Produktion des BMW 4er Gran Coupé im Münchner Werk.(Bild: BMW Group)
Familienbetriebe sind hoch angesehen und nicht immer Mittelstand. Das sind die größten aus Deutschland - aus Industrie, Handel und Dienstleistung.
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Wie wichtig Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft sind, zeigen aktuelle Zahlen der Stiftung Familienunternehmen:
Rund 88 % aller Unternehmen hierzulande sind Familienunternehmen.
Familienunternehmen beschäftigen rund 18,3 Mio. Menschen, das sind 52 % der Beschäftigten in Deutschland.
Familienunternehmen bilden fast 60 % der Azubis aus.
Familienunternehmen kommen auf einen Umsatz von 3,487 Mrd. Euro, das sind 41 % des gesamten Unternehmensumsatzes in Deutschland.
Doch wer sind diese Familienunternehmen? Die Antwort darauf geben die Universität St. Gallen und die Unternehmensberatung EY mit ihrem Global Family Business Index 2024. Dieser listet die 500 größten Familienunternehmen der Welt. Wir haben die deutschen Familienunternehmen herausgepickt. In unserer Bilderstrecke finden Sie die 20 größten:
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Ranking 2024: Deutschlands größte Familienunternehmen
Platz 20: MaxingvestDie Maxingvest GmbH & Co. KGaA ist eine deutsche Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Hamburg. Sie führt die operativ selbstständig tätigen Konzerne Tchibo und Beiersdorf AG. Daneben hält Maxingvest überwiegend vermögensverwaltende Tochtergesellschaften. 2024 kommt das Unternehmen auf 13,98 Milliarden US-Dollar und erreicht damit die Top 20 unter den größten deutschen Familienunternehmen. Der Unternehmensname verweist auf das Gründerpaar Max und Ingeburg Herz. Das Unternehmen befindet sich auch heute noch im Eigentum der Familie Herz.(Bild: Beiersdorf)
Platz 19: RossmannDie Drogeriekette Rossmann, 1972 gegründet von Dirk Rossmann, hat ihren Sitz in Burgwedel bei Hannover. Das Unternehmen ist nur noch zu 60 Prozent in Familienbesitz. Gesellschafter sind Gründer Dirk Rossmann, sowie Daniel und Raoul Rossmann. 40 Prozent hält die A.S. Watson Group, die einem Unternehmen der chinesischen Holding CK Hutichison sowie der staatlichen Temasek Holding aus Singapur gehört. 2024 kam Rossmann auf einen Umsatz von 15,17 Milliarden US-Dollar.(Bild: Rossmann)
Platz 19: RossmannDie Drogeriekette Rossmann, 1972 gegründet von Dirk Rossmann, hat ihren Sitz in Burgwedel bei Hannover. Das Unternehmen ist nur noch zu 60 Prozent in Familienbesitz. Gesellschafter sind Gründer Dirk Rossmann, sowie Daniel und Raoul Rossmann. 40 Prozent hält die A.S. Watson Group, die einem Unternehmen der chinesischen Holding CK Hutichison sowie der staatlichen Temasek Holding aus Singapur gehört.(Bild: Rossmann)
Platz 18: Marquard & BahlsVon Platz 20 auf den 18. Rang klettert das Familienunternehmen Marquard & Bahls, eine Holding-Gesellschaft im Energie- und Chemiesektor. Seinen Sitz hat der Konzern in Hamburg. 2024 erwirtschaftete Marquard & Bahls 15,23 Milliarden US-Dollar. Gegründet wurde das Unternehmen 1947 von Theodor Weisser, der den Firmenmantel Marquard & Bahls erwarb, eine damalige Getreidefirma. Den Umweg über den Kauf musste Weisser gehen, da in der britischen Besatzungszone Neugründungen im Energiesektor verboten waren. Weisser machte aus dem Getreidehandel ein Unternehmen für Heizöl und Schmierstoffe. Später folgten auch Tanklager. Ab den 2010er-Jahren kamen zunehmend Beteiligungen aus der Chemie und erneuerbaren Energien hinzu.(Bild: Stefan Bischoff - Wikimedia Commons)
Platz 17: OttoDie Otto Gruppe ist ein Versandhandelsunternehmen, das seinen Hauptumsatz online und im Einzelhandel erwirtschaftet. Früher war das Unternehmen bekannt durch seinen Otto-Katalog und stark im Versandhandel vertreten. Davon ist heute viel auf Online gewechselt. Vor allem Konsumartikel und Mode verkauft Otto über Plattformen wie Otto.de oder MyToys.de. 2024 kamen 16,38 Milliarden US-Dollar zusammen, ein Minus im Vergleich zu den 18,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahr, was für den 17. Rang unter den größten deutschen Familienunternehmen reicht.(Bild: GeorgHH - Wikimedia Commons)
Platz 16: dm-drogerie marktDM ist die größte deutsche Drogeriemarktkette und eines der größten Familienunternehmen in Deutschland. 2024 schaffte DM einen Umsatz von 17 Milliarden US-Dollar (2023: 13,9 Milliarden US-Dollar). Von Platz 17 geht es damit hoch auf den 16. Rang. Seinen Sitz hat das Unternehmen in Karlsruhe. DM beschäftigt rund 80.000 Mitarbeiter. Gründer Götz Werner machte immer wieder Schlagzeilen mit flachen Hierarchien und einem Fokus auf ein gutes Arbeitsklima. 2022 verstarb der Gründer, die Unternehmensanteile wurden in eine Stiftung überführt.(Bild: Rolf Kickuth - Wikimedia Commons)
Platz 15: DKV MobilityDer B2B-Mobilitätsdienstleister wurde 1934 in Duisburg als Deutsche Kraftverkehr GmbH gegündet. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz im nahegelegenen Ratingen und bietet Tank- und Service-Karten mit Zugang zu 87.000 Tankstellen (herkömmliche und alternative Kraftstoffe) sowie 687.000 Ladepunkte für E-Autos an. 2024 kamen damit rund 18,56 Milliarden US-Dollar (2023: 13,6 Milliarden US-Dollar) zusammen. Das Unternehmen ist zu 80 Prozent in Familienhand (3. Generation Familie Fischer). Von Platz 18 geht es hoch auf den 15. Rang.(Bild: DKV Mobility)
Platz 14: BertelsmannDer Medienkonzern Bertelsmann landet mit einem Umsatz von 21,81 Milliarden US-Dollar (2023: 21,1 Milliarden US-Dollar) auf dem 14. Rang unter Deutschlands Familienunternehmen. Damit geht es zwei Plätze nach unten. Besitzer ist zu 100 Prozent die Familie Mohn. Zu Bertelsmann gehören unter anderem die TV-Gruppe RTL, der Musikverlag BMG, der Buchverlag Penguin Random House und der Logistiker und Supply-Chain-Experte Arvato.(Bild: Berlesmann/krinke-fotografie)
Platz 13: Adolf WürthDas Familienunternehmen wurde im Juli 1945 von Adolf Würth in Künzelsau gegründet. Das Unternehmen produziert und handelt mit Befestigungs- und Montagetechnik. Mit den mehr als 83.000 Mitarbeitern erwirtschaftete es 2024 rund 22,27 Milliarden US-Dollar . Würth kann seinen 13. Rang halten. 2023 betrug der Umsatz 20,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz der Familie Würth. Zu den Tochterunternehmen zählen unter anderem Hahn+Kolb, Liqui Moly und Sartorius Werkzeuge.(Bild: Würth)
Platz 12: Merck KGaADie Merck KGaA ist ein deutsches Pharmaunternehmen und hat ihren Sitz in Darmstadt. Das Familienunternehmen ist nicht zu verwechseln mit dem US-Konzern Merck & Co. Beide gehen zwar auf dieselbe Gründerfamilie Merck zurück, nahmen aber seit Ende des ersten Weltkriegs unterschiedliche Wege. Der US-Ableger wurde enteignet und zu Merck & Co. Dadurch verlor die deutsche Merck auch die Namensrechte in den USA und firmiert mit seinen Tochterfirmen dort unter EMD (Emanuel Merck Darmstadt). Im Gegenzug muss die US-Firma außerhalb ihres Heimatmarktes unter Merck Sharp & Dohme (MSD) firmieren. Merck KGaA schafft es mit einem 2024er-Umsatz von 22,7 Milliarden US-Dollar (2023: 23,3 Milliarden US-Dollar) auf den 12. Rang, und verliert damit einen Platz im Vergleich zum Vorjahr.(Bild: Merck KGaA)
Platz 11: HenkelHenkel ist das eines der größten Familienunternehmen in Deutschland. Es hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und kam 2024 auf einen Umsatz von 23,26 Milliarden US-Dollar (2023: 23,7 Milliarden US-Dollar). Henkel bearbeitet zwei Geschäftsfelder: zum einen Konsumgüter mit Marken wie Persil, Perwoll, Somat, Bref, Schwarzkopf oder Taft. Zum anderen ist es als Klebstoffhersteller bekannt mit Marken wie Pritt, Pattex oder Ceresit. Henkel wurde 1876 von Friedrich Karl Henkel gegründet als Waschmittelfabrik – damals noch in Aachen.(Bild: Henkel)
Platz 10: RethmannAuf den 10. Rang unter den größten deutschen Familienunternehmen klettert Rethmann mit 24,75 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2024. In 2023 waren es noch 15,7 Milliarden US-Dollar und Platz 15. Die Gruppe selbst ist nur eine Obergesellschaft, unter deren Dach die Unternehmensgruppen Rhenus (Logistik), Remondis (Entsorgung) und Saria (Verarbeitung von tierischen Nebenprodukten und Reststoffen) agieren. Gegründet wurde Rethmann 1934 von Josef Rethmann. Mittlerweile gehört das 100-prozentige Familienunternehmen zu gleichen Teilen den vier Söhnen des Gründers.(Bild: Bjoern Wylezich - stock.adobe.com)
Platz 9: Boehringer Sohn AG & Co KGDas Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim wurde 1885 von Albert Boehringer in Ingelheim gegründet. Dort hat es auch heute noch seinen Sitz. Das Familienunternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz der Familie Boehringer, mittlerweile ist es die Urenkelgeneration. 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 27,96 Milliarden US-Dollar (2023: 24,4 Milliarden US-Dollar), das reicht noch für die Top 10.(Bild: Boehringer Ingelheim)
Platz 8: Heraeus HoldingHeraeus ist ein deutscher Technologiekonzern mit Sitz im hessischen Hanau. Seine Ursprünge hat das Unternehmen durch die Gründung einer Apotheke und als Zulieferer von Edelmetallen wie Gold und später als Verarbeiter von Platin und Schmuckproduzent. Forschung und viele Patente – wie das für Quarzglas als Grundlage von Lasern und Mikrochips sowie der Höhensonne – sorgten dafür, dass das Unternehmen sich in Richtung Hochtechnologie entwickelte. Im Zuge der Internationalisierung wurde 1985 die Holding gegründet. Standbeine sind unter anderem die Herstellung und Verarbeitung von Edelmetallen sowie Quarzglas für die Halbleiterindustrie, die Produktion von Komponenten für die Medizintechnik, sowie die Herstellung von Speziallichtquellen für die Industrie. 28 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2024 bringen Heraeus auf den achten Platz der größten Familienunternehmen Deutschlands. Die Mitarbeiterzahl gibt die Holding mit 16.200 an. 33,3 Milliarden US-Dollar waren es im Vorjahr.(Bild: Heraeus)
Platz 7: Phoenix PharmaDer Pharmagroßhändler und Apothekenbetreiber sitzt in Mannheim und gehört zur Merckle Unternehmensgruppe. In den 1990er-Jahren entstand Phoenix Pharma aus dem Zusammenschluss von regionalen Pharmagroßhändlern, die Adolf Merkle aufkaufte. Außer in Deutschland ist Phoenix Pharma im europäischen Ausland erfolgreich. 51,38 Milliarden US-Dollar (2023: 37,4 Milliarden US-Dollar) bringen das Unternehmen 2024 auf den siebten Platz und damit zwei weniger als im Vorjahr. Die Mitarbeiterzahl liegt bei etwa 48.000. Phoenix Pharma ist zu 100 Prozent im Besitz von Adolf Merkle.(Bild: stock.adobe.com)
Platz 6: Ina Holding SchaefflerVon Platz 4 geht es runter auf den 6. Rang für Schaeffler. Das Unternehmen hat sich vor allem als Automobilzulieferer einen Namen gemacht, ist aber auch für den Maschinenbau tätig. Unter den Marken LuK, INA und FAG bietet das Unternehmen Kupplungssysteme, Motoren und Getriebe an. Die Elektromobilität wirbelt die Herzogenauracher also ordentlich durcheinander. Eine Tochtergesellschaft ist Continental. Die Unternehmensgruppe wird von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn geführt. 2024 kamen laut der Studie rund 65,67 Milliarden US-Dollar Umsatz zusammen (2023: 58,8 Milliarden US-Dollar). Die Zahl der Mitarbeitenden wird mit rund 305.000 angegeben.(Bild: Schaeffler / Dominik Obertreis)
Platz 5: Aldi Süd GruppeAldi steht für Albrecht Diskont und die Aldi-Gruppe aus zwei unverbundenen Lebensmittelketten: Aldi Nord und Aldi Süd. Diese sind noch einmal eingeteilt in Regionalgesellschaften. Aktiv ist Aldi in Deutschland und der EU. Die Länder wurden untereinander aufgeteilt. So gehören Italien, Schweiz, Österreich, Großbritannien und Ungarn zu Aldi Süd. Polen, Frankreich, Benelux und Spanien werden von Aldi Nord versorgt. Aldi Süd ist außerdem in Australien und China unterwegs. Bis ins Jahr 2000 veröffentlichen die Gebrüder Albrecht keine Finanzzahlen. Mittlerweile werden sie im Bundesanzeiger veröffentlicht. 2023 kam die Aldi-Gruppe auf 32 Milliarden Euro und damit auf den achten Platz unter Deutschlands größten Familienunternehmen. Die Mitarbeiterzahl soll rund 25.000 betragen.(Bild: Aldi Süd)
Platz 4: Robert BoschDie Robert Bosch GmbH wurde 1886 von Robert Bosch gegründet. Seinen Sitz hat sie in Stuttgart, die Hauptverwaltung sitzt im nahe gelegenen Gerlingen. Bosch ist unter anderem als Automobilzulieferer bekannt, stellt aber auch Industrietechnik her sowie Werkzeuge und Haushaltsgeräte. Rund 429.000 Mitarbeiter sind für Bosch tätig. Es ist immer noch zu 100 Prozent im Familienbesitz über ein Konstrukt mit der Robert Bosch Stiftung (92 Prozent, aber ohne Stimmrecht) , der Robert Bosch Industrietreuhand KG (0,01 Prozent, aber 93 Prozent Stimmrecht) und der Familie Bosch (8 Prozent und 7 Prozent Stimmrecht). 2024 betrug der Umsatz 99,99 Milliarden US-Dollar, trotzdem geht es für die Schwaben einen Platz nach unten.(Bild: Bosch Rexroth)
Platz 3: BMWDie Bayerischen Motorenwerke in München zählen mit einem Anteil von 47 Prozent auch noch zu den Familienunternehmen. Die Automarke ist weltweit bekannt. 168,12 Milliarden US-Dollar (2023: 131,6 Milliarden US-Dollar) Umsatz reichen 2024 für den dritten Platz im Ranking der größten Familienunternehmen Deutschlands. Weltweit ist der Autobauer das sechstgrößte Familienunternehmen.(Bild: BMW)
Platz 2: Schwarz GruppeDie Schwarz-Gruppe ist ein deutscher Konzern mit Sitz in Neckarsulm. 100-prozentiger Besitzer ist Dieter Schwarz. Nach Unternehmensangaben arbeiten weltweit 575.000 Mitarbeiter für die Schwarz-Gruppe. Marken in der Lebensmittelsparte sind unter anderem Lidl und Kaufland. Mit Pre Zero ist auch ein Umweltdienstleister Teil des Familienkonzerns. Im Geschäftsjahr 2024 kommt die Schwarz-Gruppe auf einen Umsatz von 179,09 Milliarden US-Dollar (2023: 151,5 Milliarden US-Dollar). Weltweit ist das Unternehmen das viertgrößte Familienunternehmen.(Bild: Solarisys - stock.adobe.com)
Platz 1: Volkswagen GroupMit einem Familienanteil von 50 Prozent kommt VW ins Familienunternehmen-Ranking. Die Familien Porsche und Piech sind die Teilhaber. 2024 kommt die Volkswagen-Gruppe auf einen Umsatz von 356,71 US-Dollar. Seinen Sitz hat der Konzern in Wolfsburg. Die Zahl der Mitarbeitenden gibt das Unternehmen mit rund 684.000 an.(Bild: Volkswagen AG)
Besonders hoch ist der Anteil der Familienunternehmen im Baugewerbe und im Handelssektor (96 % und 92 %). Den geringsten Teil findet man dagegen in den Wirtschaftszweigen Bergbau, Energie- und Wasserversorgung und Entsorgung (67 %).
Die quantitative Bedeutung von Familienunternehmen ist höher in den östlichen Bundesländern, ihr höchster Anteil findet sich in Thüringen mit 92 %, es folgen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mit jeweils 90 %. Die Stadtstaaten Berlin (82 %), Bremen (81 %) und Hamburg (78 %) weisen etwas niedrigere Werte im Familienunternehmensanteil auf.
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Die Literatur kennt keine einheitliche Definition des Begriffs Familienunternehmen. Häufig werden sie mit mittelständischen Unternehmen oder kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gleichgesetzt. Zwar gibt es große Überschneidungen in diesen Gruppen, aber auch klare Unterschiede. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gehören nur dann zu dieser Gruppe, wenn sie einen gewissen Umsatz oder eine bestimmte Anzahl an Beschäftigten nicht überschreiten. Diese Kriterien spielen für die Einordnung als Familienunternehmen keine Rolle.
Die Stiftung Familienunternehmen nennt vier Kriterien, die ein Familienunternehmen ausmachen:
Es gibt eine oder mehrere Familien, die die die Mehrheit an den Stimmrechten und/oder am Kapital besitzen.
Eine oder mehrere Familien üben einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen aus (z.B. durch eine Führungstätigkeit im Unternehmen und/oder Entscheidungs- und Kontrollrechte in Gremien.
In einem Familienunternehmen werden bestimmte Werte gelebt; es herrscht eine bestimmte Unternehmenskultur, die von der/den Familie(n) geprägt wird.
Es besteht ein Fortführungswille, das Unternehmen soll also an die nächste Generation in der/den Familie(n) weitergegeben werden
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Familienkontrolliertes vs. eigentümergeführtes Familienunternehmen
Ein Unternehmen gilt als familienkontrolliert, wenn es sich mehrheitlich
im Eigentum einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen befindet.
Somit wird es von einer überschaubaren Anzahl von Personen kontrolliert. Bei Einzelunternehmen wird stets von Kontrolle durch den Inhaber ausgegangen.
Gesellschaften bürgerlichen Rechts sowie Personengesellschaften zählen zu den familienkontrollierten Unternehmen,
sofern sie höchstens sechs Gesellschafter aufweisen. Einzelunternehmen mit mehr als
einem Beteiligten werden wie Personengesellschaften behandelt.
Für alle anderen Unternehmen (Kapitalgesellschaften und GmbH und Co. KGs) wird als
Grenze festgelegt, dass maximal drei natürliche Personen mindestens 50 % am stimmberechtigten Kapital des Unternehmens beziehungsweise der Komplementär-Gesellschaft
halten müssen, um das Unternehmen auch kontrollieren zu können. Dieses Kriterium
wird als Kontrollregel bezeichnet.
Eigentümergeführte Familienunternehmen sind Unternehmen, die sich mehrheitlich
im Eigentum einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen befinden
(und somit die Kontrollregel erfüllen) und in denen wenigstens einer der Eigentümer
auch die Leitung des Unternehmens innehat. Sie sind damit eine Untergruppe der
familienkontrollierten Unternehmen. Bei Einzelunternehmen wird stets davon ausgegangen, dass der Inhaber auch die
Leitung innehat, sofern nicht explizit ein Geschäftsführer genannt wird.
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Bei Personengesellschaften wird die Einheit von Eigentum und Leitung angenommen, wenn das
Unternehmen nicht mehr als drei persönlich haftende Gesellschafter besitzt. Auch hier
gilt, dass Einzelunternehmen, die mehr als einen Beteiligten aufweisen, wie Personengesellschaften behandelt werden.
Die GmbH und Co. KG als Sonderform einer Personengesellschaft wird ähnlich wie
die Kapitalgesellschaften behandelt. Bei diesen wird von der Einheit von Eigentum
und Leitung ausgegangen, wenn der Geschäftsführer des Unternehmens auch ein
Gesellschafter des Unternehmens ist, was im Weiteren auch als Geschäftsführer-Gesellschafter-Identität bezeichnet wird. Die GmbH und Co. KG wird als eigentümergeführtes
Familienunternehmen eingestuft, wenn für ihre Komplementär-Gesellschaft neben der
Kontrollregel auch die Geschäftsführer-Gesellschafter-Identität gilt
Die größten deutschen Familienunternehmen - Plätze 21 bis 40 im Ranking.(Bild: TECHNIK+EINKAUF mit Daten von EY/Universität St. Gallen)
Familienunternehmen in Deutschland: Mitarbeitende und Umsatz
Die Studie "Volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen" von ZEW und der Stiftung Familienunternehmen gibt einen Überblick über die Unternehmensstruktur in Deutschland und über besondere Merkmale von Familienunternehmen im
Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen.
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Der private Wirtschaftssektor wird von Familienunternehmen bestimmt, fast 90 % der Unternehmen sind Familienunternehmen, davon sind 88 % familienkontrolliert und 86 % der privatwirtschaftlichen Unternehmen sind
eigentümergeführte Familienunternehmen. Familienkontrollierte Unternehmen sind im Durchschnitt kleine Unternehmen mit weniger
als zehn Beschäftigten, ihnen sind aber 58 % der in der Privatwirtschaft Beschäftigten und
46 % des dort erwirtschafteten Umsatzes zuzurechnen.
Familienunternehmen beschäftigen insgesamt 18,3 Mio. Menschen in Deutschland. Jene mit weniger als 50 Beschäftigten stellen zusammen sogar mehr
Arbeitsplätze als große Nicht-Familienunternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten
(nämlich 10,5 Mio. vs. 7,9 Mio. Beschäftigte).
Es wundert daher nicht, dass 85 % aller Personengesellschaften und 78 % aller Kapitalgesellschaften Familienunternehmen sind. Unter den Aktiengesellschaften liegt ihr Anteil bei nur 15 %.
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Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 41 bis 60.(Bild: TECHNIK+EINKAUF mit Daten von EY/Universität St. Gallen)
Wie hat sich der Bestand an Familienunternehmen entwickelt?
Der Anteil eigentümergeführter Familienunternehmen an allen Unternehmen in Deutschland ist zwischen 2019 und 2023 leicht von 87 % auf 85 % zurückgegangen.
Starke Rückgänge sieht man im verarbeitenden Gewerbe, bei unternehmensnahen Dienstleistern und im Wirtschaftszweig Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung. Der Unternehmensbestand unter den großen eigentümergeführten Familienunternehmen ist zwischen 2019 und 2023 jedoch weniger stark zurückgegangen als in den kleineren
Größenklassen.
Mittlerweile wird in Deutschland so wenig gegründet wie noch nie: Insbesondere die Zahlen im verarbeitenden Gewerbe sind deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig ist im Jahr 2023 die Anzahl der Unternehmensschließungen in Relation zum Unternehmensbestand des Vorjahres (Schließungsquote) für Familienunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten zwar höher als für andere Unternehmen dieser Größenklasse.
Seit dem Jahr 2002 steigt der Anteil eigentümergeführter Familienunternehmen, die
vermutlich aus Altersgründen geschlossen wurden. Dabei sollte bedacht werden, dass ein
Großteil dieser Schließungen in Unternehmen ohne Mitarbeiter erfolgte oder in kleinen
Unternehmen. Womöglich war eine Fortführung des Unternehmens gar nicht vom Eigentümer vorgesehen.
Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 61 bis 72.(Bild: TECHNIK+EINKAUF mit Daten von EY/Universität St. Gallen)
(Bild: mi connect)
Die Autorin: Dörte Neitzel
Dörte Neitzel ist Wissens- und Infografik-Junkie vom Dienst. Dinge und Zusammenhänge zu erklären ist ihr Ding, daher beschreibt sie sich selbst auch gern als Erklärbärin mit Hang zur Wirtschaft – was einem lange zurückliegenden VWL-Studium geschuldet ist. Nach einigen Stationen im Fachjournalismus lebt sie dieses Faible bevorzugt auf der Webseite der TECHNIK+EINKAUF aus und taucht besonders gern ab in die Themen Rohstoffe und erneuerbare Energien.
Privat ist Südfrankreich für sie zur zweiten Heimat geworden, alternativ ist sie in der heimischen Werkstatt beim Schleifen, Ölen und Malern alter Möbel zu finden oder in südbayerischen Berg-und-See-Gefilden mit Hund im Gepäck unterwegs.
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Sie gelten als besonders widerstandsfähig und
wachstumsstark, was sich im globalen Vergleich der 500 größten
Familienunternehmen widerspiegelt. Der Index zeigt, dass Familienunternehmen
weltweit – darunter viele deutsche – langfristig orientiert agieren und stabile
Wertschöpfung erzielen.
Wie entwickeln sich Familienunternehmen im Hinblick auf
Wachstum und Marktaktivität?
Die größten Familienunternehmen verzeichneten 2024 ein
Umsatzwachstum von rund 10 Prozent
gegenüber 2023. Zudem waren fast die Hälfte der gelisteten Unternehmen in den letzten zwei Jahren an
M&A‑Transaktionen beteiligt, was ihre strategische Anpassungsfähigkeit unterstreicht.
Welche Rolle spielen Familienunternehmen für
Beschäftigung weltweit?
Die im Global Family Index erfassten Unternehmen
beschäftigen über 25 Millionen
Menschen in 44 Ländern. Damit leisten sie einen bedeutenden Beitrag zu stabilen
globalen Arbeitsmärkten und langfristiger Beschäftigungssicherheit.
Welche Herausforderungen und Chancen zeigt der Index für
Familienunternehmen auf?
Der Bericht macht deutlich, dass Familienunternehmen trotz
globaler Unsicherheiten weiterhin stark performen und sich durch hohe Resilienz
auszeichnen. Gleichzeitig erfordert der zunehmende Wettbewerbsdruck
kontinuierliche Innovation und strategische Weiterentwicklung.