Andritz Schuler schließt mit der Entwicklung einer eigenen Ringwalze die Lücke in der Prozesskette zur Herstellung nahtloser Ringe. Nun erhalten Kunden eine komplett schlüsselfertige Linie.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
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Aus einer glühenden Ringvorform mit einem Gewicht von einer halben Tonne wird binnen einer Minute ein präziser Radreifen mit dem charakteristischen Eisenbahnradprofil inklusive Spurkranz.Andritz Schuler
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Es begann mit einer strategischen Lücke:
Während Andritz Schuler nahezu alle Anlagen zur Produktion nahtloser Ringe im
Portfolio hatte, fehlte ausgerechnet ein zentrales Element: die Ringwalze.
„Wir hatten in der Vergangenheit schon zahlreiche Pressen zur Herstellung von
Ringvorformen gebaut, einschließlich unterschiedlicher Werkzeugkonzepte",
erinnert sich Jens Aspacher vom Vertrieb. „Die Kunden baten uns immer wieder,
eine komplett schlüsselfertige Linie zu liefern. Doch dazu fehlte uns genau diese
Komponente." Ermutigt vom Erfolg der selbst entwickelten
Radwalze zur Fertigung von Eisenbahnrädern fiel 2017 die Entscheidung, das
Projekt „Close the Gap" zu starten.
Die neue Ringwalze ist für dafür konzipiert, besonders flexibel zu sein: Sie verarbeitet Ringe mit bis zu zwei Meter
Durchmesser und 40 Zentimeter Höhe. Eine patentierte höhenverstellbare
Vertikaleinheit ermöglicht den Einsatz von Dornen verschiedener Längen, sodass
für unterschiedliche Ringhöhen jeweils der optimale Dorn gewählt werden kann.
Mit dieser Neuentwicklung will Andritz Schuler nicht nur für die
Eisenbahnindustrie, sondern auch für andere Branchen wie die Windenergie oder
den Motorenbau Lösungen bieten.
Mit
einer Radialkraft von 200 Tonnen und einer Axialkraft von 160 Tonnen ist die
Anlage extrem steif konstruiert. Besonders hervor hebt der Hersteller die modularen
Kassetten für die axialen und radialen Walzen: Sie ermöglichen einen schnellen
Werkzeugwechsel außerhalb der Maschine und minimieren so Stillstandzeiten
erheblich. Für Betreiber bedeutet das eine höhere Produktivität bei gleichzeitig
vereinfachter Wartung.
Die Steuerungsarchitektur „M-Rolling" von
Muraro ermöglicht die Regelung aller hydraulischen und elektrischen Achsen in
Echtzeit. Ein besonderes Highlight: Durch FEM-Simulationen mit demselben
Datensatz wie die Maschinensteuerung lassen sich Walzparameter realitätsnah
optimieren – noch bevor Material und Werkzeuge tatsächlich zum Einsatz kommen.
Diese virtuelle Inbetriebnahme mittels Digital Twin reduziert Anlaufzeiten und
spart Ressourcen.
Alle Prozessdaten sind in Echtzeit zugänglich
und werden mit der Automatisierungslösung Metris „Track and Trace"
lückenlos dokumentiert. Die Anwendung „Shopfloor Operations Management"
sorgt für vollständige Transparenz über Produktionsprozesse, Qualität und
Anlagenverfügbarkeit. Eine Live-Demo des Microsoft Copilot zeigte
eindrucksvoll, wie KI-gestützte Assistenzsysteme künftig auch komplexe Fragen
rund um die Anlage beantworten können.
Komplettlösung aus einer Hand
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Die präsentierte Ringwalze ist jedoch nur ein Teil
einer umfassenden Produktionslinie für einen Kunden in Kasachstan, der die Inbetriebnahme bereits für Frühjahr 2026 plant. Zur vollständigen Linie
gehören unter anderem ein Drehherdofen zur Erwärmung der Rohlinge,
Schmiederoboter, eine hydraulische 10.000-Tonnen-Presse zur Herstellung der
Ringvorformen, Lasermesseinheiten sowie eine
1.000-Tonnen-Freiformschmiedepresse für Eisenbahnachsen.
„Schlüsselfertige Projekte wie dieses zeichnen
sich durch vollständige Verantwortung aus", erklärt Uwe Konnerth vom
Vertrieb. „Von der Entwicklung und Konstruktion über Fertigung und Lieferung
bis hin zur Montage, Inbetriebnahme und Bedienerschulung – alles kommt aus
einer Hand." Transparente Kommunikation in jeder Projektphase und enge
Zusammenarbeit aller Beteiligten minimieren Fehlerquellen und schaffen
Vertrauen. Das Ergebnis: höhere Effizienz und Qualität bei gleichzeitig
reduziertem Projektrisiko für den Kunden.
Drehherdofen und Wärmebehandlungsanlagen
stammen von Andritz Metals Germany aus Krefeld, die bereits seit Jahren mit Andritz Schuler bei Eisenbahnprojekten kooperieren. Heinz-Willi
Maassen erläuterte die verschiedenen Ofentypen, die sich nach
Prozessanforderungen wie Temperaturbereich, Durchsatz und Flexibilität richten.
Moderne Brenner steigern die Energieeffizienz deutlich und reduzieren
Emissionen. Hybridheizsysteme kombinieren Gas- und Elektroenergie, während „H2
Ready"-Konzepte eine flexible Umstellung auf grünen Wasserstoff
ermöglichen – ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie.
Digitale Zwillinge und KI-gestützte Modelle zur
kontinuierlichen Prozessüberwachung optimieren Temperaturverläufe,
Energieflüsse und Materialeigenschaften in Echtzeit. Das Ergebnis: verbesserte
Produktqualität, geringere Ausschussraten und effizientere Ressourcennutzung –
Faktoren, die für Einkäufer und Produktionsverantwortliche gleichermaßen
entscheidend sind.
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FAQ zur Ringwalze von Andritz Schuler
Warum wurde die Ringwalze entwickelt?
Die Ringwalze schließt eine strategische Portfolio-Lücke und ermöglicht die Lieferung kompletter, schlüsselfertiger Produktionslinien.
Welche technischen Eckdaten kennzeichnen die Ringwalze?
Sie verarbeitet Ringe bis zwei Meter Durchmesser und 40 Zentimeter Höhe bei 200 Tonnen Radial- und 160 Tonnen Axialkraft.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Ringwalzprozess?
FEM-Simulationen, Digital Twin, Metris „Track and Trace“ und KI-gestützte Systeme ermöglichen Echtzeit-Optimierung, Transparenz und reduzierte Anlaufzeiten.
Was umfasst die schlüsselfertige Linie für Kasachstan?
Neben der Ringwalze gehören unter anderem Drehherdofen, 10.000-Tonnen-Presse, Schmiederoboter und Freiformschmiedepresse zur Gesamtanlage.
Wo lässt sich die Ringwalze einsetzen?
Die Einsatzgebiete sollen laut Hersteller die Eisenbahnindustrie, die Herstellung von Windkraftanlagen und der Motorenbau sein.