Solarzellen, Halbleiter, Elektronikteile

Top 10 Polysilizium-Hersteller: Fast alle kommen aus China

Polysilizium ist unabdingbar für die Produktion von Solarzellen, Elektronikteilen und Halbleitern. Die zehn größten Hersteller des Rohstoffs sind fast alle in China beheimatet. Nur ein einziger westlicher Produzent schafft es in die Top 10 - und der kommt aus Deutschland.

Wacker Chemie Polysiliziumhersteller Ranking
Von den zehn größten Polysiliziumherstellern der Welt kommt nur ein Unternehmen aus dem Westen - genauer gesagt, aus Deutschland.

Neun der weltweit zehn größten Polysilizium-Hersteller sitzen heute in China. “Die chinesische Polysilizium-Industrie erreichte 2024 einen Anteil von 93,5% am globalen Ausstoß. Diese Dominanz spiegelt sich auch in der Rangliste der weltgrößten Hersteller wider”, sagt Johannes Bernreuter, Autor des Polysilicon Market Outlook 2029 und Kopf von Bernreuter Research.

Die Polysiliziumhersteller in der Top-10-Liste sind nicht nach Produktionskapazität, sondern nach tatsächlicher Produktion im Jahr 2024 gereiht. In einigen Fällen ist die Produktionskapazität deutlich höher als die Produktion, wenn die Kapazität noch nicht vollständig ausgeschöpft ist oder nicht voll ausgelastet ist.

Top 10: Das sind die größten Hersteller von Polysilizium

Seit 2022 sind die vier Spitzenpositionen in der Rangliste von dem chinesischen Quartett aus Tongwei, GCL Technology, Daqo New Energy und Xinte Energy besetzt. Die vier größten Hersteller erzielten 2024 nicht nur einen gemeinsamen Marktanteil von 65 %. Sie sind auch für den Löwenanteil der Überkapazität in China verantwortlich: Zwei Drittel der neuen Kapazität zwischen 2020 und 2024 wurden von Tongwei, GCL, Daqo und Xinte errichtet. “Daher ist es kein Wunder, dass die Top-Vier bis Ende 2024 auch zwei Drittel der riesigen Lagerbestände bei chinesischen Polysilizium-Herstellern anhäuften”, sagt Analyst Bernreuter.

Wacker Chemie: Gute Prognose – mit Vorbehalt

Wacker ist der einzige verbleibende nicht-chinesische Vertreter unter den Top 10. Der deutsche Chemiekonzern, der von 2016 bis 2019 weltgrößter Polysilizium-Hersteller war, fiel vom fünften Platz im Jahr 2022 auf den achten im Jahr 2024 zurück.

Angesichts der geplanten Konsolidierung der chinesischen Polysilizium-Industrie durch einen Übernahmefonds sieht Bernreuter Research eine gute Chance, dass Wacker mindestens bis 2027 in der Top-10-Rangliste bleiben wird. Allerdings kommt diese Prognose mit einem Vorbehalt: “Sie setzt voraus, dass der PV-Markt in den USA, dem Hauptzielland für Solarmodule aus nicht-chinesischem Polysilizium, sich vom scharfen Vorgehen der Trump-Regierung gegen erneuerbare Energien erholt”, sagt Bernreuter.

Nachdem die Verordnung der Europäischen Union über Zwangsarbeit im Dezember 2027 in Kraft tritt, könnte Wacker zudem von verstärkter europäischer Nachfrage nach Solarmodulen aus nicht-chinesischem Polysilizium profitieren.

Weitere nicht-chinesische Hersteller aus dem Ranking geflogen

Von den ehemals drei nicht-chinesischen Herstellern in den Top 10 der größten Polisilizium-Hersteller sind Hemlock Semiconductor (USA) und OCI (Südkorea/Malaysia) 2023 aus dem Ranking ausgeschieden, als der Schwellenwert für den zehntgrößten Hersteller auf einen jährlichen Ausstoß von 60.000 Tonnen stieg. 2024 landete Hemlock auf dem 14. Platz, OCI auf dem 16. Rang.

Beide Hersteller wurden von chinesischen Neueinsteigern überflügelt, Qinghai Lihao und Hongyuan Energy. Lihao stieg in das Ranking bereits 2023 im zweiten Jahr seines Betriebs ein. Dank starker Expansion sicherte sich die Firma 2024 den fünften Platz. Hongyuan stieg 2024 auf dem neunten Platz ein. Mit seiner vollständigen Integration von der Polysilizium-Produktion bis hin zur Solarmodulfertigung ist das Unternehmen eine Mini-Version von Marktführer Tongwei.

FAQ - Polysilizium und Polysiliziumhersteller

Was ist Polysilizium und wofür wird es verwendet?

Polysilizium ist hochreines, kristallines Silizium mit einer Reinheit von mindestens 99,9999%, das hauptsächlich für die Herstellung von Solarzellen und Halbleitern benötigt wird. Es bildet die Grundlage für Photovoltaikmodule und Computerchips, wodurch es für Energiewende und Digitalisierung unverzichtbar ist.

Wie wird Polysilizium hergestellt?

Polysilizium wird durch chemische Reinigungsverfahren aus metallurgischem Silizium gewonnen, wobei das Siemens-Verfahren am häufigsten eingesetzt wird. Dabei wird Silizium bei hohen Temperaturen mit Wasserstoff und Chlor behandelt, bis ultrahochreines Polysilizium entsteht.

Welche Länder sind die größten Polysiliziumhersteller?

China dominiert die globale Polysiliziumproduktion mit etwa 80-85% Marktanteil, hauptsächlich durch Hersteller in der Region Xinjiang. Weitere bedeutende Produzenten befinden sich in Deutschland, den USA, Südkorea und Norwegen.

Warum ist die Polysiliziumproduktion so energieintensiv?

Die Herstellung von Polysilizium erfordert extrem hohe Temperaturen von über 1000°C und aufwendige Reinigungsprozesse, was enorme Strommengen verbraucht. Pro Kilogramm Polysilizium werden je nach Verfahren zwischen 50 und 150 kWh Energie benötigt, weshalb günstige Strompreise für Hersteller entscheidend sind.

Welche Herausforderungen gibt es bei Polysilizium aus China?

Polysilizium aus der chinesischen Region Xinjiang steht wegen Menschenrechtsbedenken und möglicher Zwangsarbeit in der Kritik. Dies hat zu Importverboten in den USA und strengeren Lieferkettenprüfungen in Europa geführt, was die Beschaffung für Solarhersteller verkompliziert.

Wie entwickelt sich der Polysiliziumpreis?

Der Polysiliziumpreis ist stark volatil und wird von Angebot und Nachfrage der Solarindustrie bestimmt, wobei Überkapazitäten in China die Preise zuletzt unter Druck gesetzt haben. Zwischen 2020 und 2023 schwankten die Preise erheblich zwischen 6 und über 30 US-Dollar pro Kilogramm.

Gibt es Alternativen zu Polysilizium für Solarzellen?

Dünnschicht-Solarzellen aus Materialien wie Cadmiumtellurid oder CIGS benötigen kein Polysilizium, haben aber meist niedrigere Wirkungsgrade. Zukunftstechnologien wie Perowskit-Solarzellen könnten langfristig eine Alternative darstellen, sind jedoch noch nicht marktreif für die Massenproduktion.