Warum die Architektur für den digitalen Einkauf oft schon längst bezahlt ist. Fünf Schlüsselprozesse für den automatisierten Einkauf 2026 mit Microsoft 365.
Sebastian Eberle, Adlon Sebastian Eberle, Adlon
Veröffentlicht
Oft entpuppt sich Microsoft 365 bereits als kleine Schatzkammer für den Einkauf.Alina - stock.adobe.com
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Der Einkauf im Jahr 2026 steht im Zeichen eines enormen
Paradoxons: Einerseits wird er als strategischer Hebel zur Sicherung der
Resilienz und Nachhaltigkeit immer wichtiger. Andererseits droht er im
operativen „Grundrauschen“ aus unstrukturierten Bedarfsmeldungen, manueller
Datenpflege und komplexen Compliance-Anforderungen unterzugehen. Während viele
Unternehmen nach kostspieligen Nischenlösungen suchen, bleibt das mächtigste
Werkzeug oft ungenutzt: Die Microsoft 365 Umgebung. Sie kommt zwar in den
meisten Unternehmen bereits zum Einsatz, ihre enormen Potenziale in Sachen
Prozessautomatisierung bleiben jedoch oft ungenutzt.
Der digitale Werkzeugkasten: Ein zentraler Arbeitsplatz
statt Software-Zoo
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Automatisierung scheitert oft nicht an der Bereitschaft,
sondern an ihrer wahrgenommenen Komplexität. Unzählige verschiedene Tools mit
separaten Benutzerkonten und eigenen Oberflächen erhöhen die Hürde und bremsen
die Akzeptanz. Hier liegt der
entscheidende Vorteil der Microsoft Power Platform: Sie integriert sich nahtlos
in den bestehenden Digital Workplace. Ob Power Automate für Workflows oder
Power Apps für die Datenerfassung – alles findet innerhalb des Microsoft Stacks
statt.
Für den Anwender bedeutet das: Single Sign-on und eine
vertraute Umgebung. Es gibt keine Medienbrüche mehr. Ein Genehmigungsprozess
für eine Investition ploppt direkt in Teams auf, wird dort per Klick
freigegeben und in SharePoint dokumentiert. „Wir erleben in unseren Projekten
immer wieder, dass die Akzeptanz für digitale Prozesse sprunghaft steigt, wenn
der Anwender seine gewohnte Arbeitswelt nicht verlassen muss“, so Sven
Hillebrecht, General Manager und Chief Digital Officer der ADLON Intelligent
Solutions GmbH. Es geht um die Schaffung eines „Single Point of Truth“ ohne
zusätzlichen Administrations- oder Schulungsaufwand.
1. Bedarfsmeldungen:
Struktur schlägt Chaos
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Status-quo: Die
„Zuruf-Kultur“. Bedarfsmeldungen erreichen den Einkauf via Telefon, Post-it
oder formloser E-Mail. Die Folge sind endlose Rückfrageschleifen. Laut
BME-Benchmark-Reports führen manuelle Datenerfassungen zu einer Fehlerquote von
bis zu 5%, was bei einem hohen Volumen massive versteckte Kosten verursacht.
Die M365-Lösung: Eine in
Teams eingebundene Power App führt den Anforderer durch ein standardisiertes
Formular. Pflichtfelder stellen sicher, dass alle Informationen (Kostenstelle,
Spezifikationen, Liefertermin) sofort vorliegen. Ein Power Automate Flow leitet
die Anfrage vorab an den Budgetverantwortlichen weiter. Dieser stoppt die
Anfrage oder leitet sie nach Freigabe direkt zum Einkauf weiter. Ein KI-Agent
prüft im Hintergrund, ob der angeforderte Artikel bereits im Lager vorhanden
ist oder ob es Rahmenverträge gibt, die eine günstigere Beschaffung
ermöglichen, noch bevor der Einkauf die Meldung sieht.
Nutzen: Die
Durchlaufzeiten sinken laut einer Studie von The Hackett Group um bis zu 30%.
Der Einkauf erhält nur noch „reife“ Anträge mit KI-Hinweisen zu Verfügbarkeit
und Rahmenverträgen, die sofort verarbeitet werden können.
Status-quo: Bauteile
werden abgekündigt, doch die Information erreicht den strategischen Einkauf
erst, wenn die Bestellung ins Leere läuft. In Zeiten volatiler Märkte ein hohes
Risiko.
Die M365-Lösung: Über
Schnittstellen (APIs) werden Lieferantendaten automatisch mit den internen
Materiallisten in SharePoint abgeglichen. Zusätzlich scannt ein Agent proaktiv
Marktberichte und RSS-Feeds von Herstellern. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen
geopolitischen Ereignissen und Bauteileverfügbarkeiten und weißt aktiv auf
Risiken oder Alternativkomponenten hin. Bei Statusänderungen (EOL - End of
Life) löst das System automatisch einen Task für den zuständigen Einkäufer aus.
Nutzen: Sicherung der
Lieferfähigkeit und Vermeidung teurer Last-Time-Buys unter Zeitdruck.
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3. Vertragsmanagement mit Ablaufkontrolle
Status-quo: Verträge
schlummern als PDF-Leichen auf Fileservern. Kündigungsfristen verstreichen,
Konditionsanpassungen werden vergessen.
Die M365-Lösung: Ein
intelligentes Vertragsarchiv auf SharePoint-Basis erkennt Fristen selbständig und
informiert proaktiv z. B. 90 Tage vor Ablauf. Zudem weist ein Copilot-Agent auf
Abweichungen von Standard-Compliance und Unternehmensrichtlinien hin.
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Nutzen: Adlon betont
hierbei die Wichtigkeit der Informationssicherheit: Durch rollenbasierte
Zugriffsrechte in M365 ist sichergestellt, dass sensible Vertragskonditionen
nur für befugte Personen einsehbar sind, während der Prozess dennoch flüssig
bleibt.
4. Lieferantenbewertung digitalisieren
Status-quo: Die
Lieferantenbewertung ist ein mühsames Jahresprojekt in Excel, oft subjektiv
geprägt.
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Die M365-Lösung: Daten aus
dem Wareneingang (Termintreue, Qualität) fließen automatisiert in ein Power BI
Dashboard. KI-Agenten tragen Informationen zusammen und bilden eine
Entscheidungshilfe.
Nutzen: In
Jahresgesprächen argumentiert der Einkauf auf Basis einer harten Faktenlage.
Das stärkt die Verhandlungsposition und deckt Risiken in der Lieferkette
frühzeitig auf. Laut Gartner werden 2026 über 50% der Organisationen solche
KI-gestützten Agenten für die operative Bewertung einsetzen.
Der Autor: Sebastian Eberle
Sebastian Eberle ist General Manager bei Adlon. Zuvor verantwortete er bereits 10 Jahre als CTO den Bereich Service und gestaltete als Senior Consultant mit Schwerpunkt auf Technologieberatung und Cloud den digitalen Arbeitsplatz seiner Kunden. Sein Studium an der DHBW Ravensburg hat er als Dipl.-Ing. Informationstechnik abgeschlossen. In seiner Zeit vor Adlon war er als Software Engineering Consultant bei Voith tätig und hat dort Softwareentwicklungsprojekte geplant, geleitet und umgesetzt.
5. Online-Shop & Materialbestellung
Status-quo:
C-Teile-Beschaffung bindet unverhältnismäßig viel Kapazität. Jeder
Kugelschreiber geht über den Tisch des Einkaufs.
Die M365-Lösung: Ein
interner Katalog für Standardartikel. Mitarbeiter bestellen im
„Consumer-Style“, während im Hintergrund die Genehmigungsgrenzen automatisiert
geprüft werden. Ein Chatbot-Agent, der als Einkaufsberater für Mitarbeiter
agieren kann, ergänzt den Prozess.
Nutzen: Höchste
Nutzerzufriedenheit, insbesondere in der Employee Journey, und eine Entlastung
des Einkaufs von administrativen Kleinstaufgaben.
Denkanstoß: Die „Prozess-Silo-Erosion“ stoppen
„Wir müssen über ein Phänomen sprechen, das ich als
Prozess-Silo-Erosion bezeichne. Wenn Abteilungen an manuellen Schnittstellen
festhalten, bröckelt die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens
schleichend. Jeder manuelle Datentransfer ist eine potenzielle Fehlerquelle und
ein Zeitdieb. Wer 2026 noch Informationen von einem PDF in eine Excel-Tabelle
abtippt, betreibt aktiv Wertvernichtung. Automatisierung ist keine
IT-Spielerei, sondern digitale Hygiene“, erklärt Sven Hillebrecht.
Fazit: Vom Einkäufer zum Einkaufs-Architekten für
Digitalisierung und KI
Die Rolle des Einkäufers verändert sich im Jahr 2026
grundlegend. Er ist nicht mehr bloßer „Abwickler“ von Bestellungen, sondern
wird zum Architekten für Digitalisierung und KI. Adlon sieht die größte Chance
darin, den Menschen von repetitiver Dateneingabe zu entlasten und ihm stattdessen
die Aufgabe zu übertragen, klare Leitplanken für die KI im Einkauf zu
definieren.
Die „Schatzkiste“ Microsoft 365 bietet dafür das solide
Fundament. Es ist Zeit, ihre meist bereits vorhandenen Potenziale effizient zu
nutzen. Der Einkauf von morgen wird nicht daran gemessen, wie schnell er eine
Bestellung auslöst, sondern wie intelligent er die digitalen Ressourcen des
Unternehmens nutzt, um strategische Resilienz zu schaffen.
FAQ - M365 im Einkauf
Warum scheitert Automatisierung im Einkauf oft?
Automatisierung scheitert häufig nicht an fehlender Bereitschaft, sondern an der wahrgenommenen Komplexität durch zu viele unterschiedliche Tools mit separaten Logins und Oberflächen. Die Microsoft Power Platform bietet hier einen Vorteil, da sie sich nahtlos in die bestehende Microsoft 365 Umgebung integriert und Mitarbeiter ihre gewohnte Arbeitsumgebung nicht verlassen müssen.
Welche Vorteile bringt die Automatisierung von Bedarfsmeldungen?
Durch standardisierte Power Apps in Teams werden alle notwendigen Informationen wie Kostenstelle und Liefertermin sofort erfasst, wodurch endlose Rückfrageschleifen entfallen. KI-Agenten prüfen automatisch Lagerverfügbarkeit und Rahmenverträge, bevor die Anfrage beim Einkauf landet. Laut Studien sinken die Durchlaufzeiten dadurch um bis zu 30 %.
Wie hilft Automatisierung beim Obsoleszenz-Management?
Ein automatisierter Abgleich von Lieferantendaten mit internen Materiallisten sowie KI-gestützte Marktanalysen erkennen frühzeitig, wenn Bauteile abgekündigt werden. Das System löst automatisch Tasks für den zuständigen Einkäufer aus und weist auf Alternativkomponenten hin. So werden teure Last-Time-Buys unter Zeitdruck vermieden und die Lieferfähigkeit gesichert.
Was ist mit „Prozess-Silo-Erosion" gemeint?
Prozess-Silo-Erosion beschreibt das schleichende Bröckeln der Wettbewerbsfähigkeit, wenn Abteilungen an manuellen Schnittstellen festhalten. Jeder manuelle Datentransfer ist eine potenzielle Fehlerquelle und verschwendet wertvolle Zeit. Wer 2026 noch Daten manuell von PDFs in Excel überträgt, betreibt aktive Wertvernichtung.
Wie verändert sich die Rolle des Einkäufers im Jahr 2026?
Der Einkäufer wandelt sich vom reinen Bestell-Abwickler zum Architekten für Digitalisierung und KI. Er wird von repetitiver Dateneingabe entlastet und definiert stattdessen strategische Leitplanken für den KI-Einsatz im Einkauf. Der Erfolg bemisst sich nicht mehr an der Geschwindigkeit einzelner Bestellungen, sondern an der intelligenten Nutzung digitaler Ressourcen zur Schaffung strategischer Resilienz.