Welche Stahlunternehmen produzieren den meisten Stahl in Deutschland?(Bild: Jordache - stock.adobe.com)
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Summary: Nach wie vor ist Arcelor Mittal Deutschland die Nummer Eins unter den deutschen Stahlherstellern. Trotz einer höheren Stahlproduktion bleiben die deutschen Hersteller im Krisenmodus. Preisdruck, Energiekosten und billige Überkapazitäten aus China machen ihnen zu schaffen.
Deutschland ist der größte Stahlhersteller in der EU und gehört zu den zehn größten stahlerzeugenden Ländern der Welt. Als Basisindustrie hat die Stahlbranche eine besondere Bedeutung für die Wertschöpfungsketten hierzulande und weltweit.
Die Stahlindustrie generiert rund 45,3 Mrd. EUR Umsatz und sorgt darüber hinaus für viele Milliarden Euro Wertschöpfung in den Zulieferindustrien. Insgesamt beträgt der Umsatzanteil der Stahlindustrie an der Metallindustrie rund 37,4%. Etwa 89.000 Menschen arbeiten in der deutschen Stahlindustrie.
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Trotz der Wirtschaftsschwäche stieg die deutsche Rohstahlproduktion 2024 auf 37,2 Mio. Tonnen. Damit blieb die erzeugte Rohstahlmenge jedoch zum dritten Mal in Folge unter der 40-Mio.-Tonnen-Grenze und damit auf Rezessionsniveau.
Welche deutschen Stahlproduktionsstandorte und Stahlhersteller an der Spitze liegen, erfahren Sie in unserer Bildergalerie.
Größte Stahlhersteller in Deutschland: Wo wird am meisten produziert?
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Platz 11: ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi. In Deutschland produzierten die ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi 2022 0,9 Millionen Tonnen Stahl. Deutschlandsitz ist Paderborn.MIRACLE MOMENTS - stock.adobe.com
Platz 10: Lech-Stahlwerke. 0,78 Mio.Tonnen Stahl produzierten die Lechstahlwerke im Jahr 2023.Andrey - stock.adobe.com
Platz 9: Georgsmarienhütte. Mit 1,2 Millionen Tonnen Stahl belegt die Georgsmarienhütte den neunten Rang unter den größten deutschen Stahlstandorten. Die GMH Gruppe besteht aus 26 Unternehmen und hat ihren Sitz in Georgsmarienhütte, südlich von Osnabrück (NRW). Sie produziert Rohstahl, Stabstahl und Blankstahl.industrieblick - stock.adobe.com
Platz 8: Badische Stahlwerke (BSW). Der Stahlhersteller aus Kehl produziert auf zwei Lichtbogenöfen Stahl vornehmlich aus Schrott. Es ist das einzige Stahlwerk in Baden-Württemberg und es kommt 2023 auf 1,41 Mio. Tonnen Stahl.Paul - stock.adobe.com
Platz 7: Riva Stahl. Riva produzierte 2023 etwa 1,6 Mio.Tonnen Stahl. Riva Stahl produziert in Deutschland hauptsächlich an den Standorten Hennigsdorf und Brandenburg an der Havel, wo Elektrostahlwerke und Walzwerke betrieben werden. Weitere Standorte der Gruppe befinden sich in Trier, Lampertheim und Horath.Kot63 - stock.adobe.com
Platz 6: Saarstahl. Mit 1,7 Mio. Tonnen Stahl bringt es der Konzern aus Völklingen auf den sechsten Platz. Mehrheitsaktionär der Saarstahl AG mit 74,9 Prozent der Aktien ist die SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA, die AG der Dillinger Hüttenwerke besitzt 25,1 Prozent.icarmen13 - stock.adobe.com
Platz 5: Dilliger Hüttenwerke. Mit 2,38 Millionen Tonnen bringt es die Dilliger Hütte in die Top 5 der größten deutschen Stahlhersteller. Das Werk in Dillingen (Saarland) ist das größte Grobblechwerk Europas. Das Unternehmen betreibt zusätzlich ein kleineres Stahlwerk in der französischen Hafenstadt Dunkerque und ein Werk in Nordenham (Deutschland).Елена Бионышева-Абра - stock.adobe.com
Platz 4: Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM). Der Duisburger Stahlkonzern bringt es 2023 auf eine Stahlproduktion von 3,8 Millionen Tonnen Stahl. Seine Wurzeln hat das Unternehmen im Jahr 1909, seine heutige Form entstand aus der Fusion von Krupp und Mannesmann. Produktionsort ist Hüttenheim. Rheinhausen wurde 1993 geschlossen.photollurg - stock.adobe.com
Platz 3: Salzgitter AG. 5,71 Mio.Tonnen Stahl bringen die Salzgitter AG 2023 auf den dritten Platz unter Deutschlands größten Stahlstandorten und Stahlherstellern. Der börsennotierte Konzern besteht aus mehr als 100 einzelnen Unternehmen. Hauptsitz und Hauptproduktionsort ist Salzgitter.mmuenzl - stock.adobe.com
Platz 2: Arcelor Mittal Bremen. Auf dem vierten Platz unter den größten Stahlstandorten in Deutschland liegt ArcelorMittal mit Bremen und rund 6,5 Mio. Tonnen produziertem Rohstahl in 2023.Arcelor Mittal
Platz 1: Thyssenkrupp Steel Europe. Etwa 10,4 Mio.Tonnen Stahl produzierte Thyssenkrupp im Jahr 2023. Duisburg ist der unangefochtene Standort Nummer Eins der deutschen Stahlhersteller (Werke in Marxloh und Bruckhausen).Thyssenkrupp
Weitere deutsche Stahlstandorte
Platz
Unternehmen
Werksart
Produktion in Mio. Tonnen
13.
Lech-Stahlwerke
Elektrostahlwerk
0,9
14.
Stahlwerk Thüringen
Elektrostahlwerk
0,8
15.
ArcelorMittal Hamburg
Elektrostahlwerk
0,7
16.
Henningsdorfer Elektrostahlwerk
Elektrostahlwerk
0,7
17.
Deutsche Edelstahlwerke
Elektrostahlwerk
0,7
18.
Benteler
Elektrostahlwerk
0,6
19.
Duderus Edelstahl
Elektrostahlwerk
0,2
20.
BGH Edelstahl
Elektrostahlwerk
0,2
21.
Sonstige
Elektrostahlwerke
0,1
Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl, Stand Januar 2025
Insgesamt gibt es in Deutschland 22 Standorte zur Stahlerzeugung. Einige dieser Standorte besitzen ein integriertes Hüttenwerk mit Hochofen, Stahl- und Walzwerk, mit einer Primärstahlproduktion auf Basis von Eisenerz. Andere - und das sind die meisten - arbeiten mit Elektrostahlwerken. Hier findet die Stahlproduktion mit Strom statt auf Basis von Stahlschrott (Sekundärstahlproduktion).
Rund 70% des Stahls werden in Deutschland in integrierten Hüttenwerken (Hochofen, Stahl- und Walzwerk) erschmolzen, die verbleibenden 30 Prozent über die Elektrostahlroute hergestellt.
Einen Überblick, welche Werke wie arbeiten, gibt die folgende Grafik der Wirtschaftsvereinigung Stahl.
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Standorte der deutschen Stahlerzeuger 2024.Wirtschaftsvereinigung Stahl
Wie entwickelt sich der Strombedarf der Stahlindustrie?
Der Strombedarf wird von 7 TWh heute auf 24 TWh im Jahr 2030 steigen.
Wie sieht der Stahlaußenhandel Deutschlands aus?
Die Exporte blieben 2023 mit 23 Mio. Tonnen konstant, während die Importe auf 19,9 Mio. Tonnen zurückgingen. Der Saldo stieg auf 3,2 Mio. Tonnen. Im April 2026 hat die EU weitreichende Zolländerungen beschlossen. Künftig wird die zollfreie Einfuhrmenge auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt. Das entspricht laut EU einem Rückgang von rund 47% gegenüber der bisherigen Regelung. Für alle Einfuhren oberhalb dieser Schwelle soll der Einfuhrzoll zugleich von 25% auf 50% steigen.
Welche Rolle spielt Recycling für Stahlhersteller?
Fast die Hälfte allen Stahls, der als Stahlträger oder für Stahlbeton zum Einsatz kommt, ist recycelt. 45% und mehr der heute verbauten Stahlteile stammt aus abgebrochenen Häusern, Autos, Rasierklingen oder Laternenpfählen. Eingeschmolzen und neu geformt, steht der Alt-Stahl, dem neu produzierten Stahl in nichts nach.
Bei 11% des Baustahls werden sogar ganze Stahlträger in ihrer Originalform wiederverwendet. Deshalb setzt die Baubranche auf Umwelt-Produktdeklarationen für Baustähle. „Architekten, Auditoren, Stahlhändler, Bauunternehmen und Immobiliengesellschaften, die Wert auf eine Gebäudezertifizierung legen, benötigen die Umwelt-Produktdeklarationen bereits während der Planungsphase als Nachweise. Gebäude, die mit Produkten unserer Verbands-EPD errichtet werden, lassen sich problemlos auf ihre Nachhaltigkeit hin bewerten, da alle für die Gebäudezertifizierung notwendigen Daten enthalten sind“, weiß Dr. Rolf Heddrich, Geschäftsführer und Sprecher beim Bauforum Stahl.
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Rohstahlproduktion in DeutschlandCreated with Datawrapper
Umsatz der deutschen Stahlindustrie bis 2025Created with Datawrapper
An welche Branchen liefern Stahlunternehmen ihren Stahl?
Nach wie vor sind die Bauindustrie, die Automobilindustrie und der Maschinenbau die wichtigsten Abnehmerbranchen der Stahlindustrie. Naturgemäß ist auch der Anteil der Metallwarenindustrie sehr hoch. Je höher der Stahleinsatz, desto eher hilft grüner, also CO2-neutraler Stahl, dabei den Product Carbon Footprint in diesen Branchen weiter zu senken.
Wichtigste Abnehmerbranchen der StahlindustrieCreated with Datawrapper
Strompreise in der Stahlindustrie: Raus aus der Abhängigkeit vom Gas
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Besonders für die strombasierte Elektrostahlerzeugung aus Schrott spielt der Strompreis eine große Rolle. Pro Tonne Stahl verbraucht ein Elektrolichtbogenofen im Durchschnitt zwischen 350 und 400 kWh Strom. Das heißt für Elektrostahlwerke wie die Lechstahlwerke (780.000 Tonnen Stahl) und die Badischen Stahlwerke (1,41 Mio. Tonnen) im Jahr 2023 einen Stromverbrauch von geschätzt 273 Millionen kWh (Lechwerke) bzw. 493,5 Millionen kWh (Badische Stahlwerke) - im besten Fall. Damit zählen sie zu den Höchstverbrauchern in Deutschland.
In den Jahren 2021 bis 2023, besonders aber 2022, stieg der Strompreis in Deutschland stark an (siehe Grafik). Grund war der Ukrainekrieg und der Lieferstopp russischen Erdgases, auf das sich die Industrie jahrelang verlassen hatte. Auch die Gasspeicher waren damals nicht mehr ausreichend gut gefüllt. Nach dem Peak 2022 sank der Industriestrompreis wieder und erreicht 2024 wieder sein Niveau aus dem Jahr 2017 mit rund 17 Cent pro kWh inklusive Stromsteuer, da mittlerweile alternative Bezugsquellen gefunden wurden und ein Großteil der Stromerzeugung in Rekordzeit auf Erneuerbare umgestellt wurde.
Der Industriestrompreis ist aus drei Gründen so abhängig vom Gaspreis:
Der durchschnittliche Erdgaspreis für die Industrie schwankt, aber der reine Energiepreis lag 2024 bei 5,48 ct/kWh (ohne Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte). Im April 2025 zahlten Unternehmen ohne Vergünstigungen und inklusive aller Abgaben, Steuern und Umlagen durchschnittlich 16,20 ct/kWh.
Strom wird immer noch zu einem nennenswerten Anteil aus Erdgas gewonnen. Dieser lag im ersten Halbjahr laut Destatis 2025 bei rund 16,2 Prozent.
Es gilt in Europa das Merit-Order-Prinzip in der Strompreisbildung. Das heißt: Ein hoher Gaspreis wirkt sich direkt auf den Strompreis aus.
Industriestrompreis inklusive Stromsteuer bis 2025Created with Datawrapper
Welchen Beitrag leistet klimaneutraler Stahl zum CO2-Ausstoß?
Für einen klimaneutralen, wirtschaftlich starken Standort Deutschland ist die Stahlindustrie von zentraler Bedeutung: Durch die Transformation lassen sich 30 Prozent aller Industrieemissionen Deutschlands reduzieren. Dazu muss das herkömmliche Verfahren der Primärstahlproduktion, die Hochofen-Konverter-Route, durch wasserstoffbasierte Direktreduktion ersetzt werden. Außerdem ist die schrottbasierte Elektrostahlproduktion ein wichtiger Baustein für die klimaneutrale Stahlproduktion.
Eine klimaneutrale Stahlindustrie bedeutet rund 50 Millionen Tonnen weniger CO2. Das entspricht etwa 30 Prozent aller Industrieemissionen und 7 Prozent der gesamten Emissionen in Deutschland.
Stahlindustrie und Abnehmer sind große Arbeitgeber
Den höchsten Stahlanteil an Vorleistungen hat die Stahl- und Metallverarbeitung in Deutschland (59 Prozent). Mit weitem Abstand folgt der Maschinenbau (20 Prozent), dann die Automobilindustrie (12 Prozent), das Bauhauptgewerbe (10 Prozent) und die Elektrotechnik (8 Prozent). In diesen größten stahlintensiven Branchen sind rund vier Millionen Menschen beschäftigt, das sind etwa zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze, so die Wirtschaftsvereinigung Stahl.
Abnehmerbranchen für die Stahlindustrie und deren BedeutungWirtschaftsvereinigung Stahl
Stahl wird in Deutschland vor allem auf zwei Wegen produziert: in der Hochofenroute aus Eisenerz und Koks sowie in Elektrolichtbogenöfen aus Stahlschrott. Beide Verfahren haben unterschiedliche Anforderungen bei Energie, Rohstoffen und CO2-Ausstoß.
Warum ist die Stahlindustrie in Deutschland so wichtig?
Sie gehört zu den Grundindustrien und versorgt unter anderem den Automobilbau, den Maschinenbau, die Bauwirtschaft und die Energietechnik. Ohne Stahl wären viele industrielle Wertschöpfungsketten in Deutschland nicht möglich.
Welche Rolle spielt Recycling in der Stahlherstellung?
Stahl ist sehr gut recycelbar und kann nahezu ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden. Deshalb ist Schrott ein wichtiger Rohstoff, besonders für die Herstellung im Elektrolichtbogenofen.
Vor welchen Herausforderungen steht die Stahlherstellung in Deutschland?
Zu den größten Herausforderungen zählen hohe Energiepreise, internationaler Wettbewerbsdruck und die klimafreundliche Umstellung der Produktion. Besonders die Reduktion von CO2-Emissionen erfordert hohe Investitionen in neue Technologien.
Wie kann Stahlherstellung klimafreundlicher werden?
Ein zentraler Ansatz ist die Produktion mit grünem Wasserstoff statt mit Kohle. Zusätzlich helfen mehr Recycling, der Einsatz erneuerbarer Energien und effizientere Produktionsprozesse.