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Flaschen mit verflüssigtem Helium. (Bild: Scanrail/AdobeStock)

| von Dörte Neitzel
Aktualisiert am: 25. Okt. 2019

In einer im Oktober 2018 veröffentlichten Studie hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Versorgungslage mit Helium auf Grundlage der damals verfügbaren Daten als unkritisch bewertet.

Aktuell liegen der BGR neue Zahlen für 2018 vor, nach denen das weltweite Angebot von Helium drastisch zurückgegangen und auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2003 gesunken ist.

Helium als Rohstoff für zahlreiche Anwendungen

Helium ist nach Wasserstoff das zweithäufigste Element im Universum. Es ist ein unverzichtbarer Rohstoff sowohl für viele Produkte des täglichen Lebens als auch für Anwendungen in der Hochtechnologie. Als einziges Edelgas wird es in der Regel nicht aus der Luft, sondern vorwiegend als Bestandteil aus Erdgas abgetrennt.

Helium wird unter anderem in der Medizin zum Betrieb von Magnetresonanztomographen (MRT), als Schweißschutzgas, Traggas für Zeppeline und Ballons – zum Beispiel für die routinemäßigen Wetterbeobachtungen – sowie bei der Tieftemperaturforschung verwendet. Beim Verbrauch steht Deutschland aktuell hinter den USA, China, der Republik Korea und Japan an fünfter Stelle.

Gründe für den Angebotsmangel an Helium

Als zentrale Gründe für die gegenwärtige Verknappung von Helium sehen Fachkreise vor allem Probleme in den USA, dem größten Heliumproduzenten der Welt. Dort geht das Angebot aus dem staatlichen Heliumspeicher in Texas ständig zurück.

Außerdem fanden in der größten Heliumanlage der Welt in Wyoming Wartungsarbeiten statt. Zudem werden auch die seit längerem bekannten technischen Probleme in einer der beiden Heliumanlagen in Algerien – ebenfalls ein wichtiger Anbieter auf dem Weltmarkt – angeführt.

Als weiteres Problem wird die Verzögerung bei der Inbetriebnahme einer dritten Heliumanlage in Katar – nach den USA zweitwichtigster Heliumproduzent – gesehen.

Global konzentrierte Produktion von Helium

Aus Sicht der BGR erklärt dies jedoch nicht die augenblicklich angespannte Angebotssituation. „Nach den Daten, die uns vorliegen, sind andere Gründe entscheidend“, erklärt BGR-Experte Harald Elsner. So gibt es bei Helium derzeit nur sieben nennenswerte Produktionsländer, wobei die Produktion in Russland (5,1 Millionen Kubikmeter in 2018) und Polen (3,1 Millionen Kubikmeter in 2018) stabil ist.

In den USA sank das Angebot aus Neuproduktion und Speicherentnahme um eine Million auf 90 Millionen Kubikmeter. Zusammen importierten alle Länder weltweit im Jahr 2018 aus Algerien 17,1 Millionen Kubikmeter (-2%), aus Australien 6,3 Millionen Kubikmeter (-10%) und aus Kanada 0,6 Millionen Kubikmeter (-75%) Helium.

Elsner: „Die bedeutendsten Veränderungen gab es jedoch bei den Heliumimporten aus Katar. Dort brach die Produktion gleich um 27 Prozent auf jetzt 27,9 Millionen Kubikmeter ein.“

Technische Probleme bei der Helium-Produktion in Katar?

Über die Hintergründe, warum deutlich weniger Helium aus Katar auf den Weltmarkt gelangt ist, kann nur spekuliert werden. Möglicherweise sind technische Probleme dafür verantwortlich.

Die nach der Katarkrise 2017 gegenüber dem Land verhängten Handelsbeschränkungen schließt die BGR als Grund aus, da die großen Gasunternehmen längst Ausweichrouten – etwa über den Oman – nutzen. Diese sind in den aktuellen Zahlen der katarischen Heliumproduktion bereits berücksichtigt.

Auch die Exportmenge von Flüssigerdgas, bei dessen Herstellung in Katar das Helium abgetrennt wird, ist nicht zurückgegangen. Im Gegenteil: Sie ist 2018 gegenüber dem Vorjahr weiter leicht gestiegen.

Starker Preisanstieg binnen Jahresfrist

Die Verknappung des Helium-Angebots aus dem Nahen Osten spiegelt sich auch in der Preisentwicklung wider. Lag der Durchschnittsimportpreis von Helium nach Deutschland über alle Lieferländer hinweg im Jahr 2017 noch bei 6,43 Euro pro Kubikmeter und im Jahr 2018 bei 6,79 Euro pro Kubikmeter, so ist er bis Juni dieses Jahres auf 7,73 Euro pro Kubikmeter gestiegen (+ 20% im Vergleich zu 2017).

Für Heliumlieferungen aus Katar kletterte der Preis im Zeitraum zwischen 2017 (6,21 Euro pro Kubikmeter) und Mitte 2019 (7,69 Euro pro Kubikmeter) sogar um rund 24 Prozent. Im Vergleich dazu stieg der Preis für Lieferungen aus Algerien im gleichen Zeitraum nur um 3 Prozent (von 6,00 Euro pro Kubikmeter 2017 auf gegenwärtig 6,17 Euro pro Kubikmeter).

2018 war der Preis für algerische Lieferungen auch schon auf 4,94 Euro  pro Kubikmeter gefallen. BGR-Experte Elsner: „Angesichts der Verknappung des Helium-Angebots aus dem Nahen Osten und den zuweilen nicht nachvollziehbaren Preisentwicklungen kann deutschen Einkäufern von Helium nur geraten werden, die Preise bei verschiedenen Anbietern zu vergleichen.“