Digitalisierung der Lieferkette zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die Hindernisse auf dem Weg zur vollständig integrierten Lieferkette sind vielschichtig. Wir sprachen mit Jörn von der Fecht, Chief Digital Officer bei SupplyX, welche moderne Supply Chain Management-Strategien hier helfen.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
Veröffentlicht
"Die Umsetzung der Digitalisierung im Supply Chain Management bleibt größte Herausforderung", sagt Jörn von der Fecht, Chief Digital Officer (CDO) bei SupplyX.Timo Schoenfelder)
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Herr von der Fecht, in Ihrem letzten SupplyX Barometer gaben 82% der Befragten an, Digitalisierung sei ein Muss – aber nur 9% haben eine vollständig integrierte Lieferkette. Wie erklären Sie sich diese große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit?
Jörn von der Fecht: Die Lücke zwischen Anspruch und
Wirklichkeit lässt sich vor allem durch die Komplexität der Umsetzung erklären.
Strategisch haben die Unternehmen den Handlungsbedarf klar erkannt – das zeigen
die 82% Zustimmung sehr deutlich. In der Praxis ist eine vollständig
digital integrierte Lieferkette aber kein kurzfristiges Projekt. Sie erfordert
in der Regel Investitionen in IT-Schnittstellen, Prozesse, Datenmodellierungen
und auch in das damit einhergehende Change Management.
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Was wir beobachten, ist eine
Transformation, die in Etappen erfolgt: Viele Unternehmen befinden sich in
Übergangsphasen, mit bereits digitalisierten Teilprozessen, aber noch ohne
durchgängige Integration. Dass nur 9% bereits am Ziel sind, ist deshalb
weniger ein Zeichen von Untätigkeit, als vielmehr ein realistisches Abbild des
aktuellen Reifegrads. Digitalisierung der Lieferkette ist ein langfristiger
Prozess, der kontinuierlich vorangetrieben werden muss.
Sind es strukturelle und technische Barrieren, die es so schwierig machen? Welche dieser Hürden erleben Sie in der Praxis am häufigsten, und wo sehen Sie die größten Hebel, um sie zu überwinden?
von der Fecht: Ja, eindeutig, und wir erleben das
täglich im Gespräch mit Kunden. Die größten Hürden sind struktureller,
technischer und organisatorischer Natur. Im SupplyX-Barometer haben 39% der Befragten hohe Implementierungskosten als stark belastend eingestuft, und
38% nennen Datenschutz und Cybersecurity als zentrale Herausforderung.
Dazu kommt die fehlende Interoperabilität bestehender Systeme, also die
Tatsache, dass viele Anwendungen noch nicht miteinander kommunizieren können. Daten
zu integrieren ist die eine Sache. Daten so aufzubereiten, dass diese für
Fragestellungen konkret nutzbar und mit einer bestehenden Datenbasis verknüpft
sind, ist eine andere.
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In der Praxis zeigt sich oft, dass
isolierte IT-Lösungen, gewachsene Systemlandschaften und fehlende Standards den
Fortschritt blockieren. Einer der wichtigsten Hebel liegt daher im Datenhandling.
Moderne Datenplattformen bringen standardisierte ERP-Systeme und deren Daten
mit Daten aus der gesamten Supply Chain zusammen und schaffen somit die
Verknüpfung, die sonst nur durch große Investitionen zu erreichen sind. Gleichzeitig braucht es eine
unternehmensübergreifende Digitalstrategie, die nicht nur IT-Abteilungen
einbezieht, sondern auch Einkauf, Logistik und Partner, um die
Business-Anforderungen in der Datenlandschaft zu modellieren.
Sie betonen den Mangel an standardisierten Schnittstellen als zentrales Problem. Welche konkreten Lösungsansätze gibt es hier – und wer muss vorangehen: die Softwareanbieter, die Industrie oder die Politik?
von der Fecht: Standardisierte Schnittstellen sind
das Rückgrat digital vernetzter Lieferketten. Das Problem ist: Jeder spricht
digital, aber trotzdem nicht dieselbe Sprache. Bislang gibt es zwar viele ERP-,
TMS- oder WMS-Systeme, aber oft keine gemeinsame Grundlage für einen nahtlosen
Datenaustausch. Lösungsansätze liegen darin, offene
Datenstandards zu fördern, die branchenübergreifend kompatibel sind. Hier sind
Softwareanbieter in der Pflicht, ihre Lösungen offener und integrationsfähiger
zu gestalten. Gleichzeitig muss die Industrie selbst den Druck erhöhen und
standardisierte Datenformate und Schnittstellen aktiv einfordern, gerade bei
der Integration von Lieferanten und Dienstleistern.
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Fast jedes zweite Unternehmen will in automatisierte Bestandsführung investieren. Welche Quick Wins können Unternehmen hier erzielen, ohne gleich die gesamte IT-Landschaft umzukrempeln?
von der Fecht: Automatisierte Bestandsführung
bietet viele Einstiegspunkte mit vergleichsweise geringem Aufwand, vor allem im
Lager- und Bestandsmanagement, wo laut Barometer 61% der befragten
Unternehmen bereits deutliche Effizienzgewinne sehen. Quick Wins sind zum
Beispiel: die Einführung sensorbasierter
Lagerüberwachung zur Echtzeiterfassung von Füllständen, die Nutzung mobiler Apps für die
digitale Inventur oder der Einsatz datenbasierter
Prognosemodelle, etwa mit KI-gestützter Nachfragesteuerung auf Basis
historischer Verkaufsdaten.
Wichtig ist: Unternehmen müssen nicht
sofort ihre gesamte IT-Landschaft neu aufsetzen. Viele moderne Lösungen sind
heute modular, cloudbasiert und können schrittweise integriert werden. So
gelingt der Einstieg ohne große Investitionshürden, aber mit direktem Mehrwert
in Form von Transparenz, geringeren Lagerkosten und besserer Planbarkeit.
Achten sollte man dabei jedoch darauf, dass Daten aus den Lösungen mit
bestehenden Daten genutzt werden können, um kein weiteres Datensilo aufzubauen.
Ihre Antwort ist AHEAD. By SupplyX, eine
ganzheitliche Lösung, die weit über klassisches Supply Chain Management
hinausgeht. Was genau meinen Sie damit, wenn Sie sagen, AHEAD. By SupplyX
sei "mehr als ein Produkt"?
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von der Fecht: AHEAD. By SupplyX ist kein
Tool, das nur einzelne Supply-Chain-Funktionen verbessert. Es ist eine
vollständig integrierte Lösung, die operative Exzellenz, strategisches
Mitdenken und Technologie vereint. Wir managen nicht nur, sondern übernehmen
echte End-to-End-Verantwortung – vom Produktionsort bis zum Point of Sale. Das
umfasst die Steuerung von Warenflüssen, das Mitdenken von Absatzchancen, das
Management von Lieferanten und die Mitigation von Risiken. Genau deshalb sagen
wir: AHEAD By SupplyX ist mehr als ein Produkt. Es verbindet
Technologie, Datenintelligenz und operative Verantwortung zu einem
Leistungsversprechen.
Was war der konkrete Auslöser für die Entwicklung von AHEAD.
By SupplyX? Welche Probleme bei Kunden haben Sie beobachtet, die mit
klassischen Logistiklösungen nicht gelöst werden konnten?
von der Fecht: Viele unserer Kunden, besonders im
Handel, arbeiten mit gewachsenen Inhouse-Strukturen, die heute unter Druck
geraten. Die Gründe sind vielfältig: hohe Marktvolatilität, unvorhergesehene
Nachfrageschwankungen, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, mangelnde
Transparenz und fehlende technologische Möglichkeiten. Klassische
Logistiklösungen verwalten diese Komplexität nur, statt sie aufzulösen. Wir haben gesehen, dass starre
Systeme und fragmentierte Verantwortung zu Fehlallokationen, Verzögerungen und
Umsatzverlusten führen. Genau hier setzt AHEAD. By SupplyX an: mit einem
integrierten Modell, das moderne Plattformtechnologie, belastbare
Datenintelligenz und proaktive Steuerung kombiniert.
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Sie betonen, dass SupplyX "Verantwortung übernimmt"
statt sie zu verteilen. Können Sie ein konkretes Beispiel geben, wie sich das
im Alltag für einen Kunden bemerkbar macht?
von der Fecht: Ein Beispiel ist die Verfügbarkeit
am Point of Sale. Statt nur den Transport zu organisieren und durchzuführen,
übernehmen wir mit AHEAD. By SupplyX die Verantwortung dafür, dass
Produkte rechtzeitig, in der richtigen Menge und Qualität im Regal oder Lager
ankommen. Dafür kalkulieren wir einen Festpreis pro Artikel, inklusive
Logistikleistung, und steuern die gesamte Lieferkette so, dass Nachfragespitzen
bedient und Engpässe vermieden werden.
Wenn ein Sourcing-Modell kurzfristig
nicht mehr lieferfähig ist, reagieren wir aktiv und verlagern
Beschaffungsmärkte, ohne dass der Kunde dafür intern ganze Systeme umstellen
muss. Verantwortung heißt für uns auch: Wir stehen für die Performance gerade,
wirtschaftlich und operativ. Der Kunde muss weniger koordinieren, da wir die
operative Umsetzung und die Risiken übernehmen.
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Wie funktioniert die Echtzeit-Verknüpfung von Sourcing, Logistik
und Marktbedarfen konkret? Welche Datenquellen fließen hier zusammen?
von der Fecht: AHEAD. By SupplyX basiert auf
einer skalierbaren Plattform, die unzählige externe und interne Datenquellen
intelligent integriert. Dazu zählen Lieferantendaten (zum Beispiel
Produktionsverfügbarkeiten, Laufzeiten), Transport- und Lagerdaten, Marktdaten (wie Abverkaufszahlen,
Kampagnenplanung, saisonale Peaks) und externe Informationsquellen (zum
Beispiel Volatilitätsindizes oder Ereignisse mit Einfluss auf die Lieferkette). Diese Daten werden auf ihre Relevanz
hin geprüft, zusammengeführt und ausgewertet, sodass wir bedarfsgerecht steuern
können, etwa durch frühzeitige Anpassung von Transportoptionen oder dynamische
Priorisierung von Waren.
Durch redundante Datenquellen und
automatisierte Integration können wir auch dann stabil steuern, wenn einzelne
Informationsströme ausfallen. Konkret nutzen wir zum Beispiel für die
Vorhersage, wann Waren am Point of Sale verfügbar sein werden, multiple Quellen
(etwa Carrier, Visibility-Anbieter, Hafen-/Terminal-Informationen …), die von
uns eingewertet sind. Sie liefern fortlaufend im Algorithmus Erkenntnisse
zurück, sodass wir flexibel zwischen Quellen wechseln, um so das beste
Voraussageergebnis zu erzielen. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber
klassischen Integrationen.
SupplyX übernimmt wirtschaftliches Risiko durch Festpreise pro
Artikel. Wie kalkulieren Sie dieses Risiko, und ab wann rechnet sich das Modell
für beide Seiten?
von der Fecht: Wir kalkulieren auf Basis von
Marktdaten, Erfahrungswerten und konkreten Parametern wie Volumen, Zielmärkten
und Lieferkettenkomplexität. Der Vorteil für den Kunden liegt in absoluter
Kostentransparenz und Planbarkeit. Für uns besteht der größte Vorteil darin,
dass wir verfügbare logistische Kapazitäten optimieren und so Skaleneffekte
generieren. Des Weiteren helfen uns die gewonnenen Informationen und Daten, das
Produkt kontinuierlich zu verbessern.
Unsere Lösung macht die Supply Chain damit
zu einem echten Werttreiber: Produkte kommen schneller und zuverlässiger zum
Markt, was die Verkaufschancen unserer Kunden erhöht. Das führt zu mehr Volumen
in der Supply Chain – wovon wiederum beide Seiten profitieren. Eine klare
Win-Win-Situation. Besonders gut funktioniert das Modell
in Märkten mit klaren Absatzzyklen oder saisonalen Schwankungen, weil wir dort
unsere Stärken in der dynamischen Steuerung voll ausspielen können.
Für welche Art von Unternehmen eignet sich AHEAD. By SupplyX
besonders? Gibt es eine Mindestgröße oder bestimmte Branchen-Schwerpunkte?
von der Fecht: Unsere Lösung eignet sich besonders
für Unternehmen mit schnell drehenden Produkten, hohem Marktdruck oder starker
Saison- und Trendabhängigkeit, typischerweise im Fashion-, Lifestyle- oder
Konsumgüterbereich. AHEAD. By SupplyX spielt Stärken dort aus, wo
klassische Inhouse-Logistik an Flexibilitätsgrenzen stößt. Eine Mindestgröße im
klassischen Sinn gibt es nicht, aber ein gewisses Komplexitätslevel in der
Supply Chain sollte vorhanden sein, damit unser Ansatz den größten Mehrwert
bringt. Besonders profitieren Unternehmen,
die ihre Supply Chain optimieren und digitalisieren wollen, aber nicht
kontinuierlich in eigene Technologie, Systeme oder zusätzliche Teams
investieren wollen.
FAQ - Digitalisierung der Lieferkette
Was bedeutet Digitalisierung der Lieferkette konkret?
Digitalisierung der Lieferkette bedeutet die Vernetzung aller Prozesse von der Beschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung durch digitale Technologien. Daten werden in Echtzeit erfasst, ausgetauscht und analysiert, um Transparenz, Effizienz und Reaktionsfähigkeit zu verbessern.
Welche Hauptvorteile bietet eine digitalisierte Lieferkette?
Eine digitalisierte Lieferkette ermöglicht Echtzeit-Transparenz über Warenströme, reduziert Lagerbestände durch präzisere Planung und verkürzt Lieferzeiten erheblich. Zudem können Störungen frühzeitig erkannt und automatisch alternative Routen oder Lieferanten aktiviert werden.
Welche Technologien kommen bei der Digitalisierung zum Einsatz?
Zentrale Technologien sind Cloud-Plattformen für Datenaustausch, IoT-Sensoren zur Warenverfolgung, künstliche Intelligenz für Prognosen und Blockchain für fälschungssichere Dokumentation. Ergänzend werden Robotik in Lagern, digitale Zwillinge zur Simulation und automatisierte Planungssysteme eingesetzt.
Wie verbessert Echtzeit-Tracking die Lieferkette?
Durch GPS- und IoT-Sensoren können Unternehmen Sendungen jederzeit lokalisieren und Zustandsdaten wie Temperatur oder Erschütterungen überwachen. Dies ermöglicht proaktive Kommunikation mit Kunden, schnelle Reaktion bei Verzögerungen und Qualitätssicherung bei sensiblen Gütern.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in der Supply Chain?
KI analysiert historische Daten und externe Faktoren, um Nachfrage präziser vorherzusagen und Bestellmengen zu optimieren. Sie erkennt Muster bei Lieferverzögerungen, schlägt automatisch Alternativrouten vor und identifiziert Risiken in der Lieferkette, bevor sie zu Problemen werden.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung?
Die Integration unterschiedlicher IT-Systeme von Lieferanten, Logistikdienstleistern und internen Abteilungen ist oft komplex und kostspielig. Zusätzlich fehlen häufig qualifizierte Mitarbeiter, Datenschutzbedenken müssen berücksichtigt werden und kleinere Lieferanten verfügen oft nicht über die nötige digitale Infrastruktur.
Lohnt sich die Investition in Supply Chain Digitalisierung für mittelständische Unternehmen?
Ja, auch KMUs profitieren durch reduzierte Fehlerquoten, niedrigere Lagerkosten und bessere Liefertreue, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Moderne Cloud-Lösungen ermöglichen den Einstieg ohne hohe Anfangsinvestitionen, und der Return on Investment zeigt sich oft bereits nach 1-2 Jahren durch messbare Effizienzgewinne.