Das Münchener Unternehmen Meiller Aufzugtüren zeigt, wie sich der Einkauf mithilfe von KI und Digitalisierung von einer Verwaltungsstelle zum strategischen Hebel entwickeln lässt.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
Veröffentlicht
Mit der richtigen Strategie kann der Einsatz von KI im Einkauf die Prozessaufwände um 75% reduzieren.cherdchai-adobestock.com)
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Die Zeichen stehen auf Sturm: Globale Krisen, neue Zölle und
Abhängigkeiten von Märkten wie China setzen Lieferketten massiv unter Druck.
Für den Einkauf im industriellen Mittelstand bedeutet das einen permanenten
Balanceakt zwischen steigendem Einspardruck und wachsenden Prozesskosten. Ohne
digitale Unterstützung ist diese Herausforderung kaum noch zu bewältigen.
Doch viele Einkaufsorganisationen sind darauf strukturell
nicht vorbereitet. Laut BME-Einkaufsbarometer Mittelstand 2024 verfügen 33% der befragten Unternehmen über keine digitalen Prozesse zur
Lieferantenqualifizierung, 10% sind noch gar nicht digital aktiv. Hier liegen Lieferantendaten verstreut in E-Mails, Excel-Listen oder in SAP.
Transparenz fehlt, Entscheidungen basieren oft auf Bauchgefühl statt auf
belastbaren Daten.
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Das Münchener Unternehmen Meiller Aufzugtüren steht
exemplarisch für den deutschen Mittelstand: Mit 190 Beschäftigten und einem
Jahresumsatz von 73 Mio EUR fertigt das Tochterunternehmen der F. X. Meiller
GmbH & Co. KG jährlich 27.000 Aufzugstüren für anspruchsvolle Anlagen. Eine
Fertigung dieser Größenordnung funktioniert nur mit einem starken Einkauf – das
hat Einkaufsleiter Manfred Strohmair früh erkannt. Sein Ziel: den Einkauf von
einer reinen Verwaltungsstelle zu einem strategischen Hebel für Kostenoptimierung,
Risikosteuerung, Lieferantenentwicklung und Innovation zu machen.
Die Ausgangslage vor Projektstart war typisch für viele
mittelständische Einkaufsabteilungen: Fünf Mitarbeitende betreuten 200 aktive
Lieferanten. Stammdaten waren verteilt auf SAP, OneNote, Outlook-Kontakte und
Visitenkarten. Lieferantenselbstauskünfte lagen als nicht weiterverarbeitbare
PDFs vor. Für ISO 9001 und EMAS mussten aufwendige manuelle Auswertungen
erstellt werden. Eine Excel-Datei bot zwar eine Übersicht, jedoch keine
dynamische Analytik. Der Einkauf blieb so in erster Linie eine administrative
Einheit ohne echte Steuerungsmöglichkeiten.
Diese Prozesse hat Meiller digitalisiert
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Im September 2023 startete Meiller Aufzugtüren gemeinsam mit
dem SRM-Anbieter Tacto den Aufbau eines Lieferantenportals. Die
Einführung erfolgte schrittweise: Zunächst wurden alle Lieferantendaten zentralisiert, anschließend ein Lieferanten-Clustering aufgebaut
und Abfragen sowie Onboarding-Prozesse automatisiert.
Das Ergebnis kann sich
sehen lassen: 75% weniger Prozessaufwand. Stammdaten, Zertifikate,
Dokumente und Bewertungen sind heute gebündelt, Reports entstehen per Knopfdruck. „Mit Tacto sparen wir nicht nur jede Menge manuellen
Aufwand, sondern bringen auch unsere Prozesse auf ein neues Level. Aufgaben wie
das Versenden von Lieferantenselbstauskünften erledigen wir jetzt per
Knopfdruck – was früher Stunden gedauert hat, geht heute in Sekunden",
erklärt Manfred Strohmair.
Vorteil der Digitalisierung: Agieren statt reagieren
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Heute steuert Meiller Aufzugtüren sein Lieferantennetzwerk
über das zentrale, intelligente Einkaufscockpit. Lieferanten lassen sich nach
Status, Umsatzanteilen, Fähigkeiten oder Risiken clustern. Diese Transparenz
ermöglicht erstmals eine echte strategische Steuerung des Einkaufs. Maximilian
Gries, Key User Tacto bei Meiller Aufzugtüren, bringt es auf den Punkt: „Mit
der gewonnenen Transparenz kann ich Lieferantenbeziehungen aktiv steuern,
anstatt nur zu reagieren – das verschafft uns völlig neue Spielräume im
Einkauf."
Tobias König im Gespräch mit einen Kollegen.Tacto)
Die digitale Basis schafft nun Raum für systematische
Kostenoptimierung. Mithilfe von Tacto setzt Meiller Aufzugtüren KI ein, die
hinweisbasiert Einsparpotenziale identifiziert – etwa bei Mengen- und
Preisabweichungen, innerhalb von Warengruppen oder bei ineffizientem
Bestellverhalten. Besonders in den B- und C-Teilen eröffnen sich erhebliche
Spielräume.
Darüber hinaus erstellt die Tacto KI automatisch
Verhandlungsdossiers, die den Einkauf mit faktenbasierten Argumenten in
Preisgesprächen unterstützen. Anhand von Marktbenchmarks, historischen
Preisverläufen und internen Bedarfsanalysen lassen sich Lieferantengespräche vorbereiten. So gewinnt der Einkauf nicht nur an Schlagkraft, sondern
auch an Geschwindigkeit.
Vision: Intelligente Agenten für Routineaufgaben
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Firmenporträt Tacto
Tacto ist ein Supplier Relationship Management
System (SRM) für den strategischen Einkauf in der Industrie. Mithilfe moderner
KI-Technologie schafft Tacto Transparenz über Lieferketten, Risiken und
Einsparpotenziale und unterstützt Einkaufsverantwortliche dabei, bessere
Entscheidungen zu treffen. Mehr als 250 führende Industrieunternehmen nutzen
Tacto bereits, um ihren Einkauf zur strategischen Steuerzentrale zu entwickeln
– gerade in von Unsicherheit geprägten Zeiten.
Über die reinen Kostensenkungen hinaus eröffnet KI für Meiller
Aufzugtüren zusätzliche Perspektiven: In Zukunft sollen ganze Workflow-Ketten
von intelligenten Agenten übernommen werden – etwa die Vorbereitung und Abwicklung von Verhandlungen, inklusive Analyse, Benchmarking
und Dokumentation. Gemeinsam mit Tacto arbeitet Meiller daran, diese Prozesse
schrittweise zu automatisieren, damit Einkäufer sich stärker auf die wirklich
strategischen Entscheidungen konzentrieren können.
„Unsere Vision ist, dass künftig alle manuellen
Routinethemen von intelligenten Agenten übernommen werden – vom Datenabgleich
bis zur Risikoanalyse. Der Einkäufer bleibt aber immer der kritische
Entscheider. KI soll uns die volle Transparenz geben und sämtliche
Optimierungspotenziale sichtbar machen, damit wir bessere und fundiertere
Entscheidungen treffen können", erklärt Manfred Strohmair.
Damit werden Digitalisierung und KI für Meiller Aufzugtüren zu mehr als einem reinen Automatisierungstool: Sie entwickeln den Einkauf zum strategischen Partner, der hilft, Chancen zu erkennen, Risiken zu minimieren und Entscheidungen auf
einer objektiven, datenbasierten Grundlage zu treffen. Ein Weg, den weitere
mittelständische Unternehmen in Zeiten globaler Unsicherheit gehen werden
müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
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FAQ - Digitalisierung im Einkauf
Welche Hauptvorteile bringt die Digitalisierung für
Einkaufsabteilungen?
Die Digitalisierung reduziert manuelle Arbeit erheblich,
beschleunigt Prozesse und minimiert Fehler. Zudem ermöglicht sie bessere
Datenanalysen für fundierte Entscheidungen und erhöht die Transparenz über die
gesamte Lieferkette.
Kann der Bestellprozess digitalisiert werden?
Ja, durch E-Procurement-Systeme können Bestellungen
automatisiert, Genehmigungsworkflows digital abgebildet und Kataloge
elektronisch verwaltet werden. Dies verkürzt die Bestellzeit von Tagen auf
Minuten und reduziert Fehler bei der Dateneingabe.
Wie lässt sich die Lieferantenauswahl digitalisieren?
Digitale Tools ermöglichen automatisierte
Lieferantenbewertungen, Online-Ausschreibungen und den Vergleich von Angeboten
in Echtzeit. Datenbanken mit Lieferantenhistorie und Leistungskennzahlen
unterstützen objektive Entscheidungen.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der
Rechnungsbearbeitung?
Digitale Rechnungsverarbeitung mit OCR-Technologie
erfasst Daten automatisch, gleicht sie mit Bestellungen ab und leitet sie zur
Freigabe weiter. Dies reduziert den Bearbeitungsaufwand um bis zu 80% und
verhindert Zahlungsverzögerungen.
Können Vertragsmanagement-Prozesse digitalisiert werden?
Ja, digitale Vertragsmanagementsysteme speichern alle
Verträge zentral, erinnern automatisch an Kündigungsfristen und ermöglichen
schnelle Suchfunktionen. So gehen keine Verträge verloren und Konditionen
können proaktiv optimiert werden.
Wie hilft Digitalisierung beim Ausgabenmanagement?
Dashboards visualisieren Einkaufsausgaben in Echtzeit,
identifizieren Einsparpotenziale und überwachen Budgets automatisch. Predictive
Analytics ermöglichen zudem präzisere Prognosen für zukünftige Ausgaben.
Was sind Quick Wins bei der Digitalisierung des Einkaufs?
Schnelle Erfolge erzielen Sie durch digitale
Bestellfreigaben per Smartphone, automatisierte Bestellerinnerungen und
elektronische Kataloge. Diese Maßnahmen sind einfach umsetzbar und zeigen
sofort messbare Zeitersparnisse.