Containerverladung im Hafen

Einkaufschefs sehen geopolitische Risiken weit vorn. (Bild: Amarinj/AdobeStock)

| von Dörte Neitzel

Aktuelle geopolitische Entwicklungen und neue Abgaben stellen bislang verlässliche Handelsbeziehungen infrage. Kein Wunder also, dass die Mehrheit der von Deloitte befragten Chief Procurement Officers (CPO) überzeugt ist, dass die Risiken in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen haben.

61 Prozent sind der Meinung, dass diese Risiken deutlich oder etwas gestiegen sind. Doch lediglich 41 Prozent der Einkäufer sind nach eigener Aussage darauf vorbereitet. Das sind die Ergebnisse der CPO Survey 2019.

Der Studie zufolgen sehen die Einkaufschefs die größten Risiken für ihre Arbeit...

  • im drohenden wirtschaftlichen Abschwung und der Deflation (42%),
  • in der Komplexität des eigenen Unternehmens (39%),
  • in der Steuerung von Megalieferanten (37%),
  • im Brexit (33%),
  • in der digitalen Fragmentierung des Unternehmens (29%),
  • in Handelskonflikten (23%).

Vorbereitung fehlt

Nicht alle Unternehmen sind optimal vorbereitet. Die Datenqualität in der eigenen Organisation ist die größte Herausforderung für 60 Prozent der Befragten. 40 Prozent kämpfen mit ihrer zu stark individualisierten IT-Landschaft, die eine aussagekräftige Datenanalyse beeinträchtigt.Geringe Budgets und unklare Kosten-Nutzen-Rechnungen weisen zudem darauf hin, dass es vielen CPOs schwerfällt, einen überzeugenden Business Case für neue digitale Lösungen aufzumachen.

Einkauf ist zu wenig vernetzt

„Chief Procurement Officers müssen sich als Businesspartner starker profilieren“, sagt Wiedling. „Nur 26 Prozent betrachten ihren Fachbereich als sehr gut positioniert. Denn der Einkauf ist mit wichtigen Funktionen wie IT, Finance oder Operations nur bedingt vernetzt.“

Eine stärkere Vernetzung versetzt ihn in die Lage, crossfunktionale Lösungen wie optimierte Spezifikationen oder die Integration von Lieferanten zur Kostensenkung zu nutzen. „Wir empfehlen daher, für jede Partnerfunktion des Einkaufs den Reifegrad der Beziehung zu evaluieren, Fachabteilung und Einkauf eng zu verzahnen und die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen“, so Wiedling.

Vor diesem Hintergrund wird Weiterbildung zu einem zentralen Thema für zahlreiche CPOs, in Kernbereichen des Einkaufs (Category Management, Verhandlungsführung), aber auch bei Zukunftsthemen wie Datenvisualisierung oder Analytics.

„Der Schwerpunt der Digitalisierung im Einkauf liegt heute bei reifen Applikationen im Bereich Source-to-Pay, Purchase-to-Pay und Vertragsmanagement, mit denen operative und strategische Prozesse automatisiert werden. Die Chancen, die durch den Einsatz von Analytics oder künstlicher Intelligenz in der Entscheidungsfindung entstehen, werden bislang zu wenig genutzt. Wir empfehlen daher, eine starke digitale Vision zu entwickeln und diese schrittweise umzusetzen, eng abgestimmt auf die Bedürfnisse der internen Kunden“, sagt Wiedling.

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