Frau in Schutzkleidung hält mit einer Handgeste Menschen davon ab, näher zu kommen

Eine weitere Corona-Welle in asiatischen Ländern droht, Lieferketten erneut zusammenbrechen zu lassen. (Bild: Ramona Heim - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

In Indien steht die Corona-Alarmstufe schon längere Zeit auf dunkelrot. Eine verschleppte Impfstrategie und religiöse Großveranstaltungen haben die Zahlen in die Höhe getrieben. Die Folge: Wichtige Medikamente benötigt Indien jetzt selbst, der Einkauf von medizinischen Produkten aus dem Land gerät massiv ins Stocken oder kommt sogar komplett zum Erliegen.

Ähnlich könnte es nun in anderen asiatischen Ländern kommen: Auf viele der einstigen Musterschüler rollt aktuell eine zweite Corona-Welle zu. Betroffen sind neben Indien sowohl Taiwan als auch Singapur, Japan, Malaysia und Vietnam.

Aber auch in Thailand steigen die Zahlen - ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau - rasant an. Dort wiegte man sich ebenfalls in vermeintlicher Sicherheit trotz geringer Impfquoten.

Lockdowns und Quarantäne

Malaysia ist beispielsweise wegen seiner Elektronikfertigung ein wichtiger Zulieferer weltweit. Seit Mitte April rollt die zweite Welle an, nun verhängte die Regierung einen erneuten Lockdown über das Land.

Auch in Taiwan gelten verschärfte Maßnahmen, vorläufig bis zum 8. Juni. Das bedeutet wieder Temperaturmessungen, Kontaktnachverfolgung und strenge Maskenpflicht. Dabei ließen sich die Neuinfektionen nicht auf eine eindeutige Quelle zurückverfolgen, so der taiwanesische Gesundheitsminister. Unternehmen müssen ebenfalls strenge Maßnahmen umsetzen, andernfalls müssen sie schließen.

In Singapur gilt für Einreisende mittlerweile eine dreiwöchige Hotelquarantäne, Ausländer mit Arbeitserlaubnis dürfen bis Anfang Juli nicht einreisen. Weiters gelten Lockdown-ähnliche Maßnahmen mit Kontaktbeschränkungen und der Schließung der Gastronomie.

Lieferketten für Halbleiter & Co gefährdet

Besonders prekär ist die zweite Corona-Welle in Südostasien, da sie wichtige Lieferländer für elektronische Bauteile betrifft. Automobil- und Elektronikunternehmen klagen sowieso schon über fehlende Chips.

So hat der größte Fabrikant von Halbleitern, Taiwan Semiconductor Manufacuring (TSMC), besondere Schutzmaßnahmen ergriffen. So viele Mitarbeiter wie möglich werden ins Home Office beordert, denn mittlerweile verbreitet sich das Virus stark über lokale Infektionen, weniger über importierte Fälle.

Gleichzeitig sind bislang lediglich etwa ein Prozent der Bevölkerung Taiwans gegen Corona geimpft. Zum Vergleich: In Singapur sind es rund 35 Prozent mit wenigstens einer Dosis. Aber auch in Südkorea (3,4 Prozent) und Japan (2 Prozent) hinken in Sachen Impfung hinterher.

In Vietnam sieht es ähnlich düster aus: Auch hier haben lediglich ein Prozent der Bevölkerung bereits ihre erste Impfung erhalten. Zwar steigen die Zahlen aktuell noch nicht rasant an, allerdings macht die indische Corona-Mutation Sorge, sodass in einigen Regionen mit Industriezonen bereits wieder Lockdowns verhängt wurden.

So wurden in der letzten Zeit Mitarbeiter von etwa zehn ausländischen Herstellern, unter ihnen Samsung Electronics und Canon, positiv auf die indische Variante getestet. Samsung lässt im Norden Vietnams die Hälfte seiner Smartphones herstellen und auch Bosch fertigt seit geraumer Zeit in Vietnam Schubgliederbänder und betreibt Software-Entwicklungszentren.

Auch Schifffahrt betroffen

Wie zu Beginn der Pandemie könnte mit der erneuten Welle in Südostasien auch der Warenverkehr auf hoher See leiden. Denn Schiffsbesatzungen schleppen das Virus von Kontinent zu Kontinent.

So kamen mit dem Frachter Eaubonne beispielsweise nicht nur 3.000 Tonnen Reis von Kandla in Indien ins südafrikanische Durban. Ein Drittel der Besatzung brachte zudem die indische Corona-Mutation mit. Indische Häfen können derzeit nicht mehr oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen angelaufen werden, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Etwa 24.000 der 1,6 Millionen Seeleute weltweit stammen nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder aus Indien.

Daher wundert es nicht, wenn Häfen weltweit Maßnahmen ergreifen. Laut der Rating-Agentur Standard and Poor's verweigern mittlerweile einige Häfen die Einfahrt von Schiffen, die zuvor Häfen in Südasien angelaufen haben. So haben Singapur und die Vereinigten Arabischen Emiraten etwa Mannschaftswechsel verboten.

Diese Probleme gesellen sich zu den sowieso schon verzögerten Lieferzeiten, die durch Rohstoffmangel, Produktionsausfälle, fehlende Container und nicht zuletzt die Suez-Blockade entstanden sind.

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