KI im Einkauf gilt als Schlüssel für Sustainable Procurement. Doch bei Scope 3 zeigt sich: Ohne belastbare Datenstrukturen bleibt die operative Wirkung begrenzt.
Damit Scope 3 operativ einen Nutzen entfalten kann, braucht es eine saubere Datengrundlage.mit KI erstellt
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Summary: Viele Unternehmen setzen laut Sustainable Procurement Barometer 2026 bereits KI im Einkauf ein. Besonders bei Scope 3 bremsen fehlende Primärdaten, fragmentierte Systeme und geringe Transparenz in tieferen Lieferkettenebenen. Auswirkungen zeigen sich in Governance, Lieferantenintegration und der operativen Steuerung nachhaltiger Beschaffung.
Die Erwartungen an Künstliche Intelligenz
im Einkauf sind enorm. Kaum eine Diskussion rund um Sustainable
Procurement kommt noch ohne Begriffe wie Predictive Supplier Intelligence,
AI-enabled Procurement oder Decision-grade Scope-3-Data aus. Der
Eindruck entsteht: Mit den richtigen Technologien lassen sich
Transparenzprobleme in Lieferketten künftig weitgehend automatisiert lösen.
Tatsächlich investieren viele Unternehmen
bereits massiv in entsprechende Systeme. Das aktuelle Sustainable
Procurement Barometer 2026 von EcoVadis zeigt, dass 68 % der Unternehmen KI
bereits operativ in ihren Sustainable-Procurement-Programmen einsetzen. 13
% sprechen sogar von einer breiten, unternehmensweiten Implementierung.
Besonders stark wächst der Einsatz in
Bereichen wie Predictive Analytics, Supplier Risk Screening oder Carbon Data
Validation. Gleichzeitig erwarten viele Unternehmen, dass Themen wie digitale
Rückverfolgbarkeit, Responsible AI und datengetriebene Steuerung in den
kommenden zwei bis drei Jahren massiv an Bedeutung gewinnen werden. Laut
Barometer steigt die Relevanz von „Data Ethics, Digital Traceability &
Responsible AI“ von heute 24 % auf künftig 47 % der Unternehmen als
strategischer Fokusbereich.
Damit verändert sich auch das
Kompetenzprofil im Einkauf fundamental.
Welche Skills im Einkauf künftig gefragt sind
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Während heute laut Barometer Skills wie
“Grundlagen von ESG, Nachhaltigkeit und ethischer Unternehmensführung” (43 %
verorteten dies als Top 1-3-Skill), “Strategie für nachhaltige Beschaffung und
Kategorieplanung” (40 %) und auf Platz drei “Compliance- und
Regulierungskompetenz” (35 %) dominieren und gefordert sind, werden in den
kommenden Jahren andere Fähigkeiten relevant.
Das Barometer fragte, welche
Skills in den kommenden zwei bis drei Jahren wertvoll werden: “ESG-Datenanalyse,
-Überwachung und -Berichterstattung” verzeichnet dabei das größte Wachstum zum
Top-Skill von 25 % aktuell zu 52 % in den kommenden zwei bis drei Jahren. Ebenfalls
zum stark geforderten Skill wird der Umgang mit “Technologie und digitalen
Beschaffungsinstrumenten” (19 % aktuell, 40 % in 2 bis 3 Jahren). “Strategie
für nachhaltige Beschaffung und Kategorieplanung” bleibt unter den
Top-3-Skills, fällt allerdings von 40 % auf 27 %. Procurement entwickelt sich
damit schrittweise von einer primär transaktionalen Funktion hin zu einer
daten- und steuerungsorientierten Integrationsfunktion.
Doch trotz aller technologischen Dynamik
bleibt eine zentrale Frage offen: Wie belastbar sind die Datenstrukturen, auf
denen diese Systeme überhaupt arbeiten?
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Denn genau hier zeigt sich derzeit die
eigentliche Herausforderung nachhaltiger Beschaffung.
Der eigentliche Engpass liegt nicht bei der Technologie
Die Debatte über KI im Procurement
suggeriert häufig, dass Unternehmen primär ein Analyseproblem hätten. In der
Realität kämpfen viele Organisationen jedoch weiterhin mit deutlich
grundlegenderen Themen: fragmentierten Lieferantendaten, fehlender Integration,
unklaren Verantwortlichkeiten und mangelnder Transparenz über tiefere
Lieferkettenebenen.
Das Barometer macht diese strukturellen
Defizite deutlich sichtbar. Zwar verfügen mittlerweile 48 Prozent der
Unternehmen über Transparenz bei mehr als 75 Prozent ihrer Tier-1-Lieferanten.
Jenseits dieser ersten Ebene bricht die Sichtbarkeit jedoch drastisch ein. Nur
12 % der Unternehmen haben Transparenz über mehr als die Hälfte ihrer
Tier-2-Lieferanten. Tier 3 bleibt für die meisten Organisationen nahezu
vollständig intransparent.
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Gerade dort entstehen jedoch viele der
Risiken, die Unternehmen künftig regulatorisch, operativ und reputationsseitig
adressieren müssen. Menschenrechtliche Risiken, Emissions-Hotspots oder
Rohstoffabhängigkeiten liegen selten direkt im Tier-1-Netzwerk.
Die Realität ist deshalb ernüchternd:
Viele Unternehmen bauen derzeit AI-gestützte Entscheidungsmodelle auf
Datenfundamenten, die operativ noch gar nicht entscheidungsfähig sind.
Warum Scope 3 vor allem ein Datenproblem bleibt
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Besonders deutlich wird diese Diskrepanz
beim Thema Scope 3. Kaum ein Bereich steht aktuell stärker im Fokus von
Nachhaltigkeits- und Procurement-Strategien. Laut Barometer zählt
Scope-3-Management für 55 Prozent der Unternehmen zu den wichtigsten Prioritäten
der kommenden Jahre.
Die strategische Relevanz ist damit
unstrittig. Die operative Umsetzung bleibt jedoch hochkomplex.
Denn Scope 3 scheitert in den meisten
Unternehmen nicht an Ambition oder Zielbildern. Es scheitert an
Datenverfügbarkeit und Prozessintegration. Laut Barometer liefern 30 Prozent
der Lieferanten überhaupt keine Primärdaten zu Emissionen. Viele weitere stellen
lediglich aggregierte oder geschätzte Werte bereit.
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Das Problem verschärft sich zusätzlich
durch die fehlende operative Verankerung von ESG-Daten im Einkauf. Zwar haben
mittlerweile nahezu alle Unternehmen begonnen, ESG-Kriterien in
Procurement-Prozesse zu integrieren. Vollständig digitalisierte ESG-Integration
über Procurement- und Risk-Management-Prozesse hinweg erreichen jedoch nur rund
30 Prozent der Unternehmen.
In vielen Organisationen existieren
Nachhaltigkeitsdaten damit weiterhin parallel zum eigentlichen Einkaufssystem,
statt integraler Bestandteil operativer Entscheidungen zu sein. ESG bleibt
häufig Reporting-Layer statt Steuerungslogik.
Wie digitale Asymmetrien Lieferketten belasten
Hinzu kommt eine Entwicklung, die bislang
noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhält: die zunehmende digitale
Asymmetrie zwischen großen Unternehmen und ihren Lieferanten.
Während Konzerne massiv in AI- und
ESG-Infrastrukturen investieren, verfügen viele Lieferanten – insbesondere im
Mittelstand – weder über die notwendigen Systeme noch über ausreichende
personelle Ressourcen, um die steigenden Datenanforderungen belastbar zu
erfüllen.
Das Barometer zeigt, dass 36 Prozent der
Lieferanten aktuell keine Pläne zur Nutzung von KI haben. Nur fünf Prozent
setzen KI bereits umfassend ein.
Damit entsteht ein strukturelles
Spannungsfeld: Die Datenerwartungen der Kunden steigen schneller als die
operative Fähigkeit vieler Lieferanten, diese Anforderungen überhaupt bedienen
zu können.
Gerade für Scope-3-Management dürfte
diese Lücke in den kommenden Jahren zu einem der größten Skalierungsprobleme
werden.
Warum Sustainable Procurement zur Infrastrukturfrage wird
Die eigentliche Erkenntnis aus dem
aktuellen Barometer lautet deshalb nicht, dass KI an Bedeutung gewinnt. Das war
erwartbar. Entscheidend ist vielmehr, worüber sich nachhaltige Beschaffung
künftig differenzieren wird.
Nicht über die Anzahl neuer Tools.
Nicht über zusätzliche Dashboards.
Und auch nicht über möglichst viele ESG-Datenpunkte.
Die führenden Unternehmen unterscheiden
sich zunehmend durch ihre Fähigkeit, Daten operativ nutzbar zu machen: durch
integrierte Governance-Strukturen, belastbare Supplier Intelligence,
kontinuierliche Datennutzung und die systematische Verankerung von ESG-Kriterien
in Einkaufsentscheidungen.
Sustainable Procurement entwickelt sich
damit zunehmend zu einer Infrastrukturfrage.
Wer künftig resilient, regulatorisch
belastbar und zugleich wettbewerbsfähig bleiben will, benötigt nicht nur
bessere Technologien. Entscheidend werden belastbare Datenstrukturen,
integrierte Prozesse und funktionierende Lieferantenintegration sein.
Die eigentliche Transformation beginnt
deshalb nicht bei KI. Sondern bei der operativen Realität der Lieferkette.