Ranking 2024

Die größten Familienunternehmen in Deutschland

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Produktion des BMW 4er Gran Coupé im Münchner Werk.
Produktion des BMW 4er Gran Coupé im Münchner Werk.

Familienbetriebe sind hoch angesehen und nicht immer Mittelstand. Das sind die größten aus Deutschland - aus Industrie, Handel und Dienstleistung.

Wie wichtig Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft sind, zeigen aktuelle Zahlen der Stiftung Familienunternehmen:

  •  Rund 88 % aller Unternehmen hierzulande sind Familienunternehmen. 
  • Familienunternehmen beschäftigen rund 18,3 Mio. Menschen, das sind 52 % der Beschäftigten in Deutschland.
  •  Familienunternehmen bilden fast 60 % der Azubis aus. 
  • Familienunternehmen kommen auf einen Umsatz von 3,487 Mrd. Euro, das sind 41 % des gesamten Unternehmensumsatzes in Deutschland.
  • Doch wer sind diese Familienunternehmen? Die Antwort darauf geben die Universität St. Gallen und die Unternehmensberatung EY mit ihrem Global Family Business Index 2024. Dieser listet die 500 größten Familienunternehmen der Welt. Wir haben die deutschen Familienunternehmen herausgepickt. In unserer Bilderstrecke finden Sie die 20 größten:

Ranking 2024: Deutschlands größte Familienunternehmen

Besonders hoch ist der Anteil der Familienunternehmen im Baugewerbe und im Handelssektor (96 % und 92 %). Den geringsten Teil findet man dagegen in den Wirtschaftszweigen Bergbau, Energie- und Wasserversorgung und Entsorgung (67 %). 

Die quantitative Bedeutung von Familienunternehmen ist höher in den östlichen Bundesländern, ihr höchster Anteil findet sich in Thüringen mit 92 %, es folgen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mit jeweils 90 %. Die Stadtstaaten Berlin (82 %), Bremen (81 %) und Hamburg (78 %) weisen etwas niedrigere Werte im Familienunternehmensanteil auf. 

Die Literatur kennt keine einheitliche Definition des Begriffs Familienunternehmen. Häufig werden sie mit mittelständischen Unternehmen oder kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gleichgesetzt. Zwar gibt es große Überschneidungen in diesen Gruppen, aber auch klare Unterschiede. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gehören nur dann zu dieser Gruppe, wenn sie einen gewissen Umsatz oder eine bestimmte Anzahl an Beschäftigten nicht überschreiten. Diese Kriterien spielen für die Einordnung als Familienunternehmen keine Rolle.

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Die Stiftung Familienunternehmen nennt vier Kriterien, die ein Familienunternehmen ausmachen:

  1. Es gibt eine oder mehrere Familien, die die die Mehrheit an den Stimmrechten und/oder am Kapital besitzen.
  2. Eine oder mehrere Familien üben einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen aus (z.B. durch eine Führungstätigkeit im Unternehmen und/oder Entscheidungs- und Kontrollrechte in Gremien.
  3. In einem Familienunternehmen werden bestimmte Werte gelebt; es herrscht eine bestimmte Unternehmenskultur, die von der/den Familie(n) geprägt wird.
  4. Es besteht ein Fortführungswille, das Unternehmen soll also an die nächste Generation in der/den Familie(n) weitergegeben werden

Familienkontrolliertes vs. eigentümergeführtes Familienunternehmen

Ein Unternehmen gilt als familienkontrolliert, wenn es sich mehrheitlich im Eigentum einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen befindet. Somit wird es von einer überschaubaren Anzahl von Personen kontrolliert. Bei Einzelunternehmen wird stets von Kontrolle durch den Inhaber ausgegangen. Gesellschaften bürgerlichen Rechts sowie Personengesellschaften zählen zu den familienkontrollierten Unternehmen, sofern sie höchstens sechs Gesellschafter aufweisen. Einzelunternehmen mit mehr als einem Beteiligten werden wie Personengesellschaften behandelt.

 Für alle anderen Unternehmen (Kapitalgesellschaften und GmbH und Co. KGs) wird als Grenze festgelegt, dass maximal drei natürliche Personen mindestens 50 % am stimmberechtigten Kapital des Unternehmens beziehungsweise der Komplementär-Gesellschaft halten müssen, um das Unternehmen auch kontrollieren zu können. Dieses Kriterium wird als Kontrollregel bezeichnet. 

Eigentümergeführte Familienunternehmen sind Unternehmen, die sich mehrheitlich im Eigentum einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Einzelpersonen befinden (und somit die Kontrollregel erfüllen) und in denen wenigstens einer der Eigentümer auch die Leitung des Unternehmens innehat. Sie sind damit eine Untergruppe der familienkontrollierten Unternehmen. Bei Einzelunternehmen wird stets davon ausgegangen, dass der Inhaber auch die Leitung innehat, sofern nicht explizit ein Geschäftsführer genannt wird.

Bei Personengesellschaften wird die Einheit von Eigentum und Leitung angenommen, wenn das Unternehmen nicht mehr als drei persönlich haftende Gesellschafter besitzt. Auch hier gilt, dass Einzelunternehmen, die mehr als einen Beteiligten aufweisen, wie Personengesellschaften behandelt werden. Die GmbH und Co. KG als Sonderform einer Personengesellschaft wird ähnlich wie die Kapitalgesellschaften behandelt. Bei diesen wird von der Einheit von Eigentum und Leitung ausgegangen, wenn der Geschäftsführer des Unternehmens auch ein Gesellschafter des Unternehmens ist, was im Weiteren auch als Geschäftsführer-Gesellschafter-Identität bezeichnet wird. Die GmbH und Co. KG wird als eigentümergeführtes Familienunternehmen eingestuft, wenn für ihre Komplementär-Gesellschaft neben der Kontrollregel auch die Geschäftsführer-Gesellschafter-Identität gilt

Die größten deutschen Familienunternehmen - Plätze 21 bis 40 im Ranking.
Die größten deutschen Familienunternehmen - Plätze 21 bis 40 im Ranking.

Familienunternehmen in Deutschland: Mitarbeitende und Umsatz

 Die Studie "Volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen" von ZEW und der Stiftung Familienunternehmen gibt einen Überblick über die Unternehmensstruktur in Deutschland und über besondere Merkmale von Familienunternehmen im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen. 

Der private Wirtschaftssektor wird von Familienunternehmen bestimmt, fast 90 % der Unternehmen sind Familienunternehmen, davon sind 88 % familienkontrolliert und 86 % der privatwirtschaftlichen Unternehmen sind eigentümergeführte Familienunternehmen. Familienkontrollierte Unternehmen sind im Durchschnitt kleine Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, ihnen sind aber 58 % der in der Privatwirtschaft Beschäftigten und 46 % des dort erwirtschafteten Umsatzes zuzurechnen.

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Familienunternehmen beschäftigen insgesamt 18,3 Mio. Menschen in Deutschland. Jene mit weniger als 50 Beschäftigten stellen zusammen sogar mehr Arbeitsplätze als große Nicht-Familienunternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten (nämlich 10,5 Mio. vs. 7,9 Mio. Beschäftigte). 

Es wundert daher nicht, dass 85 % aller Personengesellschaften und 78 % aller Kapitalgesellschaften Familienunternehmen sind. Unter den Aktiengesellschaften liegt ihr Anteil bei nur 15 %. 

Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 41 bis 60.
Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 41 bis 60.

Wie hat sich der Bestand an Familienunternehmen entwickelt?

Der Anteil eigentümergeführter Familienunternehmen an allen Unternehmen in Deutschland ist zwischen 2019 und 2023 leicht von 87 % auf 85 % zurückgegangen. Starke Rückgänge sieht man im verarbeitenden Gewerbe, bei unternehmensnahen Dienstleistern und im Wirtschaftszweig Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung. Der Unternehmensbestand unter den großen eigentümergeführten Familienunternehmen ist zwischen 2019 und 2023 jedoch weniger stark zurückgegangen als in den kleineren Größenklassen. „

Mittlerweile wird in Deutschland so wenig gegründet wie noch nie: Insbesondere die Zahlen im verarbeitenden Gewerbe sind deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig ist im Jahr 2023 die Anzahl der Unternehmensschließungen in Relation zum Unternehmensbestand des Vorjahres (Schließungsquote) für Familienunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten zwar höher als für andere Unternehmen dieser Größenklasse. 

Seit dem Jahr 2002 steigt der Anteil eigentümergeführter Familienunternehmen, die vermutlich aus Altersgründen geschlossen wurden. Dabei sollte bedacht werden, dass ein Großteil dieser Schließungen in Unternehmen ohne Mitarbeiter erfolgte oder in kleinen Unternehmen. Womöglich war eine Fortführung des Unternehmens gar nicht vom Eigentümer vorgesehen.

Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 61 bis 78.
Die größten deutschen Familienunternehmen auf den Plätzen 61 bis 72.

Portrait Dörte Neitzel Redakteurin Technik+Einkauf

Die Autorin: Dörte Neitzel

Dörte Neitzel ist Wissens- und Infografik-Junkie vom Dienst. Dinge und Zusammenhänge zu erklären ist ihr Ding, daher beschreibt sie sich selbst auch gern als Erklärbärin mit Hang zur Wirtschaft – was einem lange zurückliegenden VWL-Studium geschuldet ist. Nach einigen Stationen im Fachjournalismus lebt sie dieses Faible bevorzugt auf der Webseite der TECHNIK+EINKAUF aus und taucht besonders gern ab in die Themen Rohstoffe und erneuerbare Energien.

Privat ist Südfrankreich für sie zur zweiten Heimat geworden, alternativ ist sie in der heimischen Werkstatt beim Schleifen, Ölen und Malern alter Möbel zu finden oder in südbayerischen Berg-und-See-Gefilden mit Hund im Gepäck unterwegs.

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FAQ - deutsche Familienunternehmen

Was zeichnet deutsche Familienunternehmen aus?

Sie gelten als besonders widerstandsfähig und wachstumsstark, was sich im globalen Vergleich der 500 größten Familienunternehmen widerspiegelt. Der Index zeigt, dass Familienunternehmen weltweit – darunter viele deutsche – langfristig orientiert agieren und stabile Wertschöpfung erzielen.

Wie entwickeln sich Familienunternehmen im Hinblick auf Wachstum und Marktaktivität?

Die größten Familienunternehmen verzeichneten 2024 ein Umsatzwachstum von rund 10 Prozent gegenüber 2023. Zudem waren fast die Hälfte der gelisteten Unternehmen in den letzten zwei Jahren an M&A‑Transaktionen beteiligt, was ihre strategische Anpassungsfähigkeit unterstreicht.

Welche Rolle spielen Familienunternehmen für Beschäftigung weltweit?

Die im Global Family Index erfassten Unternehmen beschäftigen über 25 Millionen Menschen in 44 Ländern. Damit leisten sie einen bedeutenden Beitrag zu stabilen globalen Arbeitsmärkten und langfristiger Beschäftigungssicherheit.

Welche Herausforderungen und Chancen zeigt der Index für Familienunternehmen auf?

Der Bericht macht deutlich, dass Familienunternehmen trotz globaler Unsicherheiten weiterhin stark performen und sich durch hohe Resilienz auszeichnen. Gleichzeitig erfordert der zunehmende Wettbewerbsdruck kontinuierliche Innovation und strategische Weiterentwicklung.