Stahlrohre

Kann die Stahlproduktion durch den Einsatz von Wasserstoff nachhaltiger werden? (Bild: Jörg Vollmer/AdobeStock)

| von Dörte Neitzel

Der Stahlhersteller Thyssenkrupp will bis 2050 klimaneutral produzieren. Schritt Nummer eins in die Richtung ist, dass im Duisburger Werk bei der Stahlproduktion Kohlenstaub durch Wasserstoff ersetzt wird. Laut Umweltbundesamt ist das Duisburger Werk von Thyssenkrupp die Industrieanlage mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland. Die Hochöfen dort produzieren laut Vorstandsmitglied Klaus Keysberg 2,5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. Im Gesamtkonzern entfielen 95 Prozent der CO2-Produktion auf die Stahlsparte.

Bislang ist im Hochofen 9 des Standortes so: Damit dieser eine Tonne Roheisen ausspuckt, benötigt das Unternehmen rund 300 Kilogramm Koks und 200 Kilogramm Kohlenstaub. Letzterer wird über 28 Blasformen im unteren Schachtbereich des Hochofens eingeblasen und dient als zusätzliches Reduktionsmittel. Schrittweise sollen die Blasformen auf Wasserstoff umgestellt werden. Nach und nach sollen bis 2022 auch die drei weiteren Hochöfen im Duisburger Werk hinzukommen.

Grüner Stahl aus Duisburg

Beim Einsatz von Wasserstoff würde lediglich Wasserstoff entstehen, so dass allein an dieser Stelle bis zu 20 Prozent CO2 eingepart werden könnte, so Thyssenkrupp. Bislang handelte es sich um einen Pilottest des Stahlherstellers gemeinsam mit dem Industriegasekonzern Air Liquide. Mit der Nutzung des Hochofens 9 ist das Projekt in den industriellen Maßstab gewechselt.

Am Ende der Produktion werde "grüner Stahl stehen", so Thyssenkrupp-Stahlchef Premal Desai. Er machte aber auch klar, dass das Unternehmen dabei auf finanzielle Unterstützung durch den Staat setzt. "Das werden wir nicht aus unserem Betrieb heraus finanzieren. Das ist eine große gesellschaftliche Aufgabe." Thyssenkrupp hat die Kosten für den Umbau der Produktion auf rund zehn Milliarden Euro beziffert.

Wasserstoff im Hochofen von Thyssenkrupp