Gallium- und Germaniumexporte: China isoliert Japan
Die Gallium- und Germaniumexporte aus China zeigen zum Jahresauftakt eine klare Verschiebung. Während Japan leer ausgeht, konzentrieren sich die Lieferungen auf wenige andere Abnehmerländer.
Summary: Die aktuellen Handelsdaten aus China zeigen veränderte Lieferströme bei Gallium und Germanium. Japan erhält infolge verschärfter Exportkontrollen derzeit keine Lieferungen mehr, während Deutschland bei Gallium und Russland bei Germanium zuletzt zu den wichtigsten Empfängern zählten. Damit gewinnen Genehmigungen und politische Beziehungen für die Versorgung mit strategischen Metallen weiter an Bedeutung.
Warum sich die Gallium- und Germaniumexporte verschieben
Aktuelle Handelsdaten aus China deuten auf eine spürbare Veränderung bei der Versorgung mit den strategisch wichtigen Metallen Gallium und Germanium hin. Wie aus den neuesten Zahlen der chinesischen Zollbehörden hervorgeht, erhält Japan infolge verschärfter Exportkontrollen derzeit keine Lieferungen mehr.
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Offiziell richten sich die Anfang Januar verkündeten Maßnahmen gegen militärische Endverwendungen. In der Praxis kommt dies jedoch einem weitgehenden Exportstopp gleich, der Auswirkungen auf die japanische Hightech-Industrie haben könnte. Noch 2025 war Japan der wichtigste Abnehmer von chinesischem Gallium und gehörte auch bei Germanium zu den zentralen Importländern.
Beide Metalle werden insbesondere in der Halbleiterfertigung und anderen Schlüsseltechnologien eingesetzt. Damit erhält die Veränderung der Lieferströme nicht nur handelspolitische, sondern auch industriepolitische Relevanz.
Die Galliumexporte befinden sich zwar auf einem mittleren Niveau, doch nicht jedes Land bekommt etwas.Tradium
Welche Länder jetzt im Fokus stehen
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Die Lieferströme konzentrieren sich zuletzt deutlich auf wenige Abnehmerländer. Bei Gallium war Deutschland im Januar und Februar der einzige Empfänger und erhielt 6.000 beziehungsweise 5.000 Kilogramm. Insgesamt lagen die Galliumexporte damit über dem Vorjahresniveau.
Bei Germanium zeigte sich dagegen zunächst ein deutlicher Rückgang. Im Januar sanken die Ausfuhren auf 93 Kilogramm und lagen damit rund 95% unter dem Vorjahreswert. In diesem Zeitraum gingen Lieferungen nach Kasachstan, Südkorea, in die Türkei und nach Taiwan.
Im Februar zogen die Germaniumexporte wieder leicht an und erreichten 736 Kilogramm. Der Großteil entfiel mit 600 Kilogramm auf Russland, kleinere Mengen gingen nach Thailand, Südkorea und Italien.
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Die Exporte von Germanium haben sich im Februar wieder erholt.Tradium
Wie die Exportkontrollen Japans Versorgung treffen
Besonders auffällig ist der Wegfall Japans als Empfängerland. Das Land erhielt weder Gallium noch Germanium und wird damit vom Materialfluss abgeschnitten, nachdem es 2025 noch zu den Hauptabnehmern beider Rohstoffe gezählt hatte.
Dr. Christian Hell, Senior Manager Germanium and Minor Metals, ordnet die Entwicklung so ein: „Die Ausfuhr von Germanium unterliegt weiterhin starken Schwankungen, während die Galliumexporte zu Jahresbeginn relativ stabil waren. Auffällig ist jedoch eine große Veränderung bei den Abnehmerländern: Japan wird beim Rohstoffzugang durch die chinesischen Exportkontrollen zunehmend isoliert.
Das Land erhielt weder Gallium noch Germanium und wird so vom Materialfluss abgeschnitten, nachdem es 2025 noch zu den Hauptabnehmern beider Rohstoffe zählte. Für die heimische Hightech-Industrie benötigt Japan die Rohstoffe allerdings. Daher dürfte es sich gezwungen sehen, verstärkt alternative Lieferketten und Partnerschaften zu erschließen. Die übrigen zentralen Abnehmerländer wie Deutschland oder Russland werden hingegen weiterhin relativ zuverlässig beliefert.“
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Wie aus der Einordnung hervorgeht, verschieben sich die Materialströme damit nicht nur mengenmäßig, sondern auch geopolitisch. Für Japan könnte dies Folgen für den Zugang zu wichtigen Vorprodukten der Hightech-Industrie haben.
Was die Zahlen über Chinas Rohstoffpolitik zeigen
China hatte bereits 2023 Exportkontrollen für Gallium und Germanium eingeführt und dies mit möglichen militärischen Anwendungen begründet. Seither zeigen sich deutliche Schwankungen in den Handelsvolumina.
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Die tatsächlichen Lieferungen hängen zunehmend von Genehmigungen sowie den politischen Beziehungen zu den jeweiligen Empfängerländern ab. Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass sich die Versorgung mit Gallium und Germanium immer stärker an politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen ausrichtet.
Für die Industrie unterstreichen die jüngsten Handelsdaten damit vor allem eines: Bei strategischen Metallen verschiebt sich die Versorgungslage, und einzelne Länder rücken als Abnehmer deutlich stärker in den Vordergrund, während andere spürbar an Zugang verlieren.