Containerschiff auf dem Meer vor einem Sonnenuntergang

Covid-19 hält die Welt weiterhin in Atem - kaum ein Wirtschaftszweig kann sich den Folgen entziehen. Doch wie stark sind die Lieferketten betroffen? - Bild: pixabay

Die Corona-Krise weitet sich fast täglich aus. Mit den rasant steigenden Zahlen an Infizierten steigen auch die Herausforderungen an die Unternehmen, Einkäufer und Supply Chain Manager. Daher hat der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik seine Fachgruppen-Mitglieder nach den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise gefragt.

Ein Ergebnis einer interaktiven Sitzung des BME ergab: „Die aktuelle Situation und die neuen Anforderungen an den Einkauf und die Lieferketten sind, dass sich diese derzeit täglich ändern. Diese hohe Dynamik zu organisieren und zu kontrollieren, ist eine große Herausforderung“, betonte Olaf Holzgrefe, Leiter International des BME. Was gestern noch unkritisch war, könne sich heute schon komplett geändert haben.

Die Krise erreicht Stück für Stück immer mehr Unternehmen. Stand Montag 30. März bezeichneten 50 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe und Konzerne die Auswirkungen der Krise als „nicht spürbar oder leicht“. 27 Prozent meldeten „spürbare Auswirkungen“ und bereits 23 Prozent „starke bis kritische Auswirkungen“, wobei sich einzelne Industrien unterscheiden.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Ein eher überraschendes Ergebnis der Umfrage: Mit knapp 70 Prozent sind Lieferverzögerungen aktuell das größte Problem und damit deutlich vor dem Lieferausfall, der mit „noch“ knapp zehn Prozent deutlich dahinter rangiert. Damit lässt das Thema die weiteren Herausforderungen wie Preiserhöhungen und Insolvenzen hinter sich.

Deutlich wird aber auch hier das Thema „Unsicherheit“. „Es lässt sich aktuell schwer voraussagen, ob es bei der Lieferverzögerung bleibt oder ob daraus doch ein Lieferausfall entwickeln kann,“ so Judith Richard, Referentin der Fachgruppe „Lieferantenmanagement“ des BME. Ganz konkret ist es die Frage der Verlässlichkeit von Planung und Aussage im Bereich von Lieferterminzusagen oder Auftragsbestätigung. Neben den operativen Herausforderungen in der Lieferkette beschäftigt auch den Einkauf das Thema Liquidität.

Neu an dieser Krise sind die vollkommen neuen Herausforderungen. So geht die operative Lösung der Krise einher mit einer für viele Unternehmen neue Arbeitsorganisation durch „dezentrales Arbeiten“ und Home Office. Zudem ist auch die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Hygieneartikeln für die Belegschaft ein großes Problem. Interessant ist dabei jedoch, dass deutsche Unternehmen hier auch teilweise Ihren Lieferanten finanziell helfen, selbst Schutzausrüstungen zu kaufen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Eine weitere Entwicklung sind die steigenden Luftfrachtpreise aus China und natürlich die Bevorzugung von Hygieneartikel die Kapazitäten zusätzlich verknappt. Wie vernetzt die Logistikketten sind, zeigt die Aussage eines Einkäufers: „Für unser Unternehmen hat auch die Einstellung der Fährschifffahrt auf dem Mittelmeer Folgen, fallen doch durch die Fährschiffe wichtige Frachtkapazitäten weg.“

Die Frage nach der Zukunft ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu beantworten. „Wir können aktuell nur reagieren nicht agieren“ so die Einkäufer. Aber erste Trends zeichnen sich ab. Einzelne Unternehmen bauen Lagerbestände auf oder rücken vereinzelt von Just in Time ab. Einigkeit besteht allerdings bei einer Mehrheit der befragten Unternehmen, dass diese Krise das Thema Digitalisierung beschleunigen wird – unter anderem auch, um mehr Transparenz in der Lieferkette zu erhalten.

Die Frage, wie lange sich diese Krise auswirken wird, beantworteten die vom Einkäuferverband befragten Unternehmen mit dem Hinweis: Die Überwindung der Krise ist das Eine, bis wir wieder auf dem Niveau von 2019 sind, eine ganz andere Frage.