"Hydration Break" am Persischen Golf: Globale Wirtschaft bleibt angespannt
Trotz Entspannung in Sachen Irankrieg: Gestörte Lieferketten, hohe Energiepreise und anhaltende Unsicherheiten belasten die Weltwirtschaft weiterhin. Coface senkt deshalb die globale Wachstumsprognose für 2026.
Auch wenn es im Irankrieg nach einer Verschnaufpause aussieht, leiden die weltweiten Energie- und Warenlieferketten nach wie vor.Awais - stock.adobe.com
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Summary:Coface hat die globale Wachstumsprognose für 2026 auf 2,3 % gesenkt und die Risikobewertung von acht Ländern verschlechtert. Auslöser sind die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts und die Belastungen der internationalen Lieferketten. Besonders betroffen sind importabhängige Volkswirtschaften in Südostasien, Afrika sowie Teile des Nahen Ostens.
Warum Lieferketten weiter unter Druck stehen
Nach mehr als fünfzehn Wochen Konflikt sorgt das "Memorandum of Understanding" zwischen den USA und Iran vorübergehend für Entspannung. Wie Coface mitteilt, bleiben die wirtschaftlichen Folgen jedoch erheblich.
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"Die Straße von Hormus ist und bleibt ein zentraler Engpass für den Transport von Öl, Gas und wichtigen Vorprodukten. Besonders Südostasien und Ostafrika sind stark betroffen. Eine schnelle Normalisierung ist derzeit nicht in Sicht", erklärt Coface-Volkswirt Markus Kuger.
Die Auswirkungen reichen weit über die Region hinaus. Gestörte Lieferketten, steigende Preise und zunehmender finanzieller Druck belasten Unternehmen und Volkswirtschaften gleichermaßen. Vor diesem Hintergrund senkt Coface die globale Wachstumsprognose für 2026 auf 2,3 % und für 2027 auf 2,5 %. Insgesamt entspricht dies einem kumulierten Rückgang um 0,6 Prozentpunkte.
Wie wirken sich Energiepreise auf Unternehmen aus?
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Die Weltwirtschaft konnte die ersten Auswirkungen unter anderem durch Lagerbestände und Anpassungen auf der Nachfrageseite zunächst abfedern. Diese Reserven stoßen jedoch zunehmend an ihre Grenzen.
Produktionsstopps in einzelnen Branchen, steigende Inflation und restriktivere Finanzierungsbedingungen zählen inzwischen zu den ersten Belastungssignalen. Gleichzeitig verfügen Regierungen laut Coface nur noch über begrenzte Möglichkeiten, Konjunktur und Einkommen zu stützen.
Parallel geraten die internationalen Lieferketten erneut unter erheblichen Druck. Die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus hat den weltweiten Warenverkehr deutlich beeinträchtigt. Im Mai passierten lediglich 145 Schiffe die Handelsroute, gegenüber mehr als 3.300 im Vorjahr. Gleichzeitig erhöhen steigende Energiepreise die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für 2026 erwartet Coface einen durchschnittlichen Ölpreis von 85 USD pro Barrel.
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"Unternehmen berichten bereits von längeren Lieferzeiten, steigenden Kosten und ersten Engpässen. Viele reagieren mit vorsorglichem Lageraufbau, was Liquidität bindet und die Margen zusätzlich belastet", erklärt Markus Kuger.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, rechnet Coface zudem mit einem weltweiten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 %. Besonders betroffen könnten unter anderem die USA, Frankreich und Japan sein.
Welche Regionen sind besonders betroffen?
Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich weltweit, fallen regional jedoch unterschiedlich aus.
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Im Nahen Osten leiden insbesondere die Golfstaaten unter ihrer Abhängigkeit von der Straße von Hormus. In Europa belasten hohe Energiepreise und anhaltende Unsicherheit die Konjunktur. Für die Eurozone erwartet Coface lediglich ein Wachstum von 0,7 %.
In den USA ist die Inflation zwischen Februar und Mai von 2,4 % auf 4,2 % gestiegen. Dadurch sinken die realen Einkommen, insbesondere bei einkommensschwachen Haushalten.
In Asien entwickelt sich die Lage unterschiedlich. Während technologiegetriebene Bereiche wie die Halbleiterindustrie weiter wachsen, geraten das verarbeitende Gewerbe und konsumnahe Branchen zunehmend unter Margendruck.
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Auch Schwellenländer stehen unter Druck. In Lateinamerika wirken steigende Inflation und restriktivere Geldpolitik belastend. Für Brasilien nennt Coface einen Leitzins von 14,5 %.
Warum stuft Coface mehrere Länderrisiken herab?
Im aktuellen Risk Review hat Coface die Länderrisikobewertung mehrerer Volkswirtschaften nach unten angepasst. Das Länderrisiko beschreibt das allgemeine wirtschaftliche Umfeld eines Landes zur Bewertung lokaler Kreditrisiken.
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Besonders betroffen sind Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam. Alle vier Länder wurden von A4 auf B herabgestuft. Nach Angaben von Coface sind steigende Importkosten, Währungsabwertungen sowie zunehmende finanzielle und fiskalische Risiken die wesentlichen Ursachen.
"Konkret belasten höhere Energieimportkosten, wachsende Inflation und ein zunehmender Druck auf den Außenhandel die wirtschaftliche Stabilität dieser Länder. In Vietnam kommen zusätzlich steigende Produktionskosten und zunehmende Lieferkettenprobleme hinzu", sagt Markus Kuger.
Auch Kambodscha wurde von C auf D herabgestuft. Ausschlaggebend sind die hohe Abhängigkeit von Energieimporten sowie deutlich gestiegene Kosten.
In Afrika verschlechtert sich das Risikoumfeld ebenfalls. Tansania wurde von B auf C und Madagaskar von C auf D abgestuft. Hier wirken steigende Energie- und Transportkosten, Inflation, schwächere Nachfrage und strukturelle Verwundbarkeiten belastend.
Auch Kuwait wurde von A4 auf B herabgestuft. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, macht die starke Abhängigkeit vom Öltransport über die Straße von Hormus das Land besonders anfällig für die aktuellen Störungen.
Warum stehen die Lieferketten weiterhin unter Druck?
Trotz einer Verschnaufpause beeinträchtigt der Irankrieg weiterhin die Weltwirtschaft mit hohen Energiepreisen und Einschränkungen auf der Straße von Hormus.
Warum hat Coface die Wachstumsprognose gesenkt?
Coface erwartet anhaltende Belastungen durch gestörte Lieferketten, steigende Kosten und schwächere wirtschaftliche Dynamik.
Welche Länder hat Coface bei den Länderrisiken herabgestuft?
Herabgestuft wurden Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Tansania, Madagaskar und Kuwait.
Welche Folgen haben gestörte Lieferketten für Unternehmen?
Unternehmen berichten von längeren Lieferzeiten, höheren Kosten, Engpässen und zusätzlichem Liquiditätsbedarf durch den Aufbau von Lagerbeständen.
Welche Regionen sind besonders von den gestörten Lieferketten betroffen?
Besonders betroffen sind Südostasien, Teile Afrikas, die Golfstaaten sowie Volkswirtschaften mit hoher Importabhängigkeit.