Löten mit Zinn auf einem Mikrochip

Zinn wird unter anderem für die Elektronikindustrie benötigt. (Bild: Dmitrii - stock.adobe.com)

| von Dörte Neitzel

Mit 24.325 US-Dollar (Schlusskurs) markiert Zinn am 1. Februar 2021 ein vorläufiges 6,5-Jahreshoch. Seit mittlerweile zwölf Wochen kennt der Preis nur noch einen Weg: nach oben. Wird Zinn das nächste Gold? Ein Rohstoff, der - auch spekulativ getrieben - nie dagewesene Höhen erklimmt?

Wohl eher nicht, den spekulativ ist der aktuelle Preisanstieg von Zinn nicht bedingt. Auch ist Zinn keine "Sicherheitswährung" wie Gold es in Krisenzeiten wie diesen häufig ist. Schon eher gehört der Rohstoff zu den Gewinnern in der Coronakrise. Doch wie kann das sein?

Allein seit Jahresanfang (4. Januar 2021) stieg der Preis für Zinn um 15,64 Prozent. Seit 19. März 2020, dem letzten Tiefpunkt mit 13.388,50 US-Dollar (Schlusskurs), betrug die Steigerung sogar satte 81,68 Prozent.

Starke Nachfrage durch Elektronikindustrie

Der Zinnpreis wird derzeit sowohl von einer starken Nachfrage als auch von einem nicht ausreichenden Angebot nach oben getrieben, so Daniel Briesemann von Commerzbank Research. Gemäß den Daten und den Einschätzungen des World Bureau of Metal Statistics und der International Tin Association gab es im vergangenen Jahr ein zu geringes Angebot, sodass die Nachfrage in diesem größer ist.

Zudem kennt die Coronakrise noch einen anderen Profiteur: die Elektronikindustrie. Sie setzt Zinn als Lötmittel ein. Und Zinn als Lötmittel ist für etwa die Hälfte der gesamten Nachfrage nach dem Metall verantwortlich. Mikrochips werden aktuell in allen Bereichen nachgefragt: in der Unterhaltungsindustrie, bei den Computer-Herstellern und nicht zuletzt bei den Autoherstellern. Letztere klagen vehement über einen Mangel an Zuliefererteilen mit elektronischen Bauteilen.

Auch die Lagerbestände spiegeln die starke Zinnnachfrage wider: Die Vorräte der London Metal Exchange betragen mittlerweile nur noch 820 Tonnen (Opening Stock, 1. Februar 2021). Damit erreicht das Metall bald das 30-Jahrestief.

Laut den Analysten von Commerzbank Research seien 390 Tonnen Zinn sind zudem noch zur Auslieferung aus den LME-Lagerhäusern abgerufen. In den Lagerhäusern der Shanghai Futrures Exchange (SHFE) sehe es dagegen noch etwas entspannter aus: Dort lagerten Ende Januar noch rund 5.150 Tonnen Zinn.

 

Export aus Indonesien stockt

Die Rohstoffexperten gehen jedoch davon aus, dass die Zinnnachfrage langfristig von einigen Zukunftstrends wie den Elektroautos und der 5G-Technologie profitieren werde. Um diese Nachfrage zu befriedigen, bedürfe es aber mehr Angebot. Allerdings hat Indonesien, der weltgrößte Zinnexporteur, im letzten Jahr nur 65.600 Tonnen Zinn ausgeführt. Das war die geringste Menge seit vier Jahren.

Im November 2020 exportierte Indonesien so wenig wie seit 2,5 Jahren nicht mehr. Die indonesische Börse ICDX, über die Zinn gehandelt werden müsse, bevor es ausgeführt werde, habe seit Mitte Oktober wegen Unregelmäßigkeiten bei der Prüfung des Metalls den Handel weitgehend ausgesetzt.

Der hohe Zinnpreis könnte den Produzenten und Exporteuren aber ein Anreiz sein, wieder mehr zu produzieren und zu exportieren.

Aber auch die Preise vieler Industriemetalle sind in den vergangenen Wochen wieder gestiegen. So übersprang Kupfer am 20. Januar 2021 erstmals seit langem wieder der Marke von 8.000 US-Dollar pro Tonne nach dem Tief im März 2020 (4.617 US-Dollar).

Der Preis für Nickel steigt seit März 2020 ebenfalls wieder rasant an. Allein im Januar kletterte er zwischenzeitlich um knappe sechs Prozent, seit Beginn der Coronakrise Ende März 2020 waren es 60 Prozent Preiszuwachs. Das Metall findet vor allem Verwendung in der Stahlindustrie als Legierung. Nach dem Lockdown fuhr vor allem China seine Stahlerzeugung wieder hoch und bestimmt daher die Nachfrage nach Nickel.

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