die Zeichen der Zeit erkannt und will sich jetzt bevorraten. Allerdings ist das inzwischen schwierig, um nicht zu sagen: schon zu spät“, erklärt Hell.
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Auch Giese sieht die Möglichkeiten zum kurzfristigen Aufbau größerer Vorräte begrenzt: „Bei Materialien wie Gallium und Germanium dürfte es inzwischen kaum noch möglich sein, kurzfristig größere strategische Bestände aufzubauen. Die Versorgungslage ist teilweise so angespannt, dass die Entnahme von Material aus dem Markt die Situation eher verschärfen könnte.“
Damit wird die Versorgungsunsicherheit für industrielle Abnehmer zunehmend zu einem festen Bestandteil des Beschaffungsalltags.
Wie könnte China die Exportkontrollen verändern?
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Neben den schwankenden Liefermengen bleibt offen, wie lange China an den Exportkontrollen festhält und wie mögliche Lockerungen ausgestaltet würden.
Hell skizziert zwei denkbare Szenarien. Eine schnelle Öffnung könnte zunächst zu einem Überangebot und sinkenden Preisen führen, bevor der Markt die zusätzlichen Mengen wieder aufnimmt. Bei einer schrittweisen Freigabe könnte sich die Versorgung dagegen nur langsam verbessern. Das Preisniveau dürfte in diesem Fall vergleichsweise hoch bleiben.
Welche Entwicklung tatsächlich eintritt, ist derzeit nicht absehbar.
Planungssicherheit bleibt das zentrale Problem
Für Unternehmen erschwert vor allem diese Ungewissheit die längerfristige Beschaffung. Weder Verfügbarkeit noch Mengen und Konditionen lassen sich verlässlich einschätzen.
„Unternehmen wissen nicht, ob, wann und in welcher Menge Material verfügbar sein wird. Sie wissen auch nicht, unter welchen Bedingungen sie morgen beschaffen können. China kann die Kontrollen beibehalten, verschärfen oder kurzfristig lockern. Jedes dieser Szenarien hätte unterschiedliche weitreichende Folgen für Verfügbarkeit und Preise. Planungssicherheit bietet keines.“
Damit fällt die Bilanz drei Jahre nach Einführung der Exportkontrollen ernüchternd aus: Bei Germanium bleibt das Ausfuhrniveau niedrig, Galliumlieferungen schwanken stark und für industrielle Abnehmer bleibt die Versorgung schwer kalkulierbar.