Frau mit Mundschutz vor einem Börsenchart und einem nach unten zeigende Blitz/Pfeil.

Der EMI stürzt den zweiten Monat in Folge drastisch ab. (Bild: Pixabay)

| von Dörte Neitzel

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) verharrte im Mai mit 36,6 Punkten im tiefroten Bereich. Nach dem Elfjahrestief von 34,5 Punkten im April stellte dies immerhin eine leichte Erholung dar, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit.

Allerdings wurden die abgeschwächten Schrumpfungen bei Produktion und Neuaufträgen von beschleunigtem Job-Abbau, erneuter Reduzierung der Vormateriallager sowie einer weniger starken Verlängerung der Lieferzeiten zumindest teilweise aufgewogen. „Der geringe Anstieg des EMI im Mai gegenüber dem Vormonat kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die deutsche Industrie weiter in einer schweren Krise befindet. Ob und wenn ja wie schnell sich die gegenwärtige Situation verbessert, ist weiter ungewiss“, betonte Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).

Ausgangsniveau noch in weiter Ferne

„Zwar ging es im Mai mit dem EMI nicht noch weiter nach unten, aber die Erholung war sehr verhalten“, kommentierte Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, die aktuellen EMI-Daten. Bereits vor der Corona-Krise sei die deutsche Industrie aufgrund der Zollerhöhungen zwischen den USA und China in einer Rezession gewesen; mit Corona folgte der zweite Schlag. „Auch wenn es im zweiten Halbjahr wieder bergauf gehen sollte, wird das Ausgangsniveau lange nicht erreicht werden. Jetzt bedarf es insbesondere fiskalischer Maßnahmen, die Unternehmen vor Liquiditätskrisen schützen, die vor der Krise wettbewerbsfähig waren. Viele Staaten ‚kümmern‘ sich jetzt um ihre Firmen. Dies wird in Zukunft ein Wettbewerbsfaktor sein. Deutschland darf seine Betriebe deshalb nicht im Regen stehen lassen“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Der Weg aus der Krise ist kein Selbstläufer, sondern ein sehr steiniger Weg. Das zeigt auch der neuste EMI“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, mit. Die minimale Verbesserung nach dem Elfjahrestief im April könne nicht darüber hinwegtäuschen, welch große Herausforderung das Wiederhochfahren der Wirtschaft in der Breite bedeute. Neuaufträge insbesondere aus dem Ausland seien derzeit noch Mangelware. Die Produktion stecke weiter tief in der Schrumpfzone. Huhn: „Trotz des allmählichen Wiederhochfahrens der Produktion werden manche Unternehmen die negativen Folgen der Pandemie erst jetzt richtig zu spüren bekommen, nachdem sie ihre Auftragsbücher abgearbeitet haben. Es geht deshalb in der aktuellen Phase noch immer darum, die wirtschaftliche Basis der Betriebe insgesamt zu sichern und bisher gesunde Unternehmen zu stabilisieren.“

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG: „Bei etlichen Rohstoffen zeichnet sich mittlerweile eine Trendwende ab. Vor allem die Rohölpreise haben sich von ihren Tiefständen kräftig erholt. Dies ist aber primär ein Ergebnis der verringerten Rohölförderung und nur eingeschränkt einer erhöhten Nachfrage. So ist etwa die Anzahl der aktiven Bohrlöcher in den USA seit Anfang März 2020 von 682 auf nur noch 222 Ende Mai 2020 gesunken. Zudem haben etliche OPEC-Länder ihre Fördermenge erheblich zurückgefahren. Die gestiegenen Rohölnotierungen schlagen bereits auf die Kontraktpreise für Ethylen und Propylen durch und dürften zumindest zum Teil auch die Polymerpreise beeinflussen.“

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

Industrieproduktion: Nach dem beispiellosen Einbruch im April ging die Produktion in der Industrie im Mai zwar erneut, aber mit merklich abgeschwächter Rate zurück. Hauptgrund hierfür war die Wiederaufnahme beziehungsweise Steigerung der Fertigung in einigen Unternehmen. Dennoch steckte der entsprechende saisonbereinigte Teilindex weiterhin tief in der Schrumpfungszone fest und signalisierte damit das niedrige Produktionsniveau, den geringen Personalstand sowie den Mangel an Neuaufträgen. Alle drei von der Umfrage erfassten Teilbereiche verzeichneten ähnlich starke Rückgangsraten.

Auftragseingang insgesamt/Export: Betriebsschließungen sowie die Zurückhaltung der Kunden wirkten sich nach wie vor massiv auf die Auft­ragseingänge der Hersteller aus. Trotz leichter Verbesserung zum Allzeittief im Vormonat notierte der saisonbereinigte Teilindex Neuaufträge auch im Mai tief im roten Bereich und signalisierte eine Schrumpfungsrate, die noch stärker war als die des Teilindexes Leistung. Das größte Minus schlug im Investitionsgüterbereich zu Buche gefolgt vom Vorleistungs- und dem Konsumgüterbereich.

Aufgrund der anhaltenden negativen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die weltweite Nachfrage und die Handelswege mussten die deutschen Hersteller abermals einen Rückgang der Exportaufträge hinnehmen. Den Umfrageteilnehmern zufolge wurden Einbußen aus fast allen internationalen Märkten verbucht. Eine besondere Ausnahme bildete hier China. Da in einigen Ländern Europas erste Restriktionen gelockert wurden, schwächte sich der Rückgang gegenüber dem Rekordwert im April zumindest etwas ab.

Beschäftigung: Im Gegensatz zu Produktion und Neuaufträgen fiel der Rückgang bei der Beschäftigung im Mai stärker aus als im Vormonat. Der saisonbereinigte Teilindex verschlechterte sich zum dritten Mal in Folge und notierte nahe den Tiefstwerten, die während der globalen Finanzkrise gemessen worden waren. Etwa 31 Prozent der Umfrageteilnehmer meldeten einen geringeren Personalstand. Umgesetzt wurde dies meist durch Kündigung von Leiharbeitern und befristeten Beschäftigten, betriebsbedingte Kündigungen sowie natürliche Fluktuation. Zudem galt in vielen Unternehmen weiterhin Kurzarbeit.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Die Einkaufspreise für Rohmaterialien und Halbzeuge gaben auch im Mai – und damit bereits den dreizehnten Monat hintereinander – nach. Der saisonbereinigte Teilindex notierte noch etwas tiefer als im Vormonat und signalisierte den kräftigsten Rückgang seit Januar. Einige der Befragten berichteten, dass die Zulieferer Preisnachlässe gewährten. Außerdem wurde mehrfach auf die aktuell vergleichsweise günstigen Rohstoffpreise hingewiesen und dabei vor allem Stahl, ölbasierte Produkte (Chemikalien, Kunststoffe) und Energie genannt.

Zum wiederholten Mal senkten viele Hersteller ihre Verkaufspreise, um damit entweder den eigenen Umsatz anzukurbeln oder die geringeren Kosten an die Kunden weiterzugegeben. Die Verbilligung fiel zwar nicht mehr ganz so stark aus wie im März und April, aber immer noch solide. Auffallend war, dass die Produzenten von Konsumgütern entgegen dem allgemeinen Trend ihre Preise deutlich anhoben.

Jahresausblick: Auch wenn sich die Stimmung in Deutschlands Industriesektor verglichen mit dem Rekordtief vom März zumindest etwas aufhellte, blieb sie doch grundsätzlich negativ. Über die Hälfte der befragten Einkaufsmanager (53 Prozent) blickte auch im Mai pessimistisch in die Zukunft. Wenig überraschend: Die Langzeitfolgen und Auswirkungen der Coronavirus- Pandemie sind dabei immer noch die mit Abstand größte Sorge. Beim Blick auf die Teilsektoren zeigt sich, dass die Hersteller von Investitionsgütern ihre Aussichten am schlechtesten einschätzen.

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