LED-Lampen hintereinandergereiht

Der Trend beim weltweiten Energieverbrauch zeigt nach oben. (Bild: Pixabay)

| von Dörte Neitzel

Während der aktuellen Corona-Krise sinkt der weltweite Energieverbrauch, besonders der von Erdöl. Die Folge: ein Überangebot. Doch bereits vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie war der Markt mit Erdöl weitestgehend gesättigt. Dadurch sinken zwar im Augenblick die Emissionen von Treibhausgasen, dennoch ist nicht absehbar, ob diese Entwicklung den langfristigen Trend eines weltweit wachsenden Energiebedarfs brechen wird. Das geht aus der neuen Energiestudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hervor.

Der Anstieg der Nachfrage geht vor allem von den Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Sie stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliche Entwicklung und steigenden Wohlstand mit dem Klimaschutzziel in Balance zu bringen. Dabei gehen die Schwellenländer sehr unterschiedliche Wege. So hatte Indien beispielsweise 2010 einen Primärenergiebedarf von 539 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten, acht Jahre später betrug der Bedarf bereits 809 Millionen Tonnen. Ein Zuwachs von etwa 50 Prozent. Indien deckt seinen Mehrbedarf im Wesentlichen durch den Energieträger Kohle.

China und EU bevorzugen Erneuerbare

China hingegen setzt weitaus stärker auf regenerative Energien. „China ist beim Ausbau der erneuerbaren Energien mit Abstand führend“, sagt Michael Schauer, BGR-Wissenschaftler für erneuerbare Energien und Co-Autor der Energiestudie. „Allein bei der Photovoltaik ging zuletzt die Hälfte der in einem Jahr weltweit neu installierten Leistung auf das Konto von China – 50 von insgesamt 100 Gigawatt.“ Zum Vergleich: In Deutschland stehen insgesamt knapp 46 GW installierte Leistung aus Photovoltaik zur Verfügung, in China sind es 174 GW.

Die Europäische Union ist eine der wenigen Regionen weltweit, in denen der Energieverbrauch nicht steigt. Zwischen 2010 bis 2018 wurde der Studie zufolge in der EU 4,4 Prozent weniger Energie verbraucht. Jedoch decken auch hier die fossilen Energieträger und die Kernenergie mit rund 80 Prozent immer noch den Löwenanteil des Bedarfs. „Alle europäische Staaten sind dabei, ihre Energieversorgung grundlegend umzustellen, weg von nuklearen und fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien“, erläutert Dr. Dieter Franke, BGR-Wissenschaftler für Erdgas. „Ihr Anteil am europäischen Energieverbrauch wuchs zwischen 2010 und 2018 von 13 auf 18 Prozent.“

Weltkarte mit den größten Nutzern erneuerbarer Energien zur Elektrizitätserzeugung 2018
Die größten Nutzer erneuerbarer Energien zur Elektrizitätserzeugung 2018. (Grafik: BGR, Energiestudie 2019)

Erdgas als sinnvolle Brücke?

Die Energiestudie kommt jedoch auch zu dem Schluss, dass kurz- und mittelfristig die Erdgasnutzung als flexible Brückentechnologie neben den erneuerbaren Energien an Bedeutung gewinnen wird. Erdgas weist im Vergleich zur Erdöl und Kohle die geringsten spezifischen CO2-Emissionen auf.

Die BGR legt mit ihrer jährlich erscheinenden Energiestudie jeweils aktuelle Daten zur weltweiten Energierohstoffversorgung und zum Handel mit den fossilen Energieträgern Erdgas, Erdöl und Kohle sowie mit Kernbrennstoffen vor. Dazu liefert die Studie Informationen zur globalen Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Mit den recherchierten Daten stellt die BGR einen wichtigen Beitrag für eine faktenbasierte Diskussion über das vielschichtige und komplexe Thema der nachhaltigen Energieversorgung zur Verfügung.

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