Megatrends in der Beschaffung 2026
Wenn KI-Agenten Lieferketten steuern
Geopolitische Spannungen, volatile Märkte und technologische Umbrüche prägen die Beschaffung 2026. Während KI vom experimentellen Tool zum strategischen Partner heranreift, müssen Einkaufsverantwortliche ihre Lieferketten resilienter, flexibler und effizienter gestalten.
Die künstliche
Intelligenz (KI) im Einkauf macht 2026 einen Quantensprung. Nach Jahren des
Experimentierens erreicht sie ein neues Reifestadium. "Wir erwarten den
produktiven Einsatz weit über klassische Chatbots hinaus", erklärt Simon
Eger, Director Central Europe bei Ivalua. Sogenannte Agent Builder ermöglichen
die Erstellung eigener KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse – die
Einstiegshürden sinken dramatisch.
Noch
spannender sind Multiagent-Systeme: Teams von Software-Agenten, die
vollständige Beschaffungszyklen von der Verhandlung bis zur Zahlung autonom
abwickeln. Das Lieferantenmanagement erreicht eine neue Automatisierungsstufe,
bei der Agenten auf beiden Seiten direkt kommunizieren – für Bestellungen,
Datenanreicherung und Dokumentenaustausch. Während die KI operative Aufgaben
übernimmt, gewinnen Einkäufer Zeit für strategische Lieferantenbeziehungen.
Doch Vorsicht:
Laut Deloitte-Studie arbeiten 90% der Unternehmen erst mit generativer
KI. Der Weg zu autonomen Systemen erfordert eine solide Datenbasis. Jochen
Krüger, Vice President Sales DACH bei Jaggaer, warnt: "Im geschäftlichen
Kontext sind Schätzungen aufgrund inkonsistenter Daten inakzeptabel, da sie zu
falschen Schlüssen führen können."
Datenqualität wird zum Erfolgsfaktor
Datenqualität
wird zum kritischen Erfolgsfaktor. Eine BME-Umfrage zeigt: Schlechte Stammdaten
bremsen Digitalisierungsprojekte massiv. Unternehmen müssen zunächst ihre Daten
bereinigen und Informationen zu Ausgaben, Lieferanten und Verträgen
harmonisieren. Nur dann können KI-Agenten verlässliche Handlungsempfehlungen
geben.
Eelco Wever
von Slimstock Deutschland betont die Herausforderung: Unterschiedliche Systeme,
manuelle Prozesse und fragmentierte Stammdaten verhindern eine durchgängige
Sicht. KI-gestützte Datenmanagement-Ansätze automatisieren die Validierung über
den gesamten Lebenszyklus. Zudem rücken Einkauf und IT enger zusammen – CIOs
schaffen einheitliche Datenstrategien als Grundlage für skalierbare
KI-Lösungen.
Paradigmenwechsel: Flexibilität schlägt Effizienz
Parallel
vollzieht sich ein fundamentaler Wandel: Nach Jahren maximaler Auslastung
gewinnt Netzwerkflexibilität an Bedeutung. Resilienz entsteht nicht mehr durch
Effizienz, sondern durch die Fähigkeit, Netzwerke schnell neu auszurichten. Der
richtige Bestand zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das ist die neue Devise.
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Harald
Nitschinger von Prewave fordert eine Doppelstrategie: Operationale
Reaktionsgeschwindigkeit bei Black-Swan-Events kombiniert mit struktureller
Prävention durch Multi-Sourcing und geografisches De-Risking. KI wird zum
Frühwarnsystem, das täglich Millionen Datenpunkte scannt – von Finanzberichten
bis Social Media – und 99% des Rauschens herausfiltert.
Das Problem:
45% der Unternehmen haben laut McKinsey keinen Einblick in vorgelagerte
Lieferketten, 83% sind jenseits von Tier-2 blind. KI-gestützte Software
überbrückt diese Lücken durch prädiktive Modellierung und identifiziert
versteckte Abhängigkeiten.
Geopolitik erfordert strategische Neuausrichtung
Die
geopolitische Lage spitzt sich zu. Steffen Schulze Selting von Sphera warnt vor
dem Taiwan-Risiko, das wie ein Damoklesschwert über der Chipindustrie schwebt.
Zollstreitigkeiten zwingen zur Diversifizierung von Lieferwegen und zum Aufbau
neuer Pfade. Europäische Unternehmen werden 2026 stärker von US-Zöllen
getroffen, da der Puffer durch vorgezogene Warensendungen wegfällt.
Die Antwort:
Systematische Szenarioplanung wird vom theoretischen Instrument zum täglichen
Werkzeug. Moderne S2P-Plattformen simulieren verschiedene Sourcing-Strategien
und zeigen Auswirkungen auf Kosten, Qualität und Lieferfähigkeit. Wer heute
Zukunftsbilder durchspielt, vermeidet morgen Engpässe.
Lieferantenbeziehung als strategischer Vermögenswert
Die 7 wichtigsten Handlungsempfehlungen auf einen Blick
✓ Investieren Sie in Datenqualität: Bereinigen und harmonisieren Sie Stammdaten zu Ausgaben, Lieferanten und Verträgen als Grundlage für erfolgreichen KI-Einsatz
✓ Implementieren Sie KI-gestützte Frühwarnsysteme: Scannen Sie täglich Millionen Datenpunkte für Echtzeitwarnung vor Supply-Chain-Risiken und reduzieren Sie die Time-to-Response
✓ Etablieren Sie Szenarioplanung: Simulieren Sie regelmäßig verschiedene Zukunftsbilder für fundierte Entscheidungen und vermeiden Sie Engpässe proaktiv
✓ Diversifizieren Sie Ihre Lieferketten: Setzen Sie auf Multi-Sourcing, geografisches De-Risking und alternative Transportwege statt starrer Abhängigkeiten
✓ Stärken Sie Lieferantenbeziehungen: Nutzen Sie KI-Agenten für reibungslose Kommunikation und schaffen Sie echte strategische Partnerschaften
✓ Integrieren Sie IT und Einkauf: Arbeiten Sie eng mit der IT zusammen für eine einheitliche Datenstrategie, Governance und skalierbare KI-Lösungen
✓ Bauen Sie Cyber-Security-Prüfungen aus: Implementieren Sie automatisierte Verfahren zur kontinuierlichen Überwachung von Sicherheitsstandards bei allen Lieferanten
Lieferantenbeziehungen
entwickeln sich zur wertvollsten Währung. Da der Zugang zu kritischen
Materialien schwieriger wird, geraten Unternehmen mit oberflächlichen
Netzwerken ins Hintertreffen. Lieferanten bevorzugen Kunden, die ihnen die
Zusammenarbeit erleichtern.
KI-Agenten
führen Lieferanten durch Prozesse, beantworten Fragen sofort und melden
Probleme proaktiv. Fortschrittliche Unternehmen nutzen KI, um gemeinsam mit
Lieferanten Auswirkungen neuer Zölle zu analysieren und Lösungen zu entwickeln.
Die menschlichen Beziehungen bleiben zentral, werden aber durch digitale
Unterstützung effizienter.
Cyber-Sicherheit
wird zum unverzichtbaren Auswahlfaktor – besonders bei kritischen
Infrastrukturen. Unternehmen nutzen externe Datenquellen und automatisierte
Prüfungen für Sicherheitsstandards. Bei ESG-Themen bringt 2026 mehr Klarheit:
Nach Unsicherheiten 2025 werden Regulierungen konkreter.
ESG-Intelligence-Lösungen integrieren Nachhaltigkeitsratings direkt in
S2P-Prozesse und warnen rechtzeitig vor Risiken.
Die neue Rolle des Einkäufers
Mit der
zunehmenden Automatisierung verändert sich auch das Berufsbild im Einkauf
grundlegend. "Viele klassische Einstiegsaufgaben, wie das Überprüfen von
Lieferantenformularen oder das Erstellen von Berichten, verschwinden mit
zunehmender Automatisierung sehr schnell", beobachtet Simon Eger.
"Das bedeutet jedoch nicht, dass Nachwuchstalente keine Chance haben – es
verändert sich lediglich ihr beruflicher Einstiegspunkt." Anstelle von
Dateneingabe konzentrieren sich erste Aufgaben auf Zusammenarbeit, kritisches
Denken sowie die Kommunikation mit Menschen und KI-Systemen. Soft Skills wie
Neugier, Urteilsvermögen und Anpassungsfähigkeit bilden die neue Grundlage.
"KI kann zwar Antworten liefern, aber weder den Kontext interpretieren
noch Beziehungen navigieren", so Eger. "Hier werden Einsteiger ihre
ersten Erfahrungen sammeln und das Urteilsvermögen entwickeln, das Daten allein
nicht bieten können."
Die
Beschaffungslandschaft 2026 ist von drei Megatrends geprägt: der Reifung von KI
zu autonomen Agentensystemen, dem Paradigmenwechsel von Effizienz zu
Flexibilität in der Supply Chain und der Verschärfung geopolitischer Risiken.
"Wer die Digitalisierung seiner Beschaffung vorantreibt, kann nicht nur
Einsparpotenziale realisieren", fasst Jochen Krüger zusammen. "Denn
moderne Plattformen helfen auch, das Business resilienter aufzustellen,
Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und Lieferketten-Risiken zu senken." Die
erfolgreichsten Unternehmen sind dabei nicht zwangsläufig die effizientesten im
klassischen Sinne, sondern jene, die am flexibelsten auf Veränderungen
reagieren können.
Fazit: Jetzt handeln
Drei
Megatrends prägen 2026: KI-Agentensysteme, der Wandel von Effizienz zu
Flexibilität und verschärfte geopolitische Risiken. Moderne Plattformen
helfen nicht nur bei Einsparungen sondern machen das Business resilienter. Erfolgreich sind nicht die
effizientesten Unternehmen, sondern die flexibelsten. Wer jetzt in
Datenqualität, KI-Systeme und resiliente Netzwerke investiert, sichert sich
Wettbewerbsvorteile.
FAQ - Lieferketten
Welche Rolle spielt KI 2026 im Einkauf – und was verändert sich grundlegend?
2026 erreicht KI im Einkauf ein neues Reifestadium. Der produktive Einsatz geht weit über klassische Chatbots hinaus. Mithilfe sogenannter Agent Builder können Unternehmen eigene KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse erstellen. Noch bedeutender sind Multiagent-Systeme, bei denen mehrere Software-Agenten komplette Beschaffungszyklen – von der Verhandlung bis zur Zahlung – weitgehend autonom abwickeln.
Im Lieferantenmanagement kommunizieren künftig KI-Agenten auf beiden Seiten direkt miteinander, tauschen Dokumente aus und reichern Daten an. Operative Aufgaben werden automatisiert, sodass Einkäufer mehr Zeit für strategische Themen und Beziehungsmanagement gewinnen.
Warum ist Datenqualität der entscheidende Erfolgsfaktor für KI im Einkauf?
Der Weg zu autonomen KI-Systemen setzt eine belastbare Datenbasis voraus. Während viele Unternehmen bereits mit generativer KI experimentieren, fehlt häufig die notwendige Datenqualität für geschäftskritische Entscheidungen. Inkonsistente oder fragmentierte Stammdaten führen zu fehlerhaften Analysen und falschen Schlussfolgerungen.
Schlechte Daten bremsen Digitalisierungsprojekte massiv. Unternehmen müssen daher Ausgaben-, Lieferanten- und Vertragsdaten harmonisieren und bereinigen. KI-gestützte Datenmanagement-Lösungen können Validierung und Pflege über den gesamten Lebenszyklus automatisieren. Gleichzeitig rücken Einkauf und IT enger zusammen, um eine einheitliche Datenstrategie als Grundlage skalierbarer KI-Lösungen zu etablieren.
Warum verschiebt sich der Fokus von Effizienz hin zu Flexibilität in der Supply Chain?
Nach Jahren maximaler Auslastung gewinnt 2026 die Netzwerkflexibilität an Bedeutung. Resilienz entsteht nicht mehr primär durch Effizienz, sondern durch die Fähigkeit, Lieferketten schnell neu auszurichten. Ziel ist der richtige Bestand zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Unternehmen verfolgen eine Doppelstrategie: schnelle operative Reaktion bei Black-Swan-Ereignissen kombiniert mit struktureller Prävention durch Multi-Sourcing und geografisches De-Risking. KI fungiert dabei als Frühwarnsystem, das Millionen Datenpunkte analysiert und relevante Risiken identifiziert. Besonders wichtig ist das, da viele Unternehmen keinen vollständigen Einblick in vorgelagerte Lieferketten haben. KI-gestützte Software schließt diese Transparenzlücken durch prädiktive Modellierung.
Wie beeinflussen geopolitische Risiken die Beschaffungsstrategie 2026?
Zunehmende geopolitische Spannungen – etwa im Zusammenhang mit Taiwan oder internationalen Zollkonflikten – zwingen Unternehmen zur strategischen Neuausrichtung. Diversifizierte Lieferwege und alternative Bezugsquellen werden zur Notwendigkeit.
Systematische Szenarioplanung entwickelt sich vom theoretischen Instrument zum operativen Steuerungswerkzeug. Moderne S2P-Plattformen simulieren unterschiedliche Sourcing-Strategien und zeigen deren Auswirkungen auf Kosten, Qualität und Lieferfähigkeit. Wer heute Szenarien durchspielt, kann morgen Engpässe vermeiden und schneller reagieren.
Wie verändert sich die Rolle des Einkäufers durch KI und Automatisierung?
Mit zunehmender Automatisierung verschwinden klassische Einstiegsaufgaben wie Formularprüfungen oder Reporting zunehmend. Stattdessen verschiebt sich der Fokus auf Zusammenarbeit, kritisches Denken und die Interaktion mit KI-Systemen.
Soft Skills wie Neugier, Urteilsvermögen und Anpassungsfähigkeit gewinnen an Bedeutung. Während KI Daten analysieren und Muster erkennen kann, bleibt die Einordnung im strategischen Kontext sowie die Pflege belastbarer Lieferantenbeziehungen eine menschliche Kernkompetenz. Die erfolgreichsten Einkaufsorganisationen sind daher nicht die effizientesten im klassischen Sinne, sondern die flexibelsten und strategisch am besten aufgestellten.