Rohstoff Helium

Beschaffung Helium: So alt wie das Universum

In Technologien wie der Halbleiterherstellung, Kernspintomographie und dem Quantencomputing, aber auch der additiven Fertigung ist Helium nicht zu ersetzen. Alles über das multifunktionale Edelgas

Helium in Flaschen
Helium in Flaschen: Förderung zusammen mit Erdgas.

Zehn Sekunden nach dem Urknall verschmolzen die ersten Wasserstoffatomkerne zu Helium. Nach wie vor entsteht das farb- und geruchlose, ungiftige Gas bei der Kernfusion im Inneren von Sternen wie der Sonne. Im Universum ist Helium daher das zweithäufigste Element nach Wasserstoff. Doch es ist auch der Rohstoff, der für viele industrielle Anwendungen gebraucht wird.

Auf der Erde ist das zweithäufigste Element des Universums selten

Nur auf der Erde ist es selten. Dort entsteht das Edelgas durch den radioaktiven Zerfall von Uran, Thorium oder Radium und sammelt sich dann in natürlichen Erdgaslagerstätten an. Diese enthalten oft bis zu 16 Prozent Helium. In Regionen mit aktivem Vulkanismus dringt das Element mit der Ordnungszahl 22 zudem aus tieferen Erdschichten an die Oberfläche.

So stießen Geologen 2016 im vulkanisch aktiven ostafrikanischen Graben in Tansania auf Heliumvorräte, mit denen die Welt ihren Bedarf an dem Rohstoff sieben Jahre lang decken könnte. Auch entlang der Rocky Mountains könnte die dortige Plattenverschiebung das Gas aus den Tiefen der Erde bis knapp unter deren Oberfläche befördert haben.

Nebenprodukt der Erdgasförderung

Solche Funde sind jedoch Zufallstreffer. Geologen kennen keine Erkundungsstrategien, mit denen sie Helium-Lagerstätten in vulkanisch und seismisch aktiven Zonen systematisch suchen könnten. Neues Helium finden sie daher in der Regel nur, wenn sie Erdgaslagerstätten erschließen.

Die größten Lieferanten des Edelgases sind deshalb auch jene Länder, die die Welt mit fossilen Brennstoffen versorgen. Im Jahr 2025 stammten 42% oder 81 Mio. Kubikmeter der weltweit angebotenen 190 Mio. Kubikmeter Helium aus den USA. Katar steuerte 33% oder 63 Mio. Kubikmeter zum globalen Angebot bei. Russland ist mit 18 Mio. auf dem dritten Platz. 

Heliumproduktion weltweit 2025

Land Mio. Kubikmeter
USA81
Katar63
Russland18
Algerien11
Kanada0,6
Polen3
China3
Gesamt190

Quelle: USGS

Insgesamt, so die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), gibt es weltweit nur acht wirklich bedeutende Lieferländer. Neben den USA, Katar und Russland sind das Algerien, Polen, Kanada und China.

Angespannte Versorgungslage trotz ausreichender Produktionskapazitäten

Theoretisch könnten diese Staaten jedes Jahr 252 Mio. Kubikmeter des Edelgases gewinnen – 50 Mio. Kubikmeter mehr als Unternehmen weltweit benötigen. Doch während Russland und Polen die Welt mit gleichbleibenden Mengen beliefern, geht das Angebot aus den übrigen Staaten zurück. 

So verkaufen die USA seit 2018 aus dem staatlichen Speicher in Cliffside in Texas kein Helium mehr an private Kunden. Die Förderung des zweitgrößten Lieferanten Katar brach im selben Jahr um 27% ein. Und auch im aktuellen Irankrieg liegen die Förderanlagen des wichtigen Lieferanten aus Nahost fast komplett brach.

Luftfahrtballons
Helium wird unter anderem als Beimischung für Ballons verwendet.

Heliumpreis mit Schwankungen

Die Preise für Helium sind im Jahr 2022  explodiert. So kostete ein Liter 46 EUR. Seitdem gehen die Heliumpreise wieder zurück, mit leichten Ausschlägen 2024 und 2025. Aktuell (30. März 2026) nur noch 0,97 EUR.

Unverzichtbarer Rohstoff für Zukunftstechnologien

Auf das Edelgas verzichten können Unternehmen nicht. Kein anderes Element ist chemisch so reaktionsträge und bei 271 Grad Celsius unter Null, also nur gut zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt, noch flüssig. Deshalb ist es der geeignete Stoff, um die supraleitenden Magneten in Kernspintomografen sowie im Teilchenbeschleuniger des Forschungszentrums Cern in Genf oder die Chips in Quantencomputern zu kühlen.

In Weltraumraketen hält Helium den Druck in den Treibstofftanks aufrecht. Bei der additiven Fertigung treten weniger Spratzer auf, wenn Bauteile in Helium gefüllten Räumen gedruckt werden. Die erzeugten Werkstücke sind stabiler, weil sie weniger Poren haben. Außerdem verläuft der Druckvorgang schneller.

Ohne Helium geht Tauchern der Atem aus

Helium wird auch in der Halbleiterfertigung und der Gaschromatografie eingesetzt. Mit ihm lässt sich prüfen, ob Bauteile dicht sind. Das Gas ist unverzichtbar, um unter Wasser zu schweißen. Mit ihm werden Seitenairbags gefüllt. Es lässt Wetterballone und Zeppeline aufsteigen und füllt als Zusatz die Luftflaschen von Tiefseetauchern.

Lange diente Helium auch als Füllstoff für Partyluftballons. Ob das eine Zukunft hat, bleibt bei der angespannten Versorgungslage für das seit dem Urknall existierende Edelgas abzuwarten.

Einkauf Rohstoff Helium

Beschreibung

  • chemisches Element "He" mit der Ordnungszahl 22
  • Farbloses, unsichtbares und ungiftiges Edelgas.
  • Helium ist chemisch extrem reaktionsträge und noch bei 271 Grad Celsius unter Null flüssig wird.

Verwendung

  • Kühlmittel für alle kryogenen Andwendungen (z.B. in Kernspintomografen oder Quantencomputern)
  • Zusatz zu Raketentreibstoffen und der Atemluft in Taucherflaschen
  • Halbleiterfertigung
  • Gaschromatografie sowie Dichtheitsprüfungen von Bauteilen
  • Trägerstoff für Wetterballone und Zeppeline
  • Medium, in dem additive Fertigungsprozesse effizienter ablaufen

Größte Lieferländer von Helium

  1. USA (81 Mio. cm)
  2. Katar (63 Mio. cm)
  3. Russland (18 Mio. cm)
  4. Algerien (11 Mio. cm)
  5. Polen (3 Mio. cm)
  6. China (3 Mio. cm)

Vorhandene Ressourcen

ca. 31,3 Mrd. Kubikmeter

Recyclingquote

Anlagen mit geschlossenen Heliumkreisläufen verwenden große Teile des eingefüllten Edelgases wieder. Dennoch lässt sich das Element grundsätzlich nicht recyceln. Tritt es in die Atmosphäre aus, steigt es auf und vergast in den Weltraum.

Substituierbarkeit

In kryogenen Anwendungen gibt es für Temperaturen unterhalb von -256 Grad keinen Ersatz für Helium. Beim Schweißen lässt sich das Element durch Argon ersetzen, als Trägergas auch durch Wasserstoff, solange keine Brandgefahr besteht.

Globale Produktion von Helum im Jahr 2025

190 Mio. Kubikmeter

FAQ - Helium

Was ist Helium und wofür wird es verwendet? 

Helium ist ein farb- und geruchloses Edelgas, das vor allem für Ballons, in der Medizin (z. B. MRT-Kühlung), in der Raumfahrt sowie in der Halbleiter- und Glasfaserproduktion eingesetzt wird.

Warum ist Helium so besonders? 

Helium ist chemisch inert, also extrem reaktionsträge, und hat den niedrigsten Siedepunkt aller Elemente. Dadurch eignet es sich hervorragend als Kühlmittel für Hochtechnologie-Anwendungen.

Ist Helium ein knappes Gut?

 Ja, Helium ist eine endliche Ressource. Es entsteht über Millionen Jahre durch radioaktiven Zerfall in der Erdkruste und kann nach der Freisetzung nicht wirtschaftlich zurückgewonnen werden.

Kann Helium ersetzt werden?

In einigen Anwendungen gibt es Alternativen, etwa Wasserstoff oder Stickstoff. In vielen Hightech-Bereichen – insbesondere bei extrem niedrigen Temperaturen – bleibt Helium jedoch unersetzlich.