Was die virtuelle Fertigungssteuerung aus der Cloud bringt
Durch den Einsatz von cloud-basierten Steuerungen kann das produzierende Gewerbe seine Kosten deutlich senken. Als Spezialist für HMI-Komplettsysteme weiß Rose, wo die größten Sparpotenziale bei den ausgelagerten Steuerungslösungen liegen - und was die Schlüsselrolle spielt.
Kathrin IrmerKathrinIrmer
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Die Panel PC werden modular gefertigt und können daher exakt an die Anforderungen der jeweiligen Anwendung angepasst werden.Rose Systemtechnik GmbH
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Im Frühjahr
2025 startete Audi am Standort Heilbronn eine kleine Revolution: Die weltweit
erste Karosserie-Fertigung, die auf einer virtuellen speicherprogrammierbaren
Steuerung mit Sicherheitsfunktion von Siemens basiert. Die Steuerung befindet
sich in einer lokalen Cloud und ermöglicht die flexible datengetriebene
Produktion sowie die Überwachung und Steuerung der Fertigung in Echtzeit von
jedem beliebigen Ort aus. Audi erhofft sich von der Implementierung der Cloud-Steuerung
eine Steigerung der Agilität, Effizienz und Sicherheit in der Produktion. Das
Ziel: eine flexiblere, zukunftsfähige Fertigung.
Cloud-basierte
Steuerungen übernehmen die Aufgaben einer klassischen speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS), sie laufen aber
nicht mehr auf einem Panel PC direkt an einem Arbeitsplatz in der Fertigung,
sondern in einem Rechenzentrum. Das befindet sich entweder auf dem
Firmengelände oder bei einem externen Dienstleister. Die Monitore direkt an der
Fertigungslinie dienen „nur noch“ der Visualisierung der an den dortigen
Montageplätzen ablaufenden Arbeitsschritte. Auf ihnen wird keine
Steuerungssoftware mehr gehostet.
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Software-SPS
hat der Cloud-Version den Weg bereitet
Die Verlagerung
von Maschinen- und Prozesssteuerungen in die Cloud ist eine logische Weiterentwicklung
der Software-SPSen, die sich in den letzten zehn Jahren mehr und mehr etabliert
haben. Im Gegensatz zu einer klassischen Hardware-SPS benötigt eine Software-SPS keine spezifische Hardware mehr als Basis, sondern kann auf normalen PCs betrieben
werden. Der Anwender kann für die SPS also seine ohnehin vorhandene
IT-Infrastruktur nutzen. Das spart Kosten und erhöht die Flexibilität, da sich
die Steuerung an sich ändernde Produktionsbedingungen
anpassen lässt.
Jeder Panel PC wird nach den Anforderungen der jeweiligen Applikation konfiguriert.Rose Systemtechnik GmbH)
Nachdem sich Software-SPSen
immer weiter verbreiteten, war es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste
Schritt erfolgte: Die Auslagerung der Anlagensteuerung in die Cloud. „Das ist
besonders bei komplexen Fertigungsanlagen sinnvoll“, meint Nils Stello, Geschäftsbereichsleiter
HMI bei Rose Systemtechnik. Er verantwortet bei Rose die Entwicklung und
Fertigung von Panel PC, Industriemonitoren, Steuergehäusen, Handbediengeräten sowie
Geräteträgersystemen.
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Bei seinen Kundenbesuchen
erfährt Stello aus erster Hand, was die Industrie aktuell beschäftigt. „Wir
sind gerade mit einem namhaften Unternehmen im Gespräch, das sich vorstellen
kann, in einigen Jahren seine gesamte Fertigung aus der Cloud zu steuern.“ Die
Firma hat aktuell Panel PC von Rose im Einsatz, die in einigen Jahren das Ende
ihrer Lebensdauer erreichen werden. Nils Stello und seine Kollegen konzipieren deshalb
schon jetzt die Nachfolge-Generation der Industrie-PC und definieren dazu die
Anforderungen an die Gehäuse der neuen Geräte.
Kompaktere
Gehäuseform eröffnet viele Optionen
Da durch den
Einsatz einer virtuellen Steuerung auf den Panel PC in der Fertigung keine SPS mehr
laufen muss, können die Gehäuse für die künftigen PC des Kunden deutlich
flacher als bisher designt werden. „Mit einer cloud-basierten Steuerung müssen
die einzelnen PC nicht mehr mit einem so leistungsstarken Prozessor wie heute
ausgerüstet werden“, erklärt Nils Stello die Folgen der Virtualisierung. Bisher
stieg die Verlustleistung des Mainboards von einer Panel PC-Generation zur
nächsten auf zuletzt etwa 45 Watt. „Durch die
Verwendung einer cloud-basierten Steuerung bräuchte man statt eines Mainboards nur
noch ein Singleboard für den jeweiligen PC an der Fertigungslinie, und das hat
eine Verlustleistung von lediglich rund 5 Watt“, so Stello. Das Board würde also
kaum Wärme abgeben und damit gäbe es auch keinen Bedarf mehr für einen
Rippenkühlkörper, der bisher viel Platz im Gehäuse der Geräte beansprucht.
„Ich habe durch
die Verwendung eines Singleboards ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten beim
Gehäuse des Panel PC“, erzählt Nils Stello. Der Anwender könnte zum Beispiiel ein
Edelstahlgehäuse wählen, was vorher unter Umständen problematisch gewesen wäre,
weil Edelstahl sich zusätzlich aufheizt und die Wärme schlecht abzuleiten ist. Der Bauraum im Gehäuse der Panel PC verändert sich durch den Umstieg auf eine Cloud-Steuerung verändert.
Geringere
Rechenleistung senkt die Gerätekosten
Eine
cloud-basierte Steuerung erweitert also zum einen die Design-Optionen bei Panel
PC und ermöglicht zum anderen eine wesentlich kompaktere Konstruktion der Geräte.
Diese beanspruchen nicht nur viel weniger Bauraum in der Applikation – sie sind
dank der kleineren Platine auch günstiger in der Herstellung. „Ein Singleboard
kostet in der Anschaffung etwa ein Fünftel des Preises eines Mainboards“,
beschreibt Stello das Einsparpotenzial. Bei komplexen Fertigungsanlagen mit
einer Vielzahl von Geräten kommen schnell größere Summen zusammen.
Das
vergleichsweise geringe Gewicht von Panel PC in Anlagen mit cloud-basierter
Steuerung wirkt sich auch auf die Auslegung des Geräteträgersystems aus, mit
dem die Geräte an die Anwendung angebunden werden. Da die Tragarmsysteme
wesentlich kleinere Lasten tragen müssen, können sie auch deutlich kleiner
dimensioniert werden. „Wir bauen
unser Geräteträger-Portfolio deshalb konsequent mit leichteren Ausführungen
aus, die sich besonders für diese Anwendungen eignen.“
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Das Unternehmen: Rose Systemtechnik
Rose Systemtechnik wurde
1969 in Porta Westfalica gegründet und ist mit mehr als 365 Mitarbeitenden
allein in Deutschland ein Anbieter von industrieller Gehäuse-Systemtechnik. International beschäftigt das Unternehmen
für die Gehäusesparte sogar 2.190 Angestellte. Im Verbund der Phoenix Mecano AG
(Schweiz) mit rund 8.150 Mitarbeitenden entwickelt und produziert Rose Systemtechnik Industriegehäuse und Systemlösungen für die
Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, Automatisierungstechnik,
explosionsgefährdete Bereiche, MSR-Technik sowie die Nahrungs- und
Genussmittelindustrie. Die Standard-Industriegehäuse werden aus Aluminium ,
Edelstahl und Kunststoffen gefertigt. Ergänzend hat sich das Unternehmen auf
Bedien- und Anzeigengehäuse für HMI-Anwendungen (Human-Machine-Interface) spezialisiert. Zu diesem
Produktportfolio gehören Panel PCs, Industrie-Monitore, Embedded PCs, mobile
HMI-Lösungen und Tragarmsysteme. Darüber hinaus bilden Ex-geschützte Verteilergehäuse und
Control Stations für die Petrochemie und die chemische Industrie (On- und
Offshore) bei Rose Systemtechnik die dritte Produktsparte.
FAQ - cloud-basierte SPS
Was ist eine cloud-basierte SPS?
Eine cloud-basierte SPS ist eine virtuelle speicherprogrammierbare Steuerung. ie befindet sich in einer lokalen Cloud und steuert die Produktion flexibel datengetrieben sowie in Echtzeit von jedem Ort aus. Sie soll die Fertigung agiler und effizienter machen.
Was unterscheidet eine cloud-basierte Steuerung von einer klassischen SPS?
Bei einer cloud-basierten Steuerung laufen die SPS-Funktionen nicht mehr auf einem lokalen PC in der Fertigung, sondern in einem Rechenzentrum auf dem Firmengelände oder extern. Die Monitore an der Linie dienen nur noch der Visualisierung von Arbeitsschritten, jedoch ohne eigene Steuerungssoftware.
Wie hat die Software-SPS den Weg zur Cloud geebnet?
Software-SPS etablierte sich in den letzten zehn Jahren, da sie keine spezifische Hardware mehr braucht und auf normalen PCs laufen kann. Das sparte bereits Kosten und erhöhte die Flexibilität für mögliche Produktionsänderungen. Wie bei vielen Softwareanwendungen war dies der logische Vorläufer für die vollständige Auslagerung der Steuerung in die Cloud.
Welche Vorteile bringen kompakte Gehäuse für Panel PCs?
Da die SPS-Software auf lokalen PCs nicht mehr notwendig ist, können Gehäuse flacher designt werden, beispielsweise mit energiearmen Singleboards, ohne Rippenkühlkörper. Durch die reduzierte Wärmeentwicklung sind dann Edelstahlgehäuse möglich, die Herstellungskosten können auf ein Fünftel sinken.
Wie wirkt sich Cloud-Steuerung auf Geräteträgersysteme aus?
Leichtere Panel PCs mit geringerem Gewicht erlauben kleinere, kompakte Tragarmsysteme. Hersteller wie Rose Systemtechnik erweitern ihr Portfolio um leichtere Ausführungen, die speziell für cloud-basierte Anwendungen entwickelt wurden und weniger Bauraum beanspruchen.