Insolvenzen

Die größten Pleiten in Deutschland

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Welche Unternehmenspleiten waren die größten in den letzten 30 Jahren? Wir haben sie zusammengestellt.

Insolvent und weg vom Markt? Wir haben die größten Firmenpleiten der vergangenen Jahre zusammengestellt, gerankt nach Zahl der betroffenen Arbeitsplätze.

2024 sind so viele Firmen pleite gegangen wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Insolvenzen um 16,8 Prozent. Allein im Dezember verzeichnete die Wiesbadener Statistikbehörde 13,8 Prozent mehr angemeldete Insolvenzverfahren als im Vorjahreszeitraum. Bereits 2023 mussten 18.100 Unternehmen Insolvenz anmelden, ein historischer Anstieg von mehr als 23 Prozent.

Insolvenzen sind – leider – normal und gehören zum täglichen wirtschaftlichen Geschäft. Doch nicht immer heißt Insolvenz gleich Pleite. Beantragt ein Unternehmen Insolvenz, bezeichnet das zunächst erstmal eine Situation, in der der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nicht mehr nachkommen kann. Das heißt aber eben nicht automatisch, dass es das Unternehmen künftig nicht mehr gibt, auch wenn das häufig der Fall ist. Oft findet der Insolvenzverwalter aber auch neue Investoren oder Eigner oder ein Sanierungsplan wird erstellt, der den Geschäftsbetrieb am Laufen halten soll.

Große Namen, große Pleiten

Doch auch das klappt nicht immer. Und wenn es dann noch ein besonders großes oder prominentes Unternehmen ist, sind die Folgen verheerend. Solche Pleiten wirbeln dann mehr Staub auf als andere, etwa 2024 die Insolvenz des Reiseveranstalters FTI oder vor einigen Jahren die der Fluggesellschaften Germania und Air Berlin. Findet sich dann kein Investor, der der Überschuldung mit einer neuen Strategie zu Leibe rückt, sind oft Tausende Mitarbeiter betroffen.

Im Jahr 2019 waren beispielsweise große Namen betroffen: Gerry Weber, Thomas Cook, die Fluglinie Germania oder das Windanlagenunternehmen Senvion mussten Insolvenz anmelden. Auch der Automobilzulieferer Eisenmann, Loewe und Kettler waren überschuldet. 2024 machte die Insolvenz von Tupperware Schlagzeilen - zwar traf es "nur" 60 Mitarbeiter, doch die 12.000 Berater, die mit den sogenannten Tupper-Partys für Umsatz sorgten, bangen weiterhin um ihre Tätigkeiten.

"Das wirklich Dramatische an diesen großen Insolvenzen ist der Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette", sagte Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Andere Unternehmen würden mitgerissen und könnten selbst in einer Pleite enden.

Wir haben die bekanntesten Insolvenzen herausgesucht, das Ranking erfolgt nach der Zahl der betroffenen Mitarbeiter.

Das waren die größten Insolvenzen in Deutschland

„Drei Jahre Stagnation und wirtschaftliche Flaute haben nicht nur Deutschland im Griff. Europa leidet insgesamt unter einer schwachen konjunkturellen Entwicklung. Der deutlich verschärfte Wettbewerb hat zu einem signifikanten Anstieg der Insolvenzen geführt. Die Pleiten sind auch mitnichten ein reine Nachholeffekte aus der Coronazeit. Seit dem bisherigen Tiefpunkt im Jahr 2021 ist die Zahl der Firmenpleiten in Westeuropa um fast 70 Prozent gestiegen – und ein weiterer Anstieg zeichnet sich ab“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss.

„Hohe Zinsen, steigende Energiepreise, eine insgesamt schwache Nachfrage sowie geopolitische Unsicherheiten belasteten die Stabilität vieler Unternehmen. Besonders betroffen waren kleine und mittlere Betriebe, die oft nur über geringe finanzielle Rücklagen verfügen“, ergänzt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform Österreich.

Breiter Anstieg in nahezu allen Ländern

In 15 der 17 untersuchten westeuropäischen Staaten nahmen die Insolvenzzahlen zu. Lediglich in Dänemark und Großbritannien wurden Rückgänge verzeichnet. Besonders stark fiel der Anstieg in Griechenland (plus 42,5 Prozent), Irland (plus 32,0 Prozent) und den Niederlanden (plus 31,7 Prozent) aus. Auch in den großen Volkswirtschaften Deutschland (plus 22,5 Prozent), Frankreich (plus 17,4 Prozent) und Italien (plus 8,9 Prozent) wurde ein deutlicher Zuwachs registriert. In fast allen untersuchten Ländern liegen die aktuellen Fallzahlen inzwischen klar über dem Niveau von 2019, das als Vergleichsgröße aus der Zeit vor der Corona-Pandemie dient.

„Mit dem Auslaufen der pandemiebedingten Sonderregelungen hat sich der erwartete Nachholeffekt eingestellt. Dass die Zahl der Insolvenzen inzwischen deutlich über dem Vor-Corona-Niveau liegt, hängt jedoch auch mit einer Reihe anhaltender Krisen und struktureller Versäumnisse der Vergangenheit zusammen. Die Unternehmen haben kaum Gelegenheit sich zu erholen und weiterzuentwickeln“, erklärt Hantzsch.

Baugewerbe besonders betroffen

Am stärksten betroffen war 2024 das Baugewerbe, das einen Zuwachs von 15,4 Prozent verzeichnete. Steigende Baukosten, hohe Finanzierungskosten und eine schwächelnde Nachfrage erhöhten den wirtschaftlichen Druck auf die Branche. Auch im Dienstleistungssektor nahm die Zahl der Insolvenzen mit plus 14,2 Prozent überdurchschnittlich zu. Im Verarbeitenden Gewerbe schwächte sich der Anstieg gegenüber dem Vorjahr auf plus 9,3 Prozent ab (Handel plus 8,1 Prozent).

„Das Baugewerbe zählt zu den Hauptleidtragenden der aktuellen Wirtschaftsschwäche. Bereits in den vergangenen Jahren ist der Anteil dieses Sektors am Insolvenzgeschehen gestiegen. Inzwischen entfällt nahezu jede fünfte Unternehmensinsolvenz in Westeuropa auf diesen Bereich“, so Weinhofer. Der Anteil des Handels hingegen sei leicht auf 30,0 Prozent zurückgegangen – ein Hinweis auf eine beginnende Konsolidierung in dieser Branche.

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Umschwung in 2025?

Laut Allianz Trade könnte im Jahr 2025 die Zahl der Insolvenzen in Deutschland um zehn Prozent steigen. Zuvor war der Kreditversicherer von fünf Prozent ausgegangen. Für 2026 liegt die Schätzung bei einer nochmaligen Steigerung um drei Prozent. Das wäre der fünfte Anstieg in Folge (2022 bis 2026).

Weltweit erhöhte sich der prognostizierte Anstieg von drei auf sechs Prozent. Das größte Aufwärtsrisiko für Insolvenzen ist dabei der drohende Handelskrieg.

Was heißt, in die Insolvenz gehen?

Insolvenz bedeutet, dass ein Unternehmen nicht mehr in der Lage ist, seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern zu erfüllen. Bei juristischen Person ist auch die rechnerische Überschuldung ein Eröffnungsgrund. Wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird, müssen sie Insolvenz anmelden. Dies muss spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit geschehen.

Mit der Insolvenzanmeldung wird ein gerichtliches Insolvenzverfahren eingeleitet. Dabei wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der das Vermögen des Schuldners verwaltet und an die Gläubiger verteilt. Während des Insolvenzverfahrens verliert der Schuldner die Kontrolle über sein Vermögen. Stattdessen wird es vom Insolvenzverwalter verwaltet und an die Gläubiger verteilt.

Insolvenz ist keine Katastrophe, sondern kann eine Chance sein, nach dem Verfahren schuldenfrei neu anzufangen. Zusammengefasst bedeutet "in die Insolvenz gehen", dass ein Unternehmen oder eine Privatperson aufgrund von Zahlungsunfähigkeit ein gerichtliches Insolvenzverfahren einleitet, um die Schulden zu regeln und am Ende schuldenfrei zu werden.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Ein Schutzschirmverfahren ist eine besondere Form des Insolvenzrechts in Deutschland, die es Unternehmen ermöglicht, sich unter Insolvenzschutz zu stellen, um eine Sanierung durchzuführen. Die wichtigsten Merkmale des Schutzschirmverfahrens sind:

  • Es ist eine Sonderform der vorläufigen Eigenverwaltung, bei der das Unternehmen unter Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters selbst die Sanierung durchführt.
  • Während des maximal 3-monatigen Verfahrens ist das Unternehmen vor Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger geschützt.
  • Das Unternehmen kann in dieser Zeit weiter wirtschaften und Sanierungsmaßnahmen einleiten, um die drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung abzuwenden.
  • Am Ende des Verfahrens soll ein Insolvenzplan stehen, der die Sanierung des Unternehmens regelt.
  • Ziel ist es, das Unternehmen zu erhalten und wieder wirtschaftlich leistungsfähig zu machen.

Zusammengefasst bietet das Schutzschirmverfahren Unternehmen in Schwierigkeiten die Möglichkeit, unter gerichtlicher Aufsicht eine Sanierung durchzuführen und so eine Insolvenz abzuwenden.

Was passiert bei einer Insolvenz?

Wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird, muss es Insolvenz anmelden.

1. Insolvenzantrag und Eröffnungsverfahren: Mit der Insolvenzanmeldung wird ein gerichtliches Insolvenzverfahren eingeleitet, bei dem ein Insolvenzverwalter eingesetzt wird, der das Vermögen des Schuldners verwaltet und an die Gläubiger verteilt. In dieser Phase wird die Insolvenzmasse geschützt. Der Insolvenzantrag muss bei dem Insolvenzgericht gestellt werden, in dessen Bezirk der Schuldner (also das insolvente Unternehmen) seinen Gerichtsstand hat ( 3 InsO).

2. Insolvenzverfahren: Wird das Insolvenzverfahren eröffnet, übernimmt ein Insolvenzverwalter die Verwaltung und Verwertung des Vermögens des Schuldners. Der Insolvenzverwalter erstellt eine Insolvenztabelle mit den Forderungen der Gläubiger und regelt deren Befriedigung nach einer gesetzlichen Rangfolge. Zunächst werden Verfahrenskosten und Masseverbindlichkeiten beglichen, dann die Insolvenzgläubiger.

3. Abschluss des Verfahrens: Nach Verwertung der Insolvenzmasse und Befriedigung der Gläubiger legt der Insolvenzverwalter einen Schlussbericht vor. Das Gericht bewilligt dann die Verteilung der Insolvenzmasse. Danach kann der Schuldner einen Neuanfang machen, gegebenenfalls nach einer Restschuldbefreiung.

Das Insolvenzgericht eröffnet das Insolvenzverfahren übrigens nur dann, wenn das Vermögen des Schuldners voraussichtlich ausreichen wird, um mindestens die Verfahrenskosten zu decken. Das umfasst beispielsweise Gerichtskosten, Auslagen sowie die Kosten des Insolvenzverwalters.

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Wann ist ein Unternehmen insolvent?

Insolvent heißt zahlungsunfähig. Ein Unternehmen ist zahlungsunfähig, wenn es nicht in der Lage ist, seine Zahlungspflichten zu erfüllen. Davon ist in der Regel auszugehen, wenn der Unternehmer seine Zahlungen eingestellt hat. Maßgeblich für die Frage der Zahlungsunfähigkeit ist die Fälligkeit von Verbindlichkeiten.

Von der Zahlungsunfähigkeit zu unterscheiden ist die bloße Zahlungsstockung. Geringfügige Liquiditätslücken führen noch nicht zur Insolvenz. Eine Zahlungsstockung liegt dann vor, wenn der Unternehmer erwartet, dass er die Forderungen der Gläubiger innerhalb eines Zeitraums erfüllen kann. Der Unternehmer muss also binnen zwei bis drei Wochen) seine Verbindlichkeiten begleichen können. Zudem sollte der Umfang der offenen Verbindlichkeiten weniger als zehn Prozent der fälligen Gesamtverbindlichkeiten betragen.

Typische Anzeichen für eine Zahlungsunfähigkeit sind:

  • Nichtzahlung von Lieferanten,
  • Nichtzahlung von Löhnen, Gehältern und Sozialversicherungsbeiträgen
  • ungedeckte Schecks,
  • Zwangsvollstreckungen / Vorliegen von Vollstreckungsanträgen,
  • Anträge zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung.

Die größten Insolvenzen in Deutschland

  1. Arcandor
  2. Schlecker
  3. Galeria Kaufhof
  4. Philipp Holzmann
  5. Praktiker
  6. Woolworth
  7. Air Berlin
  8. Walter Bau
  9. Edscha
  10. Tempton

Mehr zu den einzelnen Insolvenzen finden Sie in unserer Bildergalerie. Dort finden Sie auch die Plätze 11 bis 17.

Quelle: eigene Recherche

FAQ

Was war die größte Unternehmenspleite in Deutschland?

Die Insolvenz von Arcandor im Jahr 2009 gilt als die größte Pleite Deutschlands. Der Konzern konnte seine Schulden von 650 Millionen Euro nicht mehr bedienen – betroffen waren Karstadt, Quelle und Primondo.

Was ist der Unterschied zwischen Insolvenz und Pleite?

Eine Insolvenz bedeutet, dass ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Eine „Pleite“ ist meist das endgültige Scheitern, während eine Insolvenz auch Sanierung oder Verkauf ermöglichen kann.

Welche bekannten Firmen gingen in den letzten Jahren insolvent?

Zu den prominenten Fällen zählen Air Berlin, Germania, Thomas Cook, Gerry Weber, Senvion, Eisenmann, Loewe und Kettler. Viele dieser Insolvenzen hatten Dominoeffekte auf Zulieferer und Partner.

Wie viele Unternehmen meldeten 2023 Insolvenz an?

Im Jahr 2023 mussten rund 18.100 Unternehmen Insolvenz anmelden – ein Anstieg von über 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Jahr markiert auch das Ende der ungewöhnlich niedrigen Insolvenzrate während der Corona-Jahre.

Was sind die Folgen großer Insolvenzen?

Große Pleiten betreffen oft Tausende Mitarbeiter und können ganze Lieferketten destabilisieren. Laut Experten wie Ron van het Hof (Euler Hermes) ziehen sie oft weitere Unternehmen mit in die Krise.