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Was macht Taiwan als Beschaffungsland aus? (Bild: AdobeStock - f11photo)

| von Gerd Meyring
Aktualisiert am: 15. Nov. 2019

Zwei Prozent Wirtschaftswachstum sind für Taiwan eine stolze Leistung. Denn die hoch entwickelte Wertschöpfung des Inselstaats, der mit gut 36.000 Quadratkilometern etwa so groß ist wie Baden-Württemberg, hängt stark vom Export von Elektronikprodukten, Speicherchips, Halbleitern, Kfz-Teilen und Maschinenbauprodukten ab.

Mit Waren im Wert von gut 280 Milliarden US-Dollar führt die Republik mehr aus als die erdölexportierenden Vereinigten Arabischen Emirate und etwa ebenso viel wie Russland oder Spanien. Ganze 41 Prozent der Ausfuhren gehen dabei in die Volksrepublik China. Ein weiteres Fünftel der Ausfuhren geht in die Mitgliedsländer der Vereinigung Südostasiatischer Staaten, ASEAN. Wenn sich also die chinesische oder die Weltwirtschaft nur so verhalten entwickeln wie in den vergangenen Jahren, muss Taiwan froh sein, wenn sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie 2017 um 2,1 Prozent zulegt. Im laufenden Jahr erwarten Volkswirte einen Zuwachs von 2,2 Prozent. Um dieses Wachstum zu erwirtschaften, müssen sich die Ausfuhren des Inselstaates selbst erheblich dynamischer entwickeln.

So mussten Taiwans Ausfuhren 2017 um ganze 14 Prozent zulegen, um ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent zu erreichen. Der größte Teil der Exporte geht nach China, in die USA und Südkorea. Deutschland ist der siebtwichtigste Auslandsmarkt der Republik. Für deutsche Einkäufer ist Taiwan der fünftwichtigste Handelspartner in Asien – nach China, Japan, Südkorea und Indien.

Wirtschaftliche Fakten zur Beschaffung in Taiwan

Offizieller Name Zhōnghuá Mínguó (Táiwān) / Republik China (Taiwan)
Hauptstadt Taipeh
Amtssprache Mandarin
Bevölkerung 23,54 Millionen
Bruttoinlandsprodukt 2017 588,3 Mrd. US-Dollar
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
24.890 US-Dollar
Wirtschaftswachstum 2017/2018 2,1% /2,2%
Inflationsrate 2017 / 2018 1,0% / 1,4%
Importe 2016 230,9 Mrd. US-Dollar
Exporte 2016 280,5 Mrd. US-Dollar
Freihandelsabkommen Da die Volksrepublik China Taiwan international isoliert, konnte die Republik bislang nur mit den Ländern über Freihandelsabkommen verhandeln, die Taiwan als Staat anerkennen. Derzeit sind das 21 Nationen und der Vatikan. Davon haben El Salvador, Guatemala, Honduras, Neuseeland, Nicaragua und Paraguay Handelsabkommen mit Taiwan abgeschlossen. Interessanterweise gibt es außerdem ein Freihandelsabkommen mit der Volksrepublik China. Als separates Zollgebiet „Chinese Taipei“ ist Taiwan seit 2002 außerdem Mitglied der WTO.

Beschaffung in Taiwan: Die wichtigsten Ausfuhrgüter

Kein Land produziert mehr integrierte Schaltkreise als Taiwan. Ganze 70 Prozent der weltweit verkauften Schaltkreise kommen aus dem Inselstaat – vor allem aus den Werken der Taiwan Semiconductor Manufacturing Corporation (TSMC). Der Auftragsfertiger hatte Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner zufolge 2016 einen globalen Marktanteil von 55 Prozent. Bei Server-Motherboards beherrscht TSMC sogar 90 Prozent des Weltmarkts. Daneben zählen Unternehmen wie Everlight Electronics oder die Hon Hai Precision Industry Company – international unter dem Namen Foxconn bekannt – zu den fünf größten Anbieter von LCD-Monitoren. Insgesamt machen elektronische Bauteile wie PC-Hauptplatinen, Prozessoren, Sensoren, WLAN-Komponenten und Displays drei Viertel der Ausfuhren des Inselstaates aus. Auch deutsche Einkäufer geben in Taiwan mehr als jeden zweiten Euro für elektronische und elektrotechnische Produkte, Mess- und Regeltechnik aus.

Als größter Sektor der taiwanischen Wirtschaft prägt die Elektronik auch das Angebot in anderen Branchen. So verdienen die Maschinenbauer der Inselrepublik im Ausland nur mit Werkzeugmaschinen noch mehr als mit Ausrüstung für die Halbleiterindustrie. Auch die Kfz-Zulieferer des Landes wollen sich die Kompetenzen der taiwanischen Elektronikbranche künftig stärker zu Nutze machen und zum weltweit führenden Anbieter von Telematik- und Unterhaltungssystemen, Fahrzeugsensorik, Elektromotoren sowie Batterien aufsteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich 28 taiwanische Kfz-Zulieferer mit führenden Chipherstellern und Elektronikunternehmen 2017 zu einer Allianz zusammengeschlossen.

Derzeit stellen die Kfz-Zulieferer des Landes vor allem Beleuchtungssysteme für Fahrzeuge, Karrosserieteile und Räder her. Zudem stammen sechs von zehn auf dem After-Sales-Market verkauften Frontscheinwerfer sowie 85 Prozent der Stoßfänger und Seitenspiegel aus Taiwan. Dennoch ist nicht die Kfz- und Kfz-Zulieferbranche der zweitgrößte Wirtschaftszweig des Landes, sondern die chemische und petrochemische Industrie.

Deutsche Importe aus Taiwan 2016 8,57 Milliarden Euro
Deutsche Exporte nach Taiwan 2016 7,54 Milliarden Euro
Deutsche Einfuhren aus Taiwan nach Warengruppen
(in Prozent der gesamten Importe aus Taiwan)
· Elektronik (43,9%)
· Elektrotechnik (9,4%)
· Metallwaren (9,4%)
· Kfz und -teile (8%)
· Maschinen (7,4%)
· Sonstige (21,9%)

Einkauf in Taiwan: Die wichtigsten Rohstoffe

Taiwan besitzt keine nennenswerten Rohstoffvorkommen. Die Inselrepublik fördert lediglich kleinere Mengen Erdgas und Kohle.

Produktivität, Qualität und Kosten im Beschaffungsland Australien

Aus Sicht der Asian Development Bank gibt es in Asien keine Volkswirtschaft, deren Leistung mehr auf dem Wissen ihrer Arbeitnehmer basiert als diejenige Taiwans. Ganze drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts gibt das Land jedes Jahr für Forschung und Entwicklung (F&E) aus. Damit kann der Inselstaat bei den F&E-Ausgaben mit Deutschland, Japan, den USA und der Schweiz mithalten.

Die Ergebnisse dieser Anstrengungen setzen taiwanische Unternehmen mit Unterstützung ihrer Regierung konsequent in kommerzielle Produkte um. Taiwan ist jedoch nicht nur hochinnovativ und technologisch leistungsfähig. Die gut ausgebildeten Fachkräfte, die erstklassige Infrastruktur sowie die Rechtssicherheit in der Republik machen die Unternehmen des Landes auch sehr produktiv. Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums belegt Taiwan Platz 14 direkt nach Kanada und noch vor Österreich, Frankreich und Belgien.

Allerdings leidet die taiwanische Wirtschaft zunehmend darunter, dass sie nicht mehr genug Fachkräfte findet. Zum einen herrscht bei einer Arbeitslosenquote von knapp vier Prozent fast Vollbeschäftigung. Zum anderen wandert ein großer Teil der taiwanischen Arbeitnehmer in Städte wie Shanghai auf dem chinesischen Festland ab. Dort verdienen sie mit ihrem hohen Qualifikationsniveau mehr als in Taiwan. Ganze sieben von zehn jungen Taiwanern nehmen ein Studium auf. Allerdings ging seit dem Jahr 2000 mit dem Nachlassen des Produktivitätswachstums auf der Insel auch die Entwicklung der Löhne und Gehälter zurück. Inflationsbereinigt verdienen Taiwaner daher heute im Schnitt noch genauso viel wie vor 18 Jahren. Dies führt auch dazu, dass gerade junge Arbeitnehmer zu Beginn ihrer Berufstätigkeit häufig den Arbeitgeber wechseln, da sie in einer neuen Stelle in der Regel mehr verdienen.

Aufgaben, die geringere Qualifikationen erfordern, besetzen Unternehmen in Taiwan inzwischen mit Gastarbeitern aus Südostasien. Diese verdienen oft nur den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet knapp 3,70 Euro.

Durchschnittlicher Bruttomonatslohn in Industrie- und Dienstleistungsbranchen
1.351 Euro
Gesetzlicher Mindestlohn im Monat (brutto)
582 Euro
Analphabetenquote 1,3%
Verpflichtende Dauer des Schulbesuchs 12 Jahre
Anteil der Bevölkerung mit sekundärer Schulbildung k.A.
Anteil der Bevölkerung mit Universitätsabschluss
64,5%
Human Development Index k.A.
Global Competitiveness Index
Platz 14 von 138
Offizielle Arbeitslosenquote 2017 3,9%
Produktivitätswachstum (2016)
2%

Beschaffung in Taiwan: Infrastruktur und Logistik

Im jüngsten Logistics Performance Index der Weltbank ist Taiwan um sechs Plätze auf Rang 25 von 160 zurückgefallen. Allerdings nicht, weil die Transportinfrastruktur des Landes schlecht wäre, sondern weil auf dem taiwanischen Logistikmarkt so gut wie kein Wettbewerb herrscht. Lediglich vier Unternehmen haben eine Lizenz für den Transport von Containern.

In Sachen Pünktlichkeit hat sich das Land dagegen sogar verbessert. Noch besser werden soll in den kommenden Jahren auch die Transport- und Kommunikationsinfrastruktur der Insel. Immerhin 28,5 Milliarden US-Dollar will die taiwanische Regierung bis 2025 unter anderem in den Ausbau des Schienennetzes sowie der Digitalinfrastruktur investieren. Am Flughafen der Hauptstadt Taipeh entsteht bis 2030 zudem ein drittes Terminal sowie eine dritte Start- und Landebahn. Der Airport verfügt außerdem jetzt schon über vier Frachtterminals mit einer Verladekapazität von 2,9 Millionen Tonnen. Mit einem Umschlag von 2,1 Millionen Tonnen war Taipeh 2016 der elftgrößte Cargoflughafen der Welt.

Die wichtigsten Seehäfen der Republik in Kaohsiung, Taichung und Taipeh können da nicht mithalten. Ebenso wenig das nur knapp 1000 Kilometer lange Autobahnnetz der Insel. Das 1597 Kilometer umfassende Schienennetz dient überwiegend dem Personenverkehr.

Wichtigste Seehäfen Kaohsiung, Taichung, Taipeh
Wichtigste Flughäfen Taipeh, Kaohsiung, Taichung
Autobahnnetz 989 Kilometer
Eisenbahnnetz 1.597 Kilometer

Risiken bei der Beschaffung in Taiwan

Taiwan liegt in direkter Nähe des Pazifischen Feuerrings. Da wenige Hundert Kilometer östlich des Inselstaates die philippinische gegen die eurasische Erdplatte drückt, registrieren taiwanische Erdbebenwarten durchschnittlich mehrere Tausend Erdbeben im Jahr. Allerdings sind davon nur fünf bis sechs auf der Insel selbst wahrnehmbar. Diese Beben allerdings haben wie zuletzt im Februar 2018 verheerende Auswirkungen. Die Insel liegt zudem in der Zugbahn zahlreicher Taifune. Diese verursachen regelmäßig Überschwemmungen und Erdrutsche.

Ein besonderes Risiko Taiwans ist außerdem die extreme Abhängigkeit seiner Wirtschaft von China, der Weltkonjunktur sowie von Apple. Das größte Unternehmen der Insel, Foxconn, – baut als Auftragsfertiger iPhones und iPads zusammen. Deshalb beeinflusst die Geschäftsentwicklung von Apple 30 Prozent der Marktkapitalisierung der Börse in Taipeh. Schwächeln die Amerikaner bricht die taiwanische Wirtschaftsleistung ebenso ein, wie wenn das Wachstum in der Volksrepublik China nachlässt.

Quellen:gtai, Auswärtiges Amt, WEF